Das Spektakel des Grünen Kapitalismus: Von Märkten und CO²-Märkten


Es ist einfach anzunehmen, dass es keine Alternative zu unserer Form des Lebens gibt, dass die Art und Weise, wie wir im derzeit leben, einfach die Widerspiegelung der Art und Weise ist, wie die Dinge sind.

Dieses alltägliche Verständnis beinhaltet die nicht allzu versteckte Grundannahme, dass die Gegenwart sich unendlich in die Zukunft ausdehnen wird, was zugleich einen gewissen Komfort und ein Gefühl des Eingesperrtseins bietet. Die Zukunft wird ewig währen. Oder zumindest tat sie das. In Zeiten der Krise kehrt ein Raum der Freiheit zurück, die Möglichkeit eines Bruchs mit dem Bestehenden öffnet sich. Die Geschichte, lange Zeit in traurige Lehrbücher verbannt, kehrt frisch und lebendig zu uns zurück. Wegzuschieben, was uns am nächsten ist, unsere Form des Lebens selbst, sie objektiv zu betrachten, – das mag unmöglich erscheinen.

Doch das ist es nicht: Der erste Schritt besteht darin, unserer Form des Lebens einen Namen zu geben, sie als etwas Endliches in Zeit und Raum zu identifizieren, als etwas, das enden kann. Und diese andauernde Gegenwart, deren einziger Vorzug in der Gewissheit ihrer eigenen Zerstörung besteht, hat einen Namen: Kapitalismus.

Kapitalismus basiert auf einer Gleichung, die so einfach ist, dass jedes Kind sie verstehen kann: Technologie plus menschliche Arbeit plus Rohstoffe schafft Waren. Diese Waren können entweder weitere Technologien für die Produktion sein – ansonsten als Kapital bekannt – oder Waren für den Konsum. Das eiserne Gesetz des Werts besagt, dass alles zur Ware werden kann, zu einem gewissen Wert getauscht, der, verkörpert als Geldwert, im Preis steckt.

Waren werden nicht getauscht, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um mehr Wert für den Kapitalismus anzuhäufen. Als trivialen Nebeneffekt der industriellen Produktion erzeugen die Warenströme Ströme von CO², und folglich ist die Zerstörung unseres gesamten Ökosystems in dieser kleinen Gleichung des Kapitalismus enthalten. Die sich konstant verkleinernden Terme in unserer Gleichung sind die endlichen „natürlichen“ Ressourcen unserer Erde, die sich an ihrem wilden asymptotischen Ende in das real mögliche Aussterben der großen Mehrheit des gegenwärtig existierenden Lebens auf diesem Planeten übersetzen.

Die unausweichliche Logik des Kapitalismus ist es daher, alle Bereiche des Lebens zu kolonisieren und allem Gemeinsamen einen Privateigentümer und einen Wert zuzuweisen. Diese zweifache Operation muss stattfinden, damit die frisch bewertete Ware auf dem Markt getauscht werden und mehr Profit produzieren kann, wodurch sie Wert und Kapitalismus ausweitet.

Der Klimawandel ist schlicht symptomatisch dafür, dass der Kapitalismus die Grenzen seiner Expansion in die Welt der natürlichen Ressourcen erreicht, die vor dem Kapitalismus entstanden ist. Von daher passt es, dass eine totalisierende Krise wie der Klimawandel mit einem totalisierenden Produktionssystem, wie es der Kapitalismus ist, Hand in Hand geht.

CO²-Emissionen sind ein Nebenprodukt des Kapitalismus, wie Fäkalien ein Nebenprodukt der menschlichen Ernährung sind, da die energieintensiven fossilen Brennstoffe die primäre Quelle der billigen Energie sind, die sich der Kapitalismus zunutze macht. Doch auch ein Stopp der CO²-Emissionen könnte die vom Kapitalismus verursachte totalisierende Biokrise nicht aufhalten.

CO²-Emissionen und Klimawandel sind nur ein Symptom der vom Kapitalismus verursachten Zerstörung. Klimawandel als isoliertes Phänomen zu betrachten ist albern. Selbst wenn das Verbrennen fossiler Brennstoffe keinen Klimawandel verursachen würde, wäre es noch immer krebserregend für Menschen, würde es weiterhin die Ozeane und die Atmosphäre verschmutzen, todbringende Autos und Raketen antreiben und das Rohmaterial für alles Mögliche stellen, von der Einweg-Plastiktüte bis zu nutzlosem Spielzeug. Der Kahlschlag der Regenwälder reduziert nicht nur die Fähigkeit des Planeten, CO² zu binden, er rottet unzählige Arten aus, vertreibt Indigene aus ihrem Zuhause, zerreißt ihre Lebensformen und zerstört noch die Möglichkeit der Freude, die viele Menschen daran haben, draußen zu sein.

Während ein „grüner“, CO²-neutraler Kapitalismus zwar unwahrscheinlich, aber durchaus möglich sein könnte, würde auch ein solcher CO²-neutraler Kapitalismus die lebendigen natürlichen Ressourcen unerbittlich in totes Kapital verwandeln.

Wenn es nicht das CO² ist, wird es die Vergiftung des Wassers, die Zerstörung der Atmosphäre, des Lebens selbst sein, das dem Heißhunger des Kapitals nach der Reproduktion von Waren geopfert wird, selbst wenn dies das Ende für die Reproduktion des Lebens bedeutet. Der Kapitalismus ist der Ursprung der Biokrise, jener jüngsten und letzten Krise des Kapitalismus.

Die Logik der Krise ist die Logik des Kapitalismus, und der Kapitalismus befindet sich seit Jahrzehnten in einem Zustand der Krise, auch wenn dies erst in der Finanzkrise von 2008 offenkundig wurde. Als bei Weitem produktivstes soziales System, das die Welt je gesehen hat, bedingt der Kapitalismus eine Über-Produktion, die zu einer Über-Akkumulation von Kapital führt.


Einführung in die Apocalypse Cover

In jedem Sozialsystem, das sich um das Überleben der Menschheit und der Welt dreht, würde dies als ein Wunder angesehen werden: Die Hungrigen könnten ernährt, die Obdachlosen mit Wohnraum versorgt werden, die Kreativität der Menschheit wäre nicht an rein materielle Sorgen gefesselt. Doch in der perversen Logik des Kapitalismus bedeutet die Über-Produktion eine Krise: Es wird schwerer und schwerer, Profit zu machen, wenn die Waren immer billiger gemacht und den ArbeiterInnen immer weniger gezahlt wird. Der einzige Weg aus der Krise ist es, entweder einen Krieg zu führen, der Kapital zerstört – die Weltkriege waren offensichtlich die Lösung der Weltwirtschaftskrise – oder durch irgendeine Form der Hexerei neue Waren zu erfinden.

Nur ein Ereignis nahezu göttlichen Ausmaßes ist in der Lage, den Glauben an Kapitalismus und Staat wieder herzustellen, und glücklicherweise ist ein Wunder im Anzug: Der katastrophische Klimawandel.

Von Greenpeace bis Obama wird als Lösung des Klimawandels, wenig überraschend, die Expansion des Kapitalismus in die Atmosphäre angepriesen: der CO²-Handel. Indem Kohlendioxid auf magische Weise ein Wert beigemessen wird, der getauscht werden kann, sollen die CO²-Emissionen sinken. Dies aber widerspricht allen vorangegangenen Erfahrungen ebenso wie den Grundsätzen des Kapitalismus selbst.

Die Schaffung eines weiteren Marktes wird zweifellos zu einer Ausweitung der kapitalistischen Produktion führen, was die ökologische Zerstörung nur beschleunigen wird. Während der Kapitalismus herausgefunden hat, wie einfache materielle Bedürfnisse wie Schuhe oder Kohle mit einem Wert versehen werden können, wird der Preis für CO² schlicht aus dünner Luft gemacht. Nur allzu deutlich erinnert der CO²-Preis im Emissionshandel an das Bewerten von „Risiken“ an den Finanzmärkten. Dieses Unvermögen, einen adäquaten Wert zu bestimmen, ist schlicht und einfach das Rezept für einen zügellosen Boom von Betrug und Spekulation, gefolgt von einem durchschlagenden Crash.

Der Markt für CO² ist nicht anders als der Finanzmarkt, wie das Scheitern des Emissionshandels der EU, eines Produkts des Kyoto-Protokolls, schon jetzt in aller Klarheit demonstriert. CO²-Märkte bedingen mehr Produktion und somit mehr CO², was wiederum das kollektive Todesurteil in der Biokrise bedeutet. Wie kann Kohlendioxid ein Preis zugeschrieben werden? Wie kann man die fortwährende Existenz des menschlichen Lebens, wie wir es kennen, mit einem Preis versehen? Der Markt verlangt nach Antworten auf diese Fragen. Ein Auto niederzubrennen ist ökologisch nachhaltiger als der CO²-Handel; es ist genau die Herstellung und der Fluss von Waren, der die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten bedroht.

Es muss sich um eine nahezu religiöse Kraft handeln, die die Leute im Bann des Kapitalismus hält.

Diese Kraft wird von Guy Debord „Spektakel“ genannt – Werbung, Fernsehen, Blogs, Webseiten, Videospiele, – das nichts weiter ist als eine Ansammlung von Bildern, die als offenbarte Religion des Kapitalismus dient. Sartre merkte an, dass er niemals Perfektion sah, bevor er einen Film gesehen hatte. Die Welt der Werbung ist so zentral für uns wie die Welt von Christus und seinen Engeln für unsere Vorfahren. Das Spektakel bedeutet, dass die Beziehungen zwischen Menschen nicht lediglich durch Waren vermittelt werden, sondern durch Bilder, die das Kapital herstellt.

In dem Moment, indem sich die Kapitalakkumulation auf der Suche nach immer neuen Märkten zu immer absurderen Höhen aufschwingt, kolonisiert das Kapital das soziale Leben der Menschen selbst. Der Kapitalismus ist in der Lage, unser soziales Leben in genau dem gleichen Ausmaß zu kolonisieren, wie er jede andere Form des Lebens zu kapitalisieren vermag. Ein Schritt in dieser Kolonisierung war es, die Multitude ihrer traditionellen Lebensformen zu berauben, um sie in den Fabriken an die Arbeit zu schicken. Doch irgendwie hatten die ArbeiterInnen nach der Arbeit wieder ihre Freude, warfen ihre Arbeitsklamotten ab und wurden wieder menschlich: Sie spielten Musik in der Bar, träumten im Park, lagen einander in den Armen.

Um nun immer mehr Profit zu extrahieren, wurden die Arbeitsstunden immer länger und die Fließbänder immer perfekter. Doch es wurde eine Grenze erreicht im klassischen Kapitalismus. Um mit der Produktion endloser Waren fortzufahren, muss der Kapitalismus heute jegliche menschliche Zeit, jede menschliche Kultur kolonisieren. Ein neues und schreckliches Gefängnis der Vorstellungskraft wird den Menschen über das perfekte Bild der Ware aufgezwungen, rund um die Welt von den Massenmedien elektrisch übertragen.

Dieses Bilder von Waren leiten nun unser kollektives menschliches Handeln. Diese globale Ansammlung unverbundener Bilder von Waren und Superstars bildet dann die abstrakte Einigkeit, welche die fragmentierte Menschheit zusammenhält und die sehr realen Trennungen von Macht und Wohlstand maskiert. Über Jahrzehnte produzierte der Kapitalismus in Form der sexy jungen Leute, die in alle Ewigkeit glänzende neue Dinge konsumieren, immer nur das Spektakel seiner Perfektionierbarkeit, die Bilder des von ihm produzierten Mülls wurden stets ausgelassen.

All die offensichtlichen Ursachen und Ergebnisse des Kapitalismus wurden kunstvoll verborgen, von den Millionen Kilogramm Plastik in den Ozeanen zu den endlosen Hektar Wald, die auf Baumstümpfe reduziert wurden.

Da der Prozess der Entnahme natürlicher Ressourcen auf einem endlichen Planeten nicht endlos voranschreiten kann, ohne irgendwelche physikalischen Nebeneffekte zu bewirken, die letztendlich noch die hypnotisiertesten Arbeiter aus ihrem spektakulären Schlummer erwecken wird, kann sich das Spektakel nicht länger als Bild des Himmels auf Erden präsentieren. Die von den Waren versprochene Glückseligkeit verwandelt sich in Terror. Der Traum des Kapitalismus wird zum Albtraum, zum Bild der Apokalypse.

Im Zeitalter der Apokalypse muss sich das Spektakel umkehren. In der Analyse Debords stellte das Spektakel, als Ansammlung von Bildern, den Gipfel des industriellen Kapitalismus dar, das Symbol seiner totalen Macht. Heute findet erneut eine durchaus materielle Umgestaltung des Kapitalismus statt, und ihr erster Schritt ist in der Transformation der Bilder des Spektakels zu sehen.

Mit Filmen von Al Gore, den Appellen von Wissenschaftlern verbunden mit Aufnahmen der letzten Eisbären, die sich verzweifelt an den letzten Gletschern festhalten, werden die Bilder der Apokalypse endlos wiederholt. Diese Bilder sind keine unschuldigen Abbilder der Wirklichkeit, sie stellen eine bewusste Manipulation unseres Innenlebens dar, um uns zu willigen Sklaven der Transformation des Spätkapitalismus in einen Grünen Kapitalismus zu machen.

Der Grüne Kapitalismus ist nicht mehr als die spektakuläre Form des Kapitalismus, der seine eigene Rolle im Konsum der natürlichen Ressourcen leugnet. Das Bild des Grünen Kapitalismus als technologischem Messias der letzten Tage, der eine machtlose Menschheit von der Apokalypse erretten muss, produziert wieder einmal nur eine falsche Einigkeit, welche bloß die tatsächliche Trennung maskiert zwischen jenen, denen das Ganze nutzt und der großen Mehrheit der Menschen auf der Welt, die unter der ökologischen Zerstörung leiden.

Eine Greenpeace-Anzeige in der New York Times: „Es war nicht das Fahrverhalten des Kapitäns der Exxon Valdez, der die Ölkatastrophe in Alaska verursachte, sondern das deine.“

Jedes Verlangen nach einer genuin sozialen Revolution wird auf die asketische Selbstverwaltung des Individuums umgeleitet, die Sorge für sich selbst. Erinnern wir uns, dass Self-Management nicht mehr ist als Verwaltung mit einem Hauch selbstgerechtem Puritanismus. Nur die Gerechten werden errettet werden, und deine CO²-Emissionen sind eine perfekte Art, deine Sünden zu messen. Google hat sogar mit der Produktion von Instrumenten begonnen, die die Selbstverwaltung unseres persönlichen Stromverbrauchs und (zweifellos bald) unserer CO²-Emissionen ermöglichen.

Die wahre Erlösung ist es heute, „CO²-neutral“ zu sein, oder, „realistischer“, eine Reduzierung des CO² um 50 %, um 65 %, um 85 %. Diese Ziele setzen auf all den Fanatismus der Abmagerungskuren und der Selbstgeißelung. Natürlich ignoriert diese perfekt entfremdete Lösung für den Klimawandel den offensichtlichen Widerspruch, dass ein einzelnes Individuum, das seine oder ihre Emissionen reduziert, wenig bis keine Wirkung hat. Das Ausstöpseln eines Telefonladegeräts etwa reduziert den Energieverbrauch höchstens zu einem Hundertstel von einem Prozent. Hier ist eine dunklere Agenda am Werk. Denn die Weltbevölkerung ist derart enorm, so riesig, dass es unvorstellbar ist, sich auszumalen, diese Multitude zu kontrollieren und in einen Grünen Kapitalismus zu zwingen.

Die neuen Sklaven müssen aus freien Stücken in den Grünen Kapitalismus eintreten, sie müssen sich selbst verwalten und sich selbst von allen unreinen Gedanken an Kommunismus und Gewalt reinigen; solche Gedanken müssen als Ergebnis irgendeines neuro-chemischen Defekts oder eines Kindheitstraumas angesehen werden.

Der Grüne Kapitalismus muss sich unter allen Umständen weigern, zuzugeben, dass unsere Produktionsweise für die CO²-Emissionen verantwortlich ist, da diese schreckliche Hypothese zu der offenkundigen Schlussfolgerung führen würde, dass ein solches Gebäude eingerissen werden muss und dass es diejenigen waren, die davon profitieren, dass es die globale Bourgeoisie war, die den katastrophischen Klimawandel tatsächlich verursacht hat.

Sie versuchen sich aus der Affäre zu ziehen, indem sie die Schuld an der kommenden Apokalypse einer „kollektiven“ Menschheit geben, welche die industrielle Produktion genutzt habe, um ihre „gemeinsamen“ Bedürfnisse auf Kosten der Umwelt zu befriedigen, – was die historische Tatsache ignoriert, dass der Klimawandel nicht von der Menschheit als Ganzes herbeigeführt wurde, von jener großen Mehrheit, die unter Tritten und Schreien in die Fabriken und Sweat-Shops gezerrt wurde, sondern vom Kapitalismus, der so eng verflochten ist mit der industriellen Produktion.

Tatsächlich offenbaren CO²-Emissionen und Klimawandel etwas, das man nur als Klassenaufspaltung bezeichnen kann: Die CO²-Emission eines Jet-Set-Geschäftsmanns aus England oder Qatar überflügeln die von Tausenden Erwerbslosen, sei es in den USA oder in Guatemala, die von der planetaren Bourgeoisie ausgeschlossen wurden, und all der Arbeiter, die von eben jener planetaren Bourgeoisie in den Fabriken von China und Brasilien versklavt werden.

Niemals wird die industrielle Produktion selbst infrage gestellt. Vielmehr wird ein ganzer neuer Markt von Waren für den Profit produziert: Vom Elektroauto zum „gerecht gehandelten und CO²-neutralen“ Café Latte, deren Produktion die reale Krise der natürlichen Ressourcen nur verschärft, während sie dem Ego einer neuen grünen Bourgeoisie schmeichelt, die sich solche edlen Produkte leisten kann, indes der Rest der Welt in Food Riots zu Boden geht. Grüne Restaurants, grüne Flughäfen, grüne Banken; früh genug wird es auch grüne Gefängnisse und grüne Folterkammern geben.

Diejenigen, die den Staat anrufen, dass er eine Lösung finden soll, blenden aus, dass Lösungen, welche eine weitere Besteuerung der arbeitenden Klasse und der Armen in Form von CO²-Krediten und grünen Sparmaßnahmen beinhalten, nur die zunehmende staatliche Kontrolle unseres täglichen Lebens herbeiführen wird. Diese Rufe nach dem Staat werden einzig und allein dazu genutzt, die Macht des Staates und die Einträglichkeit des Kapitals zu konsolidieren, auch wenn die genutzten Technologien „grün“ sind.

Es ist lächerlich, um die „kapitalistische Verwaltung“ einer Krise zu bitten, die der Kapitalismus selbst geschaffen hat. Wie Debord sagte: Wenn du dem Spektakel vom „Ende der Welt“ nicht behilflich sein willst, musst du daran arbeiten, die Welt des Spektakels zu beenden. Es wird mehr brauchen als eine Veränderung unserer Feriengewohnheiten, um die Welt für kommende Generationen zu erhalten.

Diese neue Ära des Kapitalismus wird nicht von einem militärischen Krieg eingeläutet, sondern von der Verallgemeinerung der Konflikte niedriger Intensität, der die Gesamtheit des Lebens umfasst: Der soziale Krieg.

Zunehmende Polizeigewalt, Überwachung und biometrische Ausweise sind einfach nur Taktiken dieses sozialen Krieges gegen den „Inneren Feind“: gegen AnarchistInnen, arbeitslose Jugendliche und MigrantInnen. CO²-Obergrenzen und Emissionshandel werden einfach nur als Ausrede dienen, den Armen dieser Welt neue Sparmaßnahmen aufzuerlegen. Es wird den umfassenden Einsatz von Solarenergie und die Rückkehr der Atomenergie erfordern, um die Lebensform der Bourgeoisie auch nur in den privilegiertesten Ländern aufrecht zu erhalten, währenddessen der Rest der Welt dem Hungertod überlassen werden muss.

Tatsächlich stellt der Grüne Kapitalismus heute eine neue Moral dar, die sich morgen in Sparmaßnahmen für die Armen der Welt niederschlagen wird. In allen Ländern wird die Metropole aufgeteilt werden in „Grüne Zonen“ für die planetare Bourgeoisie und weite Schwaden des Ausschlusses.

Die Ausbreitung der Sabotage als Offensive im verallgemeinerten sozialen Krieg ist das vielversprechendste Feld des Kampfes gegen den Kapitalismus.

Diejenigen, die heute kämpfen, sind ohne jeden Zweifel Kinder der letzten Generation, die noch wirklich an den Kapitalismus glaubt. Denn die Jugend hat heute keine Hoffnung. Wenn ein paar sterbende alte Männer die Apokalypse herbeiführen wollen, müssen ihre Kinder den Aufstand herbeiführen.

Vielleicht treffen sich ihre Kinder des Nachts in schwarzen Masken. Vielleicht werden diese neugeborenen Saboteure aber auch im hellen Tageslicht operieren, gekleidet als Flugbegleiter und Bauarbeiterinnen, Studentinnen und Barkeeper, Buchhalterinnen und sogar… als Polizist. Die Frage ist, wie der Ausstoß von CO² und die Warenflüsse blockiert werden können, um die ökologische Zerstörung aufzuhalten. Die Flüsse blockieren – nicht nur für den Moment – für alle Zeit. Keine Kompromisse in der Verteidigung der Erde.


Personenverzeichnis

(A) Guy-Ernest Debord (1931 bis 1994) war Autor, Filmemacher, Künstler und Revolutionär sowie einflussreiches Gründungsmitglied der Situationistischen Internationale. Debord war ein radikaler Kritiker des Kapitalismus und der kapitalistischen Ideologie des Konsumismus, den er als Inszenierung „falscher Bedürfnisse“ anprangerte. In seinem Hauptwerk „Die Gesellschaft des Spektakels“ (1967) entwickelte er eine Theorie des Spektakels: „Das Spektakel ist das Kapital in einem solchen Grad der Akkumulation, dass es zum Bild wird.“

(B) Jean-Paul Sartre (1905 bis 1980) war ein Romancier, Dramatiker, Philosoph, Religionskritiker und Publizist. Er gilt als Vordenker und Hauptvertreter des Existentialismus.

(C) Albert Arnold „Al“ Gore Jr. (Jahrgang 1948) ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei) und Unternehmer. Von 1993 bis 2001 war er unter Präsident Bill Clinton der 45. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Al Gore ist unter anderem Gründer und Vorstand der Alliance for Climate Protection, Mitglied im Aufsichtsrat von Apple und Berater von Google. Außerdem ist er Teilhaber an verschiedenen Investmentfirmen. Er wird medial aber vor allem als „Umweltschützer“ dargestellt. Al Gore soll Unsummen in PR für eine Energiewende gesteckt haben.


Redaktioneller Hinweis: Der Text „Einführung in die Apokalypse“, der sich in die Teile Die Apokalypse ist da, „Das Spektakel des Grünen Kapitalismus“ und „Ökologischer Faschismus“ gliedert, wurde von einem anonymen Autor verfasst. Er erschien 2009 in der Broschüre „Dealing with distractions“ der COP15zinecrew. Die Broschüre wurde vom Translationcollective übersetzt und ist als PDF im Netz verfügbar auf https://translationcollective.files.wordpress.com/2010/11/apokalypse-neu.pdf (abgerufen am 2.1.2022). Der Beitrag „Ökologischer Faschismus“ wurde am 8. September 2016 von der Anarchistischen Bibliothek übernommen von der Webseite https://translationcollective.wordpress.com/2010/11/03/einfuhrung-in-die-apokalypse und archiviert. Neue Debatte hat den Text „Das Spektakel des Grünen Kapitalismus: Von Märkten und CO²-Märkten“ übernommen, um eine kritische Diskussion aus anarchistischer Sicht über die Zukunft der technisierten und vernetzten Gesellschaft anzuregen. Einzelne Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben. Hinweise zu genannten Personen wurden ergänzt, um eine historische und ideologische Orientierung zu ermöglichen.


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Ein Gedanke zu “Das Spektakel des Grünen Kapitalismus: Von Märkten und CO²-Märkten”

  1. Im zweiten Abschnitt habe ich an Naturvölker gedacht. Haben die nicht auch gedacht, dass sie ewig so weiterleben könnten? Im Einklang mit der Natur? Ein Art Gemeinwohlökonomie? Dann wurden sie von der „Zivilisation“ entdeckt – werden jetzt mit in den Abgrund gezogen. Bei Kapitalismus denke ich immer an Sozialismus, starke Lenkung durch den Staat oder die Partei. Ach hätten wir doch noch die schöne, alte soziale Markwirtwirtschaft, wo ein Kartellamt gewacht hat, dass keinen Fusionen stattfinden, keine Subventionen, keine Embargos. In der Geschichte der Menschheit gibt es Weichen. Vielleicht haben wir nur die falsche Richtung eingeschlagen? Es wurde immer schneller – und das fanden wir schön – weil es bergab ging. Ist Abkopplung von der Natur, sich nicht mehr als Teil der Natur sehen, nur dem Kapitalus inhärent?

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