Nichts wird kontrolliert: Bio-Sicherheit in Argentinien

Weder in Argentinien noch sonst nirgendwo auf der Welt wird die Virenforschung von einer internationalen Behörde kontrolliert. Dabei fordern Fachleute schon lange, die höchst gefährliche Gain-of-function-Forschung unter Aufsicht zu stellen.

Für die Journalistin Gaby Weber ist dieser Zustand unhaltbar. „Ich bin empört, mit welcher Scheinheiligkeit über Big Pharma diskutiert wird und wie sie als die ‚Guten‘ dargestellt werden.“

Ihre neue Reportage „Nichts wird kontrolliert: Bio-Sicherheit in Argentinien“ dreht sich um den Umgang der Pharmaindustrie und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Bio-Sicherheit auf der Südhalbkugel. Um die Diskussion mit Fakten anzureichern, hat Weber aus Archiven Zeugenaussagen, offizielle Dokumente und Gerichtsurteile zusammengetragen. Und sie bezieht sich auf konkrete Fälle.


Nichts wird kontrolliert – Bio-Sicherheit in Argentinien (Quelle: Gaby Weber/YouTube)

1986 wollte das in Philadelphia (USA) ansässige Wistar Institute einen Impfstoff gegen die Rindertollwut entwickeln. Finanziert wurde das Vorhaben von der Rockefeller-Stiftung. Bei Wistar wurde ein Pockenvirus mit einem Tollwutvirus kombiniert. Mit Unterstützung der panamerikanischen Gesundheitsorganisation PAHO, einer Unterorganisation der WHO, wurde die neue Schöpfung heimlich und ohne die argentinische Regierung zu informieren im Diplomatenkoffer auf ein Versuchsgelände in Azul im Süden der Provinz Buenos Aires verbracht.

Auf dem Versuchsgelände wurde das Pocken-Tollwut-Virus „ausprobiert“. Milchkühe wurden mit ihm in Kontakt gebracht. Die Melker, die keine Ahnung über die Absichten des Freilandversuchs hatte, und auch ihre Kinder, die die Pocken-Tollwut-Milch der Kühe tranken, wurden ungewollt Teil des Versuchs. Das Experiment war ein „Erfolg“, die Kontrolltiere und die Arbeiter hatten am Ende Anti-Körper gebildet.

Ein anderes Beispiel sind Menschenversuche des Pharmariesen GlaxoSmithKline im verarmten Nordwesten Argentiniens. Zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen Lungenentzündung wurde Babys und Kleinkinder in öffentlichen Hospitälern ohne Wissen der Eltern ein Wirkstoff gespritzt. Am Ende waren 14 Babys tot – und Big Pharma kam mit einer kleinen Geldstrafe davon. Und das ist noch nicht alles …


Informationen zur Reportage

Nichts wird kontrolliert – Biosicherheit in Argentinien

Argentinien: 2022
Sprache: Deutsch
Länge: 31 Minuten
Realisierung: Gaby Weber

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Quellen und Anmerkungen

(1) Die Pan American Health Organization (PAHO; deutsch: Panamerikanische Gesundheitsorganisation) wurde am 2. Dezember 1902 gegründet. Heute gehören ihr 35 amerikanische Staaten an. In Washington, D.C. ist die Zentrale der PAHO die mehrere Forschungseinrichtungen und über zwei Dutzend Landesbüros unterhält.


Foto und Video: Gaby Weber

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