Ein Papagei schaut ins Nichts im Forth Worth Zoo. (Foto: Dominik Lange, Unsplash.com)

Nichts bleibt, wie es ist

Wer sich heute auf den Weg in ein besseres Morgen begeben will, muss aus dem Gestern lernen und beginnen, nach dem Notwendigen und dem jeweils Möglichen zu suchen, um sich schließlich aufzumachen und anzukommen.

Das Destruktive

Die Welt wird durch die neoliberale Wirtschaftsweise an den Rand des Verfalls gedrängt. Milliarden Menschen müssen ständig zerstörerische Kräfte sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft ertragen. Oft genug wird das vereinzelte Subjekt übermannt von Ohnmacht. Aber nichts muss bleiben, wie es ist. Die Vereinzelung aufzuheben ist wesentlich, um sich im zwischenmenschlichen Mit- und Füreinander gegen die destruktiven Entwicklungen zu wehren.

Die kapitalistischen Zentren sind von einem langfristigen Trend zur Wachstumsschwäche gekennzeichnet, der schon Jahrzehnte anhält. Immer mehr Kapital hat Schwierigkeiten, sich zu verwerten. Es erweist sich damit als überflüssiges Kapital. Versuche, die Prosperität der Wirtschaft zum Beispiel durch Kreditausweitung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten aufrecht zu erhalten, sind höchstens zeitweilig wirksam. Als weitere Krisenursache sind in Europa die großen Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der nationalen Ökonomien im einheitlichen Währungsraum des Euro auszumachen. Der globale Charakter kapitalistischer Standortkonkurrenz sowie die heute tendenziell unbegrenzte Kapital- und Standortmobilität führen zu Einschnitten in den Nationalökonomien sowie zu Veränderungen bisheriger Wirtschaftsstrukturen und Steuerungsmechanismen.

Unsicherheiten der Wirtschafts- und Sozialentwicklung spitzen sich zu. Die Zerstörung des Ökosystems Erde wird in Kauf genommen, Natur und Mensch werden lediglich nachrangig behandelt. Möglichkeiten der Produktivkraftentwicklung werden einseitig für radikale Kostensenkungen und Einsparungen von Arbeitsplätzen eingesetzt, um die Kapitalverwertung zu verbessern und die internationalen Konkurrenzpositionen des Kapitals zu stärken.

Überall in der kapitalistischen Welt erfolgt die relative Loslösung der monetären Sphäre von der Realökonomie. Die hohen Renditen der Geldanlagen, die Labilität und die Erschütterungen der internationalen Finanzmärkte sowie anhaltende Währungsturbulenzen beeinträchtigen die realwirtschaftliche Entwicklung. Gemeinsame Lösungen von Problemen wie der Abrüstung und Friedenssicherung, der Erhaltung der natürlichen Umwelt und der Sicherung sozialer Mindeststandards durch die internationale Gemeinschaft werden durch das Streben der Wirtschaftsblöcke zu Erhalt und Gewinnung geostrategischer Einflusszonen, von Rohstoffen, billigen Arbeitskräften und Absatzmärkten verhindert.

Auf die größeren Herausforderungen und Probleme reagieren die Regime, die den Interessen des Kapitals folgen im Innern mit dem Angriff auf den Sozialstaat. Nach außen werden die Bemühungen verstärkt, die politische und militärische Präsenz der führenden kapitalistisch wirtschaftenden Staaten in der Welt und somit ihre ökonomische Vormachtstellung zu erhöhen. Dies alles, ohne wirksame Beiträge zur Lösung der realen Konflikte sowie der sozialen Verwerfungen und ökologischen Bedrohungen zu leisten oder auch nur halbwegs belastbare Konzepte hierfür zu erarbeitet.

Ein Blick auf die USA

Agiert die Regierung eines Staates überwiegend oder ausschließlich aus der Sichtweise und im Interesse der Finanzwirtschaft, der an den Börsen gehandelten Unternehmen und jenen Schichten, die innerhalb der Gesellschaft von diesen “Finanzmärkten” profitieren, lässt sich erahnen, dass die realen Machtverhältnisse, also die Herrschaft des Kapital und dessen gewaltiger Einfluss auf die ökonomische, politische und soziale Ausgestaltung einer Gesellschaft, durch eine Begrifflichkeit wie Demokratie lediglich verdeckt wird.

Kommt es zu grundlegenden Verwerfungen, so wie sie sich beispielhaft in den USA durch die extreme ökonomische Ungleichheit der Menschen zeigen, zerbricht das als Staat abgebildete soziale Konstrukt. Abzulehnende Erscheinungen wie Polizeigewalt, Rassismus und andere destruktive Verhaltensweisen, tragen ihren Teil zum Zerfall bei.

Dazu zählt die Personalie Donald Trump. Auch wenn diesem nachgesagt wurde, er stünde gegen das Establisment, was durchaus möglich ist, so gibt es dennoch eine Verbindung: das große Geld. Unter der Überschrift “Ein Flop namens Trump” beschrieb Antje Passenheim vom ARD-Studio New York eine der vielen Fragwürdigkeiten:

Es ist das Ende einer unglücklichen Beziehung. Und ginge es nach der Deutschen Bank, dann wäre die Scheidung schon längst vollzogen, weiß der Bankenexperte der “New York Times”, David Enrich. “Es ist sehr klar, dass Deutsche-Bank-Manager schon lange mehr als genug von Donald Trump haben”, sagt Enrich.Und nicht erst, seit er aus dem Weißen Haus gewählt worden ist. Dabei war es das deutsche Geldinstitut, das Trump auf dem Weg dorthin geholfen hat. Mit Mega-Krediten an den Baulöwen, den sonst keine Bank mehr wollte. In den 18 Jahren bis zu Trumps Präsidentschaft lieh die Deutsche Bank ihm, seinen Firmen und Familienmitgliedern rund zwei Milliarden Dollar. (1)

Weiter schreibt die Korrespondentin in ihrem Artikel:

Die Bank müsse um die Trump-Kredite bangen, sagt Enrich. “Er muss in den nächsten vier Jahren über 300 Millionen Dollar an Krediten begleichen. Für die meisten hat er persönlich gebürgt”, so der Experte. “Wenn er nicht zahlt, können seine Gläubiger, vor allem die Deutsche Bank, Eigentum von ihm beschlagnahmen. Das geht natürlich viel einfacher, wenn Trump wieder Privatmann ist. “Davor hatten sie immer Angst, dass der Fall eintreten könnte, dass sie in diese Situation kommen würden und Vermögen oder Eigentum vom Präsidenten der USA beschlagnahmen müssten”, sagt Enrich.

Wenn die Sachlage so stimmt, dürfte diese auch Donald Trump bekannt sein. Was sind seine naheliegenden Optionen? Sich mit seinen Gläubigern einigen, die Kredite zurückzahlen oder vielleicht doch lieber US-Präsident bleiben? Geht man davon aus, dass Trump ohne größeren Widerstand seinen Platz räumt und Joe Biden das Ruder der größten Militärmacht der Welt übernimmt, ist zu fragen, was sich durch diesen Personalwechsel gesellschaftlich ändern würde. Nichts würde sich ändern, das ist ziemlich sicher.

In einer Kolumne auf ZEIT Online (2) schreibt der Ökonom Marcel Fratzscher mit Blick auf die Spaltung der US-Gesellschaft und den designierten US-Präsidenten Joe Biden:

“(…) Das Hauptaugenmerk des Duos Biden-Harris dürfte sich in den kommenden vier Jahren auf die Innenpolitik richten, um die tief gespaltene Nation zu einen und nationale Konflikte zu befrieden. Zu häufig wird die Wahl Donald Trumps vor vier Jahren als Unfall gesehen, der sich nun leicht korrigieren lässt. Seine Wahl jedoch war kein Zufall, sondern vor allem das Resultat der zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Polarisierung der USA.”

Fratzscher schreibt außerdem:

“(…) Die Wut vieler US-Amerikanerinnen und Amerikaner auf die wirtschaftliche und politische Elite hat nicht erst Donald Trump entfacht, sondern wurde durch diesen lediglich ausgenutzt und weiter befeuert. Sie ist das Resultat von vier Jahrzehnten zunehmender sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit, die Joe Biden unmöglich in vier Jahren wieder reduzieren kann.”

Was ist die Konsequenz? Vermutlich eine verstärkte Fokussierung auf künstlich ersonnene externe Feindbilder, um von den internen Problemen abzulenken, bevor die Widersprüche einen derartigen Druck im Kessel erzeugen, dass eine Umwälzung unvermeidbar ist.

Der Barbarei ins Auge geblickt

Bei aller Dramatik lässt sich dennoch etwas Positives entdecken: Die systemimmanente Globalisierung schafft den Kapitalismus als dominierendes Wirtschaftssystem ab und somit die Herrschaft des Kapitals. Dies geschieht nicht unmittelbar, aber unaufhaltsam.

Objektive Gesetzmäßigkeiten wie die für die kapitalistische Produktionsweise existenziell notwendige erweiterte Reproduktion des Produktionsprozesses oder der tendenzielle Fall der Profitrate führen die kapitalistische Wirtschaftsweise unaufhaltsam zum Konkurs.

Es ist zu erwähnen, dass die Gestaltung von Wirtschaftskreisläufen, in denen die lebensnotwendigen Produkte und Leistungen für die Menschen hergestellt beziehungsweise erbracht und angemessen verteilt werden, eben nicht die Triebkraft der kapitalistischen Wirtschaftsweise ist, sondern das finanzwirtschaftliche Kalkül. Die Jagd nach Profit diktiert das Geschehen. Ob Mensch oder Natur dabei auf der Strecke bleiben, spielt keine Rolle. Eines der bezeichnenden Beispiele findet sich in der Europäischen Union. Hier sterben jährlich 400.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung (3). Aber weder die Wirtschaft noch der Straßenverkehr wurden deshalb angehalten. Der Tod ist sozusagen eingepreist, er gehört wie selbstverständlich dazu.

Die mit dem technologischen Fortschritt tendenziell sinkende Profitrate ist ein Grund, warum die Wirtschaft immer weiter wachsen muss. Täte sie dies nicht, würde die Profitrate so stark fallen, dass der Kapitalismus zusammenbricht. Das produziert Krisen. Kapitalanlagen werden schleichend unrentabel, Spekulationen blühen. Um die Kapitalisten, also diejenigen, die nennenswerten Besitz auf sich vereinen, zu Investitionen zu ermuntern, wird billiges Geld auf den Markt gespült. Darum senken derzeit die Zentralbanken ihre Leitzinsen bis tief in den Keller.

Das reicht aber nicht. In diesem System verwachsen die Staaten und ihre Wirtschaft. Es bilden sich quasi Imperien heraus, die der kapitalistischen Logik folgend immer weiter wachsen müssen. Sie beuten zwingend andere Länder und Völker immer massiver aus. Dort wächst die Armut entsprechend. Auf der Suche nach Perspektiven flüchten die Menschen. Wird gedanklich dieses Szenario in dem Wirtschafts- und Handelskriege, Verteilungskämpfe, Revolten, kriegerische Handlungen, entfesselte Gewalt und so weiter vorkommen bis zum Ende durchgespielt, also der Barbarei ins Auge geblickt, gehören irgendwann alle Ressourcen irgendwem oder niemandem gehört etwas, weil alles zerstört ist.

Die Veränderung der Arbeitswelt

Das Voranschreiten des Destruktiven ist kein Naturgesetz, sondern es vollendet sich in unseren Gedanken, weil es offenbar schwerfällt, sich eine andere Form des Wirtschaftens und des Daseins vorzustellen. Dabei gibt es genug Beispiele, die uns zeigen, dass es anders geht und oft genug anders gehen muss.

Die Landwirtschaft hat für mehrere Jahrtausende das Leben der Menschen rund um den Globus bestimmt. Die Hochphase der Landwirtschaft als Betätigung der breiten Masse ist aber seit vielen Jahren vorbei, auch wenn sich bis heute in den Köpfen vieler Menschen noch das romantische Bild vom Landwirt hält, der auf einem Schemel sitzend mit der Hand seine Kühe melkt. Die Realität sieht in Deutschland seit Langem anders aus. In den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts beschäftigte ein mittelgroßer landwirtschaftlicher Betrieb das gesamte Jahr über etwa 50 Personen. Nicht alle diese Menschen waren dabei mit der Landwirtschaft selbst beschäftigt. Ein Teil dieser Arbeiter versorgte die Feldarbeiter mit Nahrung, wusch für die Angestellten die Kleidung oder nähte und reparierte sie.

Für Jahrhunderte war das Hauptwerkzeug eines jeden deutschen Landwirts das Ochsen- oder Pferdegespann, welches den Pflug zog. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand auch diese Gerätschaft rasch aus dem Bild der deutschen Landwirtschaft. Zwar existierten bereits vor dem Ende des Krieges einige Automaten, die den Landwirten die Arbeit erleichterten, doch erst nach dem Krieg erreichte die Automatisierung in voller Kraft die Felder.

Leseempfehlung: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft

Verarbeitung von Baumwolle auf Spindeln. (Foto: Janko Ferlic, Unsplash.com)

Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft (Teil 1)

Schon immer versuchte der Mensch, sich die Arbeit zu erleichtern. Er erfand Werkzeuge, die ihm die Erledigung von Aufgaben mit weniger Aufwand von Zeit oder Kraft ermöglichten. Die Fortsetzung dieses Strebens ist die Automation. Der Blick in die Vergangenheit liefert Erkenntnisse über ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft, die für den Blick in die Zukunft von großer Bedeutung sind.

Traditionelle Landwirtschaft existiert heute nicht mehr. (Foto: Vladimir Kudinov, Unsplash.com)

Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft (Teil 2)

Im einleitenden Teil der Beitragsserie wurden am Beispiel von Cotton Gin, Spinning Jenny und der Zunahme der Sklaverei in den USA erste Zusammenhänge zwischen der Automatisierung und gesellschaftlicher Veränderungen skizziert. Im Zeitalter von Computerchip und künstlicher Intelligenz bleibt Automatisierung aber nicht beschränkt auf das Ersetzen von Muskelkraft, sondern erfasst immer stärker auch die menschliche Denkleistung. Es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme: Der Stand der Dinge in der Landwirtschaft.

Die Anzahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen ist rapide gesunken. Der mittelgroße deutsche Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt in der Gegenwart vielleicht einen Vollzeitlandarbeiter und in Teilzeit einen Landwirt für das Erledigen von Routineaufgaben. Möglich ist dies, weil der moderne Bauernhof ein beinahe in sich geschlossenes Landwirtschaftssystem darstellt, in dem Technologie zur Automatisierung der allermeisten Arbeitsprozesse geführt hat. Selbst Erntehelfer, die einfachste Tätigkeiten verrichten, werden früher oder später durch Technik aus diesem Produktionsprozess verdrängt.

Auch der Anbau von Pflanzen hat sich seit dem Anfang des letzten Jahrhunderts stark verändert. Während das Säen, Pflügen und Ernten zu dieser Zeit noch Handarbeit war, die viel Muskelkraft und vor allem Zeit benötigte, so benötigt ein durchschnittlicher Landwirt heute für den Anbau auf einem Drittel seiner Felder nur noch rund drei Tage. Die Traktoren von heute sind nicht nur schneller und effizienter als Pferdepflüge oder die Traktoren der 50er-Jahre, sie können heute auch Kombinationsmaschinen ziehen, die mehrere Arbeitsschritte in einem Durchgang erledigen.

Mit dem Aufkommen des Kapitalismus und der Arbeitsteilung in der Industrie wurde Arbeit nicht nur immer monotoner, sondern ermöglichte erst die Automatisierung einzelner Arbeitsschritte. Diese Entwicklung, die ähnliche Züge aufweist wie die in der Landwirtschaft, lässt sich auch am Beispiel der Automobilindustrie am anschaulichsten darstellen.

Veränderung oder das Nichts

Damit allen Menschen solche beschriebenen und andere Errungenschaften zugutekommen, muss vieles von uns allen durchdacht, diskutiert und bearbeitet werden, um das produktive Potenzial der Gesellschaft zu erschließen. Denn Wissenschaft hat seit je her mehrere Funktionen erfüllt. Sie wird zur Produktivkraft, wenn sie die Effektivität menschlicher Tätigkeit erhöht. Wissenschaftsfortschritt als Kulturfortschritt bedeutet Erweiterung des Erklärungs-, Vorhersage- und Gestaltungspotenzials der Wissenschaft, die durch unterschiedliche Formen der Bildung weitergegeben werden kann und muss.

Die allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit, oft genannt als ein Lösungsansatz gegen (Massen-)Arbeitslosigkeit, setzt zum Beispiel auch den Willen zu weiteren gesellschaftlichen und politischen Veränderungen voraus. Elemente und Instrumente dieses Wandels müssten eine veränderte Arbeitszeit- und Beschäftigungspolitik sein. Gewerkschaften müssten das Portfolio ihrer Aufgaben verändern. Unter dem Eindruck der Automatisierung ist der Kampf für Vollbeschäftigung, und dies bezieht sich ausschließlich auf die Erwerbsarbeit, kein realistisches Ziel, sondern bleibt eine Fantasie. Thilo Rösch schrieb dazu in seinem beachtenswerten Essay über die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft:

“Insbesondere setzt sie (Anm. d. Verf.: die allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit) ein Zentrum der Prognose, Planung und Informationssammlung voraus. Ständige Verlagerungen von Arbeitskräften aus den Tätigkeitsbereichen, in denen die Automatisierung rasch verläuft, in solche, in denen sie langsamer erfolgt; eine überschaubare, unmittelbar allen zugängliche Arbeitsvermittlungsstelle mit der Möglichkeit, seine Arbeit mit einer oder mehreren Personen zu tauschen oder zu teilen; eine hohe berufliche Vielseitigkeit und Mobilität: Die Arbeiter müssen mühelos von einer Tätigkeit mit schnell wachsender Produktivität überwechseln können – oder auch, je nach der Jahreszeit, verschiedene Tätigkeiten ausüben können. Die Gleichgültigkeit gegen den Inhalt der Arbeit und deren Natur hat dann wieder den positiven Sinn, den Marx ihr in den Grundrissen zuschrieb. Nur eine Gesellschaft, in der jeder eine breite, vielseitige gesellschaftliche Qualifikation hat, kann die größtmögliche Zahl banalisierter und austauschbarer Arbeiten auf die größtmögliche Zahl von Personen verteilen.”

Wie könnte das gelingen? Die Antwort, die jenseits der Erwerbsarbeit liegt, kann nur durch den intensiven Austausch aller Beteiligten gefunden werden. Und auch nur dann, wenn wir unserem Dasein einen Sinn geben, das Wesentliche des Lebendigen in uns entdecken.

Der Weg durchs Leben ist die Suche nach Zufriedenheit im Jetzt. Er ist emotional, er ist Gefühl für andere und Gefühl für sich selbst. Ihn zu gehen heißt, sich anschauen und sich selbst wahrnehmen, um sich dann umzuschauen, um den jeweils rechten Platz entsprechend der eigenen Fähigkeiten in einer Gemeinschaft zu finden – die Vereinzelung aufzugeben, ohne sich selbst und seine Eigenheiten aufzugeben. Und um schließlich über sich zu schauen, um zu erkennen, dass jeder ein Teil des großen Ganzen ist. Es ist eine neue Sicht auf Natur und Mensch, ein Fundament der Verantwortung und Humanität, die an die Stelle von Mehrwert, Verwertung und Verantwortungslosigkeit rücken wird; außer die Menschheit wählt den direkten Pfad in die emotionale Leere: ins totale Nichts.


Quellen und Anmerkungen

(1) Tagesschau.de (10.11.2020): Ein Flop namens Trump. Auf www.tagesschau.de/wirtschaft/trump-deutsche-bank-103.html (abgerufen am 13.11.2020).

(2) ZEITOnline (8.11.2020): Keine falschen Hoffnungen. Auf www.zeit.de/wirtschaft/2020-11/us-aussenpolitik-praesidentschaftswahl-joe-biden-europa (abgerufen am 13.11.2020).

(3) Redaktionsnetzwerk Deutschland (8.9.2020): Mehr als 400.000 Tote jährlich: Luftverschmutzung bedroht Gesundheit am stärksten. Auf www.rnd.de/wissen/400000-tote-durch-luftverschmutzung-grosste-bedrohung-fur-gesundheit-auch-larm-und-klimawandel-immer-problematischer-L4OAGCQ2JXDLSDO7UYB5OS2IEQ.html (abgerufen am 13.11.2020).


Foto: Dominik Lange (Unsplash.com)

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Staat und Demokratie in der Hand von Oligarchen. (Grafik: Neue Debatte)

Die Herrschaft der Oligarchen

Das letzte Stadium jeder Zivilisation ist gekennzeichnet durch die Ignoranz herrschender Oligarchen gegenüber rationalen, umsichtigen und durchdachten Antworten auf soziale, ökonomische und politische Probleme. Sie verwüsten lieber den verwesenden Kadaver des Staates. Die Demokratie befindet sich in einem tödlichen Zangengriff. Nicht nur in den USA droht der Abstieg in die Barbarei.

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Frank Nöthlich wurde 1951 in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden hat.

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