Terrorismus und Gewalt: Nutzen und Gefahren der Medien

Im Laufe des letzten Jahrhunderts scheint der Terrorismus zu einem weltweit vorherrschenden Thema geworden zu sein. In den Medien wird fortwährend über Gewalttaten berichtet, und es scheint, als würden terroristische Handlungen immer häufiger auftreten. Ist dem wirklich so oder sind andere Faktoren im Spiel?

Wenn Menschen an Terrorismus denken, kommen vielen Anschläge wie 9/11 in den Sinn, bei denen 3.000 Menschen getötet wurden. Dieser Anschlag war so extrem und bedeutsam, dass man annehmen könnte, dies trifft auf alle Terroranschläge zu. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist es leicht zu glauben, dass Terroranschläge fataler als andere Todesursachen sind, zum Beispiel Autounfälle. Laut ‚Our World in Data‚ waren jedoch nur 0,05 % der Todesfälle im Jahr 2017 eine Folge von Terrorismus.

Viele falsche Vorstellungen über Terrorismus haben ihren Ursprung in den Medien.

Auch wenn Todesfälle infolge anderer Ereignisse viel häufiger vorkommen, werden gewaltsame Todesfälle wie die durch Terrorismus zu etwa zwei Dritteln in den Medien thematisiert. Dies veranlasst die Menschen zu der Annahme, dass Terroranschläge sehr häufig stattfinden. Zusammen mit der Wahrnehmung der Radikalität von Terrorismus entstehen falsche Vorstellungen. Die Menschen vertrauen dem, was sie in den Medien sehen, anstatt eigenständig zu recherchieren.

Ist es denn mit solchen falschen Vorstellungen überhaupt eine faire und effektive Lösung, Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen? Wenn es das Ziel ist, eine friedliche Welt zu haben, würde dies dann nicht nur einen endlosen Kreislauf von Gewalt schaffen?

Wenn Land A Land B angreift und Land B als Vergeltung Land A angreift, ist es nicht verwunderlich, wenn Land A Land B wieder angreift. Das würde immer und immer wieder passieren, bis ein Land aufgibt oder bis eine Vereinbarung zwischen den beiden Ländern getroffen wird.

Kein Land sollte mit Terrorismus und Angriffen auf unschuldige Zivilisten davonkommen, es muss aber eine andere Lösung für das Problem geben.

Schwer vorstellbar, dass jemand bereit ist, mit Terroristen friedfertig umzugehen. Deshalb sind Prävention und Aufklärung besser als Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen.Laut dem ‚Center for Strategic and International Studies‚ sind Terroristen immer geschickter darin geworden, soziale Medien zu nutzen, um Mitglieder zu rekrutieren und ihre Reichweite global zu vergrößern. Aus diesem Grund werden Terroristen höchstwahrscheinlich damit beginnen, ihre Strafverfolgung zu umgehen, indem sie Staatsbürger oder Inhaber einer Green Card über soziale Medien rekrutieren, um Anschläge zu verüben.

Um dies zu verhindern, müssen diejenigen, die potenziellen Terroristen und Anwerbern nahestehen – Eltern, Lehrer, Gleichaltrige, religiöse Führer und so weiter – unbedingt geschult werden, um potenzielle Risiken für die öffentliche Sicherheit zu erkennen. Sie sollten in der Lage sein, die Personen davon abzuhalten, gefährliche Handlungen gegen die Gesellschaft zu verüben.

Eine weitere Lösung zur Prävention wäre die Einführung von Programmen und anderen Möglichkeiten für gefährdete Personen, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Viele Personen werden schließlich rekrutiert, weil sie nach Macht und Prestige streben. Wenn man ihnen Alternativen dazu anbietet, können Anschläge verhindert werden, da weniger Menschen bereit wären, die Tat auszuführen.

Diese Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, Terrorismus in Zukunft zu verhindern.

Wenn diese Lösungen umgesetzt werden und Erfolg zeigen, könnte der Terrorismus eines Tages vollständig aus der Gesellschaft verschwinden. Wenn er weiterhin mit Gewalt bekämpft wird, kann es zu einem endlosen Kreislauf der Brutalität kommen, der niemals enden wird.

Bis Lösungen in vollem Umfang wirksam sind, müssen sich alle Menschen weiterbilden, um die Entstehung von Irrtümern über den Terrorismus zu verhindern.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Rebecca Diers erschien erstmals bei unserem Kooperationspartner Pressenza. Er wurde aus dem Englischen von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam übersetzt und von Neue Debatte übernommen. Einzelne Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben und Links zu weiterführenden Informationen ergänzt. Pressenza sucht Freiwillige. Mehr Informationen …


Foto: Janan Lagerwall (Unsplash.com)

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Rebecca Diers ist eine Autorin aus den USA. Sie studiert an der SUNY Cortland University in New York professionelles Schreiben und Anthropologie; sie absolvierte im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum bei unserem Kooperationspartner Pressenza. Das Schreiben nutzt Rebecca Diers als eine Möglichkeit, der Welt einen Sinn zu geben und ein Gefühl der Menschlichkeit bei der Leserschaft zu wecken.

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