Dimensionen menschlichen Wirkens

Es hängt vom Charakter der Gesellschaften ab, ob die Menschheit in Richtung sozialer Gerechtigkeit und zur Gestaltung harmonischer Wechselbeziehungen zwischen den ökologischen und wirtschaftlichen Kreisläufen entwickelt oder hin zu Selbstzerstörung und dem Untergang des Ökosystems. Wie auch in der Frage ‚Krieg oder Frieden‘ ist der Umbruch offen für positiven oder negativen Wandel.

Destruktive Dimensionen

Es gehört zu den bedauerlichsten Kapiteln der Menscheheitsgeschichte, dass trotz aller Gewalterfahrungen und der bekannten Zerstörungskraft entfesselter Kriege Militarisierung und Aufrüstung vorrang erhalten vor der Lösung sozialer, ökologischer und politischer Problemstellungen. Die Regime, allen voran jenes der USA, forcieren den Aus- und Aufbau des Militärs.

„US-Präsident Trump forciert die Rüstungsausgaben, kündigt Abrüstungs-und Rüstungskontrollverträge oder stellt sie in Frage (INF, Iran-Atomabkommen, Open Skies, Teststoppvertrag) und strebt neue Atomwaffen an, die ein nukleares Wettrüsten mit Russland, China und anderen Atommächten provozieren. Obwohl weltweit jährlich mehr als 1,8 Billionen US-Dollar für Rüstung ausgegeben werden, verfolgt die NATO das Ziel, die Rüstungsbudgets auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern, um kostspielige Waffensysteme und Militärinterventionen zu finanzieren. Entsprechend steigert auch die deutsche Bundesregierung fortwährend ihre Militärausgaben, um neue Kampfflugzeuge und weitere Rüstungsprojekte im europäischen Kontext zu beschaffen, bis hin zu einer Neubestimmung der nuklearen Teilhabe. (…)

Ein nuklearer Winter ist eine existentielle Bedrohung für das Leben auf der Erde. Zugleich sind klimabedingte Risiken und Wetterextreme eine Gefahr für Frieden und Sicherheit. Militärische und nukleare Anlagen können schädliche Stoffe und Radioaktivität freisetzen; Aufrüstung, Militär und Krieg haben einen großen ökologischen Fußabdruck, belasten das Klima und verbrauchen enorme Ressourcen. Würden diese in die Bewältigung globaler Probleme investiert, könnten Krisen und Katastrophen vermieden werden, von der Corona-Pandemie bis zur Klimakrise.“ (1)

Der Wechsel auf der Kommandobrücke des wackelnden Giganten, der sich im Inneren mit gewaltigen Problemen konfrontiert sieht, brachte (erwartungsgemäß) keine Besserung. Das amerikanische Militär bombardierte jüngst im syrisch-irakischen Grenzgebiet Einrichtungen schiitischer Milizionäre (2).

Die Frage, warum dieser oder jener Krieg geführt wird, braucht nicht mehr gesellt werden. Aggressives Gegeneinander um geostrategische Einflusssphären, um Rohstoffe, Energiequellen, Absatzmärkte und billige Arbeitskräfte endet immer mit Zerstörung.

Bei der sogenannten Sicherheitskonferenz, deren Verkündungen über angebliche Feinde und Aufrüstung als Lösung den destruktiven Charakter entlarven, versammeln sich die negativen „medialen Helden“ unserer Zeit. Ihre Gedanken sind getragen von der Melancholie des Untergangs; die Welt(politik) wird immer deutlicher von der allgemeinen Krise des Kapitalismus geprägt wird.

Konstruktive Dimensionen

Aber nichts muss bleiben, wie es ist, wenn das jeweils Notwendige benannt und das Mögliche getan wird. Aufklärung über das Warum, das Was und das Wie ist die Grundlage für zielorientiertes Verändern.

Die Lösung der Probleme, die sich aus dem kapitalistischen Wirtschaften ergeben, können nur durch bewusstes Umgestalten der Produktionsverhältnisse, also durch politisches Handeln erfolgen, in dem nach dem Begreifen der Notwendigkeiten gesucht, das Befriedigen wahrhaftiger Bedürfnisse erstrebt und das Bewahren der Wirklichkeit gewollt werden.

Alles, was gegenwärtig in der Weltgesellschaft geschieht, wird durch profitorientiertes finanzwirtschaftliches Kalkül bestimmt. Darum heißt es für alle mit Verstand im Kopf und Herz im Leib, aufzubegehren und die Angst vor dem Unbekannten abzustreifen.

Die Gier nach (geldwertem) Vorteil als das alles Bestimmende, diese Diktatur, die die Zivilisationen zu unglaublichen Leistungen, aber auch an den Rand des Untergangs getrieben hat, muss gestürzt werden. Dieser Umsturz vollzieht sich nicht von jetzt auf gleich, sondern beginnt mit dem ersten mutigen Schritt: Dem persönlichen Bruch mit dem destruktiven System und seiner krankhaften Konkurrenz, um durch soziales Agieren und durch Kooperation einen Sinn für das eigene Dasein zu finden.

Die Dimensionen menschlichen Wirkens eröffnen jedem Perspektiven. Die Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse und die Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen sind lohnende Ziele, die zu treibenden Handlungsmotiven im Zusammenleben werden können – und es auch werden, je deutlicher sich die Zerstörungen abzeichnen, die dem bisherige System entspringen, das zur Täuschung fähig ist, aber nicht mehr zum positiven Wandel.

„So viele Dinge sind möglich, solange man nicht weiß, dass sie unmöglich sind.“

— Norton Juster


Quellen und Anmerkungen

(1) NatWiss Kongress 2020: Herausforderungen für Frieden und Umwelt. Auf http://natwiss.de/wp-content/uploads/2020/10/NatWiss_Online_Kongress_Herausforderungen-f%C3%BCr-Frieden-und-Umwelt.pdf (abgerufen am 28.2.2021).

(2) Neue Zürcher Zeitung (26.2.2021): Präsident Biden ordnet einen Vergeltungsschlag gegen proiranische Milizen im Osten Syriens an. Auf https://www.nzz.ch/international/praesident-biden-ordnet-vergeltungsschlaege-gegen-pro-iranische-milizen-im-osten-syriens-an-ld.1603858 (abgerufen am 28.2.2021).


Foto: Ryan Moreno (Unsplash.com)

Lehrer, Philosoph und Autor

Frank Nöthlich (Jahrgang 1951) wurde in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden hat.

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