Parteien am Ende: Für einen Neustart durch die Zivilgesellschaft

Die zweite Corona-Welle hat die Fassade politischer Kompetenz zerbrochen: bürokratischer Wirrwarr und dummes politisches Geschwätz mischten sich mit Selbstdarstellung, Kumpanei und Geschäftemacherei. Corona ist beispielhaft für eine erstarrte Politik, die unfähig ist zur Lösung unserer Zukunftsaufgaben. Offen ist, welchen Beitrag die Zivilgesellschaft für eine Erneuerung von Politik und Gesellschaft leisten kann.

Parteien – Im letzten Jahrhundert stehen geblieben

Deutschland und Europa sind erstarrt. Digitalisierung, Klimakrise und Umweltschutz stoßen auf politische Handlungsunfähigkeit. Es gibt keinen Masterplan für den technischen und ökologisch-sozialen Wandel. Die Parteien handeln allein mit der destruktiven Absicht der Sicherung ihrer Macht. Die Politik hat sich verselbstständigt und von der Gemeinschaft des Volkes abgenabelt. Gleiches gilt für die Medien und die globalen wirtschaftlichen Eliten. Sie leben in einer globalen Dunstglocke – abseits von der Mehrheit der Bevölkerung.

Die Gräben zwischen der selbst ernannten globalen Elite und der Bevölkerung wachsen. Ein neues Kauderwelsch vermanscht die Sprache und führt zum realitätsfernen Denken. Politische Aussagen werden zur belanglosen politischen Plapperei ohne Sinn und Verbindlichkeit. Es herrschen gedankliche Leere und hoffnungslose Überschätzung eigener Wirkmöglichkeiten.

Militäreinsätze auf der ganzen Welt zeigen Größenwahn und groteske Selbstüberschätzung. Die Selbstgefälligkeit politischer Akteure verweigert sich jedem belastbaren Realitätsbezug.

Weltweite Militärpräsenz soll nach innen Stärke demonstrieren. Aber im globalen Spiel der Kräfte sind Deutschland und die EU ein hilfloser Gernegroß. Das hindert nicht an Selbstüberhöhung und den Glauben an ein globales Sendungsbewusstsein. “Deutschland reicht nicht, man muss die Welt retten.” Dabei ist man nicht nur von den Welthandelsnationen (zum Beispiel China und USA) abhängig, sondern auch von globalen technischen Konglomeraten. Trotzdem besteht der Wahn politischer Machbarkeit von Wirtschaft und Gesellschaft.

Reformen stoßen in der Politik auf Mauern. Externe Berater helfen nicht, da es um Machtstrukturen geht. Reformversprechen (wie die offene Verwaltung oder gar der lernende Staat) sind eine ferne Fiktion. Wie in einem Marionettentheater wird an fremden Strippen getanzt. Zwar sehen viele Politiker Mängel und strukturelle Schwächen, aber die führenden Exponenten politischer Macht profitieren von den bestehenden Strukturen. Der schöne Schein wird nur mithilfe der öffentlichen Medien gewahrt, weil bestehende Defizite verschleiert werden. Tatsächlich sind Wege in die Zukunft blockiert. Dies bewirkt eine tiefgreifende Polarisierung unserer Gesellschaft – und Deutschland und Europa geraten in eine Abwärtsspirale.

Die Zivilgesellschaft ist gefragt

Die Medien fallen als Ideenspender aus. Sie sind mehr oder weniger politische Beifallsorgane geworden. Das gilt vor allem für die einflussreichen TV-Sender. Von ihnen kommen keine Anstöße zur Selbsterneuerung der Politik. Sie weben mit am unentwirrbaren Knäuel von Lügen, Halbwahrheiten und Halbwissen und lenken ab von Missständen. Es fehlen Anstöße für eine offene, lern- und anpassungsfähige Politik zur strukturellen Erneuerung.

Das Dilemma von Bürger- und Zivilgesellschaft ist, dass die Politik viele selbstorganisatorische Gestaltungsräume der Bürger besetzt hat. Mit Sprechverboten und Sprachlenkung wurde die Gemeinschaft bis zur Handlungsunfähigkeit zersplittert. Zudem sind viele Gruppen der Zivilgesellschaft ideologisch erstarrt. Sie beharren auf alten Rezepten ohne praktische Relevanz.

Kritische Aufsätze und Bücher füllen lange Regale, doch leider fehlt “das geistige Band” für ein praktisches Vorgehen. So reihen sich Demos, Proteste, neue Parteien und immer neue Aufrufe zum Widerstand folgenlos aneinander.

Viele versuchen, den ganz “großen Wurf” (ihre Systemlösung) zu finden. Der Glaube an die einzig richtige Lösung führt letztlich zur Rechthaberei, Zersplitterung und zum Verlust von Perspektiven. Ein weiterer Aspekt ist die Komplexität der Lage. Sie lähmt, weil scheinbar alle Bereiche miteinander vernetzt sind. Wenn Teillösungen kaum vorstellbar sind oder den ideologischen Ansprüchen nicht gerecht werden, wird jegliche Erneuerungskraft gelähmt.

Die Zukunft ist keine lineare Fortsetzung der Vergangenheit. Es gibt nicht den einzig wahren Lösungsweg für “die Neue Welt” und keinen gordischen Knoten, den man für den Systemwechsel nur durchhauen muss. Es geht nicht um die ‘richtige Ideologie’, sondern um eine stabile Basis für kleine Lösungsschritte, die nicht an ideologischen Grenzen erstarren. Die Welt ist zu komplex für den großen Wurf. Lösungen sind das Ergebnis von Handeln, Lernen, Korrigieren, neuen Versuchen und praktischen Reformen. Das ist die Herausforderung für Bürger- und Zivilgesellschaft, denn die Erneuerung kann nur durch sie erfolgen.

Was ist zu tun?

Aktives Handeln setzt Souveränität voraus. Bürgerinnen und Bürger haben auf die Zweckmäßigkeit des Parteiensystems und auf die Rückbindung der Politik an die Ordnung des Rechts vertraut. Sie haben ihre Souveränität nicht wahrgenommen und sich nicht als Souverän der Demokratie selbst eine Verfassung gegeben. Zum Beispiel haben sie nicht durchsetzen können, dass die Vorgabe einer Verfassung für das deutsche Volk (Art. 146 GG) nach der Wiedervereinigung realisiert wurde (1). Es wäre ein wichtiger Schritt gewesen. Denn nach der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 beruhen demokratische Verfassungen auf dem Gedanken der Souveränität (2).

Souveränität und Selbstbestimmung sind Grundlage einer freien und handlungsfähigen Gemeinschaft von Gleichen. Freie Menschen nehmen ihre Rechte als Souverän wahr, indem sie sich eine Verfassung geben. Denn das Volk (als Gemeinschaft) ist die legitimierende Rechtfertigung der Verfassung, somit die einzige Legitimationsbasis der Politik.

Die Aufklärung hat gezeigt, dass eine Gemeinschaft in der Bestimmung ihrer Rechtsordnung keiner Rückführung auf ein höheres Wesen oder auf höhere Rechte bedarf. Legitimation leitet sich aus dem freien Willen eines Volkes ab. Der normative Geltungsanspruch einer ‘Verfassung vom Volk’ ist darin begründet. Dieser Grundlegung hat sich unsere Politik faktisch entzogen.

Eine Verfassung, die sich das Volk gibt, ist Grundlage für friedliche Reformen. Mit ihnen nehmen handelnde Menschen eine aktive Rolle ein. Als gemeinschaftlich handelnde Subjekte formen sie demokratische Gemeinschaften. Ein neues ‘Wir’ ist eine Basis für politisches Handeln. Daraus können Institutionen wie runde Tische, politische Konferenzen, Regionalkonferenzen et cetera entstehen. Sie institutionalisieren erste Schritte in eine politische Rolle der Zivilgesellschaft. Kommunikative Plattformen können dann das Band für Gemeinschaften werden, um wieder Kontrolle über das eigene soziale Leben zu gewinnen.

Plattformen haben sich zuerst im Handel durchgesetzt. Sie ermöglichen aber auch den Austausch von Ideen und Meinungen. Sie können viele Menschen kommunikativ miteinander verbinden und sachbezogen Ergebnisse dokumentieren. Reformarbeit durch unterschiedliche Menschen und Vereinigungen ist damit möglich. Voraussetzung für funktionierende Plattformen ist ihre Neutralität und Sachorientierung, um gemeinschaftsbildend zu sein. Der gesellschaftlich experimentelle Charakter neuer Wege erfordert offene Arbeits- und Kommunikationsplattformen, auf denen ein breites Spektrum von Meinungen Platz findet.

Eine Herausforderung stellt das Zusammenführen einzelner Plattformen in übergeordnete Erkenntnisse und sachliche Lösungsschritte dar. Überregionale Kooperationen sind ein Weg, um Ideen und Ansätze für Lösungen zu finden.

In einem ersten Anlauf sind zum Beispiel folgende Orientierungen denkbar:

  • Formierung von Bürgergemeinschaften,
  • überregionale Kooperation,
  • Schaffung einer unabhängigen, politisch handlungsfähigen Zivilgesellschaft und
  • weiterführende Einrichtungen der Gemeinschaftsbildung (zum Beispiel Runde Tische, regionale und kommunale Fachgruppen, Regionalgruppen und Regionalkonferenzen).

Eine neue politische Struktur

Nur ein integrierendes ‘Wir’ kann eine neue politische Struktur der Gemeinschaft schaffen. Das wird am ehesten gelingen, wenn die Themen erkennbare Bezüge zur Lage haben (beispielsweise Regionalisierung, Digitalisierung) oder von grundlegender Bedeutung sind (zum Beispiel Gewaltenteilung). Eine thematische Vorgabe sollte gegeben sein, um die sachliche Zuordnung von Argumenten und Beiträgen zu ermöglichen.

Beispiele:

  • Regionales Handeln, Selbstorganisation in der Region, überregionale Kooperation,
  • Demokratisierung der Demokratie (zum Beispiel strikte Trennung von Politik und Justiz),
  • Digitalisierung.

Regionales Handeln – Kompetenzen zwischen Politik und Bürgern

Dezentralisierung ist die Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit der Zivilgesellschaft. Denkbar sind eigenständige, parteiunabhängige Bürgerrepräsentanzen in den Regionen. Mögliche Formen sind Regionalkonferenzen, runde Tische und regionale Arbeitsgruppen, um die Region als selbstorganisierte Basis der Demokratie zu nutzen. Ein anzustrebendes Ziel könnte die Institutionalisierung regionaler Selbstverwaltung und beispielsweise die Überführung öffentlicher Unternehmen in das Eigentum der regional ansässigen Bevölkerung sein. Das Fernziel wäre zum Beispiel ein Europa der Regionen.

Demokratisierung der Demokratie (und Politik)

Gewaltenteilung auf allen politischen Handlungsebenen ist eine unerlässliche Grundlage für eine funktionierende Demokratie. Deshalb sollten demokratische Institutionen außerhalb der Parlamente dem Zugriff der Parteien entzogen werden. Leitlinie ist die Durchsetzung einer materiellen Gewaltenteilung, um die Kontrolle der Politik und ihre Rückbindung an die Ordnung des Rechts auf allen Ebenen zu gewährleisten.

Beispiele:

  • Direktwahl des Bundespräsidenten und gleichzeitige Stärkung seiner Rolle als Hüter der Verfassung.
  • Verselbstständigung des Rechnungshofes durch Direktwahl von parteiunabhängigen Vertretern.
  • Schaffung von Möglichkeiten zur wirksamen Ahndung von Willkür und Kompetenzüberschreitung durch die Politik.
  • Kontrolle der Medien durch parteiunabhängige Vertreter und Vertreterinnen in allen Gremien.
  • Sicherung von neutralen und sachgerechten Besetzungen von Stellen in herausragenden Institutionen wie Bundesbank und Verfassungsgericht.
  • Maßnahmen und Auswahlverfahren für eine neutrale und sachgerechte Justiz.

Digitalisierung

Kein Land kann sich der Digitalisierung entziehen. Die angemessene Teilnahme der Zivilgesellschaft an der digitalen Revolution in Wirtschaft und Gesellschaft ist eine Existenzfrage. Bisher laufen die EU und Deutschland der Digitalisierung hinterher. Dadurch wird die digitale Transformation ausgebremst und die Möglichkeiten neuer Techniken werden nicht genutzt. Wir können uns den fundamentalen Form- und Ordnungsfragen der Digitalisierung nicht entziehen. Sie nicht zu beantworten führt uns und Europa in eine Abwärtsspirale.

Die Einbindung von Bürger- und Zivilgesellschaft in die digitalen Systeme ist für ihre Akzeptanz und ihren Erfolg wichtig. Sie ergänzt und modifiziert reines Expertenwissen um das umfassende Wissen und Wollen der Gesellschaft.

Exemplarisch sind folgende Themen:

  • Schaffung einer digitalen Infrastruktur – Resilienz der Systeme steigern;
  • Modernes Datenrecht und Datenmanagement, durchgehende Kommunikationssysteme;
  • Künstliche Intelligenz (KI) in Administration und sozialen Verfahren;
  • Bildungs- und Ausbildungssysteme modernisieren, Stärkung von Selbstverwaltung, kreativen Fähigkeiten, kooperativen Kompetenzen und vernetzten Denkens;
  • Förderung von Gründungen, um die Transformation alter Strukturen zu beschleunigen;
  • Maßnahmen zur Förderung des Kulturwandels in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Lern- und Anpassungsfähigkeit, strukturelle Offenheit für Innovationen;
  • Leitlinien der Datennutzung zur Verhinderung des Datenmissbrauchs.

Digitalisierung und KI führen zu einer tief greifenden Transformation. Antworten darauf sind Voraussetzungen für die Gestaltung unserer Zukunft. Es wird sich bald entscheiden, ob der Fortschritt lediglich Reisen ins All ermöglicht oder der Mehrheit der Menschen eine lebenswerte Zukunft beschwert.


Quellen und Anmerkungen

(1) dejure.org: Grundgesetz (Übergangs- und Schlussbestimmungen); Art. 146: “Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.” Auf https://dejure.org/gesetze/GG/146.html (abgerufen am 23.7.2021).

(2) Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen) wurde am 26. August 1789 von der französischen Nationalversammlung verabschiedet. In 17 Artikeln wurden die Menschen- und Bürgerrechte festgelegt, die jedem Franzosen unveräußerlich als Mensch und als Bürger Frankreichs zuerkannt wurden.


Foto: Danny Lines (Unsplash.com)

Leseempfehlung

Intro zur radikalen Grunderneuerung der Gesellschaft

Ein Blick auf die Vereinigten Staaten schadet nicht, um abzuschätzen, was sich im “alten” Europa etwas zeitverzögert ereignen wird. Stellen Sie sich dafür bitte einen Holzbalken vor, der von Termiten befallen ist.

Heinz Kruse war im Bereich der Wirtschafts- und Strukturpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen sowie als Wirtschaftsdezernent der Landeshauptstadt Hannover tätig. Seit seiner Pensionierung arbeitet er an Lösungen und Verfahren für eine Reform der Demokratie, die aus seiner Sicht an der Frage der Verfassungshoheit ansetzen müssen. Er war Vorsitzender des Vereins Verfassung vom Volk e. V. und ist Buchautor.

9 Gedanken zu “Parteien am Ende: Für einen Neustart durch die Zivilgesellschaft”

  1. Großartiger Beitrag. Aber der Ausweg “Zivilgesellschaft” erscheint mir wie die Rechnung ohne den ökonomischen und militärischen Wirt.

    1. Die Kritik an Parteien und Staat ist weitgehend zutreffend, die Therapie nicht. Sie ignoriert, dass die Grundlage das Ganzen die ganz normale kapitalistische Warenproduktion ist. Diese findet nur dort statt, wo aus Wert mehr Wert gemacht werden kann. Auch der demokratischste Staat wie jegliche zivilgesellschaftliche Bewegung muss auf dieser Grundlage unvermeidbar die Wertschöpfung garantieren — sonst hat sie auch für die allerbesten Projekte nichts zu verteilen. Dieser Zwang konterkarriert immer wieder auch die besten Absichten. Ohne dass soziale Bewegungen auch eine andere, eine nichtkapitalistische Produktionsweise zustande bekommen, können sie auch die kritisierten Partei- und Staatstrukturen nicht aufheben. Die erste Frage lautet also: Kann es eine nicht auf Warenproduktion, damit auf Lohnarbeit gegründete Produktions- und damit Lebensweise geben? Die Antwort darauf theoretisch und praktisch zu finden, das ist die große Herausforderung. Bisher ist das noch nirgends gelungen, doch genau darauf muss letztlich alles zivilgesellschaftliches Engagement gerichtet sein. Sonst bleiben all die guten Vorschläge ein hilfloses Wünsch-Dir-Was.

  2. “Kein Land kann sich der Digitalisierung entziehen.”
    Digitalisierung als Wert an sich oder nur die Teile (falls es die gibt), die wirklich allen nutzen?
    Mit der gebotenen Vorsicht, weil ich eine sehr pessimistische Persönlichkeit habe: Digitalisierung ist der letzte Angsttrieb einer sterbenden Kultur. Sobald die wirklich lasttragende Infrastruktur –> Strom, zusammenbricht, werden die Apps bedeutungslos; Nach wenigen Tagen verlöschen auch die Quallidädsmedien, aber dann regiert ohnehin der Hunger.

  3. Besten Dank an Heinz Kruse. Durch die Egozentrik der Parteien ist ein Wust von demokratieförderlichen und rechtsstaat-erhaltenden Maßnahmen auf der Strecke geblieben, unter die Räder gekommen. Viele sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen mit der Re-Regionalisierung, mit der Re-Dezentralisierung, mit der Schaffung eines demokratischen Geldsystems. Aber Beispiele sind genannt: Global Denken – Regional Handeln! Und das Grundgesetz zur Verfassung erheben mit Einführungen der Volksabstimmungen auf Bundesebene.

  4. Dieser politischen Struktur kann ich eigentlich nur voll zustimmen aber ich würde noch weiter gehen, denn das Parteiensystem ist für mich seit vielen Jahren ein Widerspruch zur Demokratie selbst, und genau das gehört mMn aufgelöst/zerschlagen oder was auch immer. Ich kenne es leider zu gut, denn ich war seit meiner Kindheit (polit.aktiver Vater) zu nah dran und teils drinnen, um die Problematik und den Filz nicht zu kennen.

    Ich würde als Beispiel Österreich, wie im Artikel beschrieben, so viel wie möglich die Dinge Regional regeln und übergeordnet pro Bezirk (ca.90Stück) 2 direkt gewählte Vertreter für die Bundesaufgaben delegieren. Dazu einen direkt gewählten Präsidenten als obersten Hüter.
    Die gewählten Vertreter können dabei dann auch nur schwer irgendwelchen Lobbyisten oder Ideologien anheim fallen, denn sie müssen ja wieder einmal zurück in ihre Heimat, in ihren Bezirk und dort müssen sie dann Rede und Antwort stehen.

    Natürlich ist eine Entscheidungsfindung bei einem breit aufgestelltem Parlament nicht leicht und ich kenne ja die Aussagen aus dem Parlament wie “Das geht mir am A…., dass da soviel mitbestimmen dürfen; man bekommt ja nichts fertig. usw”….nur genau das würde mMn dann endlich wieder zu einer echten Debattenkultur und einem echten Diskurs führen und zwar unter Einbeziehung des Souveräns.

    Persönlich finde ich unsere globale Entwicklung im 21 Jahrhundert unendlich schade, denn wir hätten bereits die Technik, die Möglichkeiten und das Wissen, unsere Menschheit weiter zu entwickeln und eventuell wirklich bereits einen Evolutionssprung zu schaffen.
    Stellt euch nur einmal vor diverse Fortschritte wären nicht in den Händen des Profits, sondern in den Händen der Allgemeinheit ohne Profitdenken. z.b. Genetik, Bio-Tech+IT+Elektronik, Nanotechnologie usw usf
    Mag sich für den einen oder anderen Richtung Kommunismus anhören, nur das bin ich bei Gott nicht. Ganz im Gegenteil gehört für mich auch dieses Lagerdenken schnellsten in der Vergangenheit versenkt, denn wenn wir weiterkommen wollen, brauchen wir uns nur die Natur als Vorbild nehmen. Sie ist und bleibt eine Symbiose.
    Würden wir zum Beispiel endlich kapieren, dass wir uns den Planeten nicht zum Untertan machen sollen, sondern von ihm Lernen und uns anpassen, so wie alle Lebewesen es uns vorleben, dann hätten wir schon den ersten riesen Schritt gemacht.

    Schon klar, dass sich das utopisch anhört und wir sind im Moment Lichtjahre davon entfernt.
    Leider sind wir auch das einzig geschichtlich völlig lernresistentes Lebewesen auf diesem Planeten, denn an sonst wären wir gar nicht in der aktuellen Situation und bräuchten kein neues 1848, um die globalen Feudalherrn in ihre Schranken zu verweisen.
    Nur eines bleibe ich sicher, ein unverbesserlicher Optimist der fest daran glaubt “Irgendwann schaffen wir die Kurve und finden unseren Weg in die Zukunft”.

  5. Die “Zivilgesellschaft” ist doch Teil des Problems, da Sie bis zum letzten Moment auf Bequemlichkeit und die Ruhe eines sicheren Stalls setzt, wohlwissend, zumindest ahnend, dass doch vielleicht eines Tages der Schlachter kommt und sie von Ihrer Lebenslast entbindet.
    In unserem System hat ganz praktisch jeder der nicht gerade auf komplexe Versorgungshilfen wegen körperlicher Beeinträchtigung angewiesen ist, die Chance auf Freiheit.
    Nur, die endet in Einsamkeit, in hartem Überlebenskampf um das Grundsätzliche, kurz Freiheit ist nur gegen diesen Preis zu erlangen.
    Warum, nun, weil gerade die Zivilgesellschaft den freien Menschen verachtet und ächtet!
    Die Macht der Masse ist schlicht die Macht der Psychopathen, die die Masse als Ihre Herde nutzen können!
    Sie erkennen wohl, dass die Parteien nur eine neofeudale Gruppe von Mandatsgewinnern und auf einen Mandatsgewinn, Postengewinn, kurz einen Gewinn aus dem Trog der möglichen Zuwendungen kraft Zuteilung durch das Kleptokratenbingo sind, die schlicht der fettesten Karotte folgen, die meist tatsächlich die destruktivsten Kräfte in der Gesellschaft anzubieten haben.
    In meinen Augen erliegen Sie aber der Illusion, die einzelnen Menschen würden diese nicht ebenso schon seit langer Zeit erkennen, nur, Sie zucken mit den Achseln, da sie, solange sie wohlgenährt werden, die sie einhegenden Stallknechte akzeptieren und die Psychopathen an den Positionen der Macht nicht in Frage stellen werden!
    Sogar jetzt, wo die destruktiven Folgen dieses Wahnsinns sich immer mehr Bahn brechen, bleiben sie fügsam und lechzen nur nach neuen Dingen, Spielsachen, Vergnügungen der Dummheit, denn sich anzustrengen, um sich aus diesem Gefüge gemeinsam zu lösen.

    Der Einzelne kann sich lösen, ja, durch Suizid oder den Gang in die Isolation, irgendwo, an einem Punkt, da er vergessen ist und sich den letzten Momenten halbwegs intakter Natur anschließen und mit Ihr vergehen kann.
    Die “Zivilgesellschaft” ist jedoch genau die Masse, die wie oben gesagt, Ihn, jenen mutigen Menschen, dorthin in die Verbannung schickt, oder ihn eben, da Suizid nichts weiter als ein Todesurteil der Gemeinschaft ist, ermordet.

    Wir sind verloren, doch wir sind in der Masse eben freiwillig verloren!

  6. Personen, die in anderen eine homogene Masse sehen, deren Hauptmerkmal die Unfähigkeit ist, werden keinen konstruktiven Dialog entfachen. Ich kenne Poltiker;innen im Bundestag, die über alle Massen fleissig, engagiert, effizient sind. Diese über einen Kamm mit korrupten Egomanen zu scheren, zeugt nicht von der differenzierten Sicht die erforderlich ist, wirkliche Reformen anzustossen, Die beginnen nämlich im eigenen Kopf

  7. Jaja, die Volksgemeinachaft gegen die “Elite”. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Es ist schon erstaunlich wieviele Altlinke zum Ende ihrer politischen Biographie (…) HINWEIS ADMIN: Nachsatz gelöscht. Lesen Sie die Netiquette und halten Sie sich daran.

    Dass wir den Kapitalismus überwinden müssen ist korrekt, Analyse und Weg von vor ~90 Jahren sind es jedoch nicht.

  8. Der Artikel wäre gut, wenn nicht dieser Absatz über das Mär der Digitalisierung stehen würde. Gebetsmühlenartig wiederholen, was der Mainstream der PolitikerInnen erzählt, finde ich furchtbar: Die Welt wird nicht besser durch Technologie! Wenn die 5G erlaubt BASF irgendeinem Bauer (der natürlich mit einem Smartphone ausgerüstetwerden soll) aus der tiefsten Gegend Indiens Hinweise zu geben, was und wann er was spritzen soll, dann finde ich das total kontraproduktiv! Eine Schule, die nur auf Digitalisierung basiert, ist keine Lebensschule mehr! Das Leben geht nicht virtuell. Wenn wir uns in eine Abhängigkeit begeben, die jeden Hacker ermöglicht das ganze System lahm zu legen, dann ist ein Denkfehler irgendwo. Und die Digitalisierung kostet Energie, das wird nicht berücksichtigt. Und dann kommt KI und dann sind wir völlig der Maschine erliegen, anstatt dass wir uns der Maschine bedienen, wird sie sich uns bedienen!! Ist das tatsächlich wünschenswert, alte Menschen von Robotern versorgen zu lassen? Haben sie nix Besseres verdient?! Alles ein falscher Ansatz. Und da läuft der Autor mit Vollgas hin.

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