Perception Management

Wenn es darum geht, Indizien zu finden, die die These erhärten, dass es sich um etwas anderes handelt als die Vermittlung von Informationen, dann sind es Anwendungen aus der psychologischen Grundlagenforschung, die hinzugezogen werden, um sich von vornherein mit der Wirkung der gesendeten Signale ins Benehmen zu setzen. Einer dieser Forschungszweige nennt sich Perception Management (1).

Die unbewusste Wirkung

Perzeption, auch in der deutschen Bedeutung, ist die Wirkung eines Signals auf den Empfänger, ohne dass eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Signal stattfindet. Es handelt sich um die flüchtige, sensuelle Reaktion auf eine Botschaft. Perception Management befasst sich mit der unbewussten Wirkung. Diese ist beabsichtigt und hat mit dem, was ein als kritisch geltender Journalismus zu leisten hat, nichts gemein.

Es geht darum, vor allem emotionale Reaktionen hervorzurufen, die die letztendliche Wirkung des Gesagten beeinflussen soll. Beim Durchforsten der Nachrichten, die uns täglich erreichen, fällt auf, dass genau dieses Handwerk in voller Blüte steht.

Es geht darum, das Publikum, seinerseits in der Staatstheorie zu weniger verdorbenen Zeiten noch als Souverän bezeichnet, so zu beeinflussen, dass es nicht rational reflektiert, wie es mit der Information umzugehen hat und welche Schlüsse es daraus zieht. Vielmehr soll ein Präjudiz, das heißt eine emotional beeinflusste Vorentscheidung über Parteilichkeit bereits bei der Übertragung der Information gesetzt werden.

Bilder und Emotionen

Verbale Konstruktionen, die seitens des Perception Managements benutzt werden, sind Attribute wie Leugner, Verweigerer, Machthaber, Komplizen, unheilige Allianzen, Randalierer, Esoteriker, um nur einige zu nennen, wenn es nicht mehr um die Argumente derer geht, die dort adressiert sind, sondern um eine Vorverurteilung, die besagte Zielgruppen ausgrenzen. Dass diese zumeist noch geschmückt werden mit Adjektiven wie verwegen, abseitig, verworren, sektiererisch, radikal, unzurechnungsfähig et cetera versteht sich nahezu von selbst.

Ein weiteres Mittel, um die erste Reaktion auf eine emotional verpackte Information zu präparieren, sind Bilder. Da sind weinende Kinder, gedemütigte Frauen, verheerende Umweltschäden oder pompös posierende Menschen zu sehen, die in keinerlei Relation zur Notwendigkeit stehen, um den informativen Gehalt zu untermauern, sondern um die erste flüchtige Reaktion der Empfänger emotional zu besiegeln.

Nicht, dass es sich um etwas Neues handelte. Der Einsatz emotional beeinflussender Mittel ist so alt wie die politische Kommunikation selbst. Von der Antike über Rom bis in die Neuzeit versuchten Politiker, das jeweilige Publikum emotional für sich zu gewinnen und benutzten Formulierungen wie Bilder, um dieses zu erreichen. Und das gilt für diejenigen, die in den Geschichtsbüchern als positive Charaktere dargestellt werden wie für Tyrannen und Demagogen. Was, um bei der historischen Betrachtung zu bleiben, auffällt, ist, dass die dunkeln Gestalten eine besondere Virtuosität besaßen, um das Publikum zu emotionalisieren.

Perception Management statt Aufklärung

Aufklärung wie Demokratisierung formulierten besonders aus dieser Erfahrung heraus die Forderung, sich bei der politischen Kommunikation auf überprüfbare Fakten und zwingende Logik zu konzentrieren, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, seinerseits die empfangenden Informationen nach ihren Fakten und ihrer Logik zu beurteilen und daraus seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Bei der Betrachtung der Texte und Bilder, die uns täglich erreichen, wird auf den ersten Blick und sehr schnell die Handschrift des Perception Managements deutlich. Mit Aufklärung und Demokratie hat das nicht mehr viel zu tun, mit der Virtuosität von Demagogen und Tyrannen schon. Sehen Sie sich die täglichen Nachrichtenübermittlungen an! Sie werden staunen!


Quellen und Anmerkungen

(1) Perception Management ist eine vom US-Militär genutzte Begrifflichkeit. Gemeint sind (gezielte) Aktionen zur Übermittlung und/oder Unterdrückung ausgewählter Informationen und Indikatoren an ausländische Zielgruppen, um deren Emotionen, Motive und objektives Denken zu beeinflussen. Außerdem an nachrichtendienstliche Systeme und Führungskräfte auf allen Ebenen, um offizielle Einschätzungen zu beeinflussen, was letztendlich zu Verhaltensweisen und offiziellen Handlungen im Ausland führt, die für die Ziele des Urhebers günstig sind.


Foto: Bradley Pisney (Unsplash.com)

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Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Seine gegenwärtigen Schwerpunkte sind Beratung, Lehre und Publizistik. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure.

Ein Gedanke zu “Perception Management”

  1. Hallo Herr Mersmann, verehrte Leser,
    Ein gelungener Beitrag und ein guter Verweis auf „“ die Psychologie der Massen „“. Angst und Schuld ist eben das Führungsinstrument der herrschenden Klasse.
    Siehe dazu auch Gustave le Bon in seiner „“ Psychologie der Masse „“ ist von 1885 ! Ja, so alt ist das alles bereits. Aber inzwischen wurde es sehr verfeinert und erweitert. Nun, was mach mer jetzt mit diesen Erkenntnissen ?

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