Charles Wright Mills: Das Porträt eines marxistisch orientierten Soziologen

Charles Wright Mills (1916-1962) war ein kritischer, marxistisch orientierter US-Soziologe aus Texas (1, 2). Er wurde 1942 mit einer wissenssoziologischen Studie zum Pragmatismus promoviert, veröffentlichte 1946 mit dem deutschen Emigranten Hans H. Gerth (1908-1978) eine englische Max-Weber-Edition, publizierte sowohl als Sozialwissenschaftsjournalist in politischen Zeitschriften wie New Leader, New Republic, Partisan Review, Politics und Dissent als auch in akademischen Journalen wie American Sociological Review und American Journal of Sociology sowie 1948 The New Men in Power: America’s Labor Leaders. Nach Lehr- und Wanderjahren erhielt er Mitte 1950 an der renommierten Columbia University in New York City eine Anstellung als Associate Professor.


Konkurrenz ist das Gesetz des Dschungels. Kooperation ist das Gesetz der Zivilisation.

— Black Panthers 1968


Vita Charles Wright Mills

Die gemeinsam mit Gerth geschriebene Studie zur Psychologie sozialer Institutionen erschien 1953: Character and Social Structure. 1956 folgte Charles Wright Mills soziologischer Besteller zur Machtelite der USA: The Power Elite – eine Arbeit, die im Sinn aufklärender Soziologie des Muckracking (3) der Chicago-Schule mit der vorherrschenden Sicht zur Auslobung der da oben bricht. Damit verlässt CWM die akademische Sonderwelt und untersucht als Radikalsoziologe die sich mit Great Depression und New Deal, Zweiter Weltkrieg und Folgen neu formierende erweiternde Macht (in) der US-Gesellschaft mit ihren Säulen: Wirtschaft – Militär – (Zentral-) Regierung.

In seinen letzten Lebensjahren wird Charles Wright Mills, seit Mitte 1956 Columbia-Professor auf Lebenszeit und im Vergleich zu seinen Mainstream-Kollegen wie Talcott Parsons und Robert K. Merton akademischer Außenseiter, zum Enfant terrible und theoretisch wie praktisch dem bürgerlich-liberalen sozialen und dem intellektuellen Milieu der US-Ostküste entfremdet: Es gab zahlreiche Reisen ins alte Europa, ins neue Russland und nach Kuba; und neben Charles Wright Mills schmalem Essayband The Sociological Imagination (1959) seine politikkritischen Bücher The Causes of World War Three (1968) und Listen, Yankee: The Revolution in Cuba (1960).

CWM starb 45-jährig im März 1962 in New York. Zeitnah erschienen in den USA und im Vereinigten Königreich das noch von Mills selbst zur Publikation vorbereitete Buch The Marxists (1962) und posthum Power, Politics, and People. Collected Essays (1963).

Menschen im Büro

Das Buch „Menschen im Büro“ ist die deutsch(sprachig)e Ausgabe von CWMs White Collar. The American Middle Classes (1951) und gilt als spezielle Soziologie der Angestellten (4). Fünfzig Jahre später wurde die Studie gewertet als „brave“ empirische Arbeit mit dem forschenden „Rundumblick in Augenhöhe auf die Mittelschichten, denen man selbst angehörte“ (5). Das Buch wurde übersetzt von Bernt Engelmann (1921-1994), der auch als Mitübersetzer von CWMs The Power Elite (deutsch: Die amerikanische Elite; 1962) wirkte und seit seinem ersten Bestseller Meine Freunde, die Millionäre (1963) ein bekannter Wirtschaftsjournalist und Romanautor wurde (6).

Das knappe Vorwort (S. 5-7) zu Menschen im Büro schrieb der nonkonformistische Soziologe Heinz Maus (1911-1978), damals Dozent am Pädagogischen Institut in Weilburg (7). Er betonte die zunehmende soziale Bedeutsamkeit der oft verächtlich Stehkragenproletarier genannten Angestellten (ohne ausdrücklich auf Siegfried Kracauers Reportagen zu verweisen; 8).

In Gewerkschaftliche Monatshefte 2/1956 besprach ein kundiger Jungwissenschaftler (der als Erwin K. Scheuch [1928-2003] bald Karriere machen sollte) das Buch. Und begrüßte dessen „Soziologie der heutigen USA“ als „beispielhafte Darstellung einer hochkapitalistischen Gesellschaft mit dem Konkurrenzkampf zwischen Großunternehmen und Verbraucherschaft“, bei dem sich der „kleine Unternehmer“ in einem „hoffnungslosen Rückzugsgefecht gegen die Mammutgebilde der Industrie und des Handels“ befinde und der „Verfall des alten Mittelstandes unaufhaltsam“ werde (9).

Menschen im Büro veranschauliche allgegenwärtige Nivellierung und Schablonierung durch wirtschaftlich gefertigte Uniformen und Masken für Angestellte, etwa bei Warenhausverkäuferinnen. Auch Bürokräfte würden durch Bewegungsstudien rationalisiert:

„Für jeden wird eine unauffällige Zwangsjacke geschneidert, und zugleich kommt noch dazu die immer wechselnde Zwangsjacke der Mode, um dem Motor der Wirtschaft stets neue Antriebe zu geben. Auch das geistige Leben wird bürokratisiert, die Intellektuellen werden zu Marionetten oder zum Sprachrohr wichtiger Auftraggeber. An die Stelle persönlicher Bindungen tritt das Unpersönliche, die Anonymität. Zur Selbstentfremdung gesellt sich die gegenseitige Entfremdung, ‚weil jeder heimlich versucht, den anderen als Werkzeug zu benutzen‘.“

Und im Ausblick erwähnt Erwin K. Scheuch auch Charles Wright Mills Hinweis auf die jedem „totalitären Monopolkapitalismus“ innewohnende Tendenz als Möglichkeit eines staatlichen Faschismus ohne Massenbewegung, der sich nicht auf „Gewalt, sondern auf die Passivität“ und politische Apathie auch vieler white collars stütze.

Nazi Behemoth

CWMs Besprechung des 1942 ersterschienenen Buchs Behemoth. The Structure and Practice of National Socialism (10) des deutschen politischen Exulanten Franz Leopold Neumann (1900-1954) zur Transformation eines alttestamentarisch beschriebenen menschlichen Naturzustands in den seit 1933 von Willkür und Terror bestimmten totalitären Staat des faschistischen Nationalsozialismus erschien in der literarisch-politischen Zeitschrift Partisan Review (11). Charles Wright Mills erkennt und begrüßt diese erste politikwissenschaftliche Strukturanalyse des Dritten Reiches (12), die über die deutsche Entwicklung des Nazi Behemoth in den 1930-Jahren hinaus auch allgemeine Grundzüge des seit Ende des 19. Jahrhunderts mit der imperialistischen Epoche entstandenen Monopolkapitalismus und seiner Machttriade Großindustrie, Staatsbürokratie, bewaffnete Streitkräfte aufweist:

„The analysis of Behemoth casts light upon capitalism in democracies. To the most important task of political analysis Neumann has contributed: if you read his book thoroughly, you see the harsh outlines of possible futures close around you. With leftwing thought confused and split and dribbling trivialities, he locates the enemy with a 500 watt glare. And Nazi is only one of his names. Not only does acceptance or rejection of Neumann’s analysis set the type of understanding we have of Germany, it sets our attitude toward given elements in other countries, sights the act of our allegiance, places limits upon our political aspirations: helps us locate the enemy all over the world. That is why Franz Neumann’s book is not only the most important to appear about Germany; it is a live contribution to all leftwing thinking today. His book will move all of us into deper levels of analysis and stragegy. It had better. Behemoth is everywhere united.“

Übers.: „Die Analyse von Behemoth wirft ein Licht auf den Kapitalismus in Demokratien. Zur wichtigsten Aufgabe der politischen Analyse hat Neumann beigetragen: Wer sein Buch gründlich liest, sieht die harten Umrisse möglicher Zukünfte dicht vor sich. Während das linke Denken verwirrt und gespalten ist und Belanglosigkeiten von sich gibt, ortet er den Feind mit einem 500-Watt-Scheinwerfer. Und Nazi ist nur einer seiner Namen. Die Akzeptanz oder Ablehnung von Neumanns Analyse bestimmt nicht nur die Art unseres Verständnisses von Deutschland, sie bestimmt auch unsere Haltung gegenüber bestimmten Elementen in anderen Ländern, nimmt den Akt unserer Zugehörigkeit ins Visier, setzt unseren politischen Bestrebungen Grenzen: Sie hilft uns, den Feind in der ganzen Welt zu lokalisieren. Deshalb ist Franz Neumanns Buch nicht nur das wichtigste, das über Deutschland erschienen ist; es ist ein lebendiger Beitrag zu allem linken Denken heute. Sein Buch wird uns alle auf eine tiefere Ebene der Analyse und der Strategie führen. Das sollte es auch. Das Ungeheuer ist überall vereinigt.“

Kulturapparat

„The first rule for understanding the human condition is that men live in second-hand worlds: they are aware of much more than they have personally experienced; and their own experience is always indirect. No man stands alone directly confronting a world of solid facts. No such world is available. The closest men come to it is when they are infants or when they become insane: then, in a terrifying scene of meaningless events and senseless confusion, they are often seized with the panic of near-total insecurity. But in their everyday lives the experience of men is itself selected by stereotyped meanings and shaped by ready-made interpretations. Their images of the world, and of themselves, are given to them by crowds of witnesses they have never met and never will meet.“

Übers.: „Die erste Regel für das Verständnis des menschlichen Daseins ist, dass die Menschen in Welten aus zweiter Hand leben: Sie wissen viel mehr, als sie persönlich erfahren haben; und ihre eigene Erfahrung ist immer indirekt. Kein Mensch steht allein und direkt einer Welt fester Fakten gegenüber. Eine solche Welt ist nicht vorhanden. Der Mensch kommt ihr am nächsten, wenn er ein Säugling ist oder wenn er wahnsinnig wird: Dann, in einer schrecklichen Szene bedeutungsloser Ereignisse und sinnloser Verwirrung, wird er oft von der Panik einer fast totalen Unsicherheit ergriffen. Aber im Alltag ist die Erfahrung der Menschen selbst durch stereotype Bedeutungen selektiert und durch vorgefertigte Interpretationen geprägt. Ihr Bild von der Welt und von sich selbst wird ihnen von einer Menge von Zeugen vermittelt, denen sie nie begegnet sind und nie begegnen werden.“

Mit diesem methodisch grundlegendem Hinweis auf Zweite-Hand-Welten beginnt Charles Wright Mills letzter großer Essay The Cultural Apparatus, der aspekthaft an Erfahrungen der (von Bert Brecht ironisch genannten) Frankfurtisten im US-amerikanischen Exil und dortiger Kulturindustrie erinnert (13). CWMs Leitthese von der vertikalen Polarisierung der Kulturarbeiterszene in wenige Stars oben und viele Tagelöhner unten verweist auf das den entwickelten Kulturapparat steuernde Monopolkapital:

„There is increasing bureaucracy but also there is the frenzy for new fashions; and in this situation, the cultural workman tends to become either a commercial hack or a commercial star. By The Star, I refer to a person whose productions are so much in demand that, to some extent at least, he is able to use distributors as his adjuncts. This role has its own conditions and its own perils: The Star tends to be culturally trapped by his own success […] As a leader of fashions he is himself subject to fashion. Moreover, his success as a star depends upon his “playing the market”: he is not in any educative interplay with publics that support him as he develops and which he in turn cultivates. By virtue of his success, The Star too becomes a marketeer. Some cultural workmen do remain independent. Perhaps three to four men actually earn a living in the fabulously wealthy United States merely by composing serious music; perhaps twenty-five or so, if we relax our standards a little, merely by writing serious novels. But generally the star system tends to kill off the chance of the cultural workman to be a worthy and independent craftsman. One is a smash-hit or one is among the hacks and the failures; one is either absolutely tops or one is just nothing at all.“ (14)

Übers.: „Es gibt eine zunehmende Bürokratie, aber auch den Wahn nach neuen Moden; und in dieser Situation neigt der Kulturschaffende dazu, entweder ein kommerzieller Schreiberling oder ein kommerzieller Star zu werden. Mit „Star“ meine ich eine Person, deren Produktionen so gefragt sind, dass sie sich zumindest bis zu einem gewissen Grad auf Verleiher stützen kann. Diese Rolle hat ihre eigenen Bedingungen und ihre eigenen Tücken: Der Star neigt dazu, durch seinen eigenen Erfolg kulturell gefangen zu sein […] Als Anführer von Moden ist er selbst der Mode unterworfen. Außerdem hängt sein Erfolg als Star davon ab, dass er „den Markt spielt“: Er steht in keinem erzieherischen Wechselspiel mit den Öffentlichkeiten, die ihn in seiner Entwicklung unterstützen und die er seinerseits kultiviert. Durch seinen Erfolg wird auch der Star zum Marktteilnehmer. Einige Kulturschaffende bleiben unabhängig. Vielleicht drei bis vier Männer verdienen ihren Lebensunterhalt in den fabelhaft wohlhabenden Vereinigten Staaten allein durch das Komponieren von ernster Musik; vielleicht fünfundzwanzig oder so, wenn wir unsere Maßstäbe etwas lockern, allein durch das Schreiben ernster Romane. Aber im Allgemeinen neigt das Starsystem dazu, die Chance des Kulturschaffenden, ein würdiger und unabhängiger Handwerker zu sein, zu vernichten. Man ist ein Hit oder man gehört zu den Schreiberlingen und Versagern; man ist entweder absolut spitze oder man ist einfach gar nichts.“ (14)

Über intellektuelles Können

Es wäre vermessen, eine abschließende Würdigung dieses method(olog)isch ausgreifenden Textes zu versuchen (15). Hier nur vier Hinweise: 1991 wurde an Charles Wright Mills wie selbstverständlich produktiv angeschlossen. 2005 an CWM fachlich kontextual erinnert. Und 2016 machten sowohl der damalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie mit der Parole Soziologie als ‚Kampfsport‘ plakativ Reklame für seine CWM-Herausgabe als auch ein kundiger emeritierter Soziologe in seinen Memoiren auf C. Wright Mills treffend aufmerksam:

„I shall try to give an idea of and will argue for a prospective sociology of the future. I shall also present arguments for new sociological thinking – a sort of widened ’sociological imagination‘ (C. W. Mills) which might enable social figures like sociologists and social scientists in general to work out a new paradigm: the Utopian one. The Utopian Paradigm has, in fact, to do with the future foreshadowing the present. Whether the new paradigm […] will recapture the obvious loss of societal relevancy of professional sociology or not will, of course, be not only a scholarly question but above all an eminently practical problem.“ (16)

Übers.: „Ich werde versuchen, eine Vorstellung von einer prospektiven Soziologie der Zukunft zu vermitteln und dafür zu plädieren. Ich werde auch Argumente für ein neues soziologisches Denken vorbringen – eine Art erweiterter ’soziologischer Vorstellungskraft‘ (C. W. Mills), die es gesellschaftlichen Akteuren wie Soziologen und Sozialwissenschaftlern im Allgemeinen ermöglichen könnte, ein neues Paradigma zu entwickeln: das utopische. Das utopische Paradigma hat in der Tat mit der Zukunft zu tun, die die Gegenwart vorwegnimmt. Ob das neue Paradigma […] den offensichtlichen Verlust an gesellschaftlicher Relevanz der professionellen Soziologie wieder auffangen wird oder nicht, ist natürlich nicht nur eine wissenschaftliche Frage, sondern vor allem ein eminent praktisches Problem.“ (16)

„Die Millssche Methodologie für Ausflüge in das Milieu der Machteliten lässt sich im berühmten Anhang zu The Sociological Imagination unter dem Titel On Intellectual Craftsmanship nachlesen. Unter anderem geht es dort darum, dass der Sozialforscher in den Allegorien, in den versteckten Bedeutungen der Massenkultur, über welche sich ökonomische und politische Macht gesamtgesellschaftlich realisiert, die Materialien, Informationen und Spuren seiner Objekte und Subjekte aus den höheren Regionen findet. Deshalb, so Mills, gehören die Yellow Press, […] Pulp Fiction, Skandalberichte und Klatsch zu den Quellen der Erkenntnis.“ (17)

„Mills saß zwischen allen Stühlen – oder setzte sich genussvoll genau dorthin: Er kritisierte die reinen Theoretiker nicht minder scharf als die bloßen Empiriker seiner Profession, die „Meisterdenker“ ebenso wie die „Erbsenzähler“ – und macht sich damit die einen wie die anderen zu Feinden […] Man mag auch sagen, dass diese Kritik arrogant war. Sicher war sie in Teilen überzogen oder wenigstens zugespitzt. Aber sie traf doch auch einen richtigen Punkt: Dass Theorie häufig ohne empirische Bodenhaftung betrieben wurde und Empirie ebenso häufig ohne theoretischen Anspruch.“ (18)

„Ich muss gestehen, dass ich die wissenschaftliche Seite des C. Wright Mills sehr schätzte, nicht nur seine empirischen Studien über White Collar und The Power Elite, sondern auch und vor allem The Sociological Imagination. In dieser (Selbst-) Kritik der soziologischen Denkweise ging es ihm um den Stil des soziologischen Forschens jenseits von geistlosem Empirismus und abstrakter Theorie, in dem die aktuelle Lebenssituation immer eine Verbindung mit der historisch geprägten Sozialstruktur eingehen müsse, die für ihn wiederum von Macht und Elitenbildung geprägt war. Für Mills stand fest, worum es den Sozialwissenschaften gehen müsse: ‚Sie sind Versuche, um Biografie und Geschichte und die Verbindungen zwischen den beiden in der Gestalt von verschiedenen sozialen Strukturen zu verstehen.'“ (19)


Quellen und Anmerkungen

(1) Uni Graz: 50 Klassiker der Soziologie. Biografie C. Wright Mills. Auf http://agso.uni-graz.at/lexikon/pdfs/mills.pdf (abgerufen am 17.9.2021).

(2) Wikibooks: Soziologische Klassiker/ Mills, C. Wright. Auf https://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Mills,_C._Wright (abgerufen am 18.9.2021).

(3) In der Geschichte der US-amerikanischen Zeitungen wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts Journalisten (aber auch Schriftsteller), die durch ihre Recherchen soziale Missstände, Filz, Vetternwirtschaft, schmutzige Geschäfte und Korruption in Wirtschaft und Politik aufdeckten als Muckraker (engl.: Schmutzaufwühler) bezeichnet. Ihr Wirken wird in enger Verbindung mit der Ära des amerikanischen Progressivismus gesehen. Die Muckraker motivierten die Öffentlichkeit durch ihre Enthüllungen, sodass sich sogar eine Bewegung (muckraking movement) entwickelte. Zahlreiche Affären wurden in der Folge gerichtlich untersucht und es kam vereinzelt zu gesetzgeberischen Reformen. Die Print-Medien erreichten etwa 1910 ihren Zenit, anschließend sanken die Auflagen und die Einnahmen aus Verkauf und Werbung schrumpften. Dies machte sich bei den chronisch unterfinanzierten Muckraking-Medien bemerkbar. Die Muckraking-Ära fand etwa 1917 ihr Ende. Einzelne Journalisten und Publikationen folgen bis in die Gegenwart der Tradition der Muckraker.

(4) C. Wright Mills: Menschen im Büro. Köln-Deutz: Bund, 1955, 488 p.

(5) H.J. Krysmanski: Soziologische Ausflüge in die Massenkultur; in: Festschrift für Horst Herrmann. Hg. Roland Seim. Münster 2005.

(6) Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich: Bernt Engelmann. Auf http://agso.uni-graz.at/marienthal/biografien/engelmann_bernt.htm (abgerufen am 18.9.2021).

(7) Barry C. Hyams, Heinz Maus; in: Marburger Zeitung, 2 (1978) 12: 16-17.

(8) Gedruckt 1929: Frankfurter Zeitung; Buch 1930; Die Angestellten. Aus dem neuesten Deutschland. Mit einer Rezension von Walter Benjamin. Frankfurt/M. 1971; weniger bekannte Buchausgaben mit den Untertiteln Eine Schrift vom Ende der Weimarer Republik. Geleitwort Everett Huges. Einführung E.P. Neumann. Bonn 1959; Kulturkritischer Essay. Nachwort Lothar Bisky. Leipzig; Weimar 1981. – Zum Genre gehören W.E. Richartz‘ Büroroman (Zürich 1976) und Menschen im Büro von Kafka zu Martin Walser. Hg. Hannes Schwenger. München 1986.

(9) Buchbesprechung (Bund-Verlag, Köln-Deutz 1955): Auf http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1956/1956-02-b-126.pdf; Zitate dort. (abgerufen am 18.9.2021).

(10) Erweitert 1944 mit diversen US-Nachdrucken; deutsch(sprachig)e Ausgaben 1988 und 2018.

(11) Zitiert nach Power, Politics and People. Collected Essay. Ed. Irving Horowitz. New York: OUP, 1963, 657 p.

(12) So Manfred Funke in: Die politische Meinung, 421/2004: 79-81.

(13) Max Horkheimer; Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Amsterdam 1947; vgl. Richard Albrecht; Literatur – Medien – Zensur; ders., Literatur – Waren – Produktion; in: die horen. Zeitschrift für Literatur, Grafik und Kritik, 24 (1979) 113: 121-140; ebda, 24 (1979) 116: 127-138; zuletzt John B. Forster; Robert W. McChesney, The Cultural Apparatus of Monopoly Capital; in: Monthly Review, 64 (2013) 8: 1-32.

(14) Zitiert nach Power, Politics and People, Anmerkung 11.

(15) C. Wright Mills, On Intellectual Craftsmanship; in: The Sociological Imagination. New York: OUP, 1959: 195-226.

(16) Richard Albrecht, The Utopian Paradigm – A Futurist Perspective; in: Communications, 16 (1991) 3: 283-318.

(17) Krysmanski, Anmerkung 5.

(18) Telepolis (20.10.2016): Soziologie als „Kampfsport“. Auf https://www.heise.de/tp/features/Soziologie-als-Kampfsport-3348454.html (abgerufen am 18.9.2021).

(19) Hermann Strasser: Die Erschaffung meiner Welt: Von der Sitzküche auf den Lehrstuhl. Autobiografie. Ratingen: Selbstverlag, 2016; 505f.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag ist die erweiterte und aktualisierte Fassung des Erstdrucks von C. WRIGHT MILLS. Moderner soziologischer Klassiker wider Willen oder Zwischen allen Stühlen links vom Möglichen überhaupt? In: soziologie heute, 11 (2019) 67: 42-44.


Foto: Filip Kominik (Unsplash.com)

Leseempfehlung

Kapitalismuskritik und die Frage nach der Alternative

Dass die bürgerlichen Intellektuellen sich nicht für die Alternative zum Kapitalismus interessieren, ist verständlich. Aber wie ist es zu erklären, dass die Alternative zum Kapitalismus, die sich aus der Marxschen Kritik des Kapitalismus ableiten lässt, keinerlei Beachtung bei den Kapitalismuskritikern gefunden hat?

Kulturforscher und Sozialwissenschaftsjournalist | Webseite

Dr. Dr. habil. Richard Albrecht ist historisch arbeitender Kulturforscher und Sozialwissenschaftsjournalist mit einem Arbeitsschwerpunkt kulturanalytische Sozialpsychologie. Leitkonzept "The Utopian Paradigm" (1991). Kolumnist des Linzer Fachmagazins "soziologie heute". Autor des Marburger "Forum Wissenschaft" und der Berliner Netzzeitung "trend". Letzterschienenes Buch: HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (Shaker Media 2011).

Wie ist Deine Meinung zum Thema?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.