Das war’s, Leute!

Wie sie am Ende all dieser verrückten Cartoons von Looney Tunes zu sagen pflegten: Das war’s, Leute! Die Show ist vorbei. Der buchstäbliche russische Kapital-Hitler, die letzte große Bedrohung für die westliche Demokratie, das Monster von Mar-a-Lago, Trumpzilla, Trumpenstein, der Ayatollah von Orange Shinola, wurde endlich gedemütigt und von den heldenhaften Kräften des GloboCap „Widerstands“ aus Washington rausgeschmissen – mit ein wenig Hilfe vom US-Militär. Die ganze Sache lief genau nach Drehbuch.

Nun … Okay, nicht ganz genau nach Drehbuch. Trotz vier Jahren der düsteren Warnungen von den Konzernmedien, der Intelligence Community, Hollywood-Berühmtheiten, der Demokratischen Partei, unechten Antifaschisten, Pseudo-Linken-Meinungsmachern und ziemlich jedem völlig verblendeten Trump-besessenen Liberalen mit einer Internetverbindung, gab es keinen Hitlerschen „Reichstagsbrand“, kein Boogaloo, keinen Bürgerkrieg II, keinen Putsch, keinen weißen Vorherrschaftsaufstand. Nichts. Der Mann stieg einfach in einen Hubschrauber und wurde in sein Domizil in Florida geflogen.

Ich weiß, Sie denken wahrscheinlich … „Wow, wie peinlich für den GloboCap-‚Widerstand‘, als ein Haufen völlig schamloser neo-Goebbelsianischer Propagandisten und Lügner und hysterischer Idioten und dergleichen entlarvt zu werden!“ Und in jeder anderen Version der Realität hätten Sie sogar Recht … aber nicht in dieser.

Nein, in dieser Realität hat „die Demokratie gesiegt!“ Ja, es war eine Zeit lang auf Messers Schneide, da es keine Garantie dafür gab, dass die Geheimdienstgemeinschaft, der militärisch-industrielle Komplex, die westlichen Regierungen, die Konzernmedien, supranationale Unternehmen, Internet-Oligarchen und praktisch jede andere Komponente des globalen kapitalistischen Imperiums einen ehemaligen Game-Show-Moderator ohne wirkliche politische Macht davon abhalten konnte, die ganze Welt zu übernehmen.

Dennoch, Trumps Scheitern, ein Hitler oder zumindest ein halber Hitler zu werden, war etwas ungeschickt. Ich meine, Sie können nicht Millionen Menschen aufstacheln zu einer vier Jahre anhaltenden Raserei aus Angst und Hass auf einen eindeutig machtlosen Clown-Präsidenten, ihn als einen russischen Geheimdienst-Assistenten darstellen und als den Sohn von Hitler und den ganzen Rest und dann einfach die Show beenden und den Leuten ins Gesicht lachen. Das würde so aussehen, als seien sie selbst totale Idioten, die gerade die letzten vier Jahre ihres Lebens damit verbracht haben, belogen und emotional manipuliert zu werden, wie Mitglieder einer Sekte oder so.

Zum Glück war das für GloboCap kein großes Problem. Alles, was sie tun mussten, war eine billige Simulation von „Trump, der voll auf Hitler macht“, zu produzieren. Es musste nicht einmal überzeugend sein. Sie brauchten nur ein halbdramatisches Ereignis, das sie in das offizielle Narrativ einfügen konnten, etwas, das sie „einen versuchten Staatsstreich“, „einen Aufstand“, „einen Angriff“ und so weiter nennen konnten und worüber sich Millionen leichtgläubiger Liberaler im Internet hysterisch ausheulen durften.

Die „Erstürmung des Kapitols“ erfüllte seinen Zweck.

Sie hatten im letzten August in Berlin eine Generalprobe und gaben dann die echte Aufführung im Capitol Building (diesmal ging es um das große Ganze, also gingen sie weiter und brachten ein paar Leute um). Es war nicht sehr schwer, das durchzuziehen. Alles, was sie tun mussten, sowohl in Berlin als auch in DC, war, einer kleinen Randgruppe von wütenden Demonstranten Zugang zum Gebäude zu gewähren, es zu filmen und dann die Geschichte vom „versuchten Staatsstreich“ zu verbreiten.

Es machte überhaupt keinen Unterschied, dass die „einheimischen Terroristen“ (sowohl in Berlin als auch in Washington) ein völlig unorganisierter, unbewaffneter Mob waren, der absolut keine Bedrohung darstellte, einen „Putsch“ zu inszenieren und „die Regierung zu stürzen“. Auch machte es nicht den geringsten Unterschied, dass Trump den Mob nicht wirklich „angestachelt“ hat (ja, ich habe mir die Mühe gemacht, jedes Wort seiner Rede zu lesen, die von Anfang bis Ende der übliche Wortsalat war). Wir reden hier über Propaganda, nicht über die Realität.

Die sogenannte „gewaltsame Erstürmung des Kapitols“ bildete die Bühne für das Hauptereignis, nämlich die Machtdemonstration, die wir alle gerade miterlebt haben. Jemand (mir ist nicht ganz klar, wer) bestellte die Truppen ein, Zehntausende von ihnen, sie riegelten Washington ab, errichteten Zäune, stellten Straßensperren auf und militärische Kontrollpunkte und besetzten auf ähnliche Weise das Regierungsviertel. Es sah aus wie jede andere US-Militärbesetzung nach einem „Regimewechsel“, denn genau das war es, und das war genau der Punkt. Wie ich seit … nun, seit über vier Jahren wiederholt habe, musste es so enden, also dass GloboCap ein Exempel an Trump statuiert und alle daran erinnert, wer wirklich das Sagen hat.

Schauen Sie, lassen Sie mich die letzten vier Jahre kurz zusammenfassen, denn es gibt alle möglichen verrückten Theorien, die im Umlauf sind (ganz zu schweigen von der offiziellen GloboCap-Erzählung), aber was tatsächlich passiert ist, ist ziemlich einfach. Hier ist die ganze Geschichte, so knapp und prägnant, wie ich sie erzählen kann.

Zurück ins Jahr 2016. Das amerikanische Volk, krank in den Gliedern durch den globalen Kapitalismus und seine zunehmend unterdrückerische Ideologie, wählte einen unautorisierten narzisstischen Clown in das höchste Amt im Staat. Das taten sie aus einer Vielzahl von Gründen, aber meistens war es einfach nur ein großes „Fuck you“ für das Establishment.

Es war ein Akt der Rebellion gegen eine Regierung, von der sie wissen, dass diese im alleinigen Besitz von verantwortungslosen supranationalen Konzernen und Oligarchen ist, die sie ganz offen verachten. Es war ein Akt der Rebellion gegen ein Regierungssystem, von dem sie wissen, dass sie keinen Einfluss darauf haben und auch keinen Einfluss darauf haben werden. Es war ein Akt der Rebellion gegen den globalen Kapitalismus, das unwidersprochene, global-hegemoniale System, das die Welt in den letzten dreißig Jahren dominiert hat … ob sie nun wussten, wogegen sie rebellierten oder nicht.

Dieser Akt der Rebellion geschah vor dem Hintergrund des Brexit (ein weiterer derartiger Akt der Rebellion) und im Kontext des Aufstiegs diverser „populistischer“ Bewegungen auf der ganzen Welt. Als Trump 2016 tatsächlich gewann, erkannten die globalen kapitalistischen herrschenden Klassen, dass sie ein ernstes Problem hatten … eine „populistische“ Rebellion im Herzen des Imperiums. Also setzten sie den Globalen Krieg gegen den Terror aus und starteten den Krieg gegen den Populismus.

Das ultimative Ziel des Krieges gegen den Populismus war es, diese „populistische“ Rebellion zu neutralisieren und die Öffentlichkeit daran zu erinnern, wer eigentlich das Sagen hat.

Stellen Sie sich die Trump-Ära als einen Gefängnisaufstand vor. In jedem Hochsicherheitsgefängnis wissen die Gefangenen, dass sie nicht ausbrechen können, aber sie können auf jeden Fall hin und wieder ein wenig die Hölle heiß machen, was sie in der Regel tun, wenn sie es wirklich leid sind, von den Gefängniswärtern misshandelt und vernachlässigt zu werden. Die meisten Gefängnisaufstände lösen sich von selbst auf, aber wenn sie zu lange andauern oder zu hässlich werden, reagieren die Strafvollzugsbehörden typischerweise mit der Erschießung einiger Gefangener (in der Regel der Rädelsführer) und erinnern die Insassen daran, dass sie sich in einem Gefängnis befinden und dass die Besitzer des Gefängnisses Pistolen tragen, während sie Messer aus Löffeln und Zahnbürsten haben.

Das ist es im Grunde, was wir gerade erlebt haben. Die globalen kapitalistischen herrschenden Klassen haben uns gerade daran erinnert, wer wirklich das Sagen hat, wem das US-Militär untersteht und wie schnell sie die Fassade von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abstreifen können. Sie haben uns in den letzten zehn Monaten daran erinnert, indem sie uns unter Hausarrest stellten, uns verprügelten und verhafteten, weil wir Befehle nicht befolgten, weil wir keine Masken trugen, weil wir ohne Erlaubnis spazieren gingen, weil wir die Dreistigkeit besaßen, gegen ihre Dekrete zu protestieren, weil wir ihre offizielle Propaganda herausforderten, über den Virus, die Wahlergebnisse und so weiter. Aktuell erinnern sie uns daran, indem sie abweichende Meinungen zensieren und jeden, den sie als Bedrohung für ihre offiziellen Narrative und Ideologie ansehen, deplatformieren.

Mit anderen Worten: GloboCap erteilt uns eine Lektion. Ich weiß nicht, wie viel deutlicher sie es noch machen könnten. Sie haben gerade einen neuen Marionettenpräsidenten installiert, der nicht einmal geistige Schärfe simulieren kann, in einer abgesperrten, militärisch bewachten Zeremonie, an der niemand teilnehmen durfte, außer ein paar Vertreter der herrschenden Klassen. Sie haben irgendeinen Epigonen von Albert Speer dazu gebracht, die Mall (wo sich die Öffentlichkeit normalerweise versammelt) in ein „Fahnenfeld“ zu verwandeln, das die „Einheit“ symbolisiert. Sie machten sogar die Nazi-Sache mit dem „Lichtdom„. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, haben sie Lady Gaga dazu gebracht, sich als „Hunger Games“-Figur mit einer „Mockingjay“-Brosche zu schmücken und die Nationalhymne zu singen. Und dieses Spektakel übertrugen sie in die ganze Welt.

Und die Lektion ist noch nicht ganz vorbei … sie wird für eine Weile nicht vorbei sein. Der „Krieg gegen den Populismus“ wird sich einfach in den „New Normal War on Domestic Terror“, den neuen normalen Krieg gegen den heimischen Terror“ verwandeln, der zu einem weiteren Schauplatz im „Globalen Krieg gegen den Terror“ wird, der auf Pause gewesen ist, und der jetzt fortgesetzt werden kann.

Wie ich in den letzten vier Jahren wiederholt betont habe, scheinen wir auf eine dystopische Zukunft zuzusteuern, in der es im Wesentlichen zwei Klassen von Menschen geben wird: (a) die „Normalen“ (das heißt, diejenigen, die sich der global-kapitalistischen Ideologie und den Dekreten anpassen); und (b) die „Extremisten“ (das heißt, diejenigen, die das nicht tun).

Es wird überhaupt keinen Unterschied mehr machen, welche Art von „Extremisten“ diese „Extremisten“ sind … religiös-fundamentalistische Extremisten, islamische Extremisten, christliche Extremisten, Rechtsextremisten, Linksextremisten, weiß-supremistische oder schwarz-nationalistische Extremisten, Virus-Leugner, Virus-Leugner, Anti-Impfer, Verschwörungstheoretiker, Anti-Maskierer, widerspenstige Transphobiker, Anti-Transhumanisten, Pronomen-Verweigerer, trotzige Oppositionelle oder was auch immer … die Namen sind nicht wirklich wichtig.

Der springende Punkt ist, sich anzupassen oder als „Extremist“, „inländischer Terrorist“ oder als eine andere Art von „asozialer Person“ oder einer mit einer „sozialen Abweichung“ oder einer „potenziellen Bedrohung der öffentlichen Gesundheit“ abgestempelt zu werden.

Ich behaupte nicht, jedes Detail zu kennen, aber eines scheint überdeutlich zu sein. Wir werden nicht zu dem zurückkehren, was einmal gewesen ist. GloboCap hat uns das seit fast einem Jahr immer wieder erklärt. Sie hätten es nicht deutlicher machen können. Als sie uns warnten, wir sollten uns bereit machen, weil ein „New Normal„, ein „neues Normal“ kommen würde, meinten sie es ernst.

Und jetzt … nun … hier ist es.

Thank God all that literal fascism is finally over (Screenshot Consent Factory 20.01.2021)

Redaktioneller Hinweis: Der satirische Beitrag wurde im englischen Original unter dem Titel “That’s All Folks!” von C. J. Hopkins unter anderem auf Consent Factory und New Debate publiziert. Er wurde von Neue Debatte sinngemäß übersetzt. Einzelne Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben. Wir danken dem Autor für die Zustimmung zur Veröffentlichung.


Noch mehr Essays von C. J. Hopkins

Consent Factory Essays Vol I 2017-2017. Trumpocalypse C. J. Hopkins

Trumpocalypse

Consent Factory Essays, Vol. I (2016-2017)

Autor: C. J. Hopkins
Genre: Politik/Satire
Sprache: Englisch
Seiten: 121
Veröffentlichung: 2019
Verlag: Consent Factory Publishing
ISBN: 978-3-9821464-0-9

Über das Buch: In dieser ersten Sammlung seiner Consent Factory Essays behandelt C. J. Hopkins respektlos den unglaublichen Aufstieg von Donald Trump, die politische Dynamik, die zu seiner Präsidentschaft führte und die von den Medien erzeugte Massenhysterie, die Amerika während seiner ersten Amtszeit überrollte. „Mutig, originell, aufschlussreich und urkomisch“ (Matt Taibbi, Rolling Stone), fangen die Essays in diesem Band den Wahnsinn von 2016 und 2017 ein. Trumps Kandidatur, die Wahl, der Widerstand, „Putin-Nazis“, Neo-McCarthyismus, Fake News, Bots, Charlottesville … der ganze verrückte Zirkus, der von Amerikas „verrücktem Clown-Präsidenten“ entfesselt wurde.


Foto: Joshua Coleman (Unsplash.com) und Consent Factory Publishing

Dramatiker, Romanautor und politischer Satiriker | Webseite

C. J. Hopkins ist ein US-amerikanischer preisgekrönter Dramatiker, Romanautor und politischer Satiriker. Bekannt sind außerdem seine Werke "Horse Country" (2004), "screwmachine/eyecandy" (2007) und "The Extremists" (2010). Seine Stücke wurden aufgeführt an Theatern und bei Festivals, darunter beispielsweise die Riverside Studios (London), 59E59 Theaters (New York), Traverse Theatre (Edinburgh), Belvoir St. Theatre (Sydney), das Du Maurier World Stage Festival (Toronto), Needtheater (Los Angeles), 7 Stages (Atlanta), Edinburgh Festival Fringe, Adelaide Fringe, Brighton Festival und das Noorderzon Festival (Niederlande). Mehrfach wurde C. J. Hopkins ausgezeichnet für seine Leistungen: First of the Scotsman Fringe Firsts (2002 ), Scotsman Fringe Firsts (2002 und 2005) sowie 2004 (Adelaide Fringe) für das beste Stück. Seine politischen Satiren und Kommentare wurden von Consent Factory, RT.com, OffGuardian, ZeroHedge, ColdType, The Unz Review, CounterPunch, Dissident Voice, ZNet, Black Agenda Report und anderen Publikationen veröffentlicht und vielfach übersetzt. Sein Debütroman "Zone 23" wurde 2017 bei Snoggsworthy, Swaine & Cormorant veröffentlicht. (Autorenfoto: Königubu; CC BY-SA 4.0)

2 Gedanken zu “Das war’s, Leute!”

  1. Der Kapitalismus ist sein eigener Totengräber, der in seine selbst ausgegrabene Grube geworfen wird, wenn die Obrigkeit nicht mehr so weitermachen kann wie bis dahin und die Unterdrückten nicht mehr so weiter machen wollen. Dazu muss es aber erst kommen, jegliches hat seine Zeit. Veränderungen in den gesellschaftlichen Verhältnissen lassen sich nicht willkürlich herbeiführen. Der Wille aufzubegehren entsteht per se. Gegenwärtig ist die kapitalistische Wirtschaftsweise zwar im Verfall, aber noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt und die Machthaber agieren mit einem umfangreichen Potenzial von Machtinstrumenten. Damit die notwendigen Veränderungen letztendlich von den Unterdrückten erfolgreich durchgesetzt werden können, ist es darum wichtig, dass es Vorstellungen gibt, wie denn was verbessert werden muss und mit welchen Zielstellungen die Veränderungen erreicht werden können. Das ist die Aufgabe der Bewegungen und Initiativen.

    „Mit der Entwicklung der großen Industrie wird unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“( Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, I. Marx/Engels, MEW 4, S. 474, 1848)

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