Afghanistan, der Super-GAU? #02: Der westliche Zugriff

Alle politischen Ereignisse haben eine Vorgeschichte: jeder Putsch, jeder Aufstand, jede Revolution und jeder Krieg. Aber auch das Ende wird selten vom Zufall bestimmt. Die Taliban werden stärkste Macht in Afghanistan, das scheint unstrittig zu sein. Doch über wen oder was werden sie ihre Herrschaft ausüben? Oder habe sie eine ganz andere Aufgabe?


Afghanistan, der Super-GAU?

Teil 2: Der westliche Zugriff

Neue Debatte Podcast

Von Klaus Hecker


In seiner neuen Podcast-Serie “Afghanistan, der Super-GAU?” versucht unser Autor Klaus Hecker die Geschehnisse am Hindukusch in die gesamtpolitische Lage einzuordnen. Im zweiten Teil setzt er sich mit dem Zugriff des Westens auf Afghanistan auseinander, dem es trotz gigantischer militärischer Überlegenheit und dem Einsatz massiver finanzieller Mittel nie gelang, das Land vollständig zu kontrollieren, zu befrieden oder gar zu demokratisieren. Jetzt sind die Taliban am Drücker.

Die Armee zeigt wenig Lust auf Kampf, die Taliban übernehmen praktisch widerstandslos die Macht. Doch wen sollte das überraschen? Offensichtlich fehlt Afghanistan eine wesentliche Komponente: ein Volk, dass sich mit Staat identifiziert (1). Ein Umstand, der die Besonderheiten der Vielvölkernation unterstreicht, die im 18. Jahrhundert unter dem Eindruck imperialistischer Interessen durch Stammesfürsten aus der Taufe gehoben wurde, selbst zu den besten Zeiten eklatante Entwicklungsunterschiede zwischen Stadt und Land aufwies und seit Ende der 1970er-Jahre zwischen Krieg und Bürgerkrieg taumelt.

Die Taliban sind nach dem Abzug des Westens die stärkste Kraft und sie werden die Macht in Afghanistan übernehmen. Aber wie weit wird ihr Arm wirklich reichen? Können sie das Land tatsächlich befrieden und stabilisieren? Und über wen oder was werden sie ihre Herrschaft ausüben? Oder wartet auf sie eine ganz andere Aufgabe?


Quellen und Anmerkungen

(1) Bundeszentrale für politische Bildung (5.12.2012): Die Rolle der Stämme. Auf https://www.bpb.de/internationales/asien/afghanistan-das-zweite-gesicht/150915/die-rolle-der-staemme (abgerufen am 25.8.2021).


Foto und Audio: Clark Van Der Beken (Unsplash.com) und Klaus Hecker

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Lehrer

Klaus Hecker (Jahrgang 1954) ging nach dem Abitur in Wetzlar 1973 nach Marburg und studierte Deutsch, Politik und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien. Von 1985 bis 2017 war er in der Universitätsstadt Lehrer an der Carl-Strehl-Schule, einem Gymnasium für Sehbehinderte und Blinde. Seit jeher engagiert er sich in sozialen und politischen Initiativen und tut dies noch heute. Als DSV-Lehrer "Skitour und Alpinist" ist er häufig im Alpenraum unterwegs.

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