Schreiben, was Sache ist. (Header: Neue Debatte)

Über die Gelbe Gefahr bis zu den Prophezeiungen des Nostradamus

Gestern, am späten Abend, schickte mir jemand im Messenger ein Video mit dem Kommentar, so etwas mache ihm Angst. Da ich den Mann kenne und zu ihm ein Vertrauensverhältnis pflege, sah ich mir das circa fünfminütige Produkt an.

Eine steile These

Ohne die abgegriffene Terminologie benutzen zu wollen, die durch verschiedene Infiltrationskanäle auf uns einsickert und den Verstand vernebeln soll, ist von einem Werk zu sprechen, das seinerseits hauptsächlich mit Suggestionen arbeitet. Unter dem – übersetzten – Titel, ist zu begreifen, dass da etwas Schlüpfriges herrscht unter uns.

Und dann werden, natürlich, wie es im Manipulationsgewerbe üblich ist, immer wieder Fragen gestellt, die man sich stellen kann, die in ihrer Ansammlung jedoch einen eindeutigen Fokus haben. Nämlich eine steile These zu untermauern, die, würde sie so und kalt in den neuen Tag gesprochen, bei vielen doch ein eher mitleidiges Lächeln ausgelösen würde. In der konstruierten Summe von berechtigten Fragen aber scheint die These dann doch nicht mehr soweit hergeholt.

In dem benannten Video ging es übrigens darum, China, das heißt, die chinesische politische Führung als Master Mind der Corona-Krise auszudeuten. Selbst im eigenen Land des Ausbruchs der Epidemie ansässig, sei diese Nomenklatura vollständig davon verschont geblieben und hätte es mit der Infekt-Inszenierung geschafft, die gesamte konkurrierende Weltwirtschaft lahmzulegen. Ist doch logisch, oder?

Wer das Werk bis zum Ende verfolgt, was, obwohl es nur fünf Minuten beansprucht, sehr viel Disziplin eines unwilligen Geistes erfordert, der muss zu dem Schluss kommen, dass es an der Zeit ist, diesem Zentrum des Bösen das Licht auszublasen. Das Logo, unter dem das Lehrstück der Mystifikation in Umlauf gekommen ist, gehört übrigens zu einer in Singapur ansässigen Marketing-Firma, die sich für vieles beauftragen lässt, wenn die Kasse stimmt.

So ist die die Vermutung nicht falsch, dass nicht das Unternehmen selbst auf die Idee kam, so etwas zu produzieren, sondern dass es einen Auftrag von interessierter Seite gegeben haben muss.

Die Entladung der Angst

Angst ist relativ abstrakt, sie kann sich ihr Ventil in allem Möglichen, vom Zufall generierten, abarbeiten. Furcht hingegen ist die Konkretisierung der Angst. Furcht vor etwas zu haben ist zielführender als Angst schlechthin. In Zeiten einer global flächendeckenden Bedrohung, in der zunächst die Angst als Massenphänomen ausgemacht werden kann, ist alles möglich.

Die durch die Angst akkumulierte negative Energie kann sich überall entladen. Der Ausbruch, der irgendwann kommen muss, kann sich richten gegen falsche Boten, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sind und ausgerechnet im Moment der Explosion im Blickfeld erscheinen. Er kann sich aber auch gegen jene richten, die zwar nicht die Epidemie, die aber die progressive Verschlechterung der Lebensverhältnisse vieler zu verantworten haben – und mehr in Tränengas investieren denn in Desinfektionsmittel.

Allein die Möglichkeit, dass es Letztere trifft, mag genügen, um schleunigst an Feindbildern zu arbeiten, um sie zum kritischen Zeitpunkt als Blitzableiter nutzen zu können.

Die Etablierung von Feindbildern

Gegen den Versuch, die Komplexität der vernetzten Welt auch mit eindeutigen Feindbildern zu erklären, ist anscheinend niemand gefeit. Auch in Deutschland, in dem gerne und viel mit Fakten gehandelt und der Fokus auf die Organisation in Krisen gelegt wird, arbeiten Abteilungen des meinungsbildenden Sektors daran, gezielt Stimmungen zu erzeugen und konkrete Feindbilder zu etablieren.

Bei den Haltungen im Kontext der Corona-Krise ist der Rat wertvoll, sich immer anzuschauen, wer welche Expertinnen und Experten finanziert. Und bei der politischen Etablierung von Feindbildern ist ebenfalls darauf zu achten, von wem die Feindbildproduzenten protegiert werden.

Und vielleicht ein Rat an alle, die sich in diesem Prozess allzu gerne instrumentalisieren lassen: Wer jetzt damit beginnt, von der Gelben Gefahr zu reden, darf sich nicht wundern, wenn er selbst ganz schnell aufgrund einer Verheißung des Nostradamus existenziell bedroht ist.



Illustration: Neue Debatte

Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Seine gegenwärtigen Schwerpunkte sind Beratung, Lehre und Publizistik. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure.

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2 Responses

  1. Morgentau sagt:

    Sollten die Amerikaner Recht haben, dass das Virus aus einem Labor stammt, so haben sie sich mit dieser Aussage selbst überführt. Denn Wissenschaftler haben im Rahmen eines vom US-amerikanischen National Institute of Health (NIH) finanzierten Projekts Experimente an Fledermäusen durchgeführt. Dem Labor in Wuhan wurde dafür von der Obama-Administration ein Fonds von 3,7 Millionen Dollar im Jahre 2015 gewährt.
    HINWEIS ADMIN: Link gelöscht. Bitte lesen Sie die Hinweise zu Links/Verlinkungen zu Webseiten in der Netiquette und belegen Sie bitte die Behauptung mit Quellen, die es erlauben, die Aussage nachzuvollziehen.

    Die Wahrheit dürfte bekannt sein, denn anfänglich haben alle Staaten das Virus harmlos belächelt, bis realisiert wurde, dass wohl eine andere (experimentelle) Mutation ausgebrochen ist. Und da reagierten alle auf einmal panisch. Was wird verschwiegen und weshalb (deshalb) diese weltweiten drakonischen Maßnahmen?

    Hast du noch Angst (vor dem Virus), oder fürchtest du dich schon (vor der Politik)?

    • Morgentau sagt:

      Nachtrag zum obigen Kommentar:

      Die Quelle ist Dailymail vom 12.04.2020.
      Daraufhin erschien ein Artikel in USA Today, am 04.05.2020, der relativierte die 3,7 Millionen Dollar auf 600.000 Dollar.
      Zudem empfehle ich das 25 Min. Interview mit Dr. Judy Mikovits auf Plandemic Movie, die die jahrelange Zusammenarbeit USA und China in Zusammenhang mit COVID19 bestätigt.

      Nachfolgend Auszüge und die original Links.

      Daily Mail:
      Laut Dokumenten, die Daily Mail am Sonntag erhalten hat, haben Wissenschaftler dort im Rahmen eines von den US National Institutes of Health finanzierten Projekts, dass das Wuhan-Labor weiterhin lizenziert, amerikanisches Geld für Experimente zu erhalten.
      Das Wuhan Institute of Virology führte Coronavirus-Experimente an Säugetieren durch, die mehr als 1.000 Meilen entfernt in Yunnan gefangen wurden und mit einem Zuschuss von 3,7 Millionen US-Dollar von der US-Regierung finanziert wurden.
      https://www.dailymail.co.uk/news/article-8211291/U-S-government-gave-3-7million-grant-Wuhan-lab-experimented-coronavirus-source-bats.html

      USA Today:
      Wir bewerten diese Behauptung TEILWEISE FALSCH, da ein Teil davon von unserer Forschung nicht unterstützt wurde. Es ist irreführend zu behaupten, dass die Obama-Regierung ein chinesisches Forschungsinstitut finanziert hat. Es ist richtig, dass Mittel für ein Projekt bereitgestellt wurden, bei dem eine amerikanische Forschungsgruppe mit einer chinesischen Organisation zusammenarbeitete. Behauptungen, dass die Finanzierung zur Entstehung der Pandemie beigetragen habe, sind unbegründet. Insgesamt wurden 3,7 Millionen US-Dollar nicht an das Wuhan Institute of Virology überwiesen, sondern nur etwa 600.000 US-Dollar.
      https://eu.usatoday.com/story/news/factcheck/2020/05/04/fact-check-obama-administration-did-not-send-3-7-m-wuhan-lab/3061490001/

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