„Wenn ich allein träume, ist es nur ein Traum.“

Es gibt bei mir in der Nähe ein kleines verrottetes Haus, das ich sehr liebe. Es ist unbewohnt und der Wildwuchs im Garten unterscheidet sich angenehm von den gestutzten Gärten der Nachbarschaft. An der Rückseite erhebt sich ein zerbrechlicher, feiner Balkon, als wollte er samt Haus in die Lüfte schweben.

Das Anwesen scheint mit längst vergangenen Zeiten verbunden zu sein. Von Jahr zu Jahr wird es durchsichtiger, als zehre die Sehnsucht an ihm.

Vorhin nun glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Drei Bauarbeiter hingen wie Parasiten an der Fassade, einer drosch mit seinem Hammer auf das filigrane Geländer des Balkons ein. Ich erschrak und im selben Moment brach dem Mann das Werkzeug. Der Hammerkopf trudelte in ein altes Siel und ward nicht mehr gesehen.

Es sind kleine Erlebnisse wie dieses, die mir zurzeit den Tag retten. Denn das hysterische Corona-Geschrei der Massenmedien bleibt selbst für mich, der ich so gut es eben geht die Ohren vor ihm verschließe, nicht gänzlich unerhört. Und wie sehr sich die Politik von diesem Geschrei zu immer drastischeren Maßnahmen in der Plandemie drängen lässt, sieht man gerade am Sinneswandel des designierten Bundeskanzlers, der plötzlich der Impfpflicht das Wort redet, obwohl er sie noch vor drei Monaten entschieden abgelehnt hatte.

Da ist es nur folgerichtig, dass er den Posten des Gesundheitsministers an den „Corona-Experten“ Karl Lauterbach vergeben will, der sich bisher durch nichts anderes ausgezeichnet hat als durch eine unappetitliche Panikmache. Zuletzt verstieg er sich in einer Talkshow sogar zu der Äußerung, dass sämtliche Ungeimpfte bis zum Frühjahr nächsten Jahres tot sein würden. Die Hamburger Morgenpost begrüßte die Wahl dieses Mannes mit den Worten, Lauterbach fiel in der Corona-Pandemie als steter Mahner auf, der meistens jedoch mit seinen Prognosen recht behielt.

Anlässlich einer tags zuvor stattgefunden Großdemo gegen die hilflos und planlos angekündigten Maßnahmen zur Brechung der „fünften Welle“ (1) stellte die Zeitung die Frage, warum sich immer noch so viele Menschen den abstrusen Verschwörungstheorien der „Querdenker“ anschließen würden. Tja, warum? Hat man nicht bereits genügend getan, um diese Unbelehrbaren aus dem gesellschaftlichen Verkehr zu ziehen? Hat man ihnen nicht den Zugang zu Restaurants, Cafés, Kinos, Discos verweigert? Ihnen gar die Benutzung öffentlicher Verkehrsmitteln verboten oder die Reisen mit der Bahn? Reicht das denn immer noch nicht?

Ein Freund schrieb mir vor einigen Tagen, dass er eigentlich vorgehabt hätte, nach Hamburg zu kommen, um an der Beerdigung eines gemeinsamen Bekannten teilzunehmen, der sich in einer depressiven Anwandlung mit einem Jagdgewehr in den Kopf geschossen hatte. Die Friedhofsverwaltung teilte ihm daraufhin Folgendes mit:

„Aufgrund der pandemischen Lage gilt 2G – dies bitte am Einlass mit entsprechenden Nachweis & Personal-Ausweis vorzeigen. Zusätzlich erfasst die Friedhofsverwaltung die Anwesenheit vorab in einer Liste mit Name, Impf-/Genesungsstatus, Adresse & Telefonnummer.

Wir bitten daher bis 03. Dezember 2021 um Teilnahmebestätigung & Zusendung o. g. Informationen per E-Mail an: ….“

Mein Freund ist ungeimpft. Die Beisetzung fand ohne ihn statt.

In einer Monitorsendung des WDR fand ich vor Kurzem einen Kommentar, der sich endlich einmal abhob von den gleichlautenden Propagandastatements des Mainstreams. In ihm heißt es unter anderem:

„Der Maßnahmenkatalog der Regierung hat ein Klima der Angst, des Misstrauens und der Verzweiflung geschaffen. Zwangstest, Berufsverbot, Ausweisung. Zwangstest nicht nur für Beschäftigte im öffentlichen Dienst, sondern für alle Ansteckungsverdächtigen, und sei es mit polizeilicher Gewalt.“

Erstaunlich, oder? Nein, Freunde, so erstaunlich nun auch wieder nicht. Der Kommentar stammt von Klaus Bednarz (1942 bis 2015) aus dem Jahre 1987, als in dieser Republik gegen die HIV-Positiven mobil gemacht wurde (2). Damals verstieg sich der CSU-Abgeordnete Horst Seehofer zu der Aussage, dass die Pflege der Patienten in teuren Krankenhäusern auf Dauer gar nicht zu finanzieren sei. Deshalb sollten diese Kranken in speziellen Heimen konzentriert werden.

Gestern erhielt ich einen Anruf von einer Freundin, die es inzwischen ablehnt, mich zu treffen, solange ich nicht geimpft bin. Sie berichtete, dass sie sich gerade habe boostern lassen, die Pandemie breite sich ja immer schneller aus. In den letzten Tagen seien allein in ihrem Bekanntenkreis drei Leute an Corona erkrankt. Auf meine Frage, ob diese denn nicht geimpft gewesen seien, antwortete sie: „Ja, natürlich.“ Als sie den Widerspruch bemerkte, fügte sie hinzu: „Aber der Krankheitsverlauf ist bei Geimpften sehr viel milder als bei Ungeimpften!“ Na wenn das so ist, dann boostert mal schön weiter. Schauen wir mal, wie lange euer Immunsystem das in dem Bemühen „vor die Welle zu kommen“ (Salzburger Nachrichten) noch aushält.

Lassen Sie mich zum Schluss Rudolf Steiner (1861 bis 1925) zitieren, auch wenn das bei einigen von Ihnen sicher auf Unbehagen stößt (3). Steiner begründete die Anthroposophie und entwickelte eigene Konzepte für verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, darunter die anthroposophische Architektur, die Waldorfpädagogik, die anthroposophische Medizin, die biologisch-dynamische Landwirtschaft und die Eurythmie. Er schrieb:

„Die Seele wird man abschaffen durch ein Arzneimittel. Man wird aus einer «gesunden Anschauung» heraus einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird in möglichst früher Jugend, möglichst gleich bei der Geburt, daß dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist. – So scharf werden sich die beiden Weltanschauungsströmungen gegenübertreten. Die eine wird nachzudenken haben, wie Begriffe und Vorstellungen auszubilden sind, damit sie der realen Wirklichkeit, der Geist- und Seelenwirklichkeit gewachsen sind.

Die andern, die Nachfolger der heutigen Materialisten, werden den Impfstoff suchen, der den Körper «gesund» macht, das heißt so macht, daß dieser Körper durch seine Konstitution nicht mehr von solch albernen Dingen redet wie von Seele und Geist, sondern «gesund» redet von den Kräften, die in Maschinen und Chemie leben, die im Weltennebel Planeten und Sonnen konstituieren. Das wird man durch körperliche Prozeduren herbeiführen. Den materialistischen Medizinern wird man es übergeben, die Seelen auszutreiben aus der Menschheit.“

Es liegt nun an uns, die Orientierung nicht zu verlieren. Mit einem Rat von Hélder Pessoa Câmara (4) im Gepäck wird uns das auch gelingen:

Wenn ich allein träume, ist es nur ein Traum. Wenn wir gemeinsam träumen, ist es der Anfang der Wirklichkeit.“


Redaktioneller Hinweis: Das Essay von Dirk C. Fleck erschien unter der Überschrift „Mit Goethe gegen Lauterbach und Co.“ bei apolut.net. Es wurde aktualisiert und auf Neue Debatte zweitveröffentlicht. Einzelne Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben und Hinweise und Anmerkungen ergänzt.

Frau im Irrgarten. (Foto: Andrew Loke; Unsplash.com)

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Quellen und Anmerkungen

(1) Mopo.de: Über 100 000 Neuansteckungen & Warnung vor fünfter Welle. Auf https://video.mopo.de/ueber-100-000-neuansteckungen-warnung-vor-fuenfter-welle/ (abgerufen am 10.12.2021).

(2) Klaus Bednarz (1942 bis 2015) war Journalist und Auslandskorrespondent der ARD in Polen und der Sowjetunion. Bekannt wurde er als Moderator des Nachrichtenmagazins Monitor.

(3) Rudolf Joseph Lorenz Steiner (1861 bis 1925) war Begründer der Anthroposophie, einer spirituellen Weltanschauung, deren wesentliche Inhalte nach seiner Darstellung auf hellseherischen Einblicken in eine geistige Welt beruhen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden gegen Steiner Vorwürfe des Rassismus und Antisemitismus erhoben und teilweise kontrovers diskutiert.

(4) Dom Hélder Pessoa Câmara (1909 bis 1999) war ein Erzbischof von Olinda und Recife (Brasilien). Câmara, einer der bedeutendsten Kämpfer für die Menschenrechte in Brasilien, gründete dort die ersten kirchlichen Basisgemeinden und gehörte zu den profiliertesten Vertretern der Befreiungstheologie. Er prangerte die Folterer und Mörder während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 in aller Welt an.


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Foto: Max Muselmann (Unsplash.com)

Dirk C. Fleck (Jahrgang 1943) ist freier Journalist und Autor aus Hamburg. Er machte eine Lehre als Buchhändler, besuchte danach in München die Deutsche Journalistenschule und absolvierte Mitte der 1960er ein Volontariat beim „Spandauer Volksblatt Berlin“. 1976 siedelte er wieder nach Norddeutschland über und arbeitete bei der „Hamburger Morgenpost“, wo er Lokalchef wurde. Später war er Chefredakteur des „Hanse-Journal“, Reporter bei „Tempo“ und Redakteur bei „Merian“. Er arbeitete im Auslandsressort der Wochenzeitung „Die Woche“ und schrieb ab Mitte der 90er Jahre als freier Autor und Kolumnist für Tageszeitungen (u.a. Die Welt) und Magazine wie zum Beispiel Stern, GEO und Spiegel. Seit den 1980ern setzt er sich journalistisch mit den ökologischen Folgen der zügellosen kapitalistischen Wirtschaftsweise auseinander und verarbeitet seine Erfahrungen, Überlegungen und Recherchen in Romanen. Das Buch „Palmers Krieg“ erschien 1992 und beschäftigt sich mit der Geschichte eines Ökoterroristen. „GO! Die Ökodiktatur“ (1993) ist eine Auseinandersetzung mit den Folgen des Ökozid. Außerdem erschienen von Dirk C. Fleck die Bücher „Das Tahiti-Projekt“ (2008), „MAEVA!“ (2011), „Die vierte Macht – Spitzenjournalisten zu ihrer Verantwortung in Krisenzeiten“ (2012) und „Feuer am Fuss“ (2015).

2 Gedanken zu “„Wenn ich allein träume, ist es nur ein Traum.“”

  1. „Schauen wir mal, wie lange euer Immunsystem das in dem Bemühen „vor die Welle zu kommen“ (Salzburger Nachrichten) noch aushält.“
    Nach dem dritten Booster
    wird’s zappenduster.
    Das menschliche Immunsystem ist ja wirklich ein Wunderwerk, aber nicht unfehlbar und seine Geduld hat Grenzen. Man denke an die vielen Allergien, Autoimmunerkrankungen und die Belastungen durch Umweltgifte…

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