„Nicht zum Frieden, man muss zum Krieg planvoll erziehen“

Im März 2014, am Weltfrauentag, organisierte die Neue Gesellschaft für Psychologie an der Freien Universität Berlin ein Symposium zum Thema „Krieg und Frieden“. Die Veranstaltung, die unter dem Eindruck des Bürgerkriegs in Syrien, der Anomie in Libyen nach dem Sturz und der Ermordung von Muammar al-Gaddafi, dem anhaltenden Krieg in Afghanistan und primär der Maidan Revolution in der Ukraine und dem bewaffneten Konflikt auf der Halbinsel Krim stand, trug den Titel „Trommeln für den Krieg“.

Doch wo werden die Trommeln geschlagen? In den Medien, in der Politik und auch dort, wo die Bereitschaft zum Frieden begründet werden sollte: in Erziehung und Bildung. Dies geschieht nicht zufällig, sondern folgt einer Logik. Der Sozialpsychologe Peter Brückner fasste sie 1967 in einem Satz zusammen:

„Nicht zum Frieden, man muss zum Krieg planvoll erziehen“.

Das Zitat diente Klaus-Jürgen Bruder als Überschrift für seinen Beitrag, der Teil des Symposiums war, aber nie veröffentlicht wurde. Jetzt, wo sich die planvolle Erziehung der Bevölkerung zum Krieg manifestiert, ist der Zeitpunkt gekommen, dies nachzuholen. Das Essay ist eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Erziehung zum Krieg, aber auch eine Art Aufruf, sich gegen die verordnete gesamtgesellschaftliche Bewusstlosigkeit zu erheben, deren einziger Sinn und Zweck der Krieg ist.

„Nicht zum Frieden, man muss zum Krieg planvoll erziehen“

Die Ereignisse überschlagen sich in den letzten Wochen: Der „Diktator“ wird von den Massen weggespült. Paramilitärische Banden „schützen“ die „Demokratie“, indem sie die Verfassung außer Kraft setzen und das Parlament in Geiselhaft nehmen, sie brandschatzen und Morden. (1) Die „westliche Welt“, die den Brandstifter für dieses Inferno gespielt hatte, fühlt sich um den Genuss ihres Erfolgs betrogen und beschuldigt die herbeigeeilte Feuerwehr dessen, was sie für ihr Recht betrachtet:

  • „Völkerrechtsbruch“,
  • „Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates“.

Für uns, für die staunende Bevölkerung, die dem Geschehen zwangsweise per TV beiwohnen muss, wird die Inszenierung des Stückes vorgeführt: „Wir wollen keinen Krieg, wir wollen sicherstellen, das das Volk selbst entscheidet, in Freiheit und Demokratie“.

Niemand will Krieg!

Zumindest unsere Regierung nicht. Die will doch nur: „Freie Handelswege, freien Zugang zu Bodenschätzen, freie Vertriebswege und freie Märkte. Die will doch nur eine ‚gesicherte Rohstoffversorgung‘! Und das nicht für sich, nein, für die Zukunft Deutschlands und Europas, für diese sind sie „von vitaler Bedeutung“. „Störungen der Transportwege und der Rohstoff- und Warenströme (…) stellen [deshalb] eine Gefährdung für Sicherheit und Wohlstand dar“ – hat sie in den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ von 2011 festgeschrieben. (2)

Und andere sind schon längst dabei: „Die Erschließung, Sicherung von und Zugang zu Bodenschätzen, Vertriebswegen und Märkten werden weltweit neu geordnet“. Und deshalb müssen sie sich auf Kriege vorbereiten – ob sie wollen oder nicht. Und damit auch uns, die Bevölkerung.

Darüber wollen wir die Diskussion anfangen:

  • über die Vorbereitung der Bevölkerung, auf die neuen Kriegspläne der EU oder besser des deutschen Kapitals,
  • über die Formierung des Bewusstseins, die psychologische Kriegsführung, um die Sache beim Namen zu nennen, und
  • über die Rolle der Psychologie und der Psychologen dabei,

mit dem Ziel, diese Diskussion in die Psychologie und zu den Psychologen zu tragen.

Dass wir dafür den 8. März gewählt haben, war – das können wir als Experten für solche Zusammenhänge sagen – (eher) unbewusst: die Frauenbewegung war immer schon viel entschiedener gegen den Krieg. Vielleicht wollten wir uns von dorther Unterstützung holen. Denn die Experten für das Unbewusste stehen in ihrer Mehrzahl dieser Diskussion noch ziemlich fern, obwohl es sich bei der psychologischen Kriegsführung um ein eminent psychologisches Unternehmen handelt – so sollte man doch meinen.

Die wenigsten Psychologen arbeiten direkt und explizit in diesem Feld (aber wahrscheinlich mehr Marketing-Leute – neben Militärs – und Lobbyisten aller am Krieg profitierenden Verbände und Unternehmen).

Indirekt aber wird ihre Arbeit immer mehr in diesen Hof hineingezogen – wie eine ‚Gemeinsame Fortbildungsveranstaltung ‚ der Bundeswehr und der Bundespsychotherapeutenkammer nächste Woche zeigt. (3) Wir sind also bereits mitten in dem „Prozess“, den wir zum Gegenstand der Analyse machen wollen.

Während das Kriegstrommeln immer lauter, immer aufdringlicher, immer unverschämter wird – die sogenannte Sicherheitskonferenz (vom 31. Januar 2014) hat noch einmal kräftig zum Paukenschlag ausgeholt –, stehen wir noch ganz am Anfang. Das drückt sich auch in der Struktur der Tagung aus: Wir fangen erst mal mit einem Symposium an, noch nicht mit einem veritablen Kongress. Den wollen wir erst mit diesem Symposium vorbereiten.

Und weil wir den Kongress erst vorbereiten wollen, haben wir auch nur wenige Referenten eingeladen, die auch nicht das gesamte Feld der psychologischen Kriegsführung oder gar Kriegsvorbereitung insgesamt abdecken sollen, sondern beispielhaft einige der zentralen Punkte, und selbst da sind wir keineswegs vollständig. Und wir haben um kurze Referate gebeten, um der Diskussion mehr Raum zu geben.

Von der Diskussion wünschen wir uns, dass sie herausschält, worum es eigentlich gehen soll, bei dieser Diskussion über psychologische Kriegsführung, die wir in die Reihen der Psychologen selbst hineintragen wollen, mit dem Ziel, dass diese sich (klarer) bewusst sind über ihre Beteiligung an der Vorbereitung auf die kommenden Kriege.

Dabei ist einerseits klar, dass diese Vorbereitung (der Bevölkerung) beinahe alle Felder des gesellschaftlichen Alltags einbezieht, auf den verschiedensten Ebenen läuft, die unterschiedlichsten Methoden benützt und Gesichtspunkte berücksichtigt. Gleichzeitig kann es hier und heute und auch im Folgenden erst einmal und in erster Linie nur um die psychologische Seite der Affäre gehen (und es muss das, weil diese Seite, diese Dimension oder dieses Register in der Diskussion kaum angemessen beachtet wird).

Um diese Seite stark zu machen, stütze ich mich auf einen Beitrag von Peter Brückner aus dem Jahre 1967, der damals bereits die psychologische Frage herausgearbeitet hatte, in einer Weise, die immer noch als vorbildlich bezeichnet werden kann. Denn er hat sie zugleich als politische Frage behandelt. Es handelt sich um den Artikel: „Ist der Mensch zum Frieden reif“. (4)

Peter Brückner hat in einer Zeit gelebt, in die er sich heute wieder zurückversetzt fühlen müsste, wenn wieder käme: Er hat die Wiederbewaffnung der BRD – so nannte man dies damals – miterlebt, und die diese Wiederbewaffnung begleitende Frage der „Erziehung zum Frieden“. Wir erleben den Wieder-Einsatz dieser Wiederbewaffnung, den man heute konsequent „Friedensmission“ nennt – das damals verborgene Ziel der Erziehung zum Frieden jener Zeit?

Aktuell erleben wir gegenwärtig noch einen anderen Zeit-Vergleich: nämlich den mit 1914. Die Frage der Schuld am Krieg (von 1914) wird wieder (einmal) aufgerollt. In dem umstrittenen Buch „Die Schlafwandler“ von Christopher Clark wird die Schuld auf die kriegführenden Mächte gleichsam gleich verteilt und wieder abgenommen, denn wie Schlafwandler seien sie in den Krieg getaumelt.

Auch das hatten wir schon früher gehört, „geschlittert“ sagte man uns damals. Aber könnte es nicht sein, dass wir uns darin erkennen können wie in einem Spiegel? Wenn die Mächte durchaus keine Schlafwandler sind, sondern sehr bewusst den Krieg planen, könnten nicht vielleicht wir gemeint sein, die von alledem nichts mitkriegen? Von den Planungen der Militaristen meine ich, die wir den Mächtigen nicht zutrauen.

Sicher wollte Clark die von Schuld freisprechen, die den Krieg gemacht haben. Aber er gehört ja nicht dazu, zu dieser Klasse, er schreibt ja nur über sie, und das macht er aus seinem Horizont und seiner Perspektive. Also schreibt er letztlich über sich, über seine eigene Klasse. (5)

Dazu passt, dass „Die Schlafwandler“ bereits der Titel einer Romantrilogie (geschrieben von Hermann Broch zwischen 1928 und 1931) über den Verfall der deutschen bürgerlichen Gesellschaft zwischen 1888 und 1918 war, mit den Figuren eines Leutnants, eines Kaufmanns, eines Buchhalters und eines Intellektuellen. Broch sagt von ihnen: „Der soziale Querschnitt, der in den drei Bänden gezogen ist, offenbart fast in allen Charakteren sich als Nazi-Nährboden.“

Zum Krieg planvoll erziehen durch „Überzeugungsarbeit“

Entgegen der Vornahme des Projekts einer „Erziehung zum Frieden“ ist Peter Brückner in seinem Aufsatz aus dem Jahr 1967 davon ausgegangen, dass man „nicht zum Frieden erziehen, sondern zum Krieg planvoll erziehen“ müsse (S. 14). Das scheint den Herren und Damen, die Krieg führen wollen, nein, die Krieg führen zu müssen vorgeben, allmählich schmerzlich bewusst zu werden.

ZEIT-Redakteur Jochen Bittner hat sich am 4. November 2013 in einem Beitrag für die New York Times über die mangelnde Kriegsbegeisterung in Deutschland beschwert: „(…) moralische Reflexe, die in Paris noch vorhanden, funktionieren in Deutschland nicht mehr“ (Ross, ZEIT), die deutsche Regierung „wird stets stärkere Überzeugungsarbeit leisten müssen, als in jedem andern Land“.

Diese „Überzeugungsarbeit“ ist die Sprachregelung für die notwendige „Erziehung zum Krieg“, von der immer häufiger die Rede ist. Die vielen Schritte: Horst Köhler, der Banker im Bundespräsidentenamt, verlor seinen Posten, weil er Krieg beim Namen nannte; der „Baron“ Karl-Theodor zu Guttenberg wurde dafür gelobt. Das Spiel, das uns vorgeführt wird: Die Presse treibt die Politik vor sich her; siehe die Schmäh, die sie über Guido Westerwelle ausgeschüttet hatte, er habe in Libyen nicht forsch genug zugepackt.

Bis hin zum Interview von Stefan Kornelius, dem Chef-Kriegsstrategen der Süddeutschen Zeitung mit Frank-Walter Steinmeier, in dem dieser den Moderaten gibt, gegenüber der Ungeduld der Presse, deren Rhythmus die Politik nicht folgen könne, obwohl er sich doch genügend klar von Westerwelles „Kultur der Zurückhaltung“ abgegrenzt hatte. Deutschland sei „zu groß, um die Weltpolitik nur zu kommentieren“, es werde „zu Recht von uns erwartet, dass wir uns einmischen“, dass sich Deutschland stärker in der Welt engagiert – „Verantwortung übernehmen“ wird das nun genannt. (6)

Und die Hauspolitologen sind mit großen Standardwerken zur Hand wie der Berliner Herfried Münkler mit dem 900-Seiten-Band „Der Große Krieg“. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte er: „Es lässt sich kaum eine verantwortliche Politik in Europa betreiben, wenn man die Vorstellung hat: Wir sind an allem schuld gewesen“ (SZ vom 18.2.2014). Und in der Frankfurter Allgemeine Zeitung machte er klar, was er damit meinte, wenn er behauptete, „dass die deutsche Führung 1914 tatsächlich keine politischen Kriegsziele hatte“ (7).

Da hat Clark ja schon ordentlich Vorarbeit geleistet: Auch er hat bestritten, dass eine Notwendigkeit bestehe, „eine Rangordnung der Staaten nach ihrem jeweiligen Anteil an der Verantwortung für den Kriegsausbruch aufzustellen“ (Ausgabe 2013, S. 715).

Aber auch Ian Morris wird gern zitiert, der Stanford-Historiker mit der These, Krieg sei als Triebfeder des Fortschritts notwendig. Den Krieg könne „keine Außenpolitik aus dem Denken verbannen“ dekretiert Steinmeier, das sei eine bloße „Empörungsrhetorik“, die sich auf eine Kritik der Zustände in der Welt reduziere, sie „führe nur zu Abschottung und Sprachlosigkeit“ (SZ vom 30.1.2014, S. 1).

Die Diffamierung der Mahner und der Gegner des „letzten Mittels“, das immer mehr zum ersten gemacht zu werden scheint, gehört zu dieser Überzeugungsarbeit genannten Erziehung. Und die Umkehrung, Verdrehung der Tatsachen.

Das jüngste Produkt dieser Reihe ist die Ausstellung „Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme“, ausgerichtet vom Münchner Institut für Zeitgeschichte, dem Deutschlandradio Kultur und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin. Die Ausstellung soll in den Foyers von Rathäusern, in Volkshochschulen, Stadtbibliotheken, Schulen oder Kirchen gezeigt werden und die Geschichte Europas des 20. Jahrhunderts als dramatische Geschichte zwischen Freiheit und Tyrannei, zwischen Demokratie und Diktatur erzählen.

Sie steht zugleich in der Tradition der sogenannten „Aufarbeitung“, die immer weiß, wo die Schuld zu suchen ist, wenn nicht bei den Eliten, dann eben und gerne bei der Bevölkerung.

So läuft nicht nur die allgemeine Verarbeitung des Nationalsozialismus, sondern bereits die der Schuld am Krieg von 1914. Am 24. Januar 2014, in der Berliner Dependance der Körber-Stiftung, soll Münkler doch tatsächlich gesagt haben, dass die deutschen politischen Akteure aus Angst vor der Bevölkerung sich für Krieg entschieden haben, sie hätten unter dem „Druck der Massen“ gestanden. Diese Massen hätten zwar noch bis in den Juli 1914 für den Frieden demonstriert, doch das sei zusehends gekippt; die Massen, die auf „Erlösung“ durch Krieg gehofft hätten, hätten die politischen Akteure unter Druck gesetzt. Diese hätten sich gefürchtet, ohne Krieg vor die Bevölkerung treten zu müssen. Es habe kein zurückgegeben. (zitiert nach Otto Köhler 2014, junge Welt, S. 10). (8)

Alfred Adler hat (1919) in dieser Frage eine glühende Streitschrift zur Verteidigung des Volkes verfasst, die ihm einen, wenn nicht gar den ersten Ehrenplatz unter den kritischen Psychoanalytikern verschafft haben müsste – wenn diese denn sich auf eine kritische Tradition im Ernst beziehen wollten.

Der Diffamierung der Kriegsgegner hat ausgerechnet der Pastor unter unseren Präsidenten höchste Staatsweihe verliehen: „Daß es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glückssüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen.“ (Bundespräsident Joachim Gauck am 12. Juni 2012 in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg; siehe: junge Welt vom 14.6.2012, S. 1). Oder war es nicht Joschka Fischer, der der verantwortungslosen Bevölkerung mit Auschwitz Mores beizubringen versucht hat?

Joachim Käppner schreibt (in der bereits genannten Sonderbeilage der Süddeutschen zur Münchner „Sicherheitskonferenz) unter der Überschrift „Der Deutschen Glück und Seligkeit“:

„Die Bundesbürger leben in einem Zustand nie gekannten Friedens … Seltsam nur, dass sich so viele Deutsche dieses historischen Glückszustandes so wenig bewusst sind und ohne Verständnis dafür, wozu man dann eigentlich noch Soldaten braucht.“ Sie „stellen keinerlei Bezug her zwischen der Militärmission in Afghanistan und der Sicherheit des eigenen Landes. Im Gegenteil, in ihrer Wahrnehmung ist der Einsatz die eigentliche Ursache für all die schlimmen Nachrichten von Anschlägen und gesteinigten Frauen. Von der beschämenden Gleichgültigkeit vielen Deutscher gegenüber den Opfern der Massaker, Massenvergewaltigungen und Vertreibungen einmal ganz abgesehen.“

Und die zynische Drohung:

„Es ist gut möglich, dass die Debatte unter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus ihren weltfremden Diskursen gerissen wird: dann nämlich, wenn sie wirklich wieder deutsche Soldaten an die Brennpunkte dieser verwundbaren Welt schickt.“

Die Überzeugungsarbeit genannte Erziehung zum Krieg muss, wie Brückner feststellt, die natürliche Menschlichkeit und Unbefangenheit erst zerstören, die der Bereitschaft zum Krieg entgegensteht. Dass es diese Bereitschaft zum Krieg nicht gibt – ohne Erziehung zum Krieg –, davon ist Peter Brückner (ganz im Unterschied zum Mainstream der Psychoanalytiker) überzeugt. Er ruft deshalb dafür auch nicht Sigmund Freud an, sondern die Figur des Bardamu aus Louis-Ferdinand Célines großem Roman über den Ersten Weltkrieg: „Reise ans andere Ende der Nacht“. Diesem Bardamu erscheint es an der Front im Ersten Weltkrieg „völlig unbegreiflich, dass er Menschen töten soll, die er gar nicht kennt und von denen er nicht gekannt wird“ (S. 12).

Erziehung im Krieg

Er muss also erst erzogen werden. Im Krieg läuft diese Erziehung sehr schnell. So wie zum Beispiel dargestellt in dem Spielfilm „Deutschland, bleiche Mutter“ von Helma Sanders und Walter Höllerer und mit der unvergleichlichen Eva Mattes als Lene. Was der Film eindrücklich vorführt: der Krieg macht den Soldaten zu „einem verletzten, wütenden, beschämten Menschen, zu einem Besiegten“, wie Jacques Tardi sagt. (9)

„Krieg sei des Menschen nicht würdig“, sagt Tardi außerdem. Das Ziel der Erziehung zum Krieg ist deshalb die Verhinderung der sozialen Reife, die per se friedlich wäre, wie Brückner sagt. Das Psychotraumatische Belastungssyndrom, für das wir Therapeuten dann zu Hilfe gerufen werden, ist tatsächlich das bloße Symptom – und macht eigentlich die Ungeheuerlichkeit deutlich, die es bedeutet, diesen Protest des beschämten Menschen mit psychotherapeutischen Mitteln zum Schweigen bringen zu wollen.

Bardamu, so Brückner, hängt an nichts so sehr, wie am eigenen Leben; wollte man ihn zum Töten erziehen, so müsst er lernen:

I. „Das Leben ist der Güter höchstes nicht“

Diese Erziehung ist vollendet; wenn der Einzelne seiner eigenen Lust, seinem eigenen Leben ganz entfremdet ist, wenn er Schlagworte verinnerlicht hat wie „Lieber tot als rot“ oder „Lieber tot als Sklave“ (S. 16). Peter Brückner beschreibt es mit den Worten: „Heranbildung eines schwachen Ich, das in einem fetischartigen Wir seine pathologische Stütze findet“.

Die wichtigste Voraussetzung bzw. Vorbereitung ist wohl die nationalistische, das Vorurteil, das eigene Vaterland, die eigenen Muttersprache seien etwas ganz besonderes; immer verbunden mit der Abwertung fremder Nationen, Kulturkreise, Sozialsysteme.

„Der eminent praktische Charakter des nationalen oder sozialen Vorurteils für die Träger von Herrschaft: es bereitet den Einzelnen zum Töten der Feinde vor, die außerhalb der eigenen Machtgrenzen leben, und es baut zugleich Dämme gegen Revolution oder Bürgerkrieg im eigenen Land.“

Insofern müssen wir alle erzogen werden: erzogen zum Töten (im Krieg) – an der Front, erzogen zur Zustimmung zum Töten / zum Krieg – hinter der Front / vor dem Krieg: „an den Anblick von ‚deutschen Gefallenen‘ gewöhnt werden“, um mit den Worten eines Bundespräsidenten zu reden.

Notwendig ist in jedem Fall:

II. die Heroisierung des Tötens,

durch die Behauptung, man müsse sterben können für das, woran man glaubt. Dazu passt die Inschrift auf dem Kriegerdenkmal von 1936 am Dammtorbahnhof Hamburg: „Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen“.

Das Wesen des soldatischen Berufs liegt darin, andere umzubringen bzw. Befehle dazu zu geben. Zugleich gehört es zum Handwerkszeug der Erzieher, sich unklar und emotional auszudrücken. Sie sagen uns, wir sollen sterben können für das, woran wir glauben, meinen aber, wir müssten töten für das, woran wir glauben, nicht etwa für das, was wir wissen.

So werden wir dazu gebracht, sich abspeisen lassen mit abstrakten, ideologischen Behauptungen und Werten, statt auf ihre Konkretisierung zu drängen.

Die Erzieher wissen: Man muss auch dafür sorgen, dass solche Abstrakta („Vaterland“) für uns realer werden als das einzig Konkrete: die vielen einzelnen Menschen, in deren Mitte wir leben, alle gleich verletzlich wie wir, leidend wie wir, sich erheiternd wie wir.

Der Mensch sei: „ein perverses Tier: er bringt es fertig, sich gegenseitig dafür abzurichten, am Besitz einer Stadt, an der Erhaltung einer Herrschaftsschicht, mehr Interesse zu entwickeln als an Leben und Tod der eigenen Kinder, Freunde, Geliebten“.

III. Die Erziehung zum Töten, setzt sich durch unser Leben hindurch ständig fort.

Über die Medien werden wir gewöhnt an die Ubiquität des Krieges wie an die Scheinrealität solcher Abstrakta wie Vaterland oder Nation, und Vorurteile gegen potenzielle Feinde werden sorgfältig gepflegt.

Um unsere kritische Wachsamkeit zusätzlich einzuschläfern, spricht man, was die strategischen Pläne der eigenen Militärs angeht, nie von Angriff, nur von (Vorwärts-) Verteidigung, von robuster Friedensintervention und nicht von Krieg, höchstens von Ernstfall. Zugleich wird der Einzelne darauf vorbereitet, unsinnige Behauptungen zu glauben, dass er zum Beispiel bereit sein müsse zu kämpfen, damit nicht seine Familie dem tödlichen Angriff einer feindlichen Macht ausgeliefert sei.

IV. Der nächste Schritt:

die planmäßige Verkleinerung oder Verharmlosung des Leidens – die Diffamierung von Lust als anstößig.

Für einen Mann sei es „feige“ zu weinen, wenn er leidet, wir werden darauf dressiert, Mut, das heißt das Bewältigen und Bestehen von Gefahren für einen Wert zuhalten – möglichst ohne Prüfung, ob man nicht Gefahren besser vermeiden könnte.

Umgekehrt darf die Erziehung zum Töten niemals zulassen, dass wir jene neue Moral entwickeln, die zur Erziehung zum Frieden unabtrennbar gehörte: die Moral, einander so viel Befriedigung zu bereiten wie möglich. (Haben wir diese Moral in den Beziehungen zu den konkreten Personen unseres Alltags? Das ist beinahe vollkommen ausgestorben; unter die Räder der Konkurrenz gekommen.)

In den Schulen: Sexualität wird schwerer geahndet als Schlagen. Keine Frage: Prügel schmerzt – meistens den Schwächeren –, sie erniedrigt. Die Schule zeigt also gegenüber der Aggressivität der Schüler die Großzügigkeit der Unterdrückung, die auf Kosten der Schwachen geht.

V. Der Weg

Man muss alle die bisher erörterten Schritte (der Erziehung zum Töten) sowohl vor der kritischen Analyse der Vernunft als auch vor dem spontanen Protest unseres Lebensgefühls schützen. Der Weg dazu: Man sorgt für den Aufbau eines Gewissens, das jedes Rütteln an den Leitwerten (Pflicht, Vaterlandsliebe, Gehorsam usw.) schon ahndet und Schuldgefühle macht.

„Aber die Prüfung, ob denn das auch rechtens sei, was die Pflicht von ihm fordert, ist nicht seine Sache, das wird von Autoritäten vorentschieden: der ‚anständige Bürger‘ hat gelernt, dass in manchen Situationen Gehorsam sein muss, aber er hat nicht gelernt, den Zustand seiner Gesellschaft, die Gehorsamsforderungen benötigt, kritisch zu befragen.“

VI. Die Zustimmung

Was Brückner aufgezählt hat, bedeutet (eigentlich), dass der zivile, ganz normale Alltag bereits Vorbereitung zum Krieg bzw. zur Bereitschaft, dem Krieg zuzustimmen ist.

Andererseits erscheint uns dieser Alltag eigentlich gar nicht so militarisiert. Und wenn wir die Ereignisse der letzten Wochen Revue passieren lassen; es war durchaus atemberaubend, wie militärisch die Menschen vorgegangen sind (die unser Fernsehen auf dem Maidan gezeigt hat), aber Steinmeier, der war ja der reinste Friedensengel. Wäre er nicht eingeschritten, hätte es noch weitere Tote gegeben.

Doch zeigte so zu denken nicht, wie weit die „natürliche Menschlichkeit und Unbefangenheit“ bereits zerstört oder zumindest eingeschüchtert, geschmäht worden ist, die von Brückner als die Voraussetzung jener sozialen Reife betrachtet wird, die er für ein Leben in Frieden als notwendig erachtet.

Dass ich die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates nicht mehr als Rechtsbruch und damit als asozial ansähe, sondern gerechtfertigt fände durch eine Opposition, bei der ich nicht mehr frage, mit welchen Mitteln und für welche Ziele kämpft sie, auf wessen Seite, von wem gefördert, ja aufgebaut und finanziert?

Stattdessen assoziierte ich „Opposition“ mit Freiheit und Demokratie (und sehenden Auges verleugnete ich die Mittel, mit denen diese Freiheit und Demokratie erkämpft zu werden behauptet wird).

Und ich verleugnete, dass diese Einmischung – lange vor Steinmeiers Auftritt – bereits mit Westerwelles Erscheinen sichtbar geworden war und spätestens mit der gezielten Rekrutierung von Vitali Klitschko und anderen durch die Adenauerstiftung (und vielleicht noch andere) begonnen hatte. Und die dadurch zu jenem Vorgehen ermutigt oder bestärkt worden waren, das Steinmeiers Eingreifen als friedensstiftend erscheinen ließ.

Wir verleugneten, dass wir von den Medien zu Lackaffen eines schamlosen Spiels gemacht worden sind, das sich hinter vorgeblicher Verantwortung versteckt (welches inzwischen immer klarere Konturen gewinnt). Sichtbar zum Beispiel im Gespräch zwischen Estlands Außenminister und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton über die Toten des Maidan (10).

„Es ist Krieg“

Der US-amerikanische Großinvestor Warren Buffett machte 2005 Furore mit der von ihm getroffenen Feststellung:

„It’s class warfare, my class is winning, but they shouldn’t be.“

„Es ist Krieg“ – gegen die Bevölkerung, könnte man übersetzen –, „Klassenkrieg“ ist Warren Buffetts Ausdruck (class warfare), und er fährt fort: „(…) meine Klasse gewinnt. Ähnlich hatte er sich bereits 2003 geäußert. (11)

„Die Deutsche Bank macht, was sie will“, war in die junge Welt am 15. Januar 2014 auf Seite 9 zu lesen. Nicht besser könnte man das Handeln der herrschenden Klasse in Deutschland auf den Begriff bringen: Die machen, was sie wollen, egal, wie schlecht es der Bevölkerung dabei geht – nicht nur die Banken, auch der Staat macht nicht, was er könnte und was er sollte, sondern auch er macht, was er will.

Und die EU? Die Europäische Union unterläuft die bestehenden Arbeitsrechte:

  • das Recht auf gerechte, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen,
  • auf gerechtes Arbeitsentgelt,
  • auf die Freiheit der gewerkschaftlichen Organisation,
  • auf Kollektivverhandlungen,
  • auf soziale Sicherheit,
  • auf die Würde am Arbeitsplatz

und zwar durch die Deregulierung der Wirtschaft und der Finanzwelt, mithilfe von Privatisierungen und internationalem Lohndumping – und in Deutschland bereits ab 2003 mittels der vier Hartz-Gesetze. „Abschaffung“ von sogenannten „Investitionshemmnissen“ nennt man das heute.

Solche Praktiken werden von EU und dem IWF (Internationaler Währungsfonds) den südeuropäischen „Krisenstaaten“ bei den „Rettungsmaßnahmen“ und „Strukturanpassungsprogrammen“ zur Auflage gemacht. Der Staat ist also nicht hilflos, er stellt sich zur Verfügung.

Dann ist da noch der Nationalsozialistische Untergrund (NSU). Auch der NSU macht, was er will und führt den Staat vor – und der lässt den NSU gewähren (12). Und auch der Staat macht, was er will, hält sich an keine Regeln und Gesetze, auch gerade dann nicht, wenn es um Kriege geht: das Kriegs-„Recht“ wird permanent gebrochen. Vom Friedensrecht ganz zu schweigen – von „Stuttgart21“ bis „Blockupy“ in Frankfurt, von Dresden bis Hamburg lassen die Polizeieinsätze an Brutalität nicht nach (und in Sachsen-Anhalt diskutiert die CDU-SPD-Regierung über „zunehmende Gewalt gegen Polizisten“).

Der Krieg gegen die Bevölkerung ist in vollem Gange

Der Krieg, er wird in den Medien vorgeführt, und dies exemplarisch, indem die (politische) Linke vorgeführt wird (siehe: Markus Lanz und Hans-Ulrich Jörges gegen Sahra Wagenknecht im ZDF am 16.1.2014). (13) Auch das ist eine Erziehung zum Krieg: Man darf Kritiker der Vorbereitung zum Krieg wieder fertigmachen in einem außergerichtlichen hochnotpeinlichen Verhör vor Zuschauern – wie im Mittelalter.

Alle Medien „mit Anspruch“ haben diesem Schauprozess Beifall geklatscht: taz, die ZEIT, die Süddeutsche, die FAZ, SPIEGEL online, der Tagesspiegel usw. (siehe: NachDenkSeiten vom 28.1.2014, Albrecht Müller). Das Gute daran war, dass sich die Zuschauer das nicht mehr gefallen lassen wollten. In einer Online-Protest-Note haben innerhalb kürzester Zeit mehr als 200.000 ihre Empörung gezeigt. Das ist besser als gar nichts …

Redaktioneller Hinweis: Das Essay von Klaus-Jürgen Bruder wurde 2014 als Wortbeitrag unter dem Titel „Nicht zum Frieden, man muss zum Krieg planvoll erziehen“, ein Zitat des Sozialpsychologen Peter Brückner (1922 bis 1982), für das Symposium „Trommeln für den Krieg“ verfasst. Das Werk wurde bisher in keinem Medium veröffentlicht. Es erscheint erstmals auf Neue Debatte. Quellen, Links und Anmerkungen wurden aktualisiert und einzelne Absätze zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben.

Quellen und Anmerkungen

(1) NachDenkSeiten (6.3.2014): Hinweise des Tages. Ukraine – Wer waren die Scharfschützen auf dem Majdan? Auf https://www.nachdenkseiten.de/?p=21000 (abgerufen am 4.9.2022).

(2) Rudolph Bauer hat 2014 darauf aufmerksam gemacht, dass diese „Richtlinien“ bereits 2007 (deutsch 2008) im sogenannten „Venusberg-Bericht“, der 1999 auf Initiative des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP) bzw. der von der Bertelsmann Stiftung gegründeten „Venusberg-Gruppe“ – bestehend aus 13 „hochrangigen“ Politikern und Wissenschaftlern aus EU-Staaten – unter dem Titel „Leitlinien für die europäische Sicherheitspolitik im Zeitalter der Globalisierung“ vorlagen. Siehe: Wir befinden uns mitten im Krieg – Militarisierung im Digitalen Zeitalter (Bremer Friedensforum, Rudolph Bauer, Bremen 2014). Als PDF verfügbar auf https://www.bremerfriedensforum.de/pdf/Militarisierung-im-Digitalen-Zeitalter.pdf (abgerufen am 2.9.2022).

(3) Siehe: Stellungnahme zur Psychotherapie von Soldaten (verfügbar auf http://www.ngfp.de/2014/03/stellungnahme-zur-psychotherapie-von-soldaten) auf dem Symposium der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) „Trommeln für den Krieg“ am 8. März 2014 in der Freien Universität Berlin; sowie: Offener Brief des Vorstands der Neuen Gesellschaft für Psychologie an den Präsidenten der Bundespsychotherapeutenkammer (Ostern 2014): http://www.ngfp.de/2014/04/offener-brief-an-den-praesidenten-der-bundespsychotherapeutenkammer-vollstaendig (beide Links abgerufen am 4.9.2022).

(4) Peter Brückner (1967): „Ist der Mensch zum Frieden reif?“, S. 14. Wieder abgedruckt in: P. Brückner (1979): Über die Gewalt (Berlin Wagenbach), S. 11-22.

(5) Christopher Clark: Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, (Januar 2014 in 10. Auflage); Christopher Clark: The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914. Allen Lane, London 2012. Mehrere Auflagen. Taschenbuch Penguin Books (London 2013).

(6) Süddeutsche Zeitung (30.1.2014): Einmischen statt zurückhalten. Auf https://www.sueddeutsche.de/politik/steinmeier-ueber-deutsche-aussenpolitik-einmischen-statt-zurueckhalten-1.1875444 (abgerufen am 4.9.2022).

(7) Frankfurter Allgemeine (23.1.2014): Zeitraffer eines Jahrhunderts. Auf https://www.faz.net/aktuell/politik/der-erste-weltkrieg/herfried-muenkler-ueber-den-ersten-weltkrieg-zeitraffer-eines-jahrhunderts-12766254.html (abgerufen am 4.9.2022).

(8) junge Welt (25.2.2014): Wiederkehr der Herrlichkeit. Die Körber-Stiftung stößt Fenster auf – und läßt stickige Luft hinein. Sie prüft die alten und sucht neue Kriege. Eingeschränkt verfügbar auf https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/215881.wiederkehr-der-herrlichkeit.html (abgerufen am 4.9.2022).

(9) Seine Zeichnungen zu Célines Roman wurden 2014 im „Literarischen Colloquium“ am Wannsee ausgestellt.

(10) Frankfurter Allgemeine (5.3.2014): Ashton-Telefonat abgehört. Wer waren die Scharfschützen auf dem Majdan? Auf https://www.faz.net/aktuell/politik/ashton-telefonat-abgehoert-wer-waren-die-scharfschuetzen-auf-dem-majdan-12833560.html (abgerufen am 4.9.2022).

(11) „If class warfare is being waged in America, my class is clearly winning.“ Zitat aus dem Jahresbrief an die Investoren des Fonds „Berkshire Hathaway“ (2003, S. 7). Verfügbar als PDF auf https://www.berkshirehathaway.com/2003ar/2003ar.pdf;

„It’s class warfare, my class is winning, but they shouldn’t be.“ Zitat aus einem Interview mit Lou Dobbs für CNN (19. Juni 2005). Verfügbar auf http://edition.cnn.com/2005/US/05/10/buffett/index.html;

„There’s class warfare, all right, […] but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.“ Zitat aus einem Interview mit Ben Stein aus der New York Times (26. November 2006). Verfügbar auf https://www.nytimes.com/2006/11/26/business/yourmoney/26every.html?_r=0 (alle Links abgerufen am 4.9.2022).

(12) Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) war eine neonazistische Vereinigung in Deutschland, die um das Jahr 1999 herum aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven gebildet wurde. Die Haupttäter stammten aus Jena. Sie lebten ab 1998 untergetaucht in Chemnitz und Zwickau. Der NSU ermordete zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen, darunter neun Migranten. Die Gruppe verübte über 40 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Die Zahl der an den Taten tatsächlich Beteiligten ist ebenso umstritten wie die Zahl der Unterstützer. Es sollen bis zu 200 Personen gewesen sein. Neben Funktionsträgern rechtsextremer Parteien auch V-Leute, also Personen, die üblicherweise unmittelbar mit staatlichen Organen wie Zoll, Polizei oder Nachrichtendiensten in Kontakt stehen oder/und von diesen bezahlt werden.

(13) Der Freitag (23.1.2014): Hans-Ulrich Jörges – Der Über-Lanz. Auf https://www.freitag.de/autoren/aram-ockert/hans-ulrich-joerges-der-ueber-lanz (abgerufen am 4.9.2022).


Ein ruhender Mensch auf einem weißen Bett. (Foto: Ahmet Ali Agir, Unsplash.com)

Alles beginnt mit dem ersten mutigen Schritt!

Journalismus hat eine Zukunft, wenn er radikal neu gedacht wird: Redaktion und Leserschaft verschmelzen zu einem Block – der vierten Gewalt. Alles andere ist Propaganda.

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Psychologe und Psychoanalytiker bei Neue Gesellschaft für Psychologie | Webseite

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder (Jahrgang 1941) ist Psychoanalytiker, Psychologe, Hochschullehrer und Vorsitzender der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP). Er studierte unter anderem in Würzburg und Heidelberg Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaften und habilitierte 1982 mit der Arbeit „Psychologie ohne Bewusstsein: Die Geburt der behavioristischen Sozialtechnologie“. Seit Anfang der 1990er Jahre ist er an der Freien Universität Berlin tätig. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören 'Subjektivität und Postmoderne. Der Diskurs der Psychologie' (Suhrkamp 1993); 'Jugend. Psychologie einer Kultur' (Urban & Schwarzenberg 1984), 'Psychologie ohne Bewusstsein. Die Geburt der behavioristischen Sozialtechnologie' (Suhrkamp 1982) und 'Lüge und Selbsttäuschung' (Vandenhoeck & Ruprecht 2009).

Ein Gedanke zu “„Nicht zum Frieden, man muss zum Krieg planvoll erziehen“”

  1. Der Artikel ist immer noch „up to date“, besten Dank Klaus-Jürgen Bruder. Er erschien in dem Jahr als wir mit den Montagsmahnwachen, der Friedensbewegung 2.0, auf die Straße gegangen sind, 2014. Durch die Verbindung mit der impfkritischen Bewegung, ab 2020, ist eine große Demokratiebewegung entstanden. Momentan scheinen die Narrative, die (Märchen)Erzählungen der Altmedien und der Politik nicht mehr zu greifen. Wir scheinen vor einer zweiten Verzehnfachung zu stehen.

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