Der Rote Planet #002: Der U-Boot-Streit


Wie in meinen Podcasts zu Afghanistan (Folgen 6.1. und 6.2.) nachzuhören ist, wurde der „war on terror“ mit dem symbolischen geografischen Kriegsschauplatz Afghanistan abgelöst durch die Frontstellung vor allem gegenüber China, aber auch gegenüber Russland. Auch erwähnte wurde, dass Deutschland die Fregatte Bayern in Richtung der Gewässer vor China entstand hat.

U-Boot-Streit – Keine wirklichen Freunde

Was da so weit weg von der Heimat getrieben wird und werden soll, erfährt der deutsche Bürger in den Nachrichten keineswegs unmittelbar und unverblümt. Vielmehr wird er mit einem für ihn nicht wirklich durchschaubaren Streit zwischen den USA und Frankreich konfrontiert. Es geht um ein U-Boot-Geschäft mit Australien, welches die USA nun (und plötzlich) den Franzosen abgeknöpft haben (1).


US-Außenminister Baker erahnte das Feuer im Osten. (Symbolfoto: Sandra Seitamaa, Unsplash.com)

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Um was es geht …

Waffendeals und ungute Freunde


Unterstellt ist beim Einstieg an dieser Stelle, das Australien mächtig aufrüstet wird. Staunend dürfen (und müssen) wir verfolgen, ob die U-Boote atomangetrieben sein sollten oder lieber herkömmlich angetrieben und wie befreundete Mächte, also Frankreich und die USA, bloß so miteinander umgehen können.

Erschwerend kommt hinzu, dass die USA ihre Freunde und Verbündeten mit ihrem Abzug, genauer gesagt, mit ihrem frühen und plötzlichen Abzug aus Afghanistan vor vollendete Tatsachen gestellt haben – wieder ein Vergehen am Freundschaftsgebot?

Der auch wegen ökonomischer Interessen zu Zerwürfnissen führende Streit der Bündnispartner löst sich aber anders auf, nämlich in Form einer Strategie – einem organisierten Frontalangriff auf China, mit welchem Gerät und aus welchem Land auch immer. Und schon sind wir bei einer hinter dem U-Boot-Streit liegenden Fragestellung: Wie kalkulieren die USA ihren Umgang mit den Verbündeten?

First oder back

Ist America first oder back oder vielleicht back als first? Donald Trump hatte den Satz „America First“ wiederbelebt (2) und bekam dafür von den Demokraten den Vorwurf eines rücksichtslosen Solos gegenüber den Verbündeten.

Was aber bedeutet Joe Bidens Aussage „America is back“ (3) und die dauernde Betonung der Bedeutung internationaler Bündnisse? Während Biden den von Trump anvisierten Truppenabzug aus Deutschland stoppen ließ, lässt sich das Neue sowohl am nicht abgesprochenen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan sowie am Crash des Australien-Frankreich-Vertrages in Sachen U-Boote zeigen.

Die USA erkennen Bündnispartner zwar formal an, zeigen ihnen aber mit ihrem rigorosen Handeln, dass sie allein die bestimmende Macht sind (was sie ja tatsächlich sind), und dieses praktische Einmaleins dürfen die Bündnispartner abnicken und sich in der anerkannten Vasallenrolle einfinden.

Wird unsere Freiheit nun im Indopazifik verteidigt?

Nach dem Einschub der Kritik an der Freundschaftsideologie nun wieder zu den U-Booten und den dahinter liegenden Absichten. Indopazifik wird die Region vor der Haustür Chinas genannt, zugleich wird sie vom Westen als Konfliktregion eingeordnet. Die Amerikaner sind dort seit dem Zweiten Weltkrieg als stärkste Macht zu finden. Nun geht es um die Erweiterung der Feuerkraft: Ein neues strategisches Bündnis soll gegenüber China in Stellung gebracht werden.

Australien, der neue Player im Ring, ist mit den USA und Großbritannien eine Rüstungsallianz eingegangen. Herzstück sind nuklearbetriebene U-Boote, die mit ihrem riesigen Aktionsradius weit ausgreifend eingesetzt werden können. Hier geht es also nicht um Landesverteidigung.

Zur Erinnerung: 2016 hatte Australien einen Vertrag mit Frankreich über den Bau von zwölf U-Booten im Wert von etwa 56 Milliarden Euro unterzeichnet (5). Auf ausdrücklichen Wunsch Australiens sollten diese nicht atomar, sondern mit Diesel betrieben werden. Nun kam die Wende in Richtung Amerika und die Wende zum atomaren Antrieb. Das wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Was hat China getan, dass es so in den Fokus gerät? Und wird „unsere Freiheit“ demnächst im Indopazifik verteidigt? Auch darum geht es im aktuellen Podcast von „Der Rote Planet“. Mit der Frontstellung gegen China und Russland beschäftigt sich die kommende Folge.


Quellen und Anmerkungen

(1) capital.de (24.9.2021): U-Boot-Streit: Warum Frankreich immer noch vor Wut schäumt. Auf https://www.capital.de/wirtschaft-politik/u-boot-streit-warum-frankreich-immer-noch-vor-wut-schaeumt (abgerufen am 2.10.2021).

(2) America First (deutsch: „Amerika zuerst“) ist eine politische Einstellung, die amerikanischen Nationalismus und Anti-Interventionismus betont. Interventionismus bezeichnet die Bereitschaft eines Staates, aktiv mit politischen oder militärischen Maßnahmen in die Vorgänge in einem fremden Bereich (etwa im Ausland oder in der Privatwirtschaft) einzugreifen. Der Anti-Interventionismus nahm unter dem Eindruck des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges (1846 bis 1848) und dem aufkommenden Imperialismus zu, fand aber ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein vorläufiges Ende. „America First“ wurde durch die politischen Gruppen, die sich gegen den Eintritt der USA in den Ersten und Zweiten Weltkrieg stellten, wieder populär. Donald Trump belebte die Einstellung „America First“ erneut, wobei diese kritisiert wird als „America alone“ (deutsch: „Amerika allein“), also einem mangelnden Interesse an internationaler Zusammenarbeit.

(3) Associated Press (20.2.2021): Biden declares to allies: ‚America is back‘. Auf https://youtu.be/SYuQekIL_CI (abgerufen am 2.10.2021).

(4) Neue Zürcher Zeitung (16.9.2021): Australien setzt auf Atom-U-Boote. Auf https://www.nzz.ch/international/bedrohung-im-indopazifik-usa-wollen-atom-u-boote-fuer-australien-ld.1645732 (abgerufen am 2.10.2021).

(5) Die Presse (19.9.2021): U-Boot-Streit: „Es gab Lügen, es gab Doppelzüngigkeit“. Auf https://www.diepresse.com/6035941/u-boot-streit-es-gab-lugen-es-gab-doppelzungigkeit (abgerufen am 2.10.2021).


Superheld an der East Side Gallery. (Foto: Peter Dargatz, Pixabay.com; Creative Commons CC0)

Schluss mit dem

Theater

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Foto: Alden Maben (Unsplash.com)

Lehrer

Klaus Hecker (Jahrgang 1954) ging nach dem Abitur in Wetzlar 1973 nach Marburg und studierte Deutsch, Politik und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien. Von 1985 bis 2017 war er in der Universitätsstadt Lehrer an der Carl-Strehl-Schule, einem Gymnasium für Sehbehinderte und Blinde. Seit jeher engagiert er sich in sozialen und politischen Initiativen und tut dies noch heute. Als DSV-Lehrer "Skitour und Alpinist" ist er häufig im Alpenraum unterwegs.

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