Unter der Lupe: Wollt ihr das totale Grün?

Obwohl immer wieder die Mahnung aus dem scheinbar antiquierten demokratischen Bewusstsein klingt, “Seht euch die Programme der Partien an!”, verhallt sie immer wieder im unendlichen Raum der gesellschaftlichen Leere. Denn die meisten Parteien machen sich nicht einmal mehr die Mühe, solche Programme zu erstellen, was auch an der Interesselosigkeit oder der Desillusionierung der Wähler liegt, die sowieso nicht an die in solchen Programmen dargelegten Absichtserklärungen glaubten.

Eine Partei, und zwar die, die hinsichtlich der bevorstehenden Bundestagswahlen prächtige Prognosen einfährt, die Grünen hat sich die Mühe gemacht, ein solches Programm zu erstellen.

Egon W. Kreutzer, seinerseits ein Verfechter originärer demokratischer Prinzipien, hat sich dieses Programm vorgenommen und die Arbeit gemacht, das, was in diesem aktuellen Programm der Grünen steht, genau unter die Lupe zu nehmen und detailliert nach logischer Konsistenz, technischer Machbarkeit, Finanzierung und lebenspraktischer Konsequenz zu prüfen.


Egon W. Kreutzer. Wollt ihr das totale Grün? Handreichung zur Bundestagswahl 2021 (Quelle: YouTube/Gerhard Mersmann)

Unter dem Titel “Wollt ihr das totale Grün? Handreichung zur Bundestagswahl 2021” ist ein rund 160 Seiten umfassendes Buch erschienen, in dem die wesentlichen Säulen geplanter grüner Politik auf ihre Statik hin überprüft werden.

Die bereits wie ein Mantra durch den öffentlich-rechtlichen Äther (wie den daraus abgeleiteten gesellschaftlichen Diskurs) beherrschten Themen sind die “neuen” Vorstellungen von Landwirtschaft, Finanzmärkten, sozialer Gerechtigkeit, Diversität, Energie, Klima, Digitalisierung, Open Data und Positionen der internationalen Politik. Um diese geht es in dem Programm und sie werden von Kreutzer Punkt für Punkt beschrieben, klassifiziert und kritisch beurteilt.

Mehr kann man nicht verlangen, wenn man es nicht vermag, das mit Forderungen gespickte Konvolut der Grünen selbst zu lesen.

Es ist einer Rezension nicht angemessen, die Details, die notgedrungen bei der Analyse eines Wahlprogramms unter das OP-Messer kommen, zu wiederholen. Dazu möge der Verweis auf die Lektüre der hier besprochenen Lektüre reichen. Sie lohnt sich allein deshalb, weil sie sich diesen Details nicht nur widmet, sondern sie auch auf ihre tatsächlichen sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen untersucht.

Was bei der Lektüre zudem auffällt, ist etwas, das vielleicht nicht nur einem grünen Wahlprogramm vorgeworfen werden kann, sondern denen, die es rudimentär noch mit so etwas versuchen, auch vorgeworfen werden muss. Es ist nichts nachzulesen über die Kosten der Vorhaben und einen Plan, wer und wie dafür aufgekommen werden muss.

Giftiges Substrat aus dem Chemielabor

Was jedoch als ein ureigenes Signet der Grünen im Raum stehen bleibt, dass hochgerechnet im ersten Jahr der Verwirklichung bereits Kosten von einer Billion Euro anfallen würden und dass insgesamt mit einer massiven Verteuerung des Lebensunterhalts für einen Großteil der Gesellschaft gerechnet werden muss.

Dass ein ganzes Feuerwerk von Behördengründungen abgefackelt werden wird, die sich eines immer abstruser werdenden, in alle Lebensbereiche hineinregierenden Regelwerkes annehmen und eine neue, grüne bürokratische Nomenklatura absichern sollen. Eine sprachliche und gedankliche Inquisition, die aus den anfänglich antidiskriminatorischen und heute sektiererischen Weltbildern entwickelt wurde, die die ganze öffentliche Sphäre vergiften wird, was die bereits tiefe Spaltung der Gesellschaft vorantreibt.

Und dass die Grünen wie keine andere der konkurrierenden Parteien den radikalen bellizistischen Falknern vom Potomac folgen und jede Form der Konfrontation mit Russland und China inbrünstig zu ihrer Sache machen werden.

Was anfänglich wirkt, wie ein gerade im Werkunterricht gefertigtes Artefakt der Unbekümmertheit, entpuppt sich dank der detaillierten Analyse Kreutzers eher als ein giftiges Substrat aus dem Chemielabor. Ich empfehle die Lektüre all denjenigen, die genauer hinschauen wollen, bevor sie zu einem Urteil bereit sind.


Informationen zum Buch

Wollt ihr das totale Grün? Handreichung zur Bundestagswahl 2021

Wollt ihr das totale Grün Autor Egon W. Kreuzter Foto E. W. Kreutzer. Kreutzer (Foto: E. W. Kreutzer)

Wollt ihr das totale Grün? Handreichung zur Bundestagswahl 2021


Autor: Egon W. Kreutzer

Genre: Politik und Staat

Seiten: 162

Erscheinung: März 2021

Verlag: BoD – Books on Demand

ISBN: 978-3-75-262293-5


Fotos und Video: Krzysztof Hepner (Unsplash.com), Egon W. Kreutzer (Buchcover) und Gerhard Mersmann

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Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Seine gegenwärtigen Schwerpunkte sind Beratung, Lehre und Publizistik. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure.

2 Gedanken zu “Unter der Lupe: Wollt ihr das totale Grün?”

  1. Ich denke nicht, dass die Grünen das totale Grün wollen.
    Alleine die Auswahl des Titels ist anrüchig. Die meisten in unserer Gesellschaft wissen, dass ein Wandel notwendig ist.
    Jeder kann seine Vorstellung dazu einbringen. Es ist nicht nur eine Frage die es zu beantworten gilt, es sind derer viele, und diese hängen leider auch immer voneinander ab. Es gilt also einmal den Kurs zu wechseln und auf eine systemische Betrachtung umzuschwenken.
    Der Vorwurf, dass totales grün Billionen kostet ist reine Propaganda, denn es gibt keine Aussage darüber, wass ein “weiter so” kosten wird.
    Vielleicht berechnen Sie doch einmal einige Szenarien.
    Ich bin zumindest zuversichtlich, dass sich das politische System deutlich verbessern wird, im Vergleich zu dem was wir seit 16 Jahren erdulden.
    Wenn man den Wandel nicht ausprobiert, kann man nicht erfahren was er gebracht hat.
    WR

  2. Vor dem Hintergrund, dass mehr als 2/3 der “westlichen Welt” schon urbanisiert ist und die „andere Welt“ mit militärischen Druck ausgeplündert wird, damit „!unsere!“ Welt wieder grün werden soll, was genau so ein Unsinn ist, wie eine CO2-Neutralität, die man sich erkaufen kann, oder 0-Covid, eine keimfreie Welt nicht nur für die sich selbst spaltende Genderbewegung, kann man nur kopfschüttelnd vor den neuen Graben- und Klassenkriegen die Flucht ergreifen und einfach nicht mehr mit machen.

    „Partei ist der Wahnsinn der Vielen zum Vorteil von Wenigen.“ — Alexander Pope

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