Pandemia Forever – Eine wissenssoziologische Skizze

Diese Kolumne sollte meine thematisch letzte für das in Linz erscheinende größte soziologische Fachmagazin im deutschen Sprachraum, soziologie heute, werden. Einigen so subjektiven wie unsystematischen methodischen Grundfragen zum Leitkonzept „Pandemie“ auf Grundlage der Fiktionaltypen gesund vs. krank sollten Hinweise folgen zu drei thematisch bezogenen Filmen (1,2,3):

  • der dystopischen Filmfiktion „Die Hamburger Krankheit“ aus dem Jahr 1979,
  • der kritischen ARTE-Dokumentation „Profiteure der Angst“ zur Schweinegrippe mit ihren Angstproduktionsmustern (2009) und
  • dem aktuellen ZDF-Film „Die Welt steht still“ (2021) zum scheinbar unbegreifbaren neo-expressionistischen Helferdrama aus der Frühphase der neudeutschen pseudopandemischen Epidemie mit jeweiligen Kennzeichnungen von deren Besonderheiten und Leitaussagen.

Als Ausblick wollte ich Sie einladen zu einem von Soziologen wie Max Weber (1904), Charles Wright Mills (1959), Albrecht (1991) und anderen als kulturwissenschaftlich legitim erachteten mehrschichtigen Gedankenexperiment (4,5,6).

Dieses Vorhaben ließ sich vor allem aus drei Gründen nicht verwirklichen:

Erstens war es auf einer Druckseite nicht machbar; zweitens wirken schon wenige Wochen nach Druck der Zeitschrift bei ohne angemessene Widerständigkeiten weitere exekutierte Maßnahmen als dystopische Projektionen wie in der Hamburger Krankheit und damit als vergangenheitsverklärender Schnee von gestern; und drittens kann ich auf einige aktuelle, im Netz frei zugängliche Diskussionsbeiträge positiv verweisen, die es ermöglichen, von diversen einzelnen Kritikpunkten abzusehen und mit den Kernpunkten des Gedankenexperiments zu beginnen: Bal paré …

Umwertung aller Werte

Ende 2021 lässt sich seit weltweiter Ausrufung einer Pandemie (7) genannten, vermutlich durch respiratorische Viren bedingten Infektionsentwicklung in Form einer spezifisch symptomlosen Krankheit am 12. März 2020 durch die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittragende Bill & Melinda Gates Foundation zur besonders im deutschen Sprachraum wirksamen Definitionsmacht zur „Pandemie“(8) inzwischen ergänzen und als aktuelles Fallbeispiel jener Verkehrung, die Nietzsche Umwertung aller Werte (9) nannte, darstellen:

Ein hierzulande (als führende Wissenschaftler) wirkendes Dreigestirn, bestehend aus einem habilitierten Militärveterinär, einem bisher unpromovierten Virologen und einem kölschen Epidemiologen, der zur Führung eines Professorentitels berechtigt zu sein scheint, wirft als aparte Variante von „Reiters Westliche Wissenschaft“ (Walter E. Richartz 1980) alte Grundfragen neu auf. Und lässt mich jenseits aller noch so bizarrer Einzelmaßnahmen gedankenexperimentell weiterfragen:

Wie kann denn respiratorische Viralität, die immer an Saisonalität(en) gebunden ist, in dieser klimatisch bipolaren Welt zeitgleich im lateinamerikanischen Sommer und gleichzeitig im zentralmitteleuropäischen Winter auftreten?

Und wie soll es denn im gegenwärtigen bürgerlichen Deutschland mit etwa 83 Millionen Menschen und deren relativ hoher Impfquote von etwa 62 Prozent bei einem Impfergebnis von sogenannten Impfdurchbrüchen (also faktisch erfolglosen Durchimpfungen) bei etwa 20 Prozent aller Doppelimpflinge zur „Pandemie der Ungeimpften“ durch diese Minderheit meist repressiv sozial passivierter Menschen kommen können?

Sind nun etwa noch nachhaltigere Datenakrobaten und Rechenkünstler als die Erfinder von auf je 100.000 Menschen als Grundzahl bezogenen Inzidenzquotienten von angeblich infizierten und/oder schwerstlungenkrank-hospitalisierten Patient(inn)en am Werk?

Und schließlich: Wenn auch hier nicht die seit Jahrhunderten bekannte historische „invisible hand“, die es schon irgendwie/irgendwann oder wie und wann auch immer richten kann, am Werke ist, wie soll denn diese universal-globale Pseudopandemie jemals enden unter Bedingungen und Verhältnissen, aus denen sie von bisher unbekannt gebliebenen Demiurgen Anfang 2020 als Krankheit ohne Symptome geschaffen wurde? Und was wäre wohl ohne die planetarisch wirksame Ausrufung dieser „Pandemie“ geschehen?


Frau im Irrgarten. (Foto: Andrew Loke; Unsplash.com)

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Quellen und Anmerkungen

(1) Bing (Videosuche): Die Hamburger Krankheit; Deutscher Film von 1979 über eine Viruspandemie (Länge: ca. 104 Min.); Video-Aufrufe: rund 17.000 (Stand: 18.11.2021). Auf https://www.bing.com/videos/search?q=YOU+TUBE+FILM+DIE+HAMBURGER+KRANKHEIT&view=detail&mid=BBD5C9A9C7C98D13BD5FBBD5C9A9C7C98D13BD5F&FORM=VIRE (abgefragt am 24.11.2021).

(2) Bing (Videosuche): Profiteure der Angst (Arte-Doku 2009; Länge: ca. 57 Min.). Eine Dokumentation zum Impfstoffmarketing mit erfundenen Pandemien. Video-Aufrufe: rund 5500 (Stand: 24.11.2021). Auf https://www.bing.com/videos/search?q=die+profiteure+der+angst+film+arte&view=detail&mid=0EBE0A490E307EDEF20B0EBE0A490E307EDEF20B&FORM=VIRE (abgefragt am 24.11.2021).

(3) ZDF.de (Ausstrahlung am 15.11.2021): Die Welt steht still (TV-Spielfilm; Länge: ca. 89 Min.). Am Sendetag etwa 4,63 Millionen Zuschauer (Marktanteil 15,6 Prozent). Verfügbar auf https://www.zdf.de/filme/der-fernsehfilm-der-woche/die-welt-steht-still-100.html (abgerufen am 24.11.2021).

(4) Im November 1904 und Juni 1905 veröffentlichte der Soziologe Max Weber in Form von zwei Abhandlungen sein Werk Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Eine überarbeitete Fassung wurde 1920 veröffentlicht. Es gilt als grundlegendes Werk der Religionssoziologie.

(5) C. Wright Mills, On Intellectual Craftsmanship; in: The Sociological Imagination. New York: OUP, 1959.

(6) Richard Albrecht, The Utopian Paradigm – A Futurist Perspective; in: Communications, 16 (1991) 3: 283-318.

(7) Weltgesundheitsorganisation (12.3.2020): WHO erklärt COVID-19-Ausbruch zur Pandemie. Auf https://www.euro.who.int/de/health-topics/health-emergencies/coronavirus-covid-19/news/news/2020/3/who-announces-covid-19-outbreak-a-pandemic (abgerufen am 24.11.2021).

(8) Richard Albrecht, Much Ado About Few: Covid-19 Virus – Pandemie – Coronakrise. Von der Definitionsmacht zum Risikoparadox; in: soziologie heute, Heft 71, Juni 2020: 46; dort auch zartkritische Hinweise zur allein seligmachenden Therapieform Impfen, Impfen, Impfen; ders., Als hätten alle den Verstand verloren…; http://www.trend.infopartisan.net/trd0620/t040620.html (1.6.2020), Adios Companeros oder Wird alles gut? In: soziologie heute, Heft 72, August 2020: 46; ders., Eine Festung der Engstirnigkeit. Wissenschaft in postmodern(istisch)en Zeiten; in: soziologie heute, Heft 74, Dezember 2020: 43; ders., Soziozid: Corona-Politik als destruktives Programm – Neue Debatte (18.8.2021).

(9) Die Umwertung aller Werte ist ein von Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900) geprägtes Schlagwort und ein zentraler Begriff seiner Philosophie und Moralkritik. In der modernen Welt seiner Zeit konstatierte Nietzsche einen Niedergang der Kultur. Dieser drückte sich in einem sich ausbreitenden Werteverlust aus und hatte seine Ursachen in der zunehmenden Einsicht, dass einerseits der Begriff der Wahrheit inhaltlich nicht zu füllen war („Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“) und andererseits der Glaube an einen Gott als Leitidee für den Sinn des Lebens immer mehr verloren ging. Als Konsequenz sah Nietzsche einen immer stärker werdenden Nihilismus (eine Weltsicht, die die Gültigkeit jeglicher Seins-, Erkenntnis-, Wert- und Gesellschaftsordnung verneint bzw. alle positiven Ansätze.) als dem „Wertloswerden der obersten Werte“.

Leseempfehlungen

(I.) NachDenkSeiten (17.11.2021): Hannes Hofbauer zur Situation in Österreich: „Sie sagen offen, dass damit die Menschen zum Impfen getrieben werden sollen“. (Anm. d. Autors: Mit zwei Grundhinweisen auf die soziale Schaffung von Pariaexistenzen und politischen Tendenzen der offenen Faschisierung.). Auf https://www.nachdenkseiten.de/?p=78052 (abgerufen am 24.11.2021).

(II.) Weiterführende wesentliche Leserhinweise zum kritisch gemeinten Beitrag „Corona wird bleiben und wir müssen endlich die Hysterie überwinden“ von Jens Berger (siehe: NachDenkSeiten 16.11.2021) finden sich auf https://www.nachdenkseiten.de/?p=78158 (abgerufen 24.11.2021).


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Foto: Michael Dziedzic (Unsplash.com)

Kulturforscher und Sozialwissenschaftsjournalist | Webseite

Dr. Dr. habil. Richard Albrecht ist historisch arbeitender Kulturforscher und Sozialwissenschaftsjournalist mit einem Arbeitsschwerpunkt kulturanalytische Sozialpsychologie. Leitkonzept "The Utopian Paradigm" (1991). Kolumnist des Linzer Fachmagazins "soziologie heute". Autor des Marburger "Forum Wissenschaft" und der Berliner Netzzeitung "trend". Letzterschienenes Buch: HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (Shaker Media 2011).

Ein Gedanke zu “Pandemia Forever – Eine wissenssoziologische Skizze”

  1. @ herr albrecht, „symptomenlose pandemie“ und „von demiurgen, der gates-foundation usw (HINWEIS ADMIN: Zusatz gelöscht. Hat der Autor weder behauptet noch geschrieben.)
    vor allem unrichtigem denken sollten SIE vielleicht jetzt einmal einige wochen ganz praktisch auf einer intensivstation mitarbeiten, oder gleiche wirkung, vielleicht auch auf friedhöfen,
    und dass „grippale infekte“ aufgrund der übertragungswege bei normalem infektionsdruck hauptsächlich in den planetaren wintermonaten auftreten, stimmt zwar, das gilt aber eben nicht für die tropen und subtropen, und nicht bei höheren infektionsdrücken, bei denen sie sich jederzeit auch als „epidemisch“ manifestieren können.

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