Ein anderes Leben

Ich habe das Gefühl, in einem Zug zu sitzen, der seit dem 16. März 2020 fährt, ohne ein einziges Mal stehen zu bleiben, ohne zu halten.

Das Unterwegssein in einem Leben, in dem ich nicht weiß, wohin das führen soll, besser gesagt, wohin gefahren wird.

Das Gefühl der Geborgenheit auf meinen früheren Zugreisen ist einem Gefühl des inneren Zitterns gewichen, von dem ich nicht weiß, ob es je wieder weichen wird. So möchte ich nicht sterben. So möchte ich nicht sein.

Also brauche ich ein anderes Leben.

In diesem Zug konnte noch niemand auf mich zugreifen, keinem ist es bisher gelungen, sich Eintritt zu verschaffen in mein Abteil, weder um mir den Mund zu verbieten, noch um mir den Atem zu nehmen oder gar mein Gesicht zu verbergen.

Dem Drang, der Pharmaindustrie etwas von mir zu schenken, konnte ich bisher widerstehen, dem Druck etwas von mir abgeben zu müssen, habe ich mich nicht gebeugt. Wie auch? In meinem Alter ist es nicht mehr so einfach, wieder aufzustehen, wenn man einmal in die Knie gegangen ist.

Da ich bisher nichts geschenkt habe, versucht man es jetzt mit einer anderen Methode, mich zum Hergeben zu bewegen. Ich soll jetzt meinen Körper zur Verfügung stellen, ich soll mich prostituieren. Aber so schlimm ist es ja gar nicht, sie wollen nicht meinen ganzen Körper, nur meinen Oberarm, in Wahrheit aber noch weniger. Sie wollen nur einen winzigen Punkt auf meiner Haut, den sie dazu verwenden können, ihre Spuren zu hinterlassen, sich zu verewigen.

Mit meinen Gefühlen und meinen Gedanken können sie nichts anfangen, kein Geld verdienen, keinen Gewinn erzielen. Man bietet mir kostenlos an, mich mit einem Stoff zu beschenken, einem Stoff, aus dem die Träume sind, die Träume der Pharmakonzerne.

Wird der Zug bald stehen bleiben?

Vielleicht wird es ein anderes Leben sein.


Foto: Toa Heftiba (Unsplash.com)

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Logopädagogin, Lehrbeauftragte und Buchautorin

Ingrid Bruckler (Jahrgang 1956) ist Logopädagogin, Lehrbeauftragte und Buchautorin. Außerdem Mitarbeiterin des Viktor-Frankl-Zentrums in Wien und Leiterin einer Weiterbildung in Palliativpflege. Sie besuchte die Pädagogische Hochschule und Weiterbildungstätte der Universität Heidelberg und absolvierte zahlreiche Weiterbildungen (u. a. Psychobiografisches Pflegemodell, Problem-Based- Learning in der Pflege). Ihre Diplomarbeit „Handlungsorientiertes Lernen in der Pflege“ wurde beim Facultas Verlag Wien veröffentlicht. Ihr Arbeitsschwerpunkt in Ausbildung und Praxis liegt auf dem Umgang mit alten, verwirrten und dementen Menschen sowie Sinnfragen während des Lebens und am Lebensende. Beruflich war sie in Österreich, Deutschland, Luxemburg, Tschechien, der Slowakei und Rumänien tätig. Als Autorin und Co-Autorin publizierte sie zahlreiche Fachartikel, Manuals und Bücher wie zum Beispiel 'Balsam für Leib und Seele'' (2002) und 'Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege' (2003). Ihr Fachbuch 'Herausforderung Demenz' erschien (2019). Ehrenamtlich engagiert sie sich bei der Initiative Rechtsanwälte für Grundrechte.

Ein Gedanke zu “Ein anderes Leben”

  1. Zum Glück haben nicht alle das Gefühl in einen Zug zu sitzen, der ins Nirgendwo gefahren wird. Wir aus der Friedensbewegung wissen schon lange, dass es viele Züge sind, auf parallelen Gleisen. Und die Züge wurden immer schneller! Die Zugführer fahren, die Passagiere wollen ankommen – Bahnwärter stellten die Weichen immer wieder auf Umwege. Mehr konnten sie nicht tun. Jetzt stehen die Passagiere auf: “Ich werde ja in die falsche Richtung gefahren! Beim Blick aus dem Fenster: Immer mehr Mitweltzerstörung! Vor uns ein großes Tor: Impfen macht frei!
    Wer hat die Gleise verlegt?”

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