Bringt die Digitalisierung mehr Gerechtigkeit in die Welt. (Symbolfoto: Justin Peralta, Unsplash.com)

Gerechtigkeit: „… und gehe die Welt darüber zugrunde!“

„Gerechtigkeit muss sein, und sollte die Welt darüber zugrunde gehen“, ist nach Johann Manlius (1503 – 1564) ein Ausspruch von Kaiser Ferdinand I., Bruder und Nachfolger Kaiser Karls V.

Wie Gerechtigkeit verstanden wird

Mit „Gerechtigkeit“ ist hier wohl eher das Recht des Stärkeren gemeint, nicht die allgemeingültige und gerechte Art und Weise moralisch und der Menschenwürde entsprechend zu handeln.

Der Kampf zwischen den Vertretern der Reformation und der Gegenreformation, also zu der Zeit, in der Ferdinand auf dem Kaiserthron saß, war 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden beendet. Die zwischen Ferdinand und den Reichsständen vereinbarte Formel des Friedens lautete:

Cuius regio, eius religio – wes(sen) Gebiet, des(sen) Religion.

Es galt also als gerecht, dass die Herren bestimmten, welchem Glauben ihre Untertanen zu entsprechen hatten.

Ein anderer Ausspruch dieses Kaisers und Königs lautete: „Gott beschütze mich vor meinen Freunden; mit meinen Feinden will ich schon selber fertig werden.“ (1) Ferdinand scheint immerhin die Schwierigkeit, einer Gerechtigkeit entsprechen zu können, geläufig gewesen zu sein, und er scheint gesehen zu haben, dass man nach Gerechtigkeit stets mühevoll suchen muss.

Gedanken von Honoré de Balzac und Thomas Morus

Der Schriftsteller Honoré de Balzac stellt in seinem Werk „Gesetzbuch für anständige Menschen“ fest, dass von allen Waren dieser niedrigen Welt die Gerechtigkeit unbestritten die teuerste sei (2). Und auch Thomas Morus denkt in seinem Werk „Utopia“ (3) über Gerechtigkeit nach:

„… überall, wo es noch Privatbesitz gibt, wo alle an alles das Geld als Maßstab anlegen, wird kaum jemals eine gerechte und glückliche Politik möglich sein, es sei denn, man will dort von Gerechtigkeit sprechen, wo gerade das Beste immer den Schlechtesten zufällt, oder von Glück, wo alles unter ganz wenige verteilt wird und wo es auch diesen nicht in jeder Beziehung gut geht, der Rest aber ein elendes Dasein führt.“

Verkürzt lassen sich diese Gedanken dahingehend zusammenfassen, dass die Menschen erkennen und begreifen müssen, wie man gerecht miteinander umgeht und warum Gerechtigkeit für ein friedliches Zusammenleben notwendig ist. Die große Frage lautet daher: Wie können wir der Gerechtigkeit Genüge tun?

Bewusstsein im sozialen Gefüge

Besonders die Dialektik des sozialen informiert seins über die menschliche Geschichte und unsere wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Möglichkeiten, erlaubt es, sich seines Selbst bewusst zu werden. Dadurch können wir alle der uns eigenen Bestimmung gerecht werden, um das sich unbewusst ereignende Naturgeschehen in unseren bewusst gestalteten Kulturen aufzuheben.

Im sozialen Beziehungsgefüge der Menschen durchdringen sich individuell verlaufende natürliche und psychische Vorgänge, wodurch die Subjekte erst ihre spezifisch menschlichen Wesensmerkmale erhalten. Dabei wird die Welt von der Gesamtheit der Subjekte wahrgenommen, durchdacht und (auch wenn nicht offensichtlich) im zusammenwirkenden Handeln gestaltet. Und so bildet sich ein gemeinsames Bewusstsein heraus.

Gemeinsames Tätigsein ermöglichte die historische Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Diese ist beständig Veränderungen unterworfen, da sie nur in Bewegung existieren kann – durch ständigen Informationsaustausch zwischen den Subjekten und ihrer sich daraus ergebenden sozialen Interaktion.

Die menschliche Gesellschaft, verstanden als Verbindung sozialer Wesen, die ohne soziale Bindung zu anderen sozialen Wesen psychisch verkümmern, entstand, als sich das denkende Lebewesen herausbildete. Es musste dabei einer menschlichen Grundmoral, die keiner Schriftform bedarf, folgen, ohne die ein Zusammenleben der Subjekte unmöglich ist.

Hätte das Recht des Stärkeren dominiert, und sei dieses auch reduziert auf den Anspruch der Selbsterhaltung, so wären menschliche Gesellschaften unmöglich, da diese auf Kooperation aufbauen müssen, um existieren zu können, und somit Elemente wie Rücksichtnahme und Achtsamkeit gegenüber Schwächeren beinhalten. Gesellschaften, die diesem Gedanken nicht folgen oder nicht mehr folgen wollen, sich also als stärker gegenüber anderen Gesellschaften verorten und sich über diese erheben, sind bereits rückständig und besiegeln ihren Untergang. Sie verkümmern in ihrer kurzfristigen Überlegenheit, die langfristig keine Perspektive bietet.

Die Integration und Emanzipation des Individuums

Im Unterschied zu anderen Lebewesen, die einer Grundbestimmung unbewusst folgen, konnte der Mensch sein Bewusstsein nutzen, um seine Ideen, seine Kreativität und seine Schaffenskraft – insgesamt eine Art intellektueller Stoffwechsel – der Natur durch Arbeit zu vermitteln.

Der Grenzbereich der Erhebung des Menschen aus der Natur zum Kulturwesen ist somit auch gekennzeichnet durch die (selbst unter wechselnden Lebensbedingungen) bewusste Herstellung von Werkzeugen und deren zielgerichtetem Einsatz zur Erlangung und Nutzbarmachung der zum Leben notwendigen Ressourcen.

Das Zusammenwirken und die Auseinandersetzung vollziehen sich immer zwischen konkret einzelnen Menschen und konkreten Gemeinschaften, wobei es neben der notwendigen Integration der Subjekte in eine Gemeinschaft immer auch um die Emanzipation des Individuums aus den Zwängen der Gemeinschaft und den Zwängen der (Massen-)Gesellschaft, in die die Gemeinschaft eingebettet ist, gehen muss. Dies ist wesentlich, wenn es eine soziale Entwicklung – also letztlich den Fortbestand des Menschseins – geben und es dabei gerecht zugehen soll.

Die Zumutung der Wahrheit

Wie schwer es ist, sich auf die Suche nach (der) Wahrheit zu begeben und nach ihr zu fragen, um die rechten Antworten zu finden, verdeutlichte Friedrich Schorlemmer, Bürgerrechtler und Prediger an der Schlosskirche zu Wittenberg, in seiner Meditation „Über den Mut einander die unzumutbaren Wahrheiten zuzumuten“, vorgetragen im Februar 1988 in Dresden auf der Ökumenischen Versammlung für „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.

„Aus Liebe zum Leben, aus Sorge um das Leben, aus Verantwortung für das sind wir hier. Wie sieht diese Welt aus, was ist aus diesem Land geworden – und was wird, wenn es so weitergeht“, fragte Schorlemmer zu Beginn und sagte dann weiter, „so offen und so ehrlich uns das möglich ist, versuchen wir Rechenschaft zu geben von unserer Ratlosigkeit und Mitschuld, von unserer Hoffnung und unserer Verantwortung“.

Es sei wahr, was Bertolt Brecht schrieb: „Die Wälder wachsen noch. Die Äcker tragen noch. Die Städte stehen noch. Die Menschen atmen noch.“

Und der Prediger fragte weiter: „Noch. Wie lange noch? Tiefer Weltzweifel greift um sich, krallt sich in uns hinein. Zahlen, Daten, Bilder des Verderbens fallen in die Tiefe unserer Seele. Manche sind schon in Verzweiflung versunken. Andere sagen: Um diese Welt geht es nicht. Sie vergeht. Zu viele übersehen, was sie sehen, überhören, was sie hören. Sie verdrängen die bedrängenden Daten, um zu überleben. Ein wenig, solange es eben geht, nehmen sie, nehmen wir teil an den Segnungen des Lebens.“

Sie lebten doch noch, es gehe ihnen noch gut, es gehe ihnen noch besser, es könne ihnen noch besser gehen. Friedrich Schorlemmer stellt fest:

„… indes, der Wettlauf zwischen kriegerischer und friedlicher, zwischen sehr plötzlicher und ganz allmählicher Selbstzerstörung wird weiter südlich durch Verhungern vorzeitig entschieden. Was für uns Gefahr ist für Millionen schon Realität: elendes Verlöschen. Die Schöpfung ist vermessen, das Maß ist verloren, das Tempo überschritten – nun drängt die Zeit. Sie wird zur Frist. Der Überfluss produziert den Mangel. Das Wachstum wuchert, und die Wüsten wachsen. Der Lebenshunger ist geworden zur Verbrauchergier. Das Sicherheitsbedürfnis schafft sich das Zerstörungspotenzial. Aus Angst wird Angst gemacht.“

Unruhe mache sich breit. Sie sei zur Bewegung geworden. Die Überlebenssorge habe zu mutigem Umdenken geführt. Aber man dürfe es nicht verschweigen: „Die Überlebensvernunft, kaum hat sie einen schmalen Streifen Zukunft in die düstere Gegenwart geschoben, gerät sie schon wieder unter die Räder der Systemzwänge.“

Das „neue Denken“, kaum habe es sich in einigen Köpfen eine Hoffnungsbahn gebrochen, finde das lösende Wort, den ersten öffnenden Schritt, schon verstricke es sich wieder, werde verstrickt in die Eigengesetzlichkeit der Apparate (4).

Sachlichkeit bist zum Horror

Es war die Gesellschaft der DDR, aus der kommend und von ihr geprägt Friedrich Schorlemmer Fragen stellte und nach Antworten suchte. In der Tiefe die Zusammenhänge des Ganzen suchend, hat er Probleme der Welt erkannt und benannt.

Der Zusammenbruch des sozialistischen Systems und das Zusammenfügen zweier nach dem Zweiten Weltkrieg entstandener deutscher Staaten hat nicht ein einziges der aufgezeigten Probleme gelöst, ja noch nicht einmal Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Gerechtigkeit? Wo vollzieht sie sich?

Sie wird nicht durch Vertragswerke erreicht, sondern manifestiert sich in den Gedanken und den Grundeinstellungen der Menschen gegenüber dem Mitmenschen. Wird das Menschliche aber vertrieben durch Paragrafen und ersetzt durch Verordnungen, die danach trachten, das Sein und die Gerechtigkeit zu versachlichen, dem Menschen also seine Grundmoral auszutreiben, ist der Abstieg in den totalen Horror nicht mehr weit.

Kommunikation als Schlüsselfrage

Die Weltprobleme spitzen sich täglich zu. Die Bestätigung dafür findet man in den Krisen der globalisierten Welt und ihren Folgen.

  • Erstens ist ein stetiges, kontinuierliches und nur geldwertes Wirtschaftswachstum kontraproduktiv.
  • Zweitens kann das bisherige System der Finanz- und Wirtschaftsregulierung Konkurs anmelden – es hat versagt, das Kapital ist entfesselt.
  • Drittens haben sich die sozialreformistischen Theorien von der Wandlung des Kapitalismus in eine neue, durch soziale Sicherheit für alle und soziale Harmonie gekennzeichnete Gesellschaft (Wohlfahrtsstaat, Sozialstaat, Industriegesellschaft) in Nacht und Nebel aufgelöst – vor allem für Milliarden von Menschen im globalen Süden, nun werden die Verwerfungen im globalen Norden sichtbar
  • Viertens kann soziale Sicherheit für alle nicht mehr mittels Reformen und ausgewogener Sozialpolitik hergestellt werden, da Politik Teil der Maschine geworden ist, die den Kapitalismus antreibt.
  • Und fünftens sind entscheidende geistige und moralische Vorstellungen über die freie Entwicklung der Persönlichkeit, besonders der Jugend, zusammengebrochen – es droht die ethische Verwahrlosung.

Gibt es Antworten? Zumindest gibt es Wege, Antworten zu finden. In seinem „Demokratiemanifest für die schweigende Mehrheit“ (5) benennt der Philosoph Johannes Heinrichs die zwischenmenschliche „Kommunikation als Schlüsselfrage“ bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme. Die Lösung aller Probleme unserer Gesellschaft sei ihrerseits an die einfache Frage gebunden: „Wer kommt zu Wort, und wie können die Wortmeldungen geordnet aufeinander bezogen werden?“

Die Probleme der Gerechtigkeit, an den gewaltigen Bruchlinien, die Arm und Reich trennen, sichtbar, die Ernährungsprobleme der Welt, die Probleme, die durch die Zerstörung der Natur und die Plünderung ihrer Schätzen entstehen, die Probleme mit der Erwerbarbeitslosigkeit, der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, der Mobilität und der Industrieproduktion, deren Absonderungen die Menschen vergiften, die Probleme mit dem schwierigen Frieden, weil der Krieg so leicht von der Hand geht, und die Probleme mit der Gerechtigkeit bei Bildung oder der gesellschaftlichen Teilhabe: folgt man Johannes Heinrichs, so ist dies alles sachlich lösbar.

Gerechtigkeit ist möglich

Dies führt zurück zu den Teilaspekten der Schlüsselfrage: „Wie können die Menschen sachlich und friedlich, womöglich verständnis- und vertrauensvoll diese Lösungen aushandeln? Und zwar indem alle Betroffenen, das sind alle, zu Wort kommen?“

Das fatale Gefühl, in der Gesellschaft gar nicht erst gehört zu werden, sei der Kern des Gefühls der Ohnmacht, das die große Mehrheit der Menschen beschleiche, durch alle Schichten hindurch.

Um dem abzuhelfen, ist es nach Heinrichs Meinung zwingend notwendig, auf vier Ebenen den Diskurs zu gesellschaftspolitischen Aufgaben zu führen, um diese auf demokratische Weise zu erfüllen. Dies seien

  • die Ebene der Grundwerte,
  • die Ebene der kulturvollen Lebensweise,
  • die der politischen Lenkung und Leitung des gesellschaftlichen Zusammenwirkens
  • und die der Erwirtschaftung der materiellen Grundlagen für ein ertragreiches Füreinander aller.

Hier setzt die Veränderung an, hier entfaltet sich das „neue Denken“. Die Menschen können und werden sich ihres Selbst immer bewusster und sie wissen es oder sie spüren es: „Gerechtigkeit muss sein!“


Quellen und Anmerkungen

(1) Kurt Böttcher, Karl Heinz Berger, Kurt Krolop, Christa Zimmermann: Geflügelte Worte – Zitate, Sentenzen und Begriffe in ihrem geschichtlichen Zusammenhang. (VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1984).

(2) Honoré de Balzac: Gesetzbuch für anständige Menschen (Verlag Reclam, Leipzig 1983).

(3) Utopia (lateinischer Titel: De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia – „Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia“) ist die Skizze einer idealen Gesellschaft. Das Werk wurde 1516 von dem englischen Staatsmann, Diplomaten und Humanisten Thomas Morus (1478 – 1535) in lateinischer Sprache veröffentlicht.

(4) Friedrich Schorlemmer: Träume und Alpträume (Verlag Droemer Knaur, München 1993).

(5) Johannes Heinrichs: Demokratiemanifest für die schweigende Mehrheit (Steno-Verlag, München 2005).


Foto: Justin Peralta (Unsplash.com)

Frank Nöthlich wurde 1951 in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden hat.

2 thoughts on “Gerechtigkeit: „… und gehe die Welt darüber zugrunde!“

  1. „Es droht die ethische Verwahrlosung“

    Ich finde nicht, dass sie uns droht. Sie ist bereits in vollem Gange. Wenn es um wirtschaftliche Belange geht, spielen ethische Überlegungen keinerlei Rolle mehr. Politik orientiert sich an ethischen Standards nur noch theoretisch und dann in den meisten Fällen auch nur, um sich über andere erheben und sich selbst als „die Guten“ präsentieren zu können. Was haben Algorithmen, die zunehmend das Verhalten von Menschen erklären und steuern sollen und Grundlage für politisches Handeln sind, mit dem echten menschlichen Leben zu tun? Für solchen Unsinn gibts dann auch noch hohe Auszeichnungen.
    Die ethische Verwahrlosung der Jugend ist eine Folge der ethischen Verwahrlosung der Erwachsenen, einer Gesellschaft, in der das Recht des Stärkeren auf Kosten der vermeintlich Schwächeren gnadenlos umgesetzt und geschützt wird.
    Dieses menschenverachtende Bild vom Menschen erinnert mich schon wieder an Hobbes, der den Menschen als asozial beschreibt, weil jeder gegen jeden kämpft und sich nur aus taktischen Gründen mit anderen verbündet, um eine andere Menschengruppe besiegen und übervorteilen zu können. Krieg wird als Naturzustand des Menschen angesehen, nicht Kooperation. Offensichtlich hat die Entwicklung des Menschen mit der Technikentwicklung nicht Schritt halten können.

    Bärbel Bohley werden die enttäuschten Worte zugeschrieben, dass die Ostdeutschen sich mit der „Wiedervereinigung“ Gerechtigkeit erhofft und den Rechtsstaat erhalten hätten. Wer vom kapitalistischen System etwas anderes erwartet hat als das, was sein Sinn ist, darf gerne als naiv bezeichnet werden.

    Es braucht ein neues Denken, ja. Es braucht darüber einen gesellschaftlichen Diskurs, ja. Das We ist aber die Frage, die beantwortet werden muss. Meine Hoffnung auf die Beantwortung dieser Frage hält sich in Grenzen.

  2. Zitat: Die Menschen können und werden sich ihres Selbst immer bewusster und sie wissen es oder sie spüren es: „Gerechtigkeit muss sein!“

    Es sind immer nur einige wenige, die sich ihres Selbst bewusst sind und werden. Und das ist unter den gegeben Umständen auch gar nicht anders möglich. Denn wir sind alle nur Produkte dieser/einer Gesellschaft, bis hin zur Sprache und letztendlich die Gedanken, die wir kurioserweise unser eigen nennen. Die Erziehung, die Konditionierung, die Manipulation, die Indoktrination fängt am Tag unserer Geburt an. Eine Gesellschaft sichert sich ihr Überleben nicht nur durch Nachkommen, sondern insbesondere durch die Konformität ihrer Nachkommen. Sie programmiert sich sozusagen selbst, durch die „Erziehung ihrer Brut“.

    Diese Programmierung zieht sich durch alle Bereiche. Deshalb ist es unsinnig zu glauben, nur einige wenige, Privilegierte (die da oben) wären für den desolaten Zustand dieses Planeten, der Gesellschaft verantwortlich. Eine Zukunft von Gesellschaften ist nur möglich, wenn die Freiheit und die Förderung der angeborenen Kreativität eines Individuums gewährleistet werden, fernab destruktiver Dogmen, Ausbeutung als Arbeitssklave und Gewinnmaximierung. Unter Zwang und Widersprüchen, sprich in totalitären Systemen, werden Menschen immer andere Menschen ausbeuten, allein schon, um irgendwie zu überleben.

    Vereinfacht ausgedrückt: Wenn wir unsere Kinder weiterhin nur erziehen und anpassen, anstatt sie in ihrem Aufwachsen zu begleiten und zu fördern, so werden wir nur eine weitere von tausendenden aussterbenden Gesellschaften sein, an deren Ende die Selbstzerstörung unserer Spezies steht.

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