Hey Du, ich bin’s, die satanische Wahrheit über COVID-19!

Haha … Ätsch … Reingelegt! Die Überschrift hält nicht, was sie verspricht. Das hier ist Satire. Ja, ein Anlass zur Ernsthaftigkeit wäre gegeben, weil einer im dunklen Süddeutschland bei ner Demo gegen die Covid-19-Maßnahmen eine Rede geschwungen haben soll, wo Satan persönlich ne ziemlich wichtige Rolle spielte.

Die Lösung? Ein Exorzist vielleicht?

So ist das eben in der zivilisierten Transparenzgesellschaft mit ihrer Kanonen-statt-Butter-Mentalität. Sie ist dichter am Hexenwahn und dem Irrenhaus, als es Mensch zu träumen wagt. Da greift man schnell zu Altbewährtem.

Lady Whisky und Angel Dust

Kann mir alles wurscht sein. Ich träume nicht, ich bin nur ein harmloser Artikel. Um was es geht, willst Du wissen? Ich verrate Dir zuerst, um was es garantiert nicht geht. Es geht nicht um Covid XYZ, auch nicht um eine Enthüllung über irgendeinen Impf-Billy mit zu viel Geld oder um Pressholzsärge made in Germany. Es geht um den immer gleichen Trick, der bei Dir und allen anderen so super funktioniert, obwohl Du ihn ja gut kennst: das Anfüttern mit dem Leid, die Provokation Deiner Sinne mit dem Grauen und das Kapern Deiner Gefühlswelt mit Hilfe der Apokalypse in Wort und vor allem Bild. Klingt spannend, sagst Du? Okay, dann mach’ ich mal weiter.

Jeden Tag begegnen Dir diese Versuche, in Deine heiligen Hallen der Emotionen vorzudringen. Es ist die wesentliche Aufgabe bei der Jagd nach Deiner Aufmerksamkeit. Ja, Deine Aufmerksamkeit wird gejagt. Um die geht es und um nichts anderes.

Banker mit Gesundheitsfimmel und Drähten in die Pharmaindustrie, Tierärzte ohne Emphase, Wissenschaftler nahe am Hexenhammer, selbst ernannte Umweltretter im Kanzlerwahn, Statistik-Freaks, Maskenjünger, Maskenhasser, völkische Volkslehrer, Querdenker und exorzistische Gleichdenker, missionierende Leugner und bekehrte Covid-Missionare, urbane Jungunternehmerinnen, die in der Krise ein smartes Business als Cam-Girls aufbauen und physiologisch überoptimierte Typen, die als Influncer auf YouPorn, YouTube oder YouEgal digital durchstarten – sie alle schreien Dich an, weil sie scharf auf Deine Aufmerksamkeit sind. Und ich bin es auch!

Na, wie fühlt es sich an, so mega-geil wichtig zu sein? Cool, oder?! Richtig gut, was?! Ja, Du bist wichtig … und abhängig von diesem Trommelwirbel um Deine Aufmerksamkeit; ein Schweralki, der vor dem nächsten Schluck die Flasche anstarrt. Und wer Deine Aufmerksamkeit auf diese Weise einsammeln kann, der beherrscht Dich, so wie der Stoff den Süchtigen beherrscht. Bist Du noch da? Prima, dann bin ich jetzt Dein nächster Schuss, Deine Lady Whisky, Dein Angel Dust … Dein entsetzlich harmloser Artikel!

Odysseus im Black hole

Was? Wie es mir geht, willst Du wissen? Tja, ich war lange weg, musste untertauchen und mich verstecken vor den Covid-19-Eilmeldungen, diesem ganzen Spekulationsmüsli um dieses Etwas und den Zahlen. Aber jetzt, wo der Rausch langsam nachlässt, hat man sich wieder an mich erinnert. Und auch Du hast mich ja trotz alledem gleich erkannt, oder? Ja?! Nice!

Was? Du hast mich vermisst, sagst Du?! Ach komm schon, jetzt übertreib mal bitte nicht. Ich bin nur ein Artikel, mich vermisst niemand in diesem Meer aus Belanglosigkeiten. Welches Meer, fragst Du?! Diese schmuddeligen Pfützen im Internet der Dinge natürlich. Die Informationsslums, deren Abwasserkanäle und ihre überlaufenden Staubecken. Würde Odysseus auf seiner Irrfahrt durchs Netz Twitter und die dortige hyperintellektuelle Horde entdecken oder ominöse WhatsApp- oder Telegram-Gruppen mit “Freund und Helfer”-Nazis, er würde sie pauschal Black hole taufen und vielleicht einem Kumpel über das Schwarze Loch via Flaschenpost berichten. Das hat ja etwas Verbindendes, so ein handgeschriebener Brief im Glas. Da ist etwas Menschliches in jeder Zeile.

Was im Black hole los ist, fragst Du?! Ne ganze Menge ist da los. Da wird philosophiert, Kunst diskutiert, Musik geteilt, die Fotos vom letzten Skiunfall des Nachbarn rumgereicht, das Ego ins Schaufenster gestellt, der Umsturz geplant, die Revolution herbeifantasiert, dem Rassenwahn gefrönt, Lenin oder Mao gehuldigt, Bitcoin, Silber oder Gold angebetet und es wird sich oft genug die Birne heiß gemacht. Alles zusammen bildet den Ozean des schrecklichen Nichts. Das ist los im Black hole.

Erster Stopp Verwahrlosung

Magst Du Geschichten? Ja?! Sehr gut, ich erzähl Dir eine. In den 1980er-Jahren war das Netz eine Offenbarung, ein endloser Fluß der Erkenntnis. Es entstanden ein paar wenige, aber sehr enge Kontakte zwischen Menschen in der großen weiten Welt. Es gab Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer, Zugang zu fremden Ländern, Kulturen und ungeahnten Informationen, aufgesaugt durch die Augen und Ohren der anderen, ob aus Peking, New York, Rio oder Moskau.

Ja, die anderen Menschen hatten Bedeutung. Sie tauschten sich in Foren aus, ihren kleinen virtuellen Dörfern, den Orten der Begegnung. Sie schrieben sich lange Nachrichten, vertieften ihre Beziehungen und waren freundlich zueinander. Das Netz war ein kostbares Biotop. Es wurde gehegt, gepflegt, selbstorganisiert und war frei. Das klingt spannend, sagst Du? Hoffentlich, es geht ja noch etwas weiter … diese kleine Erzählung über die Verwahrlosung auf dem digitalen Eisberg.

Mehr und mehr Siedler kamen und mit ihnen der Hate speech und der Tanz ums Goldene Kalb: die Besserwisserei, die Beleidigungen, die ökonomische Denke, die Kommerzialisierung des Wissens und der Bildung, die Märkte, die Propaganda, die Werbung, der Konsumterror. Sie nahmen das Paradies, das allen offen stand, Stück für Stück in Besitz, wie einst die Räuber aus Europa das Land der nordamerikanischen Ureinwohner in Besitz nahmen.

Sie stauten den freien Fluss des Wissens zu einem gewaltigen Strom aus Daten auf, um ihr digitales Gold besser abschöpfen zu können. Sie müllten uns zu mit ihrem Spam, belästigten uns mit ihren Bannern, Popups, ihren Werbetexten und politischen Worthülsen. Sie drangsalierten uns mit ihren AGBs, ihrem Copyright, ihren Datenschutzbestimmungen, ihren Paragrafen, ihrer Rechteindustrie.

Sie errichteten Reservate, die sie soziale Netzwerke nannten, trieben uns hinein und zäunten uns und die Freiheit ein. Sie domestizierten die Ureinwohner des Internets und schufen eine Armee bewusstloser User, das Nutzvieh auf ihren digitalen Weiden. Die Claims sind abgesteckt, das Vieh verteilt, es wird gemolken. Aufmerksamkeit wird abgezapft, die Lebenszeit gestohlen. Das ehemalige Paradies ist zum höllischen Endlager verkommen – dauerhaft kontaminiert mit strahlender Sinnlosigkeit.

Von hier aus ins Vergessen

Nicht alles im Netz ist Müll, sagst Du? Ja, das stimmt. Es gibt unzählige kleine und große Inseln und riesige Kontinente des Wissens, die aber alle langsam wie das sagenhafte Atlantis in einer Brühe aus Zahlen, Grafiken, Videoschnipseln, hübschen und hässlichen Bildern versinken. Und auch ich versinke. Ja, ich oute mich. Ich hier, dieser schnell getintete harmlose Artikel, der alles zu erklären versucht und dabei keine genaue Ahnung von irgendwas haben muss, ich bin banal und nur seichte Unterhaltung für Erwachsene.

Was? Wie? Du fühlst Dich nicht wie ein Erwachsener? Du fühlst dich … jung?! Wo ist Dein digitales Reservat? TikTok, Instagram, Likee, Byte oder wie das alles heißt? Wie bitte!? Wo bist Du? Du bist auf Facebook?! Hahaha … Willst Du mich auf den Arm nehmen? Facebook ist was für alte Leute, für die Abteilung Ü40! Da treffen sich Grandma und Grandpa!

Mit 40 ist niemand ein Opa, meinst Du?! Hä … Das sagst Du sehr leichtsinnig daher! Leugnest Du etwa die ersten Falten und das Zellsterben?! Bist Du ein Alterungsleugner? Bist Du ein Leugner? Du bist ein Leugner! Ein Leugner … !!!

Hey, jetzt werd nicht gleich traurig. Sorry, das war nur ein schlechter Scherz, eine Übertreibung zum Abschluss. Sie ist aber nahe an der Wahrheit, oder?! So läuft es doch. Du äußerst Dich zu irgendwas, irgendein Arschloch fällt über Dich her und ein paar andere Arschlöcher machen mit. Sie haben ihr Opfer gefunden. Andere schauen zu, halten die Klappe oder freuen sich insgeheim, dass sie (noch) nicht dran sind. Und Du stehst anschließend in einer Ecke, aus der sie Dich nicht mehr rauslassen: Linker Spinner, Nazi, Gutmensch, Ökodiot, Covidiot, Maskidiot, Vollidiot. Das ist die tödliche Seite bei der Jagd nach Deiner Aufmerksamkeit.

Es ist nackter Hass und pure Gewalt, nicht mit einem Hammer, aber mit Worten. Es ist eine kollektive Vergewaltigung der Psyche – und jeder wird in dieser Massenveranstaltung langsam aber sicher Täter und Opfer. Wie bei Ratten, die in einem engen Käfig gehalten werden, in dem alles im Überfluss vorhanden ist: Spielzeug, Fressen, Wasser, aber viel zu wenig Platz. Die gehen irgendwann aufeinander los.

Letzte Ausfahrt Real Life!

Was man dagegen tun kann, fragst Du? Man tut nichts, sondern Du kannst etwas tun! Ja, etwas sehr konkretes sogar! Entziehe diesem System der Gewalt Deine Aufmerksamkeit. Mache aus Deiner Aufmerksamkeit ein unbezahlbares Gut, dass sich ein Mensch durch Achtsamkeit verdienen muss. Und wo findest Du diese Menschen? Im Real Life!

Sei radikal und konsequent. Fahr Deine Internetnutzung runter. Das nennt sich Digital Detox. Investiere Deine Lebenszeit nicht in News oder überflüssige Eilmeldungen, sondern in Bücher, Malerei, Gerüche, Geschmack und echte soziale Beziehungen. Was? Covid, Maske, Abstand? Ja, kannst Du alles machen, wenn Du es richtig findest. Aber miteinander reden, über die Zukunft diskutieren und Pläne schmieden geht doch trotzdem, oder? Siehst Du. Damit fängt es ja an. Reden, sich austauschen, sich gegenseitig Aufmerksamkeit schenken, weil Du es willst und Dein Gegenüber es auch will.

An einer Kleinigkeit kommt ja niemand vorbei: Reale Begegnungen sind Geschichten die sich auf die biologische Festplatte brennen. Sie werden ein Teil von Dir. Und Du erinnerst Dich an sie noch Jahre später. Hast Du heute schon einen Post in einem dieser Slums abgesetzt? Was hast Du geschrieben? Wer hat Dir geantwortet? Siehst Du … Fällt schwer, was?!

Es ist egal, woher Du kommst oder wie Du im Netz genannt wirst, wohin Du dort gehst, wissen wir beide: ins Vergessen. Im Netz bist Du ein Staubkorn. Völlig unwichtig, wie jede einzelne Information im Netz unwichtig ist. Das Ganze kann niemand mehr überblicken: Es geht zu schnell, es ist zu viel, alles wird zu Nichts. Und die am lautesten nach Deiner Aufmerksamkeit schreien, sind die Leugner des Nichts. So wie Du mich schon bald vergessen haben wirst, werden sie und Du noch schneller vergessen worden sein … Das Real Life ist die letzte Ausfahrt.

Ich bin ermüdet. Sie werden mich schon bald im Archiv verstauen. Vielleicht gräbt mich irgendwann jemand aus, ne KI oder so. Auch egal. Mein Job ist für heute eh erledigt. Weißt Du … Bist Du noch da? Bist Du da? Bist Du im Real Life … Gut so!


Foto: Walid Hamadeh (Unsplash.com)

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Noch mehr satirische Beiträge…

C. J. Hopkins sucht Hitler, denn Trump ist es offenbar nicht. (Symbolfoto: Josh Calabrese, Unsplash.com)

Wo ist der Hitler?

Wir haben Dezember. Das Jahr und die Präsidentschaft von Donald Trump sind fast vorbei. Nicht grundlos fragt C. J. Hopkins in seinem satirischen Essay: Und wann kriegen wir Hitler? Er wurde den Menschen nicht nur von den Medien versprochen, sondern sie wurden damit in einen Rausch aus Hass und Paranoia versetzt.

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2 Gedanken zu “Hey Du, ich bin’s, die satanische Wahrheit über COVID-19!”

  1. Virtualität – im Gegensatz zu “Real Life”, wie der Autor es nennt – ist luziferischer Art, genauso wie es die Vorstellungen, Wünsche und Träumereien oder das Regelwerk einer überbordenden Bürokratie ist.
    Auch die Finanzblasen sind Gebilde luziferischen Ursprunges – es sind die Irrlichterierenden, um es mit den Worten in Goethes Märchen zu sagen – denn das virtuelle Geld geistern um die Welt herum, ohne einen Bezug zum “Real Life” zu haben.

    Damit Blasen – egal welche – nicht gleich platzen, brauchen sie Kontrolle, sie brauchen Schnittstellen ins “Real-Life”.
    Die lebenswichtigen Notwendigkeiten im “Real Life”, also die Deckung der Grundbedürfnisse, werden in den Köpfen der Menschen verknüpft mit dem Wahn der Virtualitäten, so daß daheraus es wiederum Gruppen gibt, die bereit sind zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse den Wahn mit Waffengewalt zu verteidigen.

    Im Real-Life haben wir somit Waffengewalt – Exekutive, von der wir uns dann zwingen lassen, die Blasen als Tatsachen aufzufassen, weil wir den Ängsten, die durch die Verknüpfung von Virtualität mit Realität entstehen nicht innerlich widerstehen können, sondern uns gleichschalten lassen.

    Diese Uniformierung – auch des Denkens im Sinne der Blasen – das Konsumieren als eine Art “more from the same” Hamsterrad, also das “Verhaftenmüssen” in diesen materiellen Zwangsdynamiken durch Druckmittel Angst ist wiederum der luziferische Gegenpart, das über die Maßen Verdichtende, Gleichmachende – der “Pferdefuß” – das Ahrimanische.

    Im Daoismus, der z.B. auch die Grundlage des QiGong bildet ist der Mensch das Wesen, welches zwischen HImmel und Erde steht und darin seine bewußte Balance herstellt: also weder luziferischen Blasen und Wunschideen (=Ideologien !!!) oder Größenwahn, noch dem Würfelprinzip (im Sinne einer zu starken Kristallisation, also materielle Starre und Überformung) unterliegt – sondern mit diesen beiden Kräften oder Polen die individuelle Mitte tariert.

    Das sogenannte “Real-Life” betrachte ich deshalb als eine individuell gestaltete Mischung aus dem Bereich der Ideen und den Bedingungen und Möglichkeiten des Irdisch-Machbaren im Sinne der in dieser Ehtik der Mitte (Herz) gewonnenen Impulse.

  2. Zitat:
    „Es geht zu schnell, es ist zu viel, alles wird zu Nichts.
    „Und die am lautesten nach Deiner Aufmerksamkeit schreien, sind die Leugner des Nichts.“

    Ja, alles wird wieder zu Nichts.
    Im Leben geht es eigentlich nur darum diesem Nichts auszuweichen, die Leere irgendwie mit Illusionen voll zustopfen, die dann für einen persönlich einen imaginären Sinn ergeben sollen, um die eigene Bedeutungslosigkeit in einem unermesslichen Universum zu kaschieren, auf der Jagd nach einem Gott oder mehreren GötterInnen. Das wird in diesem Jahr wohl nicht viel anders sein. ;-)

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