Lehre und Wissenschaft sind fern von Bildung und nah am Geld. (Foto: Morgan Housel, Unsplash.com)

Lehre und Wissenschaft befreien!

Meines Erachtens sind Lehre und Wissenschaft korrumpiert und kastriert. Eine gute (Aus)bildung betrachte ich als Basis für mündige, tolerante und kooperative Menschen.

Wenn Lehre und Wissenschaft nur noch Vehikel sind, um wirtschaftliche oder ideologische Interessen durchzusetzen, sind sie für eine Gesellschaft wertlos. Eine gekaufte Wissenschaft kann nicht dem Gemeinwohl dienen.

Wie es die aktuelle Bildungsrealität immer wieder veranschaulicht, wirkt ein von Kapitalinteressen gesteuertes Bildungssystem zerstörerisch – auf den Frieden, die Umwelt, die Gesellschaft und am Ende wieder auf die Bildung. Diese Abwärtsspirale gehört beendet – lasst uns Bildung und Wissenschaft von ihren Peinigern befreien!

Eine eigentlich einfache und sinnige Forderung. Aber dann kommt die Realität ins Spiel und die ist ein wenig komplizierter. Es wird kein Artus erscheinen, der diesen gesellschaftlich relevanten Sektor seinen Peinigern entreißt wie Excalibur dem Stein (1). Neben der Tatsache, dass es ohnehin nur ein Mythos ist, stellt sich die Frage, ob wir sichergehen könnten, dass ein einzelner Mensch – oder eine einzelne Institution mit so viel Macht – seine Macht nicht missbrauchen wird.

Die Neigung des Menschen zum Machtmissbrauch ist leider ein Fakt. Und trotz vieler lobenswerter Aufklärungsversuche sehe ich keine Mehrheit in der Bürgerschaft, die eine Notwendigkeit der Befreiung überhaupt wahrnimmt. Die Notwendigkeit selber bräuchte also Fürsprecher aus möglichst vielen Bereichen der Gesellschaft.

Im Universitätsbetrieb wäre es ein Anfang, die Studenten dafür zu gewinnen, dass sie Veranstaltungen durch Lobbyisten fern bleiben. Wegen mir dürften Konzerne und Stiftungen in einen Bildungsfond einzahlen, aus dem die Gelder bedarfsentsprechend verteilt werden. Aber zweckgebundene Spenden oder Stiftungen, die einzelne Universitäten oder Forschungsziele gezielt finanzieren, sollten tabu sein.

Weiterhin als Tabu sollte jede Einmischung oder Studie durch Privatiers, Stiftungen oder Denkfabriken gelten. Diverse zerstörerische Reformexperimente am Schulwesen sprechen hier eine deutliche Sprache. Es kann und darf im Bildungswesen nicht um Konkurrenz gehen. Vielmehr gilt es die Kooperation von Bildungseinrichtungen zu fördern, wo man sich ergänzt und so zu gemeinsamen, das Gemeinwohl fördernden Resultaten gelangt.


Quellen und Anmerkungen

(1) Excalibur ist der Name des Schwertes des mythischen Königs Artus, einer Sagengestalt des europäischen Mittelalters, die sich in zahlreichen literarischen Werken findet.

Vor dem Hintergrund realer Ereignisse im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. spielt die Artussage. Der zentrale Aspekt ist der Kampf um die Herrschaft in Britannien beziehungsweise um die Krone des Königs.

Der Zauberer Merlin hatte das Schwert Caliburn durch einen Stein getrieben. Nur der wahrhaftige und künftige Herrscher könne es wieder herausziehen. Zahlreiche Ritter und Adelige scheiterten an dieser Aufgabe. Erst Artus, Sohn des englischen Großkönigs Uther Pendragon, konnte das Schwert mühelos befreien. Das machte ihn zum rechtmäßigen König.

In einer Schlacht wird Caliburn aber zerschlagen. Nimue, eine wichtige Figur in der walisischen und bretonischen Sagenwelt, die auch die Herrin vom See genannt wird, schenkt dem jungen König Artus als Ersatz Excalibur. Mit dem Schwert soll er sein Königreich schützen. Mehr Infos auf https://de.wikipedia.org/wiki/Artus (abgerufen am 23.10.2020).


Foto: Morgan Housel (Unsplash.com)

Jaqueline Chantalle Müller ist Community-Autorin.

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