Vor dem Ende der Demokratie

Die Welt steckt mitten im gewaltigsten Umbruch und gleichzeitig im größten Wirtschafts- und Gesellschaftsexperiment der gesamten Geschichte. Was wir zurzeit erleben, ist nicht mehr und nicht weniger als der Versuch, unser gesamtes Leben vollständig zu digitalisieren. Mit der Begründung, die Ausbreitung einer Krankheit verhindern zu wollen, werden wir gedrängt, vom Homeoffice aus zu arbeiten, per Homeschooling zu lernen, nur noch online einzukaufen, beruflich nicht mehr direkt, sondern über Konferenzplattformen im Internet zu kommunizieren und unser Bewegungs- und Kontaktprofil über eine Nachverfolgungs-App erfassen zu lassen. Auch im Finanzsektor zwingt man uns die Digitalisierung immer stärker und immer schneller auf: Bankfilialen werden geschlossen, das Bargeld wird mit aller Macht zurückgedrängt, und die Zentralbanken arbeiten unter Hochdruck an dem mit Abstand wichtigsten Zukunftsprojekt unserer Zeit: der Einführung von digitalem Zentralbankgeld.

Parallel zu diesen beiden Prozessen erleben wir eine immer stärkere Einschränkung unserer Grundrechte. Nachdem die Regierungen uns unsere Reisefreiheit und das Versammlungsrecht genommen haben, wird auch die Meinungsfreiheit immer stärker beschnitten.

Zwischen all diesen Entwicklungen gibt es einen direkten ursächlichen Zusammenhang: Die Zukunft, in die man uns führen will, lässt sich nämlich nicht mit den Grundsätzen der Demokratie vereinbaren, und zwar aus folgendem Grund:

Wir leben in einer Gesellschaft, die von einer extrem wohlhabenden und extrem mächtigen, aber gleichzeitig winzigen Minderheit beherrscht wird. Deren größtes Interesse besteht darin, den eigenen Wohlstand und die eigene Macht zu erhalten. Die Digitalisierung erfolgt also nicht zugunsten von uns allen, sondern zugunsten dieser Minderheit.

Da die Digitalisierung selbst aber ungeheure Möglichkeiten der Demokratisierung bietet und die Herrschaft der Wenigen dadurch gefährden könnte, ist diese winzige Minderheit gezwungen, auf ständig neue Mechanismen der Unterdrückung zurückzugreifen.

Das abstoßendste Beispiel dieser Entwicklung erleben wir seit einiger Zeit in China, wo die Regierung ihre Untertanen wie kein anderes Land auf der Erde auf Schritt und Tritt überwacht, kontrolliert und drangsaliert. Dass ausgerechnet diese Regierung von einer Kommunistischen Partei gestellt wird, sollte uns alle hellhörig machen.

Es zeigt nämlich, dass die Ideologie derer, die an den Hebeln der politischen Macht sitzen, in unserer Zeit vollkommen egal ist, und zwar deshalb, weil es eine Kraft gibt, die turmhoch über allen Regierungen steht und im Hintergrund die Fäden zieht. Und diese Macht gibt es in China ebenso wie in den USA oder bei uns. Bei ihr handelt es sich um den digital-finanziellen Komplex, also die Symbiose aus den mächtigsten Konzernen im Digital- und im Finanzbereich.

Dieser Komplex hat es geschafft, durch die Kontrolle der globalen Daten- und Finanzströme mehr Geld und mehr Macht in seinen Händen zu konzentrieren als irgendeine Kraft in der menschlichen Geschichte. Trotzdem steht dieser Komplex seit einiger Zeit vor einem gewaltigen Problem: Das Geldsystem, auf dem seine Macht beruht, ist im März 2020 zerbrochen. Nachdem es mehr als 12 Jahre durch Geldschöpfung und Zinssenkungen aufrechterhalten worden ist, sind die Zinsen bei null angekommen, so dass nur noch bedingungslose Geldschöpfung möglich ist. Die aber führt auf direktem Weg in die Entwertung des Geldes.

Nun kommt diese Entwertung des Geldes dem digital-finanziellen Komplex gar nicht so ungelegen, denn wir haben es zurzeit mit dem höchsten Schuldenstand aller Zeiten zu tun – und eine Inflation ist ein höchst geeignetes Mittel, um diese Schulden aus der Welt zu schaffen. Wie sehr die Inflation vorangetrieben wird, kann man unter anderem an dem für dieses Jahr geplanten US-Haushalt von über 8 Billionen Dollar sehen.

Was aber, wenn die Inflation einen Großteil der Schulden einmal beseitigt hat? Auch dafür gibt es einen Plan, nämlich die Einführung digitaler Zentralbankwährungen. Die aber wird unser Leben auf historisch einmalige Weise verändern, und das nicht zum Besseren.

Geld hat ja zwei Grundeigenschaften: Es ist zum einen Zahlungsmittel und zum anderen Herrschaftsinstrument. Als solches ist es von denen, die es herausgegeben haben, immer zur Festigung und Erweiterung der eigenen Macht eingesetzt worden. Das ist auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen geschehen: durch das Einfordern von Zinsen, durch das Entfachen von Inflation, durch die Koppelung von Krediten an Bedingungen oder die Verstrickung der Menschen in einem Netz der Verschuldung.

Diese undemokratischen Eigenschaften des Geldes als Herrschaftsinstrument sollen nun auf die Spitze getrieben werden. Bei der digitalen Zentralbankwährung, die mit großer Sicherheit in der Form des universellen Grundeinkommens eingeführt werden wird, kommen nämlich ganz neue diktatorische Mechanismen zu den alten hinzu:

Man wird das Konsumverhalten der Empfänger gezielt steuern, ihnen das Sparen unmöglich machen und sie zwingen können, das Geld zweckgebunden innerhalb vorgegebener Zeiträume auszugeben. Man wird Wohlverhalten belohnen, Kritiker dagegen bestrafen und sogar von allen Finanzströmen abschneiden können.

Digitales Zentralbankgeld wird der Kern eines gesellschaftlichen Zwangsregimes sein, das weitgehend ohne offene Gewalt auskommen wird, weil es jede Opposition bereits im Keim ersticken kann.

Digitales Zentralbankgeld wird ein fast perfektes Mittel zur Kontrolle, zur Manipulation und zur Konditionierung der Bevölkerung sein und damit zu einer weitgehend unsichtbaren Machtausübung führen. Bei seiner Einführung handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als die am tiefsten in unser Leben eingreifende Währungsreform aller Zeiten.

Das alles klingt verstörend und die Aussichten sind in der Tat bedrückend, denn diese Entwicklung ist in den vergangenen Monaten durch die Lockdowns dramatisch beschleunigt worden. Werden wir diesem neuen Geldregime also nicht mehr entgehen können?

Das hängt nur von einem einzigen Faktor ab, nämlich: dem Bewusstsein der Mehrheit der Menschen. Zurzeit weiß nur ein winziger Teil der Bevölkerung überhaupt von diesem Projekt, weil es von der Politik und den Mainstream-Medien weitgehend verschwiegen wird. Und selbst denen, die davon wissen, sind die dramatischen Folgen in den meisten Fällen nicht bewusst.

Aus genau diesem Grund ist es unseren Tagen besonders wichtig, so vielen Menschen wie irgend möglich klarzumachen, was digitale Zentralbankwährungen bedeuten: das Ende aller Demokratie und den endgültigen Übergang in einen auf dem Geldsystem basierenden Faschismus.

Henry Ford hat einmal gesagt: „Wenn die Menschen der Nation unser Geldsystem verstehen würden, hätten wir vor morgen früh eine Revolution.“ Genauso eine Revolution brauchen wir, und zwar bald – und nicht etwa in den Straßen, sondern in den Köpfen der Menschen.

Die Zeit wird knapp, für ein demokratisches Geldsystem.


Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst unter dem Titel “The Wolff of Wall Street SPEZIAL: Digitales Zentralbankgeld – Das Ende aller Demokratie” auf KenFM.de. Er wurde auf Rubikon unter dem Titel “Das Ende der Demokratie” veröffentlicht und von Neue Debatte übernommen.


Foto: Tiffany Nguyen (Unsplash.com)

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Freier Journalist

Ernst Wolff (Jahrgang 1950) wuchs in Südostasien auf, ging in Deutschland zur Schule und studierte in den USA. Er arbeitete in diversen Berufen, unter anderem als Dolmetscher und Drehbuchautor. Seit den politischen Umwälzungen von 1968 beschäftigt er sich vor allem mit den Themen Politik und Wirtschaft. Wegen der durch die Deregulierung herbeigeführten weltweiten Finanzialisierung konzentriert er sich seit Jahren auf den in seinen Augen wichtigsten Bereich der globalen Gesellschaft: den Finanzsektor. Wolff lebt als freier Journalist in Berlin, schreibt regelmäßig zu aktuellen Themen und hält weltweit Vorträge, die das aktuelle Tagesgeschehen vor seinen finanzpolitischen Hintergründen beleuchten. Er ist Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“ und einer der Autoren des Buches „Fassadendemokratie und tiefer Staat“.

Ein Gedanke zu “Vor dem Ende der Demokratie”

  1. Na, da sind in diesem Blog doch einigen (hoffentlich) mal die Augen aufgegangen! Leider hat’s wieder nur fuer die Beschreibung der Symptome gereicht. Wie waere es mit einer Analyse der Kausalitaet?

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