Die BND-Akten über die Strafsache Eichmann

Am 11. April 1961 wurde in Jerusalem der Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann eröffnet. Er endete für den Verbrecher mit dem Todesurteil. Der Prozess, im Gedächtnis als historisches Großereignis, war der Höhepunkt einer (scheinbar) perfekten Story: Nazi-Verbrecher flieht nach Südamerika, wird erkannt, vom israelischen Geheimdienst in einer spektakulären Nacht- und Nebelaktion ergriffen und nach Israel verbracht, wo er für seine Untaten die gerechte Strafe erhält. So einfach ist die Geschichte aber nicht.

Strafsache Eichmann

Recherchen der Journalistin Gaby Weber legen nahe, dass der Bundesnachrichtendienst (BND), hervorgegangen aus der Organisation Gehlen, die nach dem Zweiten Weltkieg von Reinhard Gehlen, dem ehemaligen Chef der Abteilung Fremde Heere Ost aufgebaut wurde, viel früher Kenntnis darüber hatte, wo sich Eichmann aufhält. Unternommen hat man aber nichts. Warum? Wurde der Nazi-Verbrecher im Kalten Krieg noch gebraucht oder wusste er zu viel? Zum Beispiel über Hans Globke: Jurist, Beamter, Mitverfasser der Nürnberger Rassegesetze und in der BRD von 1953 bis 1963 Chef des Bundeskanzleramts unter Kanzler Konrad Adenauer.

Ihrer neuen Dokumentation “Pimpel und Blaustern – Die BND-Akten über die Strafsache Eichmann”, die sich vor allem um das Geschehen rund um den Prozess dreht, stellt Gaby Weber einige grundsätzliche Fragen voran: Ist die Strafsache Eichmann wirklich ein Grund zum Feiern? Die Medien, dies scheint sicher, werden den 60. Jahrestag des Verfahrens gegen Adolf Eichmann zum Anlass nehmen, den Prozess als wegweisend für Gerechtigkeit und Menschenrechte darzustellen. Aber handelte es sich wirklich um einen “Jahrhundert-Prozess” oder war es ein Fake der Geheimdienste? Kritische Stimmen wurden und werden kaum laut; die Dokumentation ist ein Versuch, dies zu ändern.


Pimpel und Blaustern – Die BND-Akten über die Strafsache Eichmann (Quelle: Gaby Weber/YouTube)

Adolf Eichmann hatte zusammen mit seinen Mitarbeitern in seiner Dienststelle im Reichssicherheitshauptamt für das Nazi-Regime die Verfolgung, Vertreibung und Deportation der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und den besetzten Ländern Europas organisiert – und damit ihre Ermordung ermöglich. Wie zahllose andere NS-Verbrecher versuchte Eichmann sich bei Kriegsende der Verantwortung zu entziehen. Dafür gab er sich eine neue Identität: Adolf Barth, Obergefreiter der Luftwaffe.

Eichmann geriet in US-amerikanische Gefangenschaft und musste befürchten, aufgrund seiner Blutgruppentätowierung als SS-Angehöriger erkannt zu werden. Der Schreibtischmörder änderte seine Taktik, nannte sich nun Otto Eckmann, SS-Untersturmführer – der niedrigste Offiziersrang der Schutzstaffel.

Anfang 1946 gelang ihm die Flucht aus der Gefangenschaft. Sein Weg führte über Hamburg in ein Dorf in Niedersachsen. Jetzt nannte er sich Otto Heninger. Über eine der sogenannten Rattenlinien, Fluchtrouten für NS-Verbrecher, eingerichtet unter anderem mit Unterstützung von hochrangigen Vertretern der katholischen Kirche, erreichte Eichmann Italien. Ausgestattet mit frischen Papieren reiste er als Ricardo Klement 1950 nach Argentinien. Mit seiner Familie lebt er in bescheidenen Verhältnissen. Er fühlt sich sicher, arbeitet als Angestellter in einem Werk von Daimler-Benz und wird erkannt. Hier beginnt die Geschichte hinter der Strafsache Eichmann…


Informationen zur Dokumentation

Pimpel und Blaustern – Die BND-Akten über die Strafsache Eichmann

Argentinien: 2021
Sprache: Deutsch
Länge: 52:28 Minuten
Realisierung: Gaby Weber

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Weitere Informationen zum Hintergrund

New York Times (14.5.2004): Documents Show U.S. Relationship With Nazis During Cold War. Auf https://www.nytimes.com/2004/05/14/world/documents-show-us-relationship-with-nazis-during-cold-war.html (abgerufen am 16.2.2021).

Heise (15.11.2019): Der gescheiterte Abrüstungsgipfel in Paris, illegale Atomwaffentests der USA in Patagonien und Adolf Eichmann. Auf https://www.heise.de/tp/features/Der-gescheiterte-Abruestungsgipfel-in-Paris-illegale-Atomwaffentests-der-USA-in-Patagonien-und-Adolf-4586234.html (abgerufen am 16.2.2021).

Heise (18.11.2019): Sisyphos und der Aktenzugang. Auf https://www.heise.de/tp/features/Sisyphos-und-der-Aktenzugang-4587706.html (abgerufen am 16.2.2021).

Neue Debatte (19.11.2019): Eichmann, der Mossad und Akten aus Moskau. Auf https://neue-debatte.com/2019/11/19/dokumentation-eichmann-der-mossad-und-akten-aus-moskau (interner Link).


Foto und Video: Gaby Weber

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Eichmann, der Mossad und Akten aus Moskau

1950 flüchtete der Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann über die Rattenlinien nach Argentinien. Dort wurde er erkannt. Seine angebliche Entführung durch den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad im Mai 1960 lieferte Stoff für Filme, Forschung und Romane. Doch wie viel Wahrheit steckt in der Story? Die Journalistin Gaby Weber hält sie für eine Lügengeschichte.

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