COP27 in Sharm El-Sheikh, WM in Katar

„Ginge das denen wirklich um das Weltklima, dann würden sie sich zunächst um den Frieden kümmern. Nichts belastet das Klima so sehr wie heiße Kriege. Und sieh dir an, wer überall mit Kriegshandlungen dabei ist, dann siehst du, dass sie alle Dreck am Stecken haben, weil sie immer noch glauben, mit Gewalt ihre Interessen durchsetzen zu können.

Pikanterweise sind diejenigen, die nirgendwo Krieg führen, die Chinesen. Und ausgerechnet die werden hier gerade als Hauptfeind Nummer Eins ausgemacht. Das ist doch nur noch krank!

Und jetzt sitzen sie wieder alle zu Tausenden in Ägypten und klopfen kluge Sprüche. Das, was dort zur Erhaltung der Ökologie beschlossen wird, ist ein Bruchteil von dem, was sie für das Militär herausballern. Im Westen wie im Osten. Und die ganze Öko-Bewegung ist bis heute noch nicht auf die Idee gekommen, dass da ein Zusammenhang besteht. Ich sag mal, frei nach Dante, wenn du diesen Planeten betrittst, lass alle Hoffnung fahren…“

Der Mann, der ziemlich genau die hier angeführten Worte von sich gab, stand vor Kurzem mit einer Tasse Kaffee an einem Stehtisch vor meiner Bäckerei.

Er gehöre, sagte er auf Nachfrage, keiner Partei an und er bezeichnete sich selbst als sachkundigen Bürger in puncto Politik. Widerspruch erntete er für seine Einlassungen übrigens nicht, eher Zustimmung von den Umstehenden. Es handelte sich um junge Mütter, die auf dem Weg von der KITA nach Hause waren, ein paar Handwerker, die eine kleine Pause machten und Rentner.

Der mentale Zaun und der Egozentrismus

Warum, so drängt sich die Frage auf, ist alles, was diejenigen berichten, die von Berufs wegen an der öffentlichen Meinung arbeiten, so weit von dem entfernt, was der Mann von sich gab? Und warum ist es so schwierig, auf diese Zusammenhänge zu kommen und dort mit einer richtungsweisenden Kritik anzusetzen? Die Antwort ist ganz einfach, aber sie liegt außerhalb des mentalen Zauns, den diese Gesellschaft seit langer Zeit umgibt.

Es ist nicht wie immer weder vermutet mangelnde Bildung oder Intelligenz, sondern es hängt ganz banal mit den Besitzverhältnissen und den Interessen zusammen.

Solange die Meinungsbildung in den Händen weniger liegt, die ihrerseits alimentiert werden von denjenigen, die ausschließlich nach ihrer persönlichen Reichtumsmehrung trachten, solange stellt niemand die Frage nach dem gesellschaftlichen Sinn eines militanten, destruktiven Egozentrismus.

Gesten der Betroffenheit in Sharm El-Sheikh

Wenn der Rubel … Entschuldigung, wenn der Dollar rollt, strahlen die Gesichter. Unter der Hand empfehlen die Auguren an den Börsen in Aktien der Waffenschmieden zu investieren. Oder, ein jetzt wegen der vor allem deutschen Energiepolitik erhärteter Tipp, schnell die lukrativen Scheinchen von ExxonMobil zu erwerben, weil die bald den großen Reibach mit den Flüssiggaslieferungen zum alten Kontinent machen. Gefracktes amerikanisches Gas, mit Unmengen Schiffsdiesel über den großen Teich transportiert, um dem russischen Gas den Garaus zu machen.

Und dieselben Personen, die für diese Entscheidungen die Verantwortung tragen, halten jetzt im synthetischen Öko-Dorf in Ägypten unter den Augen der Weltöffentlichkeit alarmierende Reden, gespickt mit Betroffenheitsgesten hinsichtlich der Entwicklung des Weltklimas.

Welche Bewegung nimmt sich noch ernst, die nicht an diesem Punkt ansetzt? Da müssten einige ausgeladen, am Reden gehindert und politisch bekämpft werden, anstatt sie zu hofieren, um ihnen einige Krumen ihrer Profite für das ideologische Versteckspiel zu entlocken, das den Zusammenhang zwischen individuellen Profiten und der Zerstörung des Gemeinwohls und der kollektiven menschlichen Existenz an sich verschleiert. Die COP27 in Sharm El-Sheikh (1) ist genauso skandalös wie die Fußball-WM in Katar (2).

Quellen und Anmerkungen

(1) Albawaba News (6.11.2022): COP27 kicks off in Egypt’s Sharm El-Sheikh. Auf https://www.albawaba.com/news/cop27-kicks-egypts-sharm-el-sheikh-1497590 (abgerufen am 11.11.2022).

(2) Businessinsider (11.11.2022): Lidl und Kaufland verramschen Fanartikel, Aldi verkauft keine: So gehen Supermärkte mit der umstrittenen Fußball-WM in Katar um. Auf https://www.businessinsider.de/wirtschaft/handel/fussball-wm-in-katar-kaum-aktionen-und-fanartikel-im-handel (abgerufen am 11.11.2022).


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Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen. Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen.

3 Gedanken zu “COP27 in Sharm El-Sheikh, WM in Katar”

  1. Von Gerhard Mersmann’s Beitrag in der „Neuen Debatte“ mit dem Titel „COP27 in Sharm El-Sheikh, WM in Katar“, beginnt so:

    „Ginge das denen wirklich um das Weltklima, dann würden sie sich zunächst um den Frieden kümmern. Nichts belastet das Klima so sehr wie heiße Kriege. Und sieh dir an, wer überall mit Kriegshandlungen dabei ist, dann siehst du, dass sie alle Dreck am Stecken haben, weil sie immer noch glauben, mit Gewalt ihre Interessen durchsetzen zu können.

    Hier dazu meine Meinung und meine Gedanken dazu:

    Immer häufiger werden Kriege geführt, um Interesse Einzelnen oder Interessen-Gemeinschaften zu genügen.

    Der Frage, ob ein Krieg wahrhaft notwendig oder nur eine willkommene Möglichkeit zur Durchsetzung der jeweiligen Interessen ist, ob er gerechtfertigt ist oder nicht, ob ein Krieg also ethisch begründet erforderlich oder ob er aus eben solchen Gründen abzulehnen ist, müssen Historiker nachgehen, wenn sie Kriege der Vergangenheit untersuchen.
    Die Frage warum dieser oder jener Krieg geführt wird, braucht heutzutage nicht mehr gestellt werden. Denn unsere Welt wird immer deutlicher von der allgemeinen Krise des Kapitalismus geprägt. Akut äußert sich diese dadurch, dass sie in kurzer Zeit aufeinanderfolgend in vielen Varianten erscheint, wie Wirtschafts- und Finanzkrisen, die Flüchtlingskrise, die Terrorkrise und so weiter. Das auf Sand gebaute Kartenhaus der neoliberalen Global-Player fällt zusammen. Die Bestien im Haifisch-Becken werden immer bösartiger. Aggressives Gegeneinander um geostrategische Einflusssphären, um Rohstoffe, Energiequellen, Absatzmärkte und billige Arbeitskräfte endet immer mit Zerstörung und Krieg.

  2. Das ist schlicht die Diskrepanz zwischen gut gemacht und gut gemeint. Selbst wenn ich nicht allen Beteiligten etwas Böses unterstellen möchte.
    Das ist, wie der Green Deal läuft. Man pumpt Geld von einem Reichen zum Nächsten und hofft, dass es Gutes bewirkt. Das ist genau der gleiche Bullshit, den nicht nur Thatcher mit der Tickle Down Katastrophe erst ausgelöst hat, in einem neuen Gewand.
    Es ändert an der Ursache nix.
    Der Natur ist es egal, wer wie viel Zaster hat. Wenn der Mensch sich nicht mehr anpassen kann, war es das für ihn, was vielleicht nicht das Schlechteste für den Planeten wäre. Monty Python fuhr schon mit dem Bentley zu Petrus, warum sollte man das nicht wiederholen? Es war doch so lustig.

  3. => „Ginge das denen wirklich um das Weltklima, dann würden sie sich zunächst um den Frieden kümmern. Nichts belastet das Klima so sehr wie heiße Kriege. Und sieh dir an, wer überall mit Kriegshandlungen dabei ist, dann siehst du, dass sie alle Dreck am Stecken haben, weil sie immer noch glauben, mit Gewalt ihre Interessen durchsetzen zu können.

    Pikanterweise sind diejenigen, die nirgendwo Krieg führen, die Chinesen. Und ausgerechnet die werden hier gerade als Hauptfeind Nummer Eins ausgemacht. Das ist doch nur noch krank!

    Und jetzt sitzen sie wieder alle zu Tausenden in Ägypten und klopfen kluge Sprüche. Das, was dort zur Erhaltung der Ökologie beschlossen wird, ist ein Bruchteil von dem, was sie für das Militär herausballern. Im Westen wie im Osten. Und die ganze Öko-Bewegung ist bis heute noch nicht auf die Idee gekommen, dass da ein Zusammenhang besteht. Ich sag mal, frei nach Dante, wenn du diesen Planeten betrittst, lass alle Hoffnung fahren…“ <=

    mehr gibts dazu nicht zu sagen, wir alle sitzen auf einem sogenannten "totenschiff" fest, das in der dünung des aufkommenden zukunfts-sturms bereits leckgeschlagen ist, und unsere "kapitäne" = die weltweiten eliten, werden alles tun, wirklich alles, ihre macht mit zähnen und klauen bis notfalls zum ganz großen "armageddon" zu verteidigen. jetzt ist zb anlass ukraine schonmal ganz platt ausgetestet worden, wie wir auf atomare drohung wohl reagieren, der nächste logische schritt wird sein, diese waffen probeweise auch mal irgendwo tatsächlich einzusetzen, da die schwelle jetzt gesenkt wurde, und wir werden wie immer staunend dabeistehen und nichtstunkönnen, wenn die weltweite oligarchie ihr spiel spielt.

    tatsächlich: "wenn du diesen planeten betrittst, lass alle hoffnung fahren" (spruch erinnert an b.traven "das totenschiff", wo es heißt "wenn du dieses schiff betrittst, lass alle hoffnung fahren")

    eines der grundprobleme ist, dass die elitenmischpoke heute weltweit agiert, "international", während sie uns brav in nationale gebilde eingehegt halten, sodass wir aufgrund des "macht+einflüsse-gefälles zwischen ihnen und uns (ganz nach der regel "teile und herrsche") automatisch immer den kürzeren ziehen müssen, was genau ständig der fall ist. (zb jetzt gerade, europa gegen rest-eurasien, russland + china + indien, ausspielen)

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