Was sich noch lohnt

Wir leben in einer Zeit, in der die Mediengesellschaft das Wort Krieg prüfend in ihren Händen wiegt wie einen Kohlrabi auf dem Gemüsemarkt, in der man das Denunziantentum hoffähig macht und den Maulkorb zum Accessoire erhebt. Die Kraftspeicher für die Wachgebliebenen in unserer narkotisierten Zivilgesellschaft sind fast leer. Jetzt gilt es, angesichts des globalen Treibens einer durchgeknallten Finanz- und Politelite nicht den Verstand zu verlieren.

Deshalb ist es dringend notwendig, dass wir uns frei machen von den Narrativen, die der Politik entspringen, dass wir uns wieder unsere eigenen Geschichten erzählen. Schließlich gibt es noch ein Leben außerhalb des politischen Ränkespiels, das unsere Seelen immer mehr zu vergiften droht.

Es braucht über den riesigen Misthaufen, den das von Gier gesteuerte System permanent produziert, weder weitere Informationen noch Aufklärung – wir wissen doch seit Jahrhunderten, nach welchen Gesetzen ein menschen- und naturverachtendes System funktioniert.

Vergessen wir das dämliche Spiel der „Mächtigen“, bleiben wir bei uns selbst, das lohnt sich. Es ist das einzige, was sich noch lohnt. Vor allem dann, wenn wir füreinander in Liebe da sind. Davon haben die seelenlosen Killer und Psychopathen aus Wirtschaft und Politik nämlich nicht die geringste Ahnung. Verschwenden wir unsere Energien nicht in einem aussichtslosen Kampf gegen sie, in dem die Gewalt die einzige Option zu sein scheint. Auf diese Weise werden wir nie gewinnen.

Arbeiten wir an uns selbst, seien wir uns wichtig, jeder für sich, und sehen wir zu, dass wir die Personen in unserem unmittelbaren Umfeld aus ihrer Bewusstlosigkeit reißen. Machen wir sie vertraut mit sensiblen, mitfühlenden Menschen. Das ist die einzige Chance, die Gesellschaft von Grund auf zu verändern. Eine andere haben wir nicht.

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Das Land in dem wir leben wollen. Die Zukunft einatmen, Vergangenheit ausatmen. (Foto: Toa Heftiba, Unsplash.com)

Aufruf: Das Land, in dem ich leben möchte

Wie schon Max Herrmann-Neiße Anfang der 1930er-Jahre stellen sich die Initiatoren der Plattform Futur II in diesen Zeiten der Unklarheiten und Ungewissheiten die Frage, wie die Zukunft gestaltet werden kann – und Sie alle sind eingeladen, sich einzubringen, um Antworten zu finden.


Redaktioneller Hinweis: Das philosophische Essay „Was sich noch lohnt“ von Dirk C. Fleck erschien unter dem Titel „Aufruf II“ bei Kenfm.de. Es wurde von Neue Debatte übernommen und redaktionell überarbeitet. Links wurden ergänzt und einzelne Absätze zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben.


Foto: Jon Tyson (Unsplash.com)

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Dirk C. Fleck (Jahrgang 1943) ist freier Journalist und Autor aus Hamburg. Er machte eine Lehre als Buchhändler, besuchte danach in München die Deutsche Journalistenschule und absolvierte Mitte der 1960er ein Volontariat beim „Spandauer Volksblatt Berlin“. 1976 siedelte er wieder nach Norddeutschland über und arbeitete bei der „Hamburger Morgenpost“, wo er Lokalchef wurde. Später war er Chefredakteur des „Hanse-Journal“, Reporter bei „Tempo“ und Redakteur bei „Merian“. Er arbeitete im Auslandsressort der Wochenzeitung „Die Woche“ und schrieb ab Mitte der 90er Jahre als freier Autor und Kolumnist für Tageszeitungen (u.a. Die Welt) und Magazine wie zum Beispiel Stern, GEO und Spiegel. Seit den 1980ern setzt er sich journalistisch mit den ökologischen Folgen der zügellosen kapitalistischen Wirtschaftsweise auseinander und verarbeitet seine Erfahrungen, Überlegungen und Recherchen in Romanen. Das Buch „Palmers Krieg“ erschien 1992 und beschäftigt sich mit der Geschichte eines Ökoterroristen. „GO! Die Ökodiktatur“ (1993) ist eine Auseinandersetzung mit den Folgen des Ökozid. Außerdem erschienen von Dirk C. Fleck die Bücher „Das Tahiti-Projekt“ (2008), „MAEVA!“ (2011), „Die vierte Macht – Spitzenjournalisten zu ihrer Verantwortung in Krisenzeiten“ (2012) und „Feuer am Fuss“ (2015).

2 Gedanken zu “Was sich noch lohnt”

  1. Was sich nocht lohnt? – Ja, bei sich bleiben, Ja,wenn dann da eine Wahrnehmung und ein Begriff von ICH/SELBST vorhanden ist. Denn auch Psychopaten bleiben „bei sich“.
    Stelle ich mir die einfache Frage:(1) Ich liebe das Leben – was bedeutet das konkret in der Situation, in der ich mich befinde – einerseits, andererseits: was bedeutet es an und für sich?
    Bei sich selbst bleiben bedeutet: (2a) das EIGENE leben – und in Verbindung mit dem ersten Satz: Ich liebe das Leben, bedeutet es auch: (2b) anderen KEIN LEID zufügen.
    Spüre ich weiter hinein ergibt sich hier der Sachzusammenhang einer notwendigen Organisation: denn ich gestalte durch meine Handlungen immer etwas, was eben eine Wirkung auf das Andere hat (Mensch, Erde, Natur usw.).
    Somit ergibt sich eben die Frage der Organisation: (3) wie also kann ich gesellschaftliche Verhältnisse mitgestalten im Sinne von 1. und 2.

    Und dann kann ich schauen, wo finde ich Menschen, die diese einfache 1,2,3 – Ethik begreifen und leben?
    Das kann ich dann unterstützen, Da kann ich mich einbringen.

    Es lohnt sich also, sich einzubringen in eine Gemeinschaft, die:
    – erkannt hat, daß das bestehende Finanzsystem der Dreh- und Angelpunkt eines Sklavensystems (kontrollierbare Macht- Abhängigkeiten) ist und diese Gemeinschaft deswegen ein eigenes Geldwesen entwickelt hat, im Sinne von 1,2,3

    – erkannt hat, daß das bestehende Rechtssystem den Fokus auf Strafe und Angst hat – und diese Gemeinschaft sich selbst ein neues Rechtlsleben gegeben hat, welches auf Wiedergutmachung, Therapie und vor allem auf Gerechtigkeit basiert. Es macht eben einen Unterschied, ob in einer „Verfassung“ steht:
    Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich (GG Art.3 Abs.1)
    oder ob da steht:
    Gerechtigkeit steht über dem niedergeschriebenen Recht (Art.41 Verfassung KRD)
    Alle Deutschen haben gleiche Rechte (Art.52)

    GG Art.3 Abs.1: Wenn Menschen VOR dem Gesetz stehen, steht das Gesetz über ihnen (man betrachte dazu auch einmal die räumliche Anordnung in Gerichtssälen) – also: eine „Rechtselite“ erfindet Gesetze und diese (Elite/Gesetze ???!!!) – davor sind alle gleich (niedrig-rangig bzw. „Sache“)

    -erkannt hat, daß Bildung, Kultur, Gesundheit u.v.m. der Gewinnmaximierung („Gesundheitswirtschaft“ !!! bzw. der Kontrolle dadurch) unterworfen ist und deshalb auch dort neue Strukturen im Sinne von 1,2,3 entwickelt hat …

    kurzfristig lohnt es sich also, bei sich zu bleiben (was auch die Psychopathen auf ihre Weise tun) – mittel- und langfristig aber geht es darum selbst eine Gemeinschaft zu bilden, in der jede teilhabende Individualität ihr eigenes Potenzial finden, entwickeln und leben kann – denn die Rose schmückt bekanntlich den ganzen Garten …

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