Reiner Wein Podcast: Meine Pandemie mit Professor Drosten

Corona ist das alles beherrschende Thema. Aber schon bevor von einer Pandemie überhaupt die Rede sein konnte, überschlugen sich die Schlagzeilen. Warum? Bei Reiner Wein, dem politischen Podcast aus Wien, spricht der Publizist Walter van Rossum über sein Buch „Meine Pandemie mit Professor Drosten“, über den Hype um das Virus, eine aus dem Ruder gelaufene Berichterstattung und den Aufstieg eines Virologen zum Medienstar und Stichwortgeber der Politik.

„Medien sind mega-geil auf solche Seuchen!“

Das Buch von Walter van Rossum ist nicht nur eine Roadmap durch die Corona-Krise, sondern eine Barrikade gegen die Übermacht der medial verordneten öffentlichen Meinung. Die stand praktisch vom ersten Tag an fest: Corona ist die Apokalypse, der Weltuntergang, der Blick in die Hölle, wie ihn ein Dante Alighieri nicht hätte besser beschreiben können.


Meine Pandemie mit Professor Drosten

Reiner Wein, der politische Podcast aus Wien. Gast: Walter van Rossum

www.reiner-wein.org


Alle anderen Themen sind in den Hintergrund gerückt: Klimakrise, Weltwirtschaftskrise, die soziale Ungleichheit, Revolten, Massenstreiks oder der Hungertod im globalen Süden werden überlagert von der Berichterstattung über Corona. Kritische Stimmen, die vor allem die Folgen der Maßnahmen infrage stellen, die eine Verbreitung des Virus unterbinden sollen, gab und gibt es, aber Gehör finden sie kaum. Das Narrativ steht wie eine Mauer aus Stahlbeton. Die Beeinflussung ist gewaltig, die Eindimensionalität offensichtlich. Walter van Rossum spricht von Manipulation. Schon in der Einleitung seines Buches zitiert er Edward Louis Bernays, den Begründer der modernen Theorie der Propaganda:

„Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist. Wir werden regiert, unser Verstand geformt, unsere Geschmäcker gebildet, unsere Ideen größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie gehört haben. Dies ist ein logisches Ergebnis der Art, wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist.“ (in: Meine Pandemie mit Professor Drosten, S. 12; aus: „Propaganda“ von Edward Louis Bernays, 1928).

Beim Podcast Reiner Wein geht Van Rossum, der selbst seit den frühen 1980er-Jahren für Zeitungen und Fernsehanstalten tätig ist, mit dem Journalismus scharf ins Gericht. „Früher wurde in den Sendern diskutiert, die Leute widersprachen sich gegenseitig. Heute ist alles auf Linie gebracht“, sagt Van Rossum. Mit Blick auf Corona erinnert er an die Schweine- und Vogelgrippe. „Medien sind mega-geil auf solche Seuchen“, sagt er.


Walter von Rossum: Meine Pandemie mit Professor Drosten | Reiner Wein Interview (Quelle: Idealism Prevails/YouTube)

Die Jagd nach der Schlagzeile und der Aufmerksamkeit der Medienkonsumenten wird zum Problem. „Man muss noch einmal daran erinnern“, sagt Van Rossum, „die Medien sind zu einem Zeitpunkt groß eingestiegen, die öffentlich-rechtlichen zum Beispiel, da gab es in der Welt nur 300 Fälle und 2 oder 3 Tote. Die haben sozusagen der Pandemie den rötesten aller Teppiche ausgewalzt und den konnte man dann betreten.“

Eine prächtige Allianz

Dann kommt der Virologe Christian Drosten ins Spiel. Der NDR geht ab etwa Ende Februar 2020 praktisch täglich mit Drosten auf Sendung. Der Virologe wird zum Medienstar. Als die Politik den Pandemiekrieg ausruft, passt er sich an. „Die ganze Ratlosigkeit der Expertise, die kann man bei Drosten Punkt für Punkt nachlesen“, sagt Van Rossum. „Er ändert ständig seine Meinung. Er spricht in Konjunktiven und irgendwann ist diese Pandemie eine Realität und er schlägt sich auf die Seite der Fundamentalisten“.

Die Suche nach der Krankheit mittels PCR-Tests rückt ins Zentrum der Kritik. Van Rossum: „Wir haben es nicht mit Kranken zu tun, sondern mit Test-Kranken.“ Politik und Medien haben ihren Blickwinkel auf die Infektionszahlen verengt, betonen das Leid vor dem Tod und beschwören Impfstoffe als Lösung. Die Pharmaindustrie, auf die nun alle Hoffnungen gesetzt wird, kann sich auf ein (nicht unbedingt unerwartetes) lukratives Geschäft einstellen. In „Meine Pandemie mit Professor Drosten“ schreibt Walter van Russom mit Bezug auf einen 2010 im Spiegel veröffentlichten Artikel:

„Eine prächtig zusammenarbeitende Allianz aus Infektionsschützern, Impfstoffherstellern und Medien habe die Welt bereits seit Jahren auf verheerende Seuchenkatastrophen eingestimmt und lauere geradezu auf einen Ausbruch. Besonders den Influenzaviren gelte ihre Aufmerksamkeit. Doch wie war es denn 2017/18? Keiner der Weltvirenschützer hat angesichts einer schlimmen Epidemie die Gefahrenflaggen gehisst, kein Glöckchen hat gebimmelt.“

Was hat Drosten damit zu tun? „An seinem Beispiel kann man eigentlich sehr gut zeigen, was das alles taugt, was da als Wissenschaft verkauft wird und als Expertise und bei uns ankommt als Order, als Befehl. Und wie ich finde, mit Konsequenzen, die vollkommen erschreckend sind. Und die trägt er mittlerweile ja voll mit.“

Folgt man den Recherchen von Van Rossum und den in seinem Buch dargelegten Zusammenhängen, kann man sich kaum des Eindrucks erwehren, das Corona ohne Not medial zu einem Großereignis aufgebläht wurde, mit der Konsequenz, sich nun gesellschaftlich und politisch in einer Sackgasse zu befinden. Wie könnte man aus der Nummer rauskommen oder ist jeder Notausgang versperrt? Eine Antwort gibt Walter van Rossum bei Reiner Wein.


Informationen zum Buch

Walter van Rossum: Meine Pandemie mit Professor Drosten. Vom Tod der Aufklärung unter Laborbedingungen. (Cover: Rubikon Verlag)

Meine Pandemie mit Professor Drosten

Vom Tod der Aufklärung unter Laborbedingungen

Autor: Walter van Rossum
Genre: Sachbuch
Sprache: Deutsch
Seiten: 260
Veröffentlichung: 29.1.2021
Verlag: Rubikon Verlag
ISBN: 978-3-96789-012-9


Walter von Rossum (Foto: Privat)

Über den Autor: Walter van Rossum ist Autor, Medienkritiker und Investigativjournalist. Er studierte Romanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Paris. Mit einer Arbeit über Jean-Paul Sartre wurde er 1989 an der Kölner Universität promoviert. Seit 1981 arbeitet er als freier Autor für WDR, Deutschlandfunk, Zeit, Merkur, FAZ, FR und Freitag. Für den WDR moderierte er unter anderem die „Funkhausgespräche“. Sein aktuelles Buch „Meine Pandemie mit Professor Drosten: Vom Tod der Aufklärung unter Laborbedingungen“ ist im Rubikon-Verlag erschienen und bei den Buchkomplizen erhältlich.


Fotos und Audio: Annie Spratt (Unsplash.com), Walter van Rossum, Reiner Wein und Rubikon

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3 Gedanken zu “Reiner Wein Podcast: Meine Pandemie mit Professor Drosten”

  1. Wunderbargrausame Widerspiegelung der letzten 11 Monate, dem fast nichts mehr hinzuzufügen ist.

    Außer, die Lügen dieser Pandemie sind durchaus heute schon bekannt, aber viele Menschen wollen sie einfach nicht wahrhaben, weil es nicht nur ihr gesamtes Weltbild zerstören würde, sondern sie müssten auch zumindest große Teile ihres bisherigen Lebens in Frage stellen. Und das ist zum Teil schmerzhafter, als die ganzen Lügen zu transformieren, die jetzt durch Corona ans Tageslicht kommen.

    Denn die vermeintliche Seuche ist nur der Katalysator für all die menschlichen Verfehlungen der letzten Jahrzehnte des kapitalistischen Industriezeitalters, was nun mit Hilfe der weltweiten Gesundheitsdiktatur in einen Transhumanismus überführt werden soll, der nicht mehr hinterfragt werden darf. Quasi eine Fortsetzung und Perfektionierung der Eugenik/Rassenhygiene aus dem 3. Reich, durch selbst ernannte/erkaufte philanthropische Weltenretter, die bei genauerer Betrachtung nur misanthropische Technokraten sind.

  2. Reiner Wein Podcast: Meine Pandemie mit Professor Drosten
    28. Januar 2021 by Neue Debatte

    „Corona ist das alles beherrschende Thema. Aber schon bevor von einer Pandemie überhaupt die Rede sein konnte, überschlugen sich die Schlagzeilen. Warum? Bei Reiner Wein, dem politischen Podcast aus Wien, spricht der Publizist Walter van Rossum über sein Buch “Meine Pandemie mit Professor Drosten”, über den Hype um das Virus, eine aus dem Ruder gelaufene Berichterstattung und den Aufstieg eines Virologen zum Medienstar und Stichwortgeber der Politik.“

    Als ich mir das Gespräch von Gunther Sosna und Walter Van Rossum in diesem Video angehört habe, viel mir zuerst der Spruch „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst.“ von Albrecht Müller ein. Das machte mir das Nachdenken über den Inhalt leicht:

    Weder Hilflosigkeit und Angst oder Arroganz und Überheblichkeit Betroffener oder Machthabern, noch Interessen einzelner Staaten oder Wirtschaftsgemeinschaften sind die tiefgründigen Ursachen für den eskalierenden Verfall des Ökosystems Erde und der unser Mensch-Sein ausmachenden Werte. Sondern unsere Welt wird immer deutlicher von der allgemeinen Krise der kapitalistischen Wirtschaftsweise geprägt. Akut äußert sich diese dadurch, dass sie in kurzer Zeit aufeinanderfolgend in vielen Varianten erscheint, wie Wirtschafts- und Finanzkrisen, Staatskrisen, Strukturkrisen, humanitäre Krisen, Terrorkrisen und auch der Corona-Krise.

    Damit die notwendigen Veränderungen letztendlich von den Unterdrückten erfolgreich durchgesetzt werden können, ist es wichtig, dass es Vorstellungen gibt, wie und warum denn was verbessert werden muss und mit welchen Zielstellungen die Veränderungen erreicht werden können. Damit dafür eine erfolgreiche Strategie und die jeweilige Taktik erarbeitet werden kann muss zunächst debattiert werden.

    Grundledige Veränderungen in der Gesellschaft können immer nur durchgesetzt werden, wenn der Großteil der Bevölkerung sie braucht und aus diesem Grund auch will und wenn die Herrschenden die derzeitigen Verhältnisse auch mit ihren Machtinstrumenten nicht mehr aufrecht erhalten können.

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