Die Zukunft verändern bedeutet, die Frage nach der Macht zu stellen. (Illustration: Neue Debatte)

Lasst uns die Zukunft verändern

Muss planmäßige Produktion jenseits von freien Märkten notwendig zur Diktatur führen, die sich über die Produzenten erhebt? Wir sagen: “nein!”

In einer Gesellschaft, in der das Verhältnis des Produzenten zum gesellschaftlichen Produkt unmittelbar festgelegt ist, besteht diese Gefahr nicht. (I 22) Bei diesem Gang von Produktion und Distribution wird von niemand zugewiesen, welcher Teil des gesellschaftlichen Produkts für jeden zur Verfügung steht. Es ist keine Verteilung durch Personen, sondern diese erfolgt im Wesentlichen im Rahmen der Arbeitszeitrechnung selber.

Das Verhältnis der Produzenten zum gesellschaftlichen Produkt ist hierüber bestimmt und gerade dadurch hat keiner etwas zuzuweisen. Das ist dann auch die Erklärung des Geheimnisses, dass ein Staatsapparat in der Wirtschaft nichts zu suchen hat.

Die ganze Produktion wie Distribution stehen auf reellem Boden, weil die Produzenten und Konsumenten gerade durch dieses Verhältnis den ganzen Prozess selbst leiten und verwalten können. (I 68) In jeder anderen Gesellschaft, wo dieses nicht gilt, muss schließlich der Produktionsapparat zum Unterdrückungsapparat auswachsen. (I 22)

Die Durchführung der sozialen Revolution ist somit im Wesen nichts anderes als die Durchführung der Arbeitszeit als Maßstab im gesamten Wirtschaftsleben. Sie dient als Maß in der Produktion und zugleich wird mit ihr der Anteil des einzelnen am gesellschaftlichen Produkt gemessen. Das Wesentliche hierbei aber ist, dass diese Kategorie von den Produzenten selbst durchgeführt wird. Und dies geschieht nicht, weil es eine “ethische” oder “moralische” Forderung des Kommunismus ist, sondern weil die “Vereinigung freier Menschen” ökonomisch nicht anders möglich ist. (I 176)

Sie ist keine Frage der Gerechtigkeit, die sich staatlich organisieren ließe, sondern eine Frage der ökonomischen Grundlage, auf der die Produzenten selbständig ihre Kooperation aufbauen können. Der Prozess des Ineinandergreifens und Zusammenfügens wächst von unten auf, weil die Produzenten selbst die Leitung und Verwaltung in Händen haben. Jetzt ist Raum gemacht für die Initiative der Gesellschaftsmitglieder selbst, die das bewegliche Leben in seinen tausendfachen Formen gestalten können. (I 23)

Die erfolgreiche soziale Revolution erfordert daher die klare Einsicht darüber, was mit den Produktionsmitteln anzufangen ist. Es muss darum gehen, die Trennung des Produzenten zum gesellschaftlichen Produkt aufzuheben, und das ist nur bei allseitiger Durchführung der Arbeitszeitrechnung möglich.

Die Durchsetzung der individuellen Arbeitszeit als Maß für den Anteil am Produkt der gesellschaftlich notwendigen Arbeit ist die höchste Forderung, welche das Proletariat stellen kann, aber zugleich auch die niedrigste und zweifellos eine Machtfrage. (I 141f)


Beiträge der Serie

Kapitalismuskritik und die Frage nach der Alternative

Teil 1: Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel

Teil 2: Der Verein freier Menschen

Teil 3: Jedem nach seinen Bedürfnissen

Teil 4: Jeder nach seinen Fähigkeiten

Teil 5: Lasst uns die Zukunft verändern


Sachbuch
1930 veröffentlichte die Gruppe Internationaler Kommunisten (Holland) als Reaktion auf die negative Entwicklung der russischen Revolution die “Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung”. Mit der Schrift, die heute als Klassiker angesehen wird, wurden zum ersten Mal die ökonomischen Grundlagen zur Diskussion gestellt, die für den Aufbau und die Organisation einer Gesellschaft im Sinne der ‘Vereinigung freier und gleicher Menschen’ notwendig sind. (Buchcover: Syndikat-A)

Informationen zum Buch

Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung

Autor: Gruppe Internationaler Kommunisten (Holland)
Genre: Wirtschaft/Politik
Sprache: Deutsch
Seiten: 339
Veröffentlichung: Februar 2020 (Deutsche Erstausgabe der 2. Auflage von 1935)
Verlag: Red & Black Books
Bezug: Syndikat A
ISBN: 978601283687


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Illustration und Buchcover: Neue Debatte und Syndikat A

Hermann Lueer ist Autor und Herausgeber kapitalismuskritischer Literatur. Zuletzt erschienen von ihm 'Große Depression 2.0: Argumente gegen den Kapitalismus' und 'Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung'.

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