Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe

Fjodor Dostojewskis Roman „Verbrechen und Strafe“ dreht sich um das Schreckliche, das unverständlich erscheint: Es geht um einen Mord, es geht um dessen Aufklärung und es geht um darum, was im Kopf des Mörders vorgeht.

Verbrechen und Strafe

Soziale Ungleichheit und ökonomische Not sind die Triebfedern des Verbrechens, die Umwälzungen des 19. Jahrhunderts die Bühne. Raskolnikow, die Hauptfigur in „Verbrechen und Strafe“, entstammt einer verarmten Familie des Bürgertums. Dem Elend, das er als Unrecht empfindet, will er entfliehen. Er sitzt in seinem kleinen Zimmer und denkt nach: Warum sollte er für eine schwere Tat bestraft werden, während ein Napoleon trotz unzähliger Toter gefeiert wird?

Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe (Quelle: YouTube/Gerhard Mersmann)

Um sein Studium zu finanzieren, entschließt sich Raskolnikow, eine Wucherin zu töten und sich ihr Geld anzueignen. Um die innere Abwehrhaltung, die menschliche Moral, die ihn plagt, zu überwinden, geht dem Verbrechen die gedankliche Herabwürdigung des späteren Opfers voraus.

Auf die Tat folgt die Vereinsamung; der Kerker der Psyche. Der Weg zur inneren Freiheit, gesäumt von einem Untersuchungsrichter, der versucht, sich in den Täter hineinzuversetzen, führt nicht über das Recht oder die Reue, sondern über Zuneigung und Liebe.


Informationen zum Buch

Verbrechen und Strafe

Autor: Fjodor Dostojewski
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Seiten: 768
Veröffentlichung: 2000 (Original: 1866)
Verlag: Fischer Taschenbuch
ISBN: 978-3-596-12997-3


Anmerkungen zum Autor

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881) ist einer der wichtigsten russischen Schriftsteller. Er schrieb Erzählungen, Novellen und Romane und verfasste Weltliteratur. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Schuld und Sühne (auch bekannt unter dem Titel Verbrechen und Strafe), Die Dämonen und Die Brüder Karamasow. In seinen Werke reflektiert Dostojewski vor allem auf die politischen und sozialen Verhältnisse zur Zeit des Russischen Kaiserreiches. Er skizziert die fundamentalen Umbrüche und die Konflikte, die im 19. Jahrhundert Russland veränderten. Der Mensch, sein Leid, Elend und seine Psyche sowie seine Spiritualität sind zentrale Bestandteile in Dostojewskis Werken. Er selbst lebte lange in ökonomisch unsicheren Verhältnissen, sodass er die Not aus eigener Erfahrung kannte. Sein Roman Verbrechen und Strafe erschien zwischen Januar und Dezember 1866 als Fortsetzung mit 12 Folgen in der Monatszeitschrift Russki Westnik.



Illustration und Video: Neue Debatte und Gerhard Mersmann

Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen. Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen.

2 Gedanken zu “Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe”

  1. Dostojewski gelingt es immer wieder, die vielen Schalen eines Phänomens aufzuschließen, um dann auf den eigentlichen Kern, auf das Wesen zu weisen, was sich dahinter verbirgt.
    Hier geht es um die Frage der Gerechtigkeit und darum, daß Ungerechtigkeit im Sinne einer Entmündigung, Versklavung, Ausbeutung, Wegsperren von den eigentlichen Potenzialen eines Menschen zu Leidsituationen führt, die ihrerseits Fehlhandlungen (= falsche Befreiungsschläge des „Opfers“) provozieren.
    Im folgenden Interview bringt Peter das auch auf den Punkt:
    http://koenigreichdeutschland.org/de/neuigkeit/video-die-gemeinden-der-zukunft-das-justizsystem-2.html

  2. Chapeau. Ein Kunststück sachgemäßer Reduktion. Diesen Wälzer derart nüchtern zu verzwergen ohne ihm ungerecht zu werden, ist nur schwer zu finden. Gefällt mir sehr gut. Wann sind die anderen der großen Fünf an der Reihe?! Ich würde sie mir wünschen.
    Ein alternativer Versuch
    Schillers Feststellung „Der Zustand des größten Seelenschmerzes ist zugleich der Zustand der größten körperlichen Krankheit.“ wird in diesem Roman umfänglich ins Bild gesetzt.

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