Finger am Abzug

 Im Kreis der Utopisten
 Machen sich Dystopien breit,
 In den Läden, die geöffnet haben, 
 Werden Sonderschichten geschoben,
 Die Hotels, blank geputzt und komfortabel,
 Wirken wie leere Museen aus einer anderen Zeit,

In vollgestopften Wohnungen,
 Changieren Hysterie und Apathie,
 Die neuen Branchen,
 Florieren, als gäbe es kein Morgen mehr,
 Die Schlachtschiffe der Wirtschaft
 Dümpeln ihrem Ende entgegen,
 Gipfel, egal zu welchem Thema,
 Haben Hochkonjunktur,

Wirte sitzen in ihren menschenleeren Etablissements
 Und denken über ein sauberes Ende nach,
 Die Gewalt hat Einkehr gefunden,
 Hinter verschlossenen Türen,
 Junge Menschen stehen vor dem Ausbruch,
 Alte üben sich in Disziplin,

Zwietracht und Misstrauen finden ungeahnten Zuspruch,
 Nationen konkurrieren 
 Und haben die Kooperation aus den Augen verloren,
 Der Hass übermannt in allen Bereichen
 Mehr und mehr die Furcht,
 In der Kultur herrscht Totenstille,

Die Selbstmordrate steigt,
 Da, wo gefeiert wird, 
 Erscheint die Polizei,
 Die Apparate haben neue Macht,
 Der Widerspruch mutiert zur Scharlatanerie,
 Wer nicht mehr weiter weiß,
 Dem wird gesagt, er sei zu dumm, 
 Wer Wege zeigen will, der ist ein Rattenfänger,

Die einen glauben, als letztem Halm,
 Die anderen zweifeln, und bleiben stumm,
 Feindbilder gelten als zuverlässig,
 Freunde als unsicher,
 Werte werden reklamiert,
 Doch nicht gelebt,

Institutionen werden verwechselt,
 Mit profanen Karrieren,
 Die Mündung ist offen,
 Weist in eine neue Zeit,
 Oder in ein jähes Ende,
 Die Finger sind am Abzug,

Überall. 

Foto: Elena Koycheva (Unsplash.com)

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Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen. Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen.

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