Vision einer neuen Welt

Die Zukunft gemeinsam denken: Unsere Autorin folgt mit ihrer Utopie „Vision einer neuen Welt“ dem Aufruf „Das Land in dem ich leben möchte“ von Gerhard Mersmann.


Okay. Wir sind uns einig. Profitgier und Ausbeutung müssen ein Ende finden. Hierzu brauchen wir eine Weltregierung, die mit Verantwortung und Weisheit regiert. Vergessen wir, dass der Mensch machtbesessen ist und von jeher der Korruption erlag. Geben wir dem Menschen eine Chance.

Ausgangspunkt ist ein Mensch, der eingesehen hat, dass der bisher eingeschlagene Weg in den Untergang führt. Ein Mensch, der bereit ist, aufgrund dieser Erkenntnis Verzicht zu üben und Kreativität zu entwickeln.

Wachstum als Ziel hat ausgedient. Ziel von Forschung und Produktion ist jetzt alleinig der Erhalt der Erde und das Streben nach Gerechtigkeit. Alle Waffen werden vernichtet.

Was suchst du? (Karikatur: Kasina Zürn-Renger)
Was suchst du? (Karikatur: Kasina Zürn-Renger)

Bewusstseinsänderung beginnt bei den ganz Kleinen. Nicht mehr das schönste Kleidchen zählt, sondern das Staunen über die Wunder der Natur. Jedes Kind kann begreifen, dass der Flügelschlag des Schmetterlings die Sterne berührt, weil alles mit allem in Verbindung steht.

Geld und Eigentum verschwinden. Menschen sind vorübergehende Gäste auf dem Planeten und leben in demokratisch organisierten Gemeinschaften, deren Ziel es ist, für das Wohlergehen aller zu sorgen, ohne Lebensgrundlagen zu vernichten. Untereinander stehen diese Gemeinschaften in Verbindung und tauschen Erfahrungen und Erkenntnisse aus. Sie lernen voneinander und strukturieren, ebenfalls demokratisch, das Verhältnis der Gemeinschaften zueinander. Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Die Gemeinschaften sorgen dafür, dass alle Glieder ihre Stärke bewahren.

Diese Struktur setzt sich über alle Ebenen hin bis zur Weltregierung fort. Aufgabe der Weltregierung ist es, die Weichen zu stellen. Forschungsprojekte an den Universitäten dienen ausschließlich dem Erhalt des Gleichgewichts in der Natur und dem Wohlergehen von Mensch und Tier. Die einzelnen Disziplinen sind miteinander vernetzt und ergänzen sich gegenseitig. Teamgeist und die gemeinsame Sorge um das große Ganze lösen Konkurrenzdenken ab.

Es wird keine Reichen mehr geben und keine Armen. Menschen werden in ihrem Nächsten den Bruder erkennen und Tiere, Pflanzen und Gestirne als Geschwister begrüßen. Achtsam werden ihre Füße die Erde berühren und ganz allmählich wird sich die Erde wieder in ein Paradies verwandeln…


Fotos: Drz (Unsplash.com) und Kasina Zürn-Renger

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Das Land in dem wir leben wollen. Die Zukunft einatmen, Vergangenheit ausatmen. (Foto: Toa Heftiba, Unsplash.com)

Aufruf: Das Land, in dem ich leben möchte

Wie schon Max Herrmann-Neiße Anfang der 1930er-Jahre stellen sich die Initiatoren der Plattform Futur II in diesen Zeiten der Unklarheiten und Ungewissheiten die Frage, wie die Zukunft gestaltet werden kann – und Sie alle sind eingeladen, sich einzubringen, um Antworten zu finden.

Industriekauffrau

Kasina Zürn-Renger (Jahrgang 1953) studierte einige Semester Philosophie in Tübingen. Sie brach das Studium ab und ging nach Indien, um die Suche nach Sinn fortzusetzen. Zurück in Deutschland absolvierte sie in Mannheim eine Ausbildung zur Industriekauffrau und arbeitete in einem Steuerbüro als Lohn- und Finanzbuchhalterin. 2003 zog sie an den Niederrhein. Sie ist in der Lohn- und Finanzbuchhaltung der deutschen Niederlassung einer niederländischen Firma tätig. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit dem Bioanbau im Garten, Bienen, Meditation und alternativer Medizin. Kasina Zürn-Renger ist verheiratet und hat zwei Töchter.

11 Gedanken zu “Vision einer neuen Welt”

  1. Das Konzept funktioniert nur jenseits von Gier. Weil Menschen, die alles daran setzen in Milliarden zu baden, Vorbildfunktion besitzen, ist diese Geschichte utopisch. Vielleicht finden Menschen einen Überlebensweg in der derzeit stattfindenden umfassenden Vergiftung und Vernichtung von Leben und Lebensgrundlagen. Da ich eher Pessimist bin, habe ich noch folgende Geschichte geschrieben:

    Das Letzte Gericht

    Das Wort sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.

    In sechs Tagen hatte Gott die Welt erschaffen. Er betrachtete sein Werk und sah, es war gut. Nun wollte er sich zur Ruhe setzen, doch er hatte seine Rechnung ohne den Menschen gemacht.
    Mit nichts war der Mensch zufrieden. Tausende von Wünschen flatterten täglich bei Gott ein, und so kam er selbst bei Nacht nicht zum Schlafen. Müde war er geworden. Unendlich müde.
    Dann aber wurde es stiller um Gott. Nur noch selten erreichten Bitten sein Ohr. Die Menschen hatten wohl endlich begriffen, wozu er sie mit einem Verstand ausgestattet hatte. Es schien, als hätten sie angefangen, ihre Probleme selbst zu lösen. Gott lehnte sich zurück und schlief ein.
    Als er nach langer Zeit wieder erwachte, erschrak er sehr. Wo waren seine riesigen Wälder geblieben? Wo die vielen verschiedenen Tiere? Die Flüsse schlängelten sich nicht mehr in großen Schleifen durch das Land. Ihr Bett führte sie jetzt auf geradem Weg zum Meer und überall breitete sich Wüste aus. Riesige Gebäude ragten wie Drohungen zu ihm empor und dazwischen wimmelten, Ameisen gleich, die Menschen. Donnervögel bevölkerten den Himmel und auf breiten, schwarzen Wegen krochen neuartige Schlangen.
    Was war geschehen?
    Gott schlug dreimal kräftig auf den großen Himmelsgong, um seine Engel zusammenzutrommeln. Doch kein einziger Engel kam. Da wusste Gott es:
    Alles war aus den Fugen geraten. Alle seine Engel waren abtrünnig geworden. Gott Mammon hatte die Macht ergriffen. Während er schlief.
    Gott sank auf seinen schweren, goldenen Thron. Nicht einmal seine Trompeter waren ihm geblieben, um zum Letzten Gericht zu blasen. Er war so alleine, wie zu Beginn.
    Aber Zeit hatte Gott jetzt. Viel Zeit, um sich alles genau zu betrachten. Mit seinem riesigen Fernrohr durchforstete er jeden Winkel der Erde, und plötzlich fing er an zu lachen:
    Er brauchte seine Trompeter nicht mehr.
    Der Mensch war dabei, sich selbst zu richten.

    Und die Kakerlake sprach: Überleben werden wir!

    (Kasina Zürn-Renger)

  2. @Leela

    Wenn Sterne verglühen,
    Planeten vergehen,
    wer würde davon sprechen,
    dass sie sich gerichtet haben?

    Wenn Naturgewalten alles unter sich begraben,
    Tiere Tiere fressen,
    wer würde nach dem Gericht rufen?

    Der Mensch,
    der den Kreislauf von Leben und Tod leugnet
    und gottgleich auf ewig verharren möchte,
    wird dennoch Platz machen,
    für etwas Neues, Anderes,
    weil Leben einfach so ist.

    Unsere kosmische Sekunde ist irgendwann vorbei
    und ob sie sinnvoll genutzt wurde,
    darüber sinniert nicht einmal der Stern,
    der gerade verglüht,
    ansonsten hätte er nicht gelebt.

    PS:
    Wenn es einen Gott gäbe,
    der richten würde,
    so müsste er bei sich selbst anfangen,
    schließlich hat er den ganzen Unsinn verzapft. ;-)

    1. Dein Gedicht gefällt mir…
      was soll ich dir antworten?:

      Vergehen folgt auf Entstehen
      und doch ist Leben und Leben nicht gleich.
      Ist es mein Recht, auf der Sonnenseite zu stehen,
      wenn woanders keine Sonne scheint?

      So viel Hunger, Leid und Schmerz
      ich schließe die Augen, weil ich es nicht ertrage.
      Am eigenen Körper möchte ich den Sinn davon
      nicht erfahren…

      Es könnte anders sein, da bin ich mir sicher
      In Schubladen schlafen Ideen…
      Licht werden sie kaum erblicken,
      sie sind nicht gewollt…

      Es spielt keine Rolle
      ob jemand richtet und wer…
      Jede Ursache hat eine Wirkung
      und vielleicht sogar einen Sinn…

    1. Gibt es Demokratie in demokratisch verfassten Nationalregierungen? Ich möchte es bezweifeln und wie schnell selbst garantierte Grundrechte außer Kraft gesetzt werden können, kann man zur Zeit sehr gut verfolgen.

      Dazu kommt, dass Nationalregierungen untereinander konkurrieren und sich gegenseitig bekämpfen. Eine Vernichtung des gesamten Waffenarsenals erscheint mir so nicht möglich. Ebenso erfordern Steueroasen und ähnliches das Vorhandensein mehrerer Staaten. Ohne Geld entfallen Steuern und alle geldwerten Vorteile. Produziert wird für den tatsächlichen Bedarf aller. Und was dieser Bedarf ist und wie er für alle befriedigt werden kann, wird gemeinsam erarbeitet und entschieden.

      Mein Entwurf ist nicht nur utopisch (nicht realistisches Menschenbild), sondern dazu auch noch ein Rohgerüst, das erst mit Leben gefüllt werden muss. Und dies geschieht von den demokratisch organisierten Gemeinschaften aus demokratisch nach oben. Die besten Ideen entstehen dezentral vor Ort. Es gibt jetzt schon Gemeinden, die eine unabhängige Stromversorgung haben. So etwas könnte Schule machen, wird aber blockiert. Ohne finanzielle Interessen, nur am Gemeinwohl orientiert, würden alternative Ideen vermutlich explodieren. Hierfür aber müsste es eine Basis geben. Fällt dir eine bessere ein?

      1. „Mein Entwurf ist nicht nur utopisch (nicht realistisches Menschenbild), sondern dazu auch noch ein Rohgerüst, das erst mit Leben gefüllt werden muss. Und dies geschieht von den demokratisch organisierten Gemeinschaften aus demokratisch nach oben. Die besten Ideen entstehen dezentral vor Ort.“

        Begrüße ich.
        Eine „Weltregierung“, passt allerdings für mich nicht dazu.
        Vielleicht kannst du das noch genauer erläutern, wie das von dir gemeint ist?

        Wenn schon (Welt)Regierung‘, dann im Sinne des folgenden Goethe-Zitates:
        „Welche Regierung die beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu
        regieren“.

        Letztlich geht es doch darum miteinander dem Postulat Geltung zu verschaffen,
        wie das z.B. Daniela Dahn auf den Punkt bringt:
        „Wenn es stimmt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, dann
        muss das Eigentum antastbar sein“.

        Wenn dies eine weltweit anerkannte Prämisse wäre, dann würden sich auch
        weltweit kooperative, kommunikative (Welt)Gemeinschaften bilden können.
        Diese würden letztlich entscheiden, ob und was sie als national oder
        international im Sinne des guten Lebens für ALLE definierten.

        Zurück ins Hier und Jetzt:
        Auch wenn ich eher für die Abschaffung von Parteien bin,
        jedoch auch weiß, dass es dafür eben jeder Menge weiterer
        Schritte von Herrschaftsabbau bedarf, sehe ich aktuell
        einen dieser kleinen Schritte verortet mit der Partei ‚Die Basis‘:
        https://diebasis-partei.de/. Diese kooperiert auch mit
        https://www.mehr-demokratie.de/themen/buergerraete/
        Jedenfalls sehr schön, dass du ebenfalls Träume und Visionen hast
        von einer lebenswerten Welt. Ich denke, diese Sehnsucht teilen
        wir mit nicht wenigen Menschen. Diese Sehnsucht weiter wach zu halten
        und andere damit anzustecken, das ist das, was ich im Hier und Heute
        versuche.

        1. von mehr-demokratie.de erhalte ich regelmäßig Informationen und denke seit längerem über eine Mitgliedschaft nach. Diebasis-partei kannte ich noch nicht. Danke Ute für die Info. Und danke für deine Antwort.
          „Diese Sehnsucht weiter wach zu halten und andere damit anzustecken, das ist das, was ich im Hier und Heute
          versuche“. Menschen wie du sollten hochinfektiös sein…

          1. „Menschen wie du sollten hochinfektiös sein…“

            Passt vielleicht zu dem, was mein jüngster Sohn in jungen Jahren mal meinte,
            der seine Mutter als ‚Motivationsfetischistin‘ bezeichnete. :-)

  3. Wechselbeziehungen

    nach des Tages Aus und Ein
    ganz sacht
    wird Ruhe sein
    liegt auf der Stadt
    die Nacht

    und zwischen Lichtern
    ist nun Dunkelheit
    und neben Bitternis
    Geborgenheit

    die Welt
    jeweils geritzt
    ein Stück
    wird doch bereit
    Antwort fragt
    mit neuem Blick

    und unzertrennlich sind
    Gemeinsamkeit
    und Streit
    und rastlos suchen wir
    Zufriedenheit

    erst nach Erfolg und Angst
    wird Stille
    warm und weich
    folgt Zärtlichkeit
    liegt Haut an Haut
    sogleich

    und fühlbar wird
    umschlungen suchend
    Glücksgewinn
    und im Genuss
    erwärmt uns Menschensinn

    nach des Tages Aus und Ein
    ganz sacht
    wird bald Ruhe sein
    liegt auf der Stadt die Nacht

    und zwischen Lichtern
    ist nun Dunkelheit
    und neben Bitternis
    Geborgenheit

    (Frank Nöthlich)

    1. in deinem Gedicht sehe ich Dualität, hell/dunkel, Tag/Nacht… und folglich auch, was ich nicht wahrhaben will, Frieden und Krieg. Das eine nicht ohne das andere. Ich möchte ausbrechen aus der Dualität und wünsche mir das vorurteilsfreie Jetzt, die Vertikale der Mitte.

      Sehr behutsam zeichnest du die Sehnsucht nach Zärtlichkeit, Wärme und Geborgenheit und sofort schweifen meine Gedanken ab: August 2015. Kein „Wir schaffen das“… Wir hatten nur ein Fahrrad zu viel. Und plötzlich hatte die Zahl ein Gesicht. Ich fragte ihn: „was gefällt dir an Deutschland?“ „Sicherheit“, antwortete er. Nachdenken musste er nicht.

      In der Welt, in der ich leben möchte, gibt es keine Flüchtlinge. Erdenbürger können sich erdenweit frei bewegen, sehen, lernen, tragen bei und sind überall willkommen.

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