Kein Zustand – Stimmen gegen den Ausnahmezustand

In Österreich mehren sich die Stimmen gegen den de facto Ausnahmezustand, den die neoliberale Regierungskoalition aus ÖVP und Grünen der Bevölkerung mittels Anti-Corona-Maßnahmen verordnet hat.

Kein Zustand

Die Wiener Publizisten und Verleger Hannes Hofbauer und Stefan Kraft (beide Promedia Verlag) haben mit Unterstützung des ‘Vereins für kulturelle Information’ die Initative “Kein Zustand” gestartet. Auf der Webseite www.keinzustand.at veröffentlichen sie Stimmen gegen den Ausnahmezustand.

Die ersten Essays wurden verfasst von Intellektuellen, politischen Aktivisten, Publizisten und Kultur- und Medienschaffenden vor allem aus Deutschland und Österreich.

Darunter finden sich bekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel die frühere Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Partei Die Linke), die Theaterwissenschaftlerin Eva Brenner, der Journalist Peter Nowak, der Schauspieler und Aktivist Roland Düringer, die Journalistin Ulrike Baureithel und Peter Wahl, Gründungsmitglied von Attac Deutschland.

Der Ausnahmezustand und seine Folgen

Eine Erweiterung des Diskussionsrahmens, der verkürzt wurde auf Infektionszahlen, Impfstoffe und das Virus als eine für quasi alles verantwortliche Erscheinung, ist dringend notwendig.

Die Erwerbsarbeitslosigkeit befindet sich in schwindelerregenden Höhen. Über 440.000 Menschen haben keinen Job, rund 70.000 befinden sich in Schulungen, 485.000 sind in Kurzarbeit (1). Selbst Optimisten mit Realitätsbezug werden kaum annehmen, dass sich diese Werte zeitnah und deutlich nach unten entwickeln. Woher sollten die Jobs auch kommen?

Nach dem Auslaufen der Stützungsprogramme werden zahllose Unternehmen schließen und somit als mögliche Erwerbsarbeitgeber ausfallen. Gabriel Felbermayr, Österreicher und Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, geht davon aus, dass sich auf eine Pleitewelle vor allem in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich vorbereitet werden sollte (2).

Die Zerstörung der Psyche

Im März 2020 servierte Bundeskanzler Sebastian Kurz der Öffentlichkeit die bis heute fantastisch anmutende Erzählung, es würde bald jeder jemanden kennen, der an Corona gestorben sei (3). Die Apokalypse blieb aus, dafür sorgten die Anti-Corona-Maßnahmen für Kollateralschäden, die Österreich noch lange beschäftigen werden. Panikattacken, Schlafstörungen, Depressionen: Die Zunahme der psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist alarmierend (4). Auch das ist kein Zustand.

Elisabeth Mayerweck, Klinische Psychologin und Mutter, hat sich dem Thema angenommen. Sie ist eine Stimme gegen den Ausnahmezustand, die wir in Auszügen veröffentlichen:

“(…) Sämtliche psychischen Erkrankungen haben dramatisch zugenommen, die Anzahl der häuslichen Gewalttaten auch gegenüber Kindern ist seit dem ersten Lockdown stark gestiegen.

Die Stimmung zu Hause ist erdrückend, gerade in den unteren sozialen Schichten. Und die Lebenszufriedenheit unserer Schutzbefohlenen, wie treffend dieses Wort doch ist, hat sich laut Selbsteinschätzung massiv verschlechtert, wie eine Studie der Uniklinik Hamburg ergab. Während das Allgemeine Krankenhaus Wien vermeldet, dass die Kinderpsychiatrien überlaufen und Ärzte aus Kapazitätsmangel entscheiden müssen, wen sie überhaupt noch behandeln können, zudem seien Kinder mittlerweile suizidal wegen der sozialen Isolation. Für Psychologen nicht gerade verwunderlich und mit Verlaub für jeden Menschen, der noch so etwas wie Herz und Verstand besitzt, ebenso wenig.

Wieso will man vorgeblich die Gesundheit einer Risikogruppe schützen, um den Preis der Gesundheit einer genau damit zur zweiten Risikogruppe degradierten Gruppe, unserer wehrlosen Kinder? Oder habe ich da die Antwort etwa schon hineingefragt?

Bemerkenswerterweise sind genau die Kinder weder aus ihrer biologischen Gegebenheit heraus oder jener des Virus von eben diesem gesundheitlich betroffen, sie wurden somit einfach willkürlich zum Opfer auserkoren und gemacht. Es müsse nun einmal jeder Opfer bringen für die Gemeinschaft, gehört zu den häufigsten Antworten und für mich zu jenen Dingen, die man Soldaten eintrichtert, sicherlich nicht Kindern.

Wir sind zu einer Gesellschaft degeneriert, die ihren Jüngsten aus lauter unreflektierter Virusangst ungehemmt erklärt, dass alle Dinge, die wir gut nennen, die sich gut anfühlen und erwiesenermaßen wichtig für ein gesundes Heranwachsen und seelisches Gleichgewicht waren, plötzlich schlecht seien.

Miteinander spielen, toben, singen, lachen, turnen, tiefes freies Atmen, Umarmungen, Grimassen schneiden – kurzum annähernd jeder natürliche, menschliche Impuls wird ins Schlechte pervertiert und bei Strafe verboten. Kindern, die sich über den Körperkontakt zu anderen Kindern seelisch nähren wollen, wird eingetrichtert, sie seien egoistische, potenzielle Mörder. So lautet nun mal die implizite (leider teilweise auch explizite) unbeschönigte Botschaft dieser Maßnahmen.”


Quellen und Anmerkungen

(1) oe24 (23.2.2021): Coronakrise hat Wirtschaft und Arbeitsmarkt weiter fest im Griff. Auf https://www.oe24.at/newsfeed/coronakrise-hat-wirtschaft-und-arbeitsmarkt-weiter-fest-im-griff/466439666 (abgerufen am 24.2.2021).

(2) Industrie-Magazin (22.2.2021): Felbermayr rechnet mit einer weiter anhaltenden Arbeitslosigkeit in Österreich. Auf https://industriemagazin.at/index.php/a/felbermayr-rechnet-mit-einer-weiter-anhaltenden-arbeitslosigkeit-in-oesterreich (abgerufen am 22.2.2021).

(3) Kleine Zeitung (30.3.2020): “Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist”. Auf https://www.kleinezeitung.at/politik/innenpolitik/5793215/Bundeskanzler-Sebastian-Kurz_Bald-wird-jeder-von-uns-jemanden (abgerufen am 23.2.2021).

(4) Kleine Zeitung (6.2.2021): Bei Kindern und Jugendlichen häufen sich psychische Erkrankungen. Auf https://www.kleinezeitung.at/kaernten/stveit/5939686/Wegen-Lockdown_Bei-Kindern-und-Jugendlichen-haeufen-sich (abgerufen am 24.2.2021).


Foto: Adam Fejes (Unsplash.com)

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Ein Gedanke zu “Kein Zustand – Stimmen gegen den Ausnahmezustand”

  1. Das alles ist ja nix Neues und so genannten „Verschwörungstheoretikern“ seit fast einem Jahr bekannt.
    Im Laufe der Zeit wurden diese Dinge immer wieder ohne Erfolg und mit massiver Gegenwehr thematisiert. Deshalb wird auch dieser Appell an die menschliche Vernunft wieder im Sande verlaufen. Natürlich sind die Ursachen in der Politik zu finden, aber maßgeblich ist das verst(d)ummte, ängstliche Volk leider immer noch in der Überzahl, und deshalb mit verantwortlich für die derzeitige Situation.

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