Statt der Grundrechte das „Gesetz“ des behavioristischen Rattenexperiments

In einem ARD-Interview vom 2. Februar 2021 unter dem Titel „Farbe bekennen“ ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel verlauten: „Wer das nicht möchte (die Impfung), der kann dann vielleicht bestimmte Dinge auch nicht machen.“ (1)

Grundrechte, das sind Rechte, die jedem Bürger eines Rechtsstaats zustehen, völlig unabhängig davon, welchen Status er hat, ob er reich oder arm ist, ob sie sich an die Gesetze hält oder nicht, ob er dem Staat genehm ist oder nicht – auch dem Staatsfeind stehen diese Grundrechte zu.

Das soll anders werden: Die Grundrechte, die in der Inszenierung des Coronaregimes außer Kraft gesetzt worden sind – ein Staatsstreich unerhört in diesem Ausmaß, so unerhört, dass noch nicht einmal die linke Opposition davon gehört hatte –, diese Grundrechte sollen abgeschafft bleiben, und an ihrer Stelle soll der gesellschaftliche Zusammenhalt durch das „Gesetz“ des behavioristischen Rattenexperiments von Belohnung und Belohnungsentzug geregelt werden.

Und immer noch: Friedhofsruhe in der medialen Öffentlichkeit. OK, die Medien haben sich seit Langem auf die Seite der Herrschenden geschlagen.

Was wir nicht verstehen: Weshalb die Linke diese Politik verteidigt, immer noch. Nachdem sie sie von Anfang an durch Stillschweigen mitgetragen hat und sich aktiv gegen die inner- wie außerparlamentarische Opposition gegenüber dieser Politik gewendet hat, kritisiert sie – natürlich zutreffend – inzwischen die „Folgen“ dieser Politik: ökonomischer Ruin großer Teile der unteren Schichten und Kleingewerbetreibenden, psychische und soziale Schäden in großem Ausmaß.

Diese „Folgen“ waren von vornherein abzusehen gewesen, es war vorauszusehen, dass daraus die Ungleichheit dramatisch wächst, die Durchschnittsbevölkerung und ärmere Bevölkerung die Leidtragenden sein werden und zudem Monopolisierungsprozesse und Digitalisierung eingeleitet werden. Das kann man nun nicht mit abstrakten oder unerreichbaren, derzeit utopischen Forderungen wie „… holt‘s von den Reichen“ oder „Kapitalismus muss weg“ wiedergutmachen.

Statt Opposition zu sein, statt den Widerstand gerade von links her zu stärken, hat sich die Linke mit der Staatsmacht identifiziert. Daraus wird sich, gerade weil die Linke weg vom Fenster ist, eine starke rechte Bewegung etablieren. Das sind unsere Hauptsorgen.

Die Folgen waren ja sogar „vorhergesagt“ worden – von denen, die diese Politik propagandistisch vorbereitet und orchestriert hatten: WEF, Gates-Stiftung, Rockefeller-Stiftung und so weiter (siehe Literatur: Schwab: „Der große Umbruch“ und Paul Schreyer: „Chronik einer angekündigten Krise„).

Und diese Folgen waren als Preis einkalkuliert für die Programme des „Großen Reset“ (Schwab, Davos, 2). Die Linke schafft nur diese Tatsache als „Verschwörungstheorie“ zu verleugnen.

Sie hält immer noch an der offiziellen Begründung „Kampf gegen das Virus“ fest, obwohl inzwischen – sogar durch die Zahlen des regierungsamtlichen RKI – jedem bekannt ist, dass die ursprüngliche Behauptung der Gefährlichkeit nicht mehr zu halten ist, dass die Gefährlichkeit des Virus der Grippe ganz nahekommt und dass deshalb die „Maßnahmen“ zur Eindämmung der Gefahr nicht mehr zu rechtfertigen sind, eben wegen deren Verfassungswidrigkeit und wegen deren Folgen.

Sie dienen allerdings dazu, die Bevölkerung in Angst zu versetzen und damit zur Zustimmung zur Corona-Politik – trotz ihrer verheerenden „Folgen“ – zu zwingen und sei es nur, dass sie alles mit sich machen lassen, was die Regierung anweist.

Das Wichtigste ist derzeit die flächendeckende Massen-Impfung mit – gemessen an den bisherigen Kriterien der Überprüfung ihrer Wirksamkeit und Nebenwirkungen – einem neuartigen und ungeprüften Impfstoff. Das kann üble Folgen haben – Todesopfer sind ja schon eine ganze Reihe zu beklagen (3).

Bereits diese Feststellung wird wahrscheinlich als „Verschwörungstheorie“ abgetan. Obwohl tagtäglich immer klarer wird, dass wir es tatsächlich mit einer veritablen Verschwörung ganz großen Stils zu tun haben: Allein die bisher bei keiner Epidemie – zum Beispiel Grippewellen – übliche stündliche Beschallung der Bevölkerung mit den Zahlen der positiv Getesteten, mit den Behauptungen über die Gefährlichkeit des Virus, mit den ständigen Bildern der Impfungen, die man nur als systematische Desensibilisierung betrachten kann und so weiter.

Dasselbe gilt für die Maßnahmen selbst, obwohl zum großen Teil unsinnig, wenn man sie als Bekämpfung des Virus betrachtet, ihren Sinn allerdings erhaltend, wenn man sie versteht als Erpressung der Bevölkerung, hinzunehmen, was ihr zugemutet wird.

Auch die scheibchenweise verkündete Verlängerung und Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen dienen diesem Zweck und sind in hohem Maß manipulativ. Zugleich arbeiten sie, wie Angela Merkel immer sagte, „auf Sicht“, immer so weit, dass die Bevölkerung die Zumutung gerade noch schlucken kann: „Psychologische Kriegsführung“ gegen die Bevölkerung.

Zustimmung zur Politik wird nicht mehr auf dem Wege argumentativer Überzeugungsarbeit in einer durch Grundrechte abgesicherten diskutierenden gesellschaftlichen Öffentlichkeit hergestellt, sondern durch ‚Fait accompli‘; Herstellen von Zuständen, auf die man nicht anders als vorgegeben reagieren kann – die behavioristische Form der Regelung zwischenmenschlicher, gesellschaftlicher, politischer Angelegenheiten: Konditionierung durch Belohnung und Bestrafung, die Rattenherrschaft mittels Reinforcement (4).


Quellen und Anmerkungen

(1) Das Erste (2.2.2021): „Farbe bekennen“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auf https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/farbe-bekennen/sendung/farbe-bekennen-242.html (abgerufen am 14.4.2021).

(2) The Great Reset (engl. „Der große Neustart“) ist eine Initiative des Weltwirtschaftsforums (WEF), die eine Neugestaltung der weltweiten Gesellschaft und Wirtschaft im Anschluss an die sogenannte COVID-19-Pandemie vorsieht. Die Initiative wurde von Charles Philip Arthur George (Prinz Charles), dem Thronfolger des Vereinigten Königreiches und Klaus Martin Schwab, Wirtschaftswissenschaftler, Gründer und Direktor des WEF im Mai 2020 vorgestellt. Weitere Informationen auf https://www.weforum.org/great-reset/ (abgerufen am 14.4.2021).

(3) Heute.at (16.1.2021): Mehrere Todesfälle nach Corona-Impfung in Altersheim. Auf https://www.heute.at/s/mehrere-todesfaelle-nach-corona-impfung-im-altersheim-100122829 (abgerufen am 14.4.2021).

(4) Reinforcement learning (deut. bestärkendes Lernen oder verstärkendes Lernen) steht für eine Reihe von Methoden des maschinellen Lernens, bei denen ein Agent selbstständig eine Strategie erlernt, um erhaltene Belohnungen zu maximieren. Dabei wird dem Agenten aber nicht vorgezeigt, welche Aktion in welcher Situation die beste ist, sondern er erhält zu bestimmten Zeitpunkten eine Belohnung (diese kann aber auch negativ sein). Anhand dieser Belohnungen nährt sich der Agent einer Nutzenfunktion an, die beschreibt, welchen Wert ein bestimmter Zustand (oder eine Aktion) hat.

Während seiner Zeit als Doktorand an der Harvard University entwickelt der US-amerikanische Psychologen Burrhus Frederic Skinner (1904-1990) eine Konditionierungskammer, bekannt als Skinner-Box, zur Durchführung von Verhaltensexperimenten mit Tieren. Sie wird sowohl zur Untersuchung der operanten Konditionierung als auch der klassischen Konditionierung verwendet.

Skinner hielt den freien Willen für eine Illusion. Er sah menschliches Handeln als abhängig von den Konsequenzen vorangegangener Handlungen an. Es war eine Theorie, die er als das Prinzip der Verstärkung (engl. the principle of reinforcement) formulierte: Wenn die Konsequenzen einer Handlung schlecht sind, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Handlung nicht wiederholt wird; wenn die Konsequenzen gut sind, wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Handlung wiederholt wird, größer.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Almuth Bruder Bezzel und Klaus-Jürgen Bruder erschien erstmals bei ‚Neue Gesellschaft für Psychologie‘ unter dem Titel „Statt der Grundrechte das „Gesetz“ des behavioristischen Rattenexperiments„.


Foto: Dainis Graveris (Unsplash.com)

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Als Psychoanalytiker muss sich Prof. Klaus-Jürgen Bruder zwischen den Registern des Psychischen bewegen und immer wissen, in welchem dieser Bereiche er sich befindet. Er beschreibt, womit es die Gesellschaft gegenwärtig in der Coronakrise zu tun hat: mit einem Verschwimmen dieser Sphären, das Imaginäre überschwemmt geradezu das Reale und begräbt auch das Symbolische unter sich.

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Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder (Jahrgang 1941) ist Psychoanalytiker, Psychologe, Hochschullehrer und Vorsitzender der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP). Er studierte unter anderem in Würzburg und Heidelberg Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaften und habilitierte 1982 mit der Arbeit „Psychologie ohne Bewusstsein: Die Geburt der behavioristischen Sozialtechnologie“. Seit Anfang der 1990er Jahre ist er an der Freien Universität Berlin tätig. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören 'Subjektivität und Postmoderne. Der Diskurs der Psychologie' (Suhrkamp 1993); 'Jugend. Psychologie einer Kultur' (Urban & Schwarzenberg 1984), 'Psychologie ohne Bewusstsein. Die Geburt der behavioristischen Sozialtechnologie' (Suhrkamp 1982) und 'Lüge und Selbsttäuschung' (Vandenhoeck & Ruprecht 2009).

Psychologin, Psychoanalytikerin, Dozentin und Autorin

Almuth Bruder-Bezzel ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Psychoanalytikerin in eigener Praxis. Sie ist Dozentin, Lehranalytikerin, Supervisorin und Autorin zu Alfred Adlers Theorie und Geschichte in Wien. Seit etwa 10 Jahren hält sie zudem immer wieder Vorträge und verfasst Aufsätze zum Themenbereich „Psychoanalyse und gesellschaftliche Probleme“ wie Arbeitslosigkeit, Prekariat, neoliberale Identität und Rechtspopulismus.

2 Gedanken zu “Statt der Grundrechte das „Gesetz“ des behavioristischen Rattenexperiments”

  1. Apropos: „Rattenherrschaft“
    Sagt eine Ratte zur anderen: „Bist Du schon geimpft?“
    Darauf die andere: „Um Gottes willen, NEIN!“ Die Experimente an den Menschen laufen doch noch!“

  2. Dank an die Neue Debatte, den Beitrag von Bruder/Bruder veröffentlicht zu haben! Dank für jede Stimmme aus „der Wissenschaft“, die sich gegen die Majorität aus Anpassung, Opportunismus, Karrierismus, Betriebsblindheit. Fachidiotismus und ängstlich betretenem Schweigen seitens der Wissenschaftler/innen-Community zu Wort meldet. .

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