Ökologischer Faschismus


„Wir haben unsere Umwelt derart radikal umgestaltet, dass wir nun uns selbst umgestalten müssen, um in dieser neuen Umwelt zu existieren.“ – Norbert Werner (1894-1964)*

Andere Welten sind möglich, nur dass einige noch schlechter sind.

Faschismus ist der logische Fluchtweg des Kapitalismus aus der Krise. Der Zyklus der Krise, die zum Faschismus führen kann, sieht wie folgt aus: Die innere Dynamik des Kapitalismus, basierend auf eigennützigen Interessen und Profit, kann die Krise der Überakkumulation nicht überwinden; einzig eine massive Revolution der Produktionsweise und der sozialen Beziehungen weist einen Weg hinaus. Die exakt gleichen Bedingungen, die eine Revolution gegen den Kapitalismus hervorbringen können, rufen seine Verwandlung in den Faschismus hervor.

Faschismus ist das Modernisierungsprojekt des Kapitalismus in der Krise. Wir sollten nicht vergessen, dass es Hitler war, der im spät gegründeten deutschen Nationalstaat – der im Hinblick auf Modernisierung über Jahrhunderte hinter dem Rest Europas hinterherhinkte – Autobahnen baute, Fabriken und sogar die Schrift modernisierte. Der Nationalsozialismus tat, was die Bourgeoisie mit ihrem eigenen Apparat unfähig war zu tun, namentlich die sich am meisten widerstrebenden Gesellschaftsformen zu beherrschen und sie in einer neuen Einheit zu organisieren.

Wie Politiker heute versprachen die Faschisten zynischerweise allen alles, selbst wenn dies Widersprüche mit sich brachte: So fand der Faschismus letztlich Resonanz in der Bevölkerung und führte sie mit dem Arsch voran im langfristigen Interesse des Kapitalismus.

Als Antwort auf den Klimawandel wird so gut wie sicher eine neue Art Faschismus aufkommen, entweder, da der Kapitalismus darin scheitert, sich selbst in einen grünen Kapitalismus zu reformieren, oder, was wahrscheinlicher ist, weil die Unterschiede von Faschismus und Kapitalismus verschwimmen. Die rechten Eiferer haben ein Körnchen Wahrheit gefunden, wenn sie erklären, dass sie die neue „grüne“ Regierung nicht leiden können, die sie davon abhalten wird, Feuer auf ihrem eigenen Hinterhof zu machen.

Wenn man davon ausgeht, dass CO²-Märkte die CO²-Emissionen nur noch steigern werden, würde die vorgebliche Lösung des Problems Klimawandel in Form einer strikten CO²-Reduzierung nicht weniger erfordern als einen autoritären Staat mit Kontrolle über alle Facetten des Lebens. Im Namen der „Rettung des Planeten“ werden wir uns selbst unterwerfen, um uns der neuen Kollektivität des Staates in Form des Öko-Faschismus anzuschließen.

Der Öko-Faschismus ist eine Warnung, und da er nur eine kommende Bewegung ist, können wir gegenwärtig keine perfekte Beschreibung anbieten, sondern nur eine Skizze seiner Keime.

Die Anzeichen sprechen für sich. George Monbiot, einflussreicher britischer Journalist, sagte seinen ergebenen Fans, dass wir, um die globale Erwärmung zu stoppen, für selbstauferlegte Sparsamkeit auf der Straße kämpfen müssen. Niemals zuvor trat die neue Form des Öko-Faschismus klarer zutage. Faschismus besteht im Kopieren revolutionärer Organisierung durch die Konter-Revolution und der Öko-Faschismus wird darin keine Ausnahme machen.

In den 1930ern adaptierten die Nationalsozialisten die Techniken des revolutionären Kommunismus wie die Massenversammlung, den Straßenkampf sowie das Verlangen nach Kollektivität. Die Methodologie des Kommunismus wurde pervertiert, weg von seinen Zielen einer neuen Internationale zum Dienst an Volk und Land. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass der Öko-Faschismus sich darin unterscheiden wird, auch wenn die Quelle seiner neuen Organisationsform der Anarchismus, nicht der Kommunismus sein wird.

Als vordergründiges Beispiel kann genannt werden, dass die Faschisten in Deutschland und Bulgarien die Kleidung und selbst die Taktiken des anarchistischen Schwarzen Blocks übernommen haben. Wichtiger ist jedoch ein weniger oberflächliches Beispiel: Anarchistische Subkulturen bildeten die Avantgarde im Übernehmen der vollen persönlichen Verantwortung für persönlichen Konsum, dafür, sich selbst zu „strafen“ für das Trinken von Coca Cola, das Essen von Fleisch, den Gebrauch der „falschen“ Worte. Es ist daher kein Wunder, dass einige der anarchistischen Subkulturen die ersten waren, die dem Spektakel der Selbstverwaltung im Namen der „Rettung der Umwelt“ zum Opfer fielen.

Der individualistische Moralismus des Anarchismus kann leicht zu Öko-Faschismus transformiert werden, während die wesentlichen ethischen Fragen weiter ignoriert werden. Diese Methoden der Selbst-Kontrolle, nun rigide erzwungen als Sparmaßnahmen, werden die erste Phase des Öko-Faschismus sein, und dieser Moralismus wird jede Repression gegen die soziale Revolution rechtfertigen.

Das Markieren derjenigen, die zu viel konsumieren, derer, die nicht wirklich glauben, derer, die ihre CO²-Kredite überziehen, derer die erzwungenen Sparmaßnahmen die Stirn bieten, kombiniert mit der Bespitzelung der Nachbarn, militarisierten Grenzen, Lagern für Klimaflüchtlinge… dies ist der Albtraum der Anfänge des Öko-Faschismus. Monbiot und der Rest der planetaren Bourgeoisie sollten sich in ihren hübschen Ökodörfern zuprosten – mit einem Glas selbst angebauten Wein aus Cornwall, – da nichts von alledem ihre ach so perfekte grüne Zone stören wird. Ihre Rekuperation des Anarchismus ist fast schon zu perfekt.


Einführung in die Apocalypse Cover

Der Kapitalismus fragmentiert unser Leben in tausend kleine Stückchen, der Faschismus bietet an, unser Leben in einer neuen Art Kollektivität wieder zusammenzufügen.

Der Faschismus macht uns das Angebot, es uns zu überlassen, uns als Individuen für das angebliche Allgemeinwohl der Art, der Gruppe, der Nation, selbst abzuschaffen… In Wirklichkeit jedoch versklavt er uns lediglich unter die Herrschaft einer kleinen Clique, eines Führers, eines Propheten. Aus der weitverbreiteten Angst, die jede Krise verursacht, zieht der Faschismus seinen Vorteil aus dem Verlangen der Menschen zu überleben, indem er ihnen anbietet, sie zu beherrschen, um ihr Überleben zu sichern.

Wie kommt es, dass wir nach unserer eigenen Beherrschung verlangen? Angst und (in der Krise) die Anziehungskraft der Macht. Es gibt etwas befremdlich wohliges, gar erotisches, in der Unterwerfung des eigenen Selbst unter ein Kollektiv.

Anders als der Anarchismus der Kollektivität auf Grundlage von Assoziation und gegenseitiger Hilfe freier Individuen kreiert, gründet der Faschismus diese neue kollektive Form des Lebens auf der abstrakten Herrschaft eines einzelnen Individuums: Daher der Hang des Faschismus für Figuren wie Hitler oder Mussolini; die gleiche Dynamik trifft auf Stalin und Pol Pot zu.

Nicht dazu geneigt, die grundlegenden sozialen Herrschaftsbeziehungen zu verändern, weist der Faschismus konkreten Gruppen von Individuen die Schuld zu. So personifizieren die Öko-Faschisten den Kapitalismus in bestimmten Individuen oder ethnischen Gruppen: Die Vision der Verschwörungstheoretiker von jüdischen Bankiers gibt die perfekte Vorlage ab. Unglücklicherweise wird dieses „Bilder-Denken“ im völligen Zusammenbruch des sozialen Lebens durch das Spektakel nur allzu leicht verstanden. In Abwesenheit wirklicher sozialer Beziehungen wird die Loyalität auf das Bild der Nation, der Rasse, des Gemeinwohls, des Reinen projiziert.

In dieser neuen Ära schwindender Ressourcen werden Immigranten vermutlich die erste ethnische Gruppe sein, die darunter zu leiden hat. Wer außer uns Chinesen sollte ihnen zeigen, wie die Bodenschätze ihres Landes abzubauen sind! Kauft bei Amerikanern! Die Tragödie ist, dass solche Aufrufe mit jedem Tag mehr Resonanz finden, da die jeweiligen Fraktionen des globalen Kapitals diese Fiktionalisierungen nutzen, um ihre einheimischen Bevölkerungen zu manipulieren, weil sie selbst um die künftige Kontrolle des Planeten kämpfen und diese zugleich koordinieren. Nach dem Tod Gottes ist Faschismus das Opium des Volkes, zumindest im Westen.

Das trommelnde Herz des Faschismus war immer schon die Ökologie

Der Traum einer grünen und fruchtbaren agrarischen Welt, ein Traum, der vom Kommunismus idiotischerweise verworfen und bis vor wenigen Jahrzehnten nur vom Anarchismus am Leben gehalten wurde, wird als gegebene Verbindung von Blut und Boden gesetzt. Sie befriedigt das Bedürfnis des Öko-Faschismus nach einer historischen und transzendenten Essenz, auf der er seine abstrakte Einigkeit gründen kann: Die Beziehung zwischen Land und Leuten.

Ökologie wurde von ihrem Gründer Ernst Haeckel definiert als „die totale Wissenschaft von den Verbindungen der Organismen zur umgebenden externen Welt“. In einer Fehlinterpretation Darwins glaubte Haeckel, dass nur die Stärksten – seien dies nun Individuen oder Nationen – überleben würden, da er annahm, dass die gleichen „Gesetze“ für die natürliche Welt wie für das soziale Leben Gültigkeit besäßen, kurz: Sozialdarwinismus. Und so wurde Haeckel zu einem Befürworter der rassischen Reinheit und trat der Thule-Gesellschaft bei, eine jener Geheimgesellschaften, die Vorreiter der faschistischen Ideologie waren.

Hitler errichtete auf der Doktrin der Thule-Gesellschaft das ideologische Fundament des Nationalsozialismus. Der Nazismus sei „politisch angewendete Biologie“, um die Menschheit wieder in Harmonie mit der Umwelt zu bringen. Indem sie ein reines ökologisches Ideal der großstädtischen Anomie des Kapitals gegenüberstellten, waren die Faschisten die ersten, die Ökologie und Politik wirksam miteinander verschmolzen. Die Verbindung zwischen Volk und Land musste erneuert und bereinigt werden, und in diesem Kontext bedeutete das die Ermordung derer, die außerhalb der faschistischen Kollektivität standen.

Dieses Denken würde sich nur allzu leicht in die Grenzregime fügen, die rund um die Welt errichtet wurden. Aber Leute wie Kaarlo P. Linkola, der sich gegen den Kapitalismus der freien Märkte und unbegrenztes Wachstum ausspricht, träumt sogar von noch beunruhigenderen Zukunftsszenarios. In seinem preisgekrönten Buch „Könnte das Leben siegen“ gibt er dem Glauben Ausdruck, dass die Menschheit, um die Biokrise zu überleben, aus der Stadt in die landwirtschaftliche Produktion gezwungen werden müsse, Bäume müssten gepflanzt, alle Flugzeuge zu Boden gebracht und die Bautätigkeit gestoppt werden. Während diese Dinge so schrecklich nicht zu sein scheinen, tatsächlich sogar notwendige Schritte zu einer Welt ohne Kapitalismus,… fügt Linkola ohne Luft zu holen hinzu, dass Kinder, die für untauglich gehalten werden, getötet werden sollten.

Faschismus ist die technophile Ideologie der Apokalypse

Die Vision einer grünen und harmonischen Zukunft, die als Kern des Faschismus dient, wird stets in einer entfernten und niemals wirklich anbrechenden Zukunft realisiert werden, alle technologische Macht jedoch, die unter dem Kapitalismus entwickelt wurde, soll unmittelbar jetzt zum Einsatz kommen, wie viel Leben es auch koste.

Der Faschismus ist insofern apokalyptisch, als er die gegenwärtige Welt im Hier und Jetzt zerstören muss, um ihren perfekten Zustand in einer unendlich aufgeschobenen Zukunft wiederherzustellen. Dies erklärt seine scheinbare Schizophrenie, den Kontrast zwischen den Schloten von Auschwitz und den Anordnungen, überall in Nazi-Deutschland mit biologischem Anbau zu beginnen [1]. Tatsächlich verbindet eine grundlegende Logik die perfektionistische Ökologie der Nationalsozialisten mit ihren Bestrebungen, wie jeder produktive Landwirt das zu beseitigen, was sie als Abfall ansahen.

Da die Apokalypse in der Zukunft liegt, können in der Gegenwart alle technologischen Methoden eingesetzt werden, um das tausendjährige Reich eines neuen Himmels auf einer neuen Erde herbeizuführen. Anders als jene Puristen, für die Mittel und Wege vereinbar sein müssen, sind Öko-Faschisten nur zu gern bereit, Massenbewegung und Hochtechnologie zur Verwirklichung ihres Zustands ursprünglicher Werte zu nutzen. In der Ära globalen Klimawandels wird diese Kombination sogar noch verlockender, denn Öko-FaschistInnen werden sich die Technologieverliebtheit des Kapitalismus zunutze machen und der Öko-Faschismus ist nur allzu bereit, jede nur denkbare Technologie zu nutzen, um das Überleben von Volk und Land zu sichern.

Mehr als der traditionelle Kapitalismus werden Öko-FaschistInnen dazu fähig sein, eine Alternative zum aktuellen Kapitalismus vorzulegen, die persönliches Überleben an das Versprechen bindet, das Öko-System mittels Technologie zu erneuern. Selbstverständlich wird die tatsächliche Wiederherstellung immer wieder hinausgeschoben und jede Grausamkeit mit der kommenden Apokalypse gerechtfertigt werden. Und da sie entschlossen sind, die Maschinerie von Ressourcenausbeutung und Kapitalismus ohne Profit am Laufen zu halten, gibt es keinen Zweifel daran, dass der Öko-Faschismus ebenso schnell zur Zerstörung des Planeten führen wird, wenn nicht schneller, wie ein Grüner Kapitalismus, der nur auf seine eigenen Instrumente zurückgreift.

Trotz der vergessenen faschistischen Wurzeln der Ökologie wird der Öko-Faschismus kein Faschismus sein, den wir erkennen, nicht der antiquarische Faschismus der Hakenkreuze, der nach dem Rauch von Auschwitz stinkt. Es wird ein weitaus düsterer und subtilerer Faschismus sein.

Der kommende Faschismus wird nicht mal den Begriff „Faschismus“ benutzen, und er wird nicht einmal notwendig nationalistisch sein, wenngleich dies der Fall sein kann. Es gibt ein verbreitetes Missverständnis über den Faschismus, namentlich, dass es dem Faschismus nur um „Entmischung“ und „Reinerhaltung“ von Rasse und Nation geht. Die Ermordung des „volksfremden Elements“ der nicht-integrierten Roma passt allzu gut in die Gussform des klassischen Rassismus, aber mit der Vernichtung selbst der vollkommen integrierten sechs Millionen europäischen Juden im Holocaust geschah noch etwas darüber hinaus.

Dass der Faschismus nur einen Extremfall von Rassismus und Nationalismus darstellt, ist ein Mythos. Die Realität ist sehr viel komplizierter. Die Selektion der Juden und Roma für die Vernichtung war nur der Anfang. Wenn wir die Selektion von Kommunisten, Anarchisten, Queers, Behinderten und Kriegsgefangenen dazuzählen, steigt die Zahl der Opfer des Holocaust um mehr als das Doppelte.

Die wahre Natur des Faschismus offenbart sich in einem letzten Gesetz – dem „Gemeinschaftsfremdengesetz„, – das, von Hitler im Januar 1945 vorgelegt, nicht mehr zur Umsetzung kam. Dieses Gesetz hätte dafür gesorgt, dass die Selektion, die mit dem Holocaust begonnen wurde, niemals zu einem Ende kommt. Als nächstes sollten die Schwachen, die moralisch zügellosen, die unzulänglichen Teile der faschistischen Gesellschaft… sie alle sollten getötet werden. Diese Selektion würde alle betreffen, deren Verhalten sich nicht perfekt genug an die Vision der perfekten faschistischen Gesellschaft anpasste, eine Selektion, die immer stringenter immer weiter gegangen wäre und sich unendlich in die Zukunft erstreckt hätte.

Als „Gemeinschaftsfremde“ wurden in diesem Gesetz diejenigen klassifiziert, „die nach ihrer Persönlichkeit und Lebensführung, insbesondere infolge von außergewöhnlichen Defekten des Intellekts oder des Charakters erkennen lassen, daß sie nicht imstande sind, aus eigener Kraft den Mindestanforderungen der Volksgemeinschaft zu genügen“, sowie jene, „die bald als Tunichtgute oder Schmarotzer ein nichtsnutzes, unwirtschaftliches oder ungeordnetes Leben führen und damit andere oder die Allgemeinheit belasten oder gefährden, bald als Taugenichtse einen Hang zum Betteln oder Landstreichen, zu Arbeitsbummelei, Diebereien, Betrügereien oder anderen kleinen Straftaten an den Tag legen“.

Schließlich auch die, „die aus Unverträglichkeit oder Streitlust den Frieden anderer oder der Allgemeinheit wiederholt stören“. Wie die gigantischen Datenbanken von heute, begann die Diktatur der Nazis mit einer „Volkszählung“ genannten Erfassung der Individuen, riesige Datensammlungen wurden angelegt. Parallel wurde von allen erwartet, sich selbst zu verwalten und daran zu arbeiten, zu völlig reinen und vorbildlichen Bürgern zu werden; oder beim Versuch, dieses Ideal zu erreichen draufzugehen.

Es ist auf gewisse Art beunruhigend, die grünen Kapitalisten immer mehr davon reden zu hören, diejenigen zu „bestrafen“, die mehr CO² freisetzen als erlaubt. Die Logik des Faschismus ist die Logik der „Perfektionierung“ des Menschen, um so eine „harmonische und ökologische“ Gemeinschaft zu bauen. Dass der Staat bald dazu in der Lage sein wird, die ökologische Tugend seiner Bürger zu messen, könnte nur ein erster Schritt sein. Der kommende Öko-Faschismus wird die Möglichkeit bieten, ein Projekt abzuschließen, das die Faschisten mit dem Gemeinschaftsfremdengesetz auf den Weg brachten und nicht mehr beenden konnten: die komplette Rekonstruktion des Menschen im Interesse des Kapitals durch die unselige Allianz von Ökologie und Kybernetik.


Anmerkungen

[1] Hier irren die GenossInnen oder messen einer Anordnung zu viel Gewicht bei. Autarkie und die Steigerung der Produktivität standen von Beginn an im Zentrum der NS-Agrarpolitik, weshalb vielmehr die massive Verwendung von Dünger forciert wurde. Es finden sich aber zuhauf andere Beispiele, diesen scheinbaren Widerspruch zu belegen, nicht nur im Reichsnaturschutzgesetz. So verkündete etwa Reichsforstmeister und Oberster Beauftragter für den Naturschutz Hermann Göring 1934 die „unerträgliche Folter“ der Tiere müsse ein Ende haben. Er drohte, alle in ein Konzentrationslager zu schicken, die immer noch glauben, Tiere behandeln zu können, wie es ihnen beliebt.


Personenverzeichnis

(A) George Joshua Richard Monbiot (Jahrgang 1963) ist ein Journalist, Autor, Universitätsdozent, Umweltschützer und politischer Aktivist. Seine Kolumne erscheint wöchentlich in der britischen Zeitung The Guardian.

(B) Ernst Heinrich Philipp August Haeckel (1834 bis 1919) war Mediziner, Zoologe, Philosoph, Zeichner und Freidenker. Ab den 1860er Jahren baute er die Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre aus und trug durch seine Schriften und Vorträge zur Verbreitung des Darwinismus in Deutschland bei. Diesen wollte er im Schulunterricht eingegliedert sehen. Im Rahmen seiner Auseinandersetzungen mit der Übertragbarkeit rassischer Kategorien auf die gesellschaftliche Entwicklung des Menschen zählt Haeckel zu den Vertretern einer „eugenischen“ Sozialpolitik. Aufgrund seiner Überlegungen zur „künstlichen Züchtung“ des Menschen in modernen Gesellschaften gilt er als Wegbereiter der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland.

(C) Kaarlo Pentti Linkola (1932 bis 2020) war ein radikaler Umweltschützer, Tiefenökologe, Ornithologe, Autor und Fischer. Ausgangspunkt und zentrales Thema von Linkolas Denken war die menschengemachte Bedrohung der Ökosphäre und die Notwendigkeit ihrer Rettung. Dabei machte er als wesentliche Faktoren die Bevölkerungsexplosion sowie die von der technischen Entwicklung und dem Kapitalismus geprägte Konsumgesellschaft mit ihrem stetig steigenden Naturverbrauch aus. Den Menschen sah er zunehmend nur noch als homo destructivus, als Zerstörer von Natur und Leben. Daraus folgerte er, dass die Welt nur noch zu retten sei, wenn die Menschheit sich den von der Natur gegebenen Begrenzungen anpasse und auf ihre „ökologische Nische“ zurückziehe. Dazu sei eine massive Reduzierung der Weltbevölkerung und die Abkehr vom Lebensstil der westlichen Überflussgesellschaft notwendig.


Redaktioneller Hinweis: Der Text „Einführung in die Apokalypse“, der sich in die Teile Die Apokalypse ist da, „Das Spektakel des Grünen Kapitalismus“ und „Ökologischer Faschismus“ gliedert, wurde von einem anonymen Autor verfasst. Er erschien 2009 in der Broschüre „Dealing with distractions“ der COP15zinecrew. Die Broschüre wurde vom Translationcollective übersetzt und ist als PDF im Netz verfügbar auf https://translationcollective.files.wordpress.com/2010/11/apokalypse-neu.pdf (abgerufen am 2.1.2022). Der Beitrag „Ökologischer Faschismus“ wurde am 8. September 2016 von der Anarchistischen Bibliothek übernommen von der Webseite https://translationcollective.wordpress.com/2010/11/03/einfuhrung-in-die-apokalypse und archiviert. Neue Debatte hat den Text „Ökologischer Faschismus“ übernommen, um eine kritische Diskussion aus anarchistischer Sicht über die Zukunft der technisierten und vernetzten Gesellschaft anzuregen. Einzelne Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben. Hinweise zu genannten Personen wurden ergänzt, um eine historische und ideologische Orientierung zu ermöglichen.

* Das einleitende Zitat wird im Originaltext einem Norbert Werner zugeschrieben, es dürfte sich allerdings um den Mathematiker und Philosophen Norbert Wiener (1894-1964) handeln.


Ein ruhender Mensch auf einem weißen Bett. (Foto: Ahmet Ali Agir, Unsplash.com)

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Ein Gedanke zu “Ökologischer Faschismus”

  1. Uns Menschen ist vieles möglich,

    wir besitzen Hände zum Arbeiten und zum Streicheln. Wir können unseren in uns wirkenden Gefühlen und unseren erworbenen Wahrnehmungen und Kenntnissen sowie unserer Geschicklichkeit gewahr werden. Wir können Erkanntes durchdenken und verstehen, unsere Gedanken austauschen und gemeinsam etwas unternehmen. Wir können verändernd wirken.
    Wir Menschen müssen vernehmen, verbrauchen und verändern. Wir können bezweifeln und begreifen, begehren und benutzen, beenden und bewahren. Jeder Mensch kann und muss essen, trinken und atmen und wir wachsen und entwickeln uns zeitlebens. Im gesellschaftlichen Für- und Miteinander streben wir nach Anerkennung, spielen um unser Glück und sind neugierig auf das erleben des nächsten Tages.
    Wir alle können mittels unseren Sinnesorganen Kontakt zur Umwelt aufnehmen. Mit unseren Mitmenschen können wir ins Gespräch kommen und wir können im Zusammenwirken kreativ schaffend für uns sorgen. Wir Menschen können mit unseren Vorurteilen bewusst umgehen und müssen aber auf dem Weg durchs Leben lernen, wo die akzeptablen Grenzen des tolerieren anders denkender, fühlender und handelnder Menschen liegen.
    Die Menschheit kann und muss sich, um überleben zu können, als unbedingt notwendigen Teil eines sich entwickelnden Weltganzen begreifen. Wir können alles für unser Dasein notwendige und alles dafür mögliche tun, um unser Leben selbst gestalten zu können. Dazu brauchen wir eine gerechte und kreativ gestaltete Grundordnung, die es allen ermöglicht am gesellschaftlichen Miteinander teilnehmen zu können.

    Wirtschaft, Politik und Kultur sind die Dimensionen menschlichen Wirkens, die unser Dasein ermöglichen, denn

    – leben ist ein Vorgang, der nur gegenwärtig geschieht. Das gestern Lebendige kann heute noch sein, aber nicht so, wie es war. Und es wird sich auch künftig immer aufs Neue verändern.
    – um existieren zu können, muss sich alles Seiende bewegen. Eingebunden in das universelle Weltgeschehen entfaltet sich das menschliche Leben.
    – der Mensch an sich musste zunächst vom nur natürlichen zum heutigen auch psychosozialen Wesen einen langen Weg der Entwicklung gehen. Auf diesem Weg motivierten ihn zunächst urwüchsige Triebkräfte, die sowohl erhebend als auch zerstörend wirken und zum bewahren oder zum beenden des Wirklichen führen können.
    – von Menschen nicht bewusst genutzte Ökosysteme passen sich spontan an die sie bestimmenden äußeren Bedingungen im Rahmen der sie bewirkenden und durch sie selbst mitverursachten Auf- und Abbauprozesse an und bewegen sich erhebend, verkomplizierend und ihre Existenz bewahrend, solange es eben die vorhandenen äußeren und inneren Bedingungen zulassen.
    – alle Menschen müssen sich sowohl in die ökologischen Kreisläufe der Natur zwischen Produzenten, Konsumenten und Reduzenten, als auch in die ökonomischen Kreisläufe der menschlichen Gesellschaft zwischen Produktion, Distribution, Zirkulation, Konsumtion und Regeneration integrieren.
    – erst das zu Bewusstsein befähigte und zu Kreativität begabte Wesen Mensch kann die Spontaneität natürlicher Entwicklungslinien in der Kultur seines Willens aufheben und sich mit harmonisch verlaufenden Wirtschaftskreisläufen in das Ökosystem Erde bewusst und zielorientiert eingliedern.
    – das zum sprechen, denken und arbeiten begabte Wesen Mensch erhob sich aus dem Tierreich und konnte sich immer besser die Natur nutzbar machen. Aber wir müssen uns auch ständig zerstörerischen Kräften erwehren. Das gelingt uns nur im zwischenmenschlichen Miteinander.
    – wir Menschen sind auch in unserer Wirklichkeit immer wieder mit Konflikten konfrontiert und müssen darum auch immer nach Kompromissen und Konsensen suchen. Unser gesellschaftliches Leben vollzieht sich im ständigen Lösen des Widerspruchs zwischen Integration und Emanzipation der zusammenwirkenden konkret Einzelnen.
    – erst der selbstbewusste Mensch kann sich zielorientiert für eine Bewegungsrichtung entscheiden und dementsprechend seine Wirklichkeit gestalten. So wird es uns möglich, urwüchsige Natürlichkeit in bewusst gestalteter Kultur vervollkommnen zu können.
    – das Handeln der Menschen dynamisiert die Bewegungen der Natur, ihres Lebendig-Seins und ihres Denkens erheblich. Dazu müssen wir alle immer wieder das jeweilig Notwendige ergründen und das dementsprechende Mögliche suchen.
    – es sind die Fragen des Alltags, die uns auf der Suche nach Antworten und Lösungswegen zum Handeln motivieren und die uns zu konkreten Taten schreiten lassen. Darum muss das menschliche Handeln organisiert, koordiniert und zielbewusst gesteuert werden.

    Das macht gemeinsames Denken und Handeln der Menschheit notwendig. Wenn wir Menschen unserem Dasein einen Sinn geben wollen, wenn wir das Wesentliche unseres Lebend-Sein entdeckt haben und wenn wir unseren Weg durchs Leben selbst finden und gestalten wollen, muss jede und jeder von uns in sich schauen, damit wir uns selbst begreifen und wir alle müssen um uns schauen, um unseren Platz in der Gesellschaft zu finden und letztendlich müssen wir über uns schauen, um zu erkennen, dass wir ein Teil eines großen Ganzen sind.

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