Die Chimären

In der griechischen Mythologie sind die Chimären vielköpfige Ungeheuer, brandgefährliche Mischwesen, die mal aus einer Ziege und einer Bestie zusammengefügt sind, mal aus Schlangen und Drachen. Hydra, das im Wasser lebende Scheusal mit dem tödlichen Hauch, zählt ebenso zu den Chimären wie der Höllenhund Zerberus, der „Dämon aus der Grube“. Echidna, die „Mutter aller Monster“, gründete die Sippe, indem sie mit Typhon, dem Sohn der Gaia, eine Tochter namens Chimaira erzeugte. So entstand der Sammelname für all die Satansbraten von Geschwistern.

Derlei Tierwesen stehen am Anfang der mythischen Schöpfung, – aber sie wecken keine angenehmen Gefühle.

Umso verwunderlicher, dass in der modernen Genetik ein derart negativ konnotierter Begriff wie „Chimäre“ einen Organismus bezeichnet, der aus genetisch unterschiedlichen Zellen besteht, aber dennoch ein einheitliches Individuum bildet. Ist das Gen-Material zudem synthetisch erzeugt, haben wir es mit einer Art Cyborg zu tun, einem „kybernetischen“ Körper, in den dauerhaft neben natürlichen auch künstliche Elemente eingeschraubt sind.

Mit SARS-CoV-2 als einem „chimärischen Virus“ befassen sich nun zwei jüngst veröffentlichte Papiere. Beide werfen auf radikal unterschiedliche Weise die Frage auf, ob künstlich veränderte Viren Waffen sein können.

Quelle Papier 1: Project Defuse – Defusing the Threat of Bat-Borne Coronaviruses (Dr. Peter Daszak; President EcoHealth Alliance); Contributed by Sharon Lerner (The Intercept).

Quelle Papier 2: Endonuclease fingerprint indicates a synthetic origin of SARS-CoV-2; Valentin Bruttel (Uniklinik Würzburg), Alex Washburne (Selva Analytics, Bozeman, Montana/USA), Antonius VanDongen (Duke University, Durham, North Carolina/USA).

Ich fürchte, nicht einmal der größte Kenner aller dystopischen Projekte, Mike Davis, hat sich, als er 2005 sein Buch „The Monster at Our Door – The Global Threat of Avian Flu“ veröffentlichte, vorstellen können, auf welche Weise sich „die Pandemieuhr Mitternacht nähert“. Er resümiert fünfzehn Jahre später, kurz vor seinem Tod:

„Die kapitalistische Globalisierung ist biologisch untragbar geworden.“

In jenem späten Text von 2020 geht es, gemessen an den jüngsten Einsichten, noch vergleichsweise harmlos um „Seuche und Profit“.

Nun ist eine nächste Runde in der Diskussion um die Herkunft des Virus eingeläutet. In ihr geht es um Seuche und Mord. Hat die Mutter aller Monster – diesmal zusammen mit Mars, dem Kriegsgott – ein neues Kind geboren?

Gen-Scherereien

In den letzten Tagen sind mir die zwei oben erwähnten Papiere zugegangen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben scheinen. Sie handeln zwar beide von Scherereien, mit denen wir alle, die Bewohner dieses Planeten, zu kämpfen haben, weil einige wenige „von uns“ mit der Genschere an Viren herumschnippeln, die sie durch Analabstriche aus dem Darmausgang von Fledermäusen extrahiert haben.

Doch das eine, schon zwei Jahre vor Ausbruch der Pandemie verfasste, aber erst 2021 in vollem Umfang geleakte Papier mit dem Titel „Project Defuse“ befürwortet das Experimentieren mit Viren und bemüht sich dazu um militärische Unterstützung, während das andere, Ende Oktober 2022 erschienene Papier über den vermutlich synthetischen Ursprung von SARS-CoV-2 die Folgen der Experimente analysiert.

Wenn solche Erfindungen zu Waffen werden, verschiebt sich das Schlachtfeld. Die französische Toxikologin Chantal Bismuth hat versucht, der Entwicklung mit einer neuen Klassifikation näher zu rücken. Sie spricht von „Angriffsmedikamenten“, von Technologien der „vierten Generation“. Sie meint damit, daß das Spektrum konventioneller Waffen … nunmehr dank Nano- und Biotechnologie fast beliebig erweiterbar ist. Während die (konventionellen und die nicht-tödlichen) Waffen mit dem Körper und dem Nervensystem interagieren und die gewünschten (Verhaltens-)Effekte durch die Anwendung mehr oder minder brachialer Gewaltanwendung erzielen, operieren die „biologischen Agenten“ der nächsten Generation erheblich sublimer. Indem sie sich – einmal abgeschossen – oft unbemerkt in den Körper einschleichen oder – wie bei vielen Psychopharmaka und modifizierten Nahrungsmitteln – sogar freiwillig eingenommen werden, erreichen sie ihren Kontrolleffekt oder ihre militärische Wirkung auf erheblich „feinere“ Weise.

– Olaf Arndt, Demonen, Hamburg 2005

Es heißt bekanntlich, man könne den Geist einer Gesellschaft recht gut an den Instrumenten erkennen, die sie zu ihrer Instandhaltung für geeignet oder unverzichtbar hält.

Was sagt es über den Zustand unserer gegenwärtigen Kultur aus, dass wir wesentliche Erkenntnisse zu ihrer Fortführung aus der Scheiße beziehen, die wir Fledermäusen aus dem Arsch popeln?

Entschuldigen Sie bitte die vulgäre Ausdrucksweise. Ich möchte damit lediglich erreichen, dass Sie sich so plastisch wie möglich vorstellen, aus genau welcher handwerklichen Tätigkeit mit zunehmender Wahrscheinlichkeit die Pandemie entsprungen ist.

Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung

Hier nun einige Details zu beiden Studien.

Der Grad der Komplexität der Elemente, die ich benötige, um diese für einen Laien hoch verwirrenden Projekte darzustellen, erfordert Ihre ganze Konzentration. Bitte lassen Sie sich nicht entmutigen durch den etwas schwer lesbaren ersten Teil. Ich bemühe mich um eine allgemein verständliche Auswertung. Dabei geht es mir zwar um eine Übersetzung des Inhaltes der Papiere in verständliche Alltagssprache, mich interessiert aber dabei stets die generelle Frage, welche Haltung sich für kritische Beobachter aus der Gemengelage von Fakten und politischen Finten notwendig ergibt.

Welche Erkenntnisse ziehen wir aus der Analyse solcher Papiere: über unsere Regierungen, unsere Wissenschaft und unsere Wirtschaft, ein apokalyptisches Trio, das unverdrossen fröhlich kooperiert, um endlich den Deckel von der Büchse der Pandora zu reißen?

Welche gesellschaftliche Grundkonstellation verhilft Projekten wie dem zur Herstellung von gefährlichen Chimären aus den Viren der Fledermaus-Fäzes zum glücklichen Abschluss? Wie interveniert ein heutiger Aktivist, um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen? Welche Mittel und Methoden benötigen wir künftig, wenn wir das hemmungslose Hantieren mit dem tödlichen Geschmeiß unterbinden wollen?

Grundvoraussetzung zur Mobilisierung der Widerstände gegen solchen Irrwitz ist Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung.

Weltuntergangsschalter

Bei „Project Defuse“ handelt es sich um die Beschreibung eines seit August 2019 abgeschlossenen Vorhabens der (angeblichen) NGO EcoHealth Alliance, Coronaviren umzuformen, um „unsere“ Streitkräfte zu schützen.

Das Papier ist bunt illustriert mit Soldaten und Fledermäusen und ursprünglich als Antrag an die militärische Avantgarde-Forschungseinrichtung des Pentagon DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) verfasst worden. DARPA hat eine Förderung abgelehnt, weil EcoHealth zu enge Verbindungen zum Wuhan Institute of Virology unterhält. Dennoch ist das Projekt offensichtlich durchgeführt worden. Eine Timeline findet sich hier.

Das Project-Defuse-Papier beweist angeblich laut der Forschergruppe D.R.A.S.T.I.C. (Decentralized Radical Autonomous Search Team Investigating COVID-19), dass EcoHealth Alliance in der Lage war, 180 „Virenstämme“ zu züchten und sie unter Kontrolle der chinesischen Regierung zu stellen. D.R.A.S.T.I.C. sammelt geleakte Informationen zur Covid-19-Pandemie und lässt sie von renommierten Wissenschaftlern auf ihre Plausibilität untersuchen.

Einer von diesen Experten ist Simon Wain-Hobson, ein britisch-französischer Mikrobiologe und Professor für Molekulare Retrovirologie am Pasteur Institute in Paris sowie Direktor des französischen HPV Reference Laboratory und Board Chairman (Vorstandsvorsitzender) der Foundation for Vaccine Research in Washington, D. C.

Zum Project Defuse sagt Wain-Hobson, dass ihm nicht deutlich wird, inwieweit der Projektvorschlag von EcoHealth verhindert, dass „bedenkliche Forschung mit doppeltem Verwendungszweck (DURC) oder Gain of Function (GOF)-Forschung vorliegt“.

Er meint mit „DURC“, dass durch die Art, wie EcoHealth das Projekt aufstellt, wahrlich nicht annähernd ausgeschlossen ist, dass eine doppelte, also auch eine militärische (für die Entwicklung von Biowaffen geeignete) Nutzung möglich sei, neben der zivilen Nutzung der Forschungsergebnisse zum Schutz der Menschen.

GOF hingegen bedeutet so etwas wie Funktionsgewinn-Zuwachs. GOF ist ein Bereich der medizinischen Forschung, der sich auf die serielle Passage von zum Beispiel Viren in vitro konzentriert sowie Mutationsprozesse beschleunigt. Für GOF-Projekte werden die Gene der Viren verändert. Dadurch erhalten sie eine höhere Pathogenität, Verbreitung oder größere Übertragbarkeit. Dies soll dem Schutz der Menschen dienen, ist aber höchst riskant.

Wain-Hobson geht in seiner Analyse des Defuse-Papiers noch einen Schritt weiter. Er stellt fest, dass aus virologischer Sicht mit diesem Vorhaben sicher kein Schutz der Menschen erreichbar ist, ganz im Gegenteil. Im Wortlaut heißt es:

„Die Autoren behaupten, dass ihre Arbeit nicht DURC/GOF ist. Zweifellos entspräche dies einer sehr strengen Definition der Kriterien. Ich würde aber aus den folgenden Gründen nicht zustimmen, dass dem so ist:

Sie arbeiten mit Fledermaus-CoVs, die auf menschlichen Zellen wachsen können oder Spike-Proteine besitzen, die eine Infektion menschlicher Zellen mit viralen Pseudotypen ermöglichen. Sie suchen sich von Anfang an pleiotropische Viren aus, also solche, die sich in Zellen von mehr als einer Tierart vermehren. Vielleicht gibt es keine anschließende Mensch-zu-Mensch-Übertragung dieser Viren. Aber das wissen sie nicht.

Die Behauptung, dass die Herstellung von Fledermaus-Chimären nicht DURC/GOF ist, weil die Ursprünge der einzelnen Segmente aus einer Fledermaus stammen, ist unaufrichtig oder bestenfalls vereinfachend.

Nicht die Herkunft der Fragmente ist wichtig, sondern der Phänotyp des Virus. Es geht nur um den Phänotyp. Sonst würde es nicht DURC heißen. Es würde kein C (für Concern/Bedenken) geben.

Ich bin sehr dafür, natürliche Viren zu untersuchen, aber die Herstellung von Chimären führt uns in den Bereich des Unnatürlichen. Während sicher einige Phänotypen abgeschwächt werden, könnten andere verstärkt werden. Die Autoren können das nicht wissen, bevor sie ihre Experimente durchführen. Das ist ihnen auch bewusst.

Aber da sie wissen, dass sie mit pleiotropischen Viren oder pleiotropischen Spike-Proteinen arbeiten, ist Vorsicht die oberste Pflicht bei der Forschung. Hinzu kommt, dass sie mit Mutationsmaschinen in Umgebungen arbeiten, in denen die Selektion aktiv ist.

Angesichts der Grundvoraussetzung, dass die Vorhersage eines (nächsten) pandemischen Virus nach aktuellem Forschungsstand vollständig unmöglich ist, warum wollen sie dann diese DURC/GOF-Arbeit durchführen?“

Wain-Hobson impliziert mit diesem letzten Satz, dass sich aus den von EcoHealth durchgeführten Experimenten sicher keinerlei Nutzen zur Abwendung künftiger Pandemien ziehen lässt, sodass das Vorhaben virologisch nur plausibel sei, wenn man eine genetische modifizierte Waffe aus dem Virus machen wolle. Er sagt konkret:

„Es besteht bei solchen Experimenten eine tödliche Anziehungskraft. Es wird alles unternommen, um hochpathogene Fledermaus-CoVs (BatCoVs) zu identifizieren. Soweit so gut. … Warum aber will man das Spike-Protein so verändern, dass es besser für die Infektion menschlicher Zellen geeignet ist? Proteaseschnittstellen, N-Glykosylierungs- und Rezeptorbindungsstellen – an allem wird herumgespielt.“

Wain-Hobson zieht folgenden Schluss:

„Chimären-Viren, wie sie im Rahmen des „Project Defuse“-Vorschlags hergestellt werden sollen, werden nicht natürlich sein, sodass jede Messung der Pathogenese in humanisierten Mäusen wenig Aussagekraft für den Effekt beim Menschen besitzt. Der Mäuseversuch ist diesbezüglich rein manipulativer Art. Mehr nicht.“

Wain-Hobson meint damit, dass das Experiment, also die Herstellung einer viralen Chimäre, suggerieren solle, es nütze dem Menschen. Aber er hält dies aus fachlicher Sicht für grob fahrlässig. Er schließt seine Bewertung mit einem Zitat:

„Terry Pratchett hat die Schatten von Prometheus oder Ikarus in zeitgenössischer Sprache eingefangen: Manche Menschen würden alles tun, um zu sehen, ob es möglich ist, es zu tun. Wenn man irgendwo in einer Höhle einen großen Schalter anbringen würde, auf dem ein Schild mit der Aufschrift „Weltuntergangsschalter. BITTE NICHT BERÜHREN“ klebt, hätte die Farbe nicht einmal Zeit zum Trocknen.“

Wain-Hobson bemerkt zudem, dass er der Meinung sei, wir wären nicht hier, um die Welt in einen noch gefährlicheren Ort zu verwandeln.

Infektiöse Klone

Das zweite Papier kommt erheblich trockener und unaufgeregter daher. Es fasst die Analyse des für die Pandemie verantwortlichen Virus durch deutsche und amerikanische Forscher zusammen. Es erschien am 20. Oktober 2022 und trägt den vielsagenden Titel Endonuklease-Fingerprint deutet auf synthetischen Ursprung von SARS-CoV-2 hin“.

Die Frage nach einem möglicherweise künstlichen Ursprung des Virus beschäftigt in jüngster Zeit vermehrt die Forscher. Hier nur zwei Beispiele: The Intercept und ein weiteres Dokument von Drasticresearch. In der Zusammenfassung eingangs des deutsch-amerikanischen Forschungspapiers heißt es bereits unmissverständlich:

„Um künftige Pandemien zu verhindern, ist es wichtig, dass wir verstehen, ob SARS-CoV-2 direkt von Tieren auf Menschen übergegangen ist oder indirekt durch einen Laborunfall. Das Genom von SARS-CoV-2 enthält ein eigenartiges Muster einzigartiger Restriktionsendonuklease-Erkennungsstellen, die einen effizienten Abbau und Wiederzusammenbau des viralen Genoms ermöglichen, wie er für synthetische Viren charakteristisch ist.

Hier berichten wir über die Wahrscheinlichkeit, ein solches Muster bei Coronaviren zu beobachten, bei denen kein Bio-Engineering stattgefunden hat. Wir stellen fest, dass SARS-CoV-2 eine Anomalie darstellt und eher ein Produkt der synthetischen Genom-Assemblierung als der natürlichen Evolution ist.

Die Restriktionskarte von SARS-CoV-2 stimmt mit vielen zuvor gemeldeten synthetischen Coronavirus-Genomen überein, erfüllt alle Kriterien, die für ein effizientes reverses genetisches System erforderlich sind, unterscheidet sich von seinen nächsten Verwandten durch eine deutlich höhere Rate an synonymen Mutationen in diesen synthetisch aussehenden Erkennungsstellen und hat einen synthetischen Fingerabdruck, der sich wahrscheinlich nicht aus seinen nahen Verwandten entwickelt hat.

Wir stellen fest, dass SARS-CoV-2 mit hoher Wahrscheinlichkeit als infektiöser Klon entstanden ist, der in vitro zusammengesetzt wurde.“

Bitte lesen Sie den vorletzten Satz sehr genau: Er bedeutet meines Erachtens – insbesondere wenn man es mit Projekt Defuse im Hinterkopf liest, – dass die synthetisch eingefügten Elemente für die Mutation verantwortlich sind, so dass man eine Art Cyborg-Virus erhält, dessen natürlicher Teil extrem tödlich sein könnte, wenn man dafür zum Beispiel die RNA der chinesischen Höhlen-Fledermäuse nähme, während die künstlich erzeugten Abschnitte verhindern, dass dagegen erfolgreich geimpft werden kann.

Das deutsch-amerikanische Forscherteam schließt die Studie mit der Einsicht:

„Das Verständnis des Ursprungs von SARS-CoV-2 kann die Politik und die Forschungsfinanzierung zur Verhinderung der nächsten Pandemie beeinflussen. Der wahrscheinliche Laborursprung, auf den unsere Ergebnisse hindeuten, motiviert zu Verbesserungen in der globalen Biosicherheit. Angesichts der Fortschritte in der Biotechnologie und der geringen Kosten für die Herstellung infektiöser Klone besteht ein dringender Bedarf an Transparenz bei der Coronavirus-Forschung vor COVID-19 und an einer weltweiten Koordinierung der biologischen Sicherheit, um die Risiken einer unbeabsichtigten Entweichung infektiöser Klone aus dem Labor zu verringern.“

Wozu Cyborg-Viren?

Schritt für Schritt wird uns deutlicher: Es gibt keine Nische mehr. Kein Entrinnen. Der Griff aus dem Dunkeln hält uns bereits fest am Kragen. Wie gehen wir damit um? Um das beantworten zu können, sollten wir zunächst einmal die Motive der Entwickler verstehen. Wozu könnte trotz bekannter Gefahren die Entwicklung eines Cyborg-Virus dienen?

Wenn wir BatCoVs wie beschrieben als Waffe verstehen, hängt von der Geheimhaltung ihrer Zusammensetzung ihre Effizienz ab. Vielleicht ist es wie bei einem Lizenz-Geschäft: Der Entwickler der synthetischen Anteile hätte als einziger die Formel in der Hand, um das Cyborg-Virus als Waffe einzusetzen, ohne dadurch die eigenen Soldaten zu gefährden. Dieses Wissen wird er unter keinen Umständen freiwillig teilen wollen, jedenfalls nicht, solange der Cyborg eine militärische Effizienz besitzt.

Das wäre hoch problematisch.

Erinnern wir uns an die Einleitung eines unbekannten Gases (damals, im Oktober 2002) in das von tschetschenischen Selbstmordattentätern besetzte Moskauer Musical-Theater „Dubrovka“. Die russischen Geheimdienstkräfte, die den Einsatz zur Beendigung der Geiselnahme durchführten, waren mit einem Gegenmittel und Gasmasken gegen die Wirkung des Giftes geschützt. Erst als sie alle Tschetschenen erschossen hatten, ging es an den Abtransport der mehr als 700 Geiseln.

Draußen warteten bereits Hunderte von Krankenwagen. Aber die vom Gas schwer verletzten Theaterbesucher hätten sich nur retten oder überhaupt behandeln lassen, wenn die Zusammensetzung des Gases und Gegenmittel bekannt gewesen wären. Die Einsatzleitung aber weigerte sich, den Krankenhäusern und Ärzten die Formel herauszugeben. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB (Federalnaja sluschba besopasnosti Rossijskoi Federazii) fürchtete, dass wenn die Zusammensetzung dieses Kampfstoffes einmal bekannt wäre, er nie wieder effizient eingesetzt werden könne.

Über hundert Tote hätten vermieden werden können. Viele Überlebende fielen ins Koma, manche bleiben lebenslang geschädigt durch schwere Hirnläsionen.

Womöglich befinden wir uns heute in einer ähnlichen Patt-Situation.

Unsere Impfstoffe helfen nicht, denn die Formel der artifiziellen Strangabschnitte und wie man aus ihrer genauen Kenntnis ein wirksames Gegenmittel destilliert, könnte ein militärisches Geheimnis sein. Wenn aber SARS-CoV-2 gebaut und eigenmächtig entfleucht wäre, warum haben wir dann nicht mehr über seine Wirkung und eine erfolgreiche Methode der Bekämpfung in der Hand? Vielleicht, weil dieses Staatsgeheimnis hochgradig geschützt ist?

Warum, wenn all das „Spökenkrams“ wäre, gibt es „ein eigenartiges Muster einzigartiger Restriktionsendonuklease-Erkennungsstellen“, ohne dass an der RNA des Virus herumgeschraubt bzw. ge-Crispr-t worden wäre – eine Einsicht, aus der ich ableite, dass die Autoren damit meinen, es sei äußerst ungewöhnlich, solche Erkennungsstellen „bei Coronaviren zu finden, an denen kein Bio-Engineering stattgefunden hat“.

Die Frage lautet: Wer profitiert von der Pandemie?

Gen-Taxi

Mir fällt an dieser Stelle ein Witz ein, der ganz zu Anfang der Corona-Zeit mein Nachdenken über den Ursprung der Pandemie und vor allem über den Hintergrund der global konzertierten Maßnahmen am stärksten befeuert hat.

Als wir am 15. März 2020 mit Motorschaden kurz vor der flugs entlang des Rheins eingerichteten Zonengrenze mit Blick auf das deutsche Ufer, an dem Bundespolizei patrouillierte, hängen blieben, sagte der französische Abschleppwagen-Fahrer mit Bezug auf das am nächsten Tag beginnende erste Confinement (Ausgangssperre):

„Das haben die da oben doch im Labor entwickeln lassen, damit alle Alten sterben und sie weniger Pensionen bezahlen müssen.“

Wir lachten und luden unser havariertes Fahrzeug auf. Die absurde Idee jedoch steckte in meinem Gehirn fest, sodass ich, nachdem das Auto wieder flott war und wir zu Hause angekommen waren, im Juni 2020 Prof. Dr. Boris Fehse, Forscher am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, einem bundesweit beachteten Leuchtturm der Forschung, interviewte. Fehse ist wissenschaftlicher Laborleiter im Zentrum für Onkologie in der Interdisziplinären Klinik und Poliklinik für Stammzelltransplantation.

In dem Gespräch ging es um den Einsatz von (Lenti-)Viren als „Vektoren“ in der genetischen Medizin, also um technische Verfahren des Gentransfers in menschliche Zellen hinein, mit dem Ziel, hier durch individuell zugeschnittene „Gaben“ sehr seltene Krankheiten behandeln zu können, gegen die es bislang keine Remedien gibt. Zum Einschleusen des genetischen Wirkstoffs in den Patientenkörper werden Viren zu sogenannten Gen-Taxis umgebaut, also zu Transportern des „Medikamentes“ in die menschliche Zelle.

Wir haben im Verlauf des Interviews auch über die Möglichkeit gesprochen, Corona als einen solchen Transporter zu nutzen. Fehse schloss dies 2020 kategorisch aus: wegen der kurzen Zerfallszeit von Coronaviren. Das Basteln an Gentransfer-Vektoren für die genetische Medizin schien also die Pandemie nicht ausgelöst zu haben. Trotzdem quälte mich die Frage:

Wenn unsere Regierungen wirklich nichts über das Virus wüssten, was sie uns lieber verheimlichen möchten und das Ding in Wahrheit total harmlos ist: Wozu dann der ganze Aufriss mit Lockdown, Confinement, Kontaktsperre? Nur um die Wirtschaft in unübersehbarem Ausmaß zu schädigen, damit sie auf Null kommt und danach wieder fantastische Zuwachsraten verzeichnet?

Das wäre doch ganz eigentlich eine Verschwörungstheorie, viel hanebüchener als die recht begründete Annahme, dass mal was schiefgehen kann, wenn man an Viren rumfummelt, um sie zu Transportern für Heilmittel umzubauen oder als Waffen einzusetzen. Wenn die Regierungen aber wussten, wie gefährlich das umgebaute Virus ist und wie schnell es sich ausbreitet, dann macht die globale Orchestrierung wieder Sinn.

Wie ließen sich diese Fragen beantworten, wenn das Virus „natürlichen“ Ursprungs wäre?

Nun, dann wäre die Erfolglosigkeit, Schutz vor Infektion durch eine internationale Impfkampagne zu gewährleisten, ebenso eine Bankrott-Erklärung für die moderne Medizin, wie es beunruhigen müsste, dass die geballte Hi-Tech-gestützte Intelligenz der Epidemiologen uns in zwei langen Jahren noch kaum einen Schritt vorangebracht hat in Sachen Eindämmung der nächsten Welle der Virus-Verbreitung.

Sie sehen, der Abschleppwagenfahrer hatte mir erfolgreich einen Ohrwurm ins Gehirn geblasen. Immer rotierte in mir das Wort Labor, Labor, Labor … Immer wenn ich hörte, die Sache sei vom niedlichen Pangolin oder einer flatternden Fledermaus direkt auf den Menschen übergesprungen, musste ich unwillkürlich lachen. Nur das Labor erklärte mir, warum alle Regierungen gleichzeitig auf die gleiche drastische Art reagierten. Ich dachte, wenn die Sache so gefährlich ist, dass wir alle wirklich Angst haben müssen, dann ist sie sicher einem Labor entsprungen.

Glaubwürdigkeitsprüfung

Wenden wir uns nach all den Spekulationen kurz einer Bewertung der Dokumente hinsichtlich ihrer vermutlichen „Echtheit“ zu. Denn nur, wenn wir darüber am Ende sicher sind, hat sich der Aufwand der Beschäftigung gelohnt.

Die Papiere tragen beide ausführliche Autorenangaben und benennen die Forschungsinstitute, an denen die Arbeit ausgeführt wurde. Sie sind auf bekannten Seiten im weltweiten Netz veröffentlicht – und nicht nur im Darknet zugänglich. Die Experten, die ich zitiere, haben sich mit dem Stoff sorgfältig befasst. Es handelt sich daher meines Erachtens um Dokumente, an deren Echtheit zu zweifeln ich erst einmal keinen Anlass habe.

Darüber hinaus zweifele ich nicht etwa deswegen die Echtheit nicht an, weil ich über ausreichende Sachkenntnis in Biotechnologie oder Virologie verfüge, um zu beurteilen, ob das, was darin steht, unanfechtbar ist, sondern aufgrund einer einfachen Verhältnismäßigkeitsüberlegung zweifle ich nicht an, was ich darin lese:

Warum sollten sämtliche Dokumente, die „beweisen“, dass der Staat die virologische Situation im Griff hat, echt sein, während alle Autoren, die daran zweifeln und dafür sogar Nachweise anführen, angeblich mit gefälschten Nachweisen arbeiten?

Welcher paranoide Grafik-Designer, der für den Text-Teil einen Freund bemüht hat, der hochrangiger Mikrobiologe oder Gen-Ingenieur ist, sollte sich die Mühe machen, 75 Seiten Projektpapiere zu fälschen und zu welchem Zweck? Solche Annahmen würden – ihrer Struktur nach selbst Verschwörungstheorie – meines Erachtens auf einer völligen Überschätzung der Leistungsfähigkeit verschwörungstheoretisch veranlagter Spinner basieren.

Nun gut, der rechtsradikale Killer Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 in Norwegen einen Bombenanschlag vor einem Osloer Regierungsgebäude und einen Massenmord an linken Jugendlichen und ihren Betreuern auf der Insel Utøja verübte und sich laut deutschem Verfassungsschutzbericht 2016 dafür „nahezu isoliert selbst radikalisierte“, hat 1500 Seiten publiziert, die sich exakt lesen wir ein Papier, das man dem DARPA zur Förderung vorlegt. Auch diese lesen sich oft wie rassistische Pamphlete, wenn es zum Beispiel um das „schwule Gen“ oder ethnien-spezifische Waffen geht.

Breiviks Manifest „2083 – A European Declaration of Independence“ ist auch kein wissenschaftlicher Projekt-Aufriss, sondern ein Pamphlet voll überbordender Meinungen von krankhaftem Charakter. Dennoch sind die angehängten „Beweise“ (wissenschaftliche Studien, die er anführt, als Beleg dafür, warum Europa Islam-frei gemacht werden müsse) nicht an einer Stelle gefälscht, sondern schlicht und ergreifend vom Autor missbraucht worden.

Echt ist dieses Manifest im doppelten Sinn: als Abbild einer kranken Fantasie (hierin den EcoHealth-Autoren recht ähnlich) und dadurch, dass Breivik seinen Vernichtungsfeldzug sofort nach der Veröffentlichung angetreten hat (so, wie sich EcoHealth chinesische Partner suchte, um loszulegen, auch wenn das DARPA zunächst nicht mitziehen mochte).

Ich benutze diesen vielleicht für manchen Leser unzulässig klingenden Vergleich zwischen Forscher und Terrorist, um den Grad der Kriminalität der Vorhaben zu zeigen.

Atmen wir aus – Puls runterbringen!

Nun gut, Anfang der Nuller-Jahre herrschte die Meinung, die in schneller Folge auf dem Markt kommenden, immer abenteuerlicheren DARPA-Projektpapiere über neuartige biotechnologische Waffen zur gezielten Ausschaltung bestimmter Ethnien oder Bevölkerungsgruppen dienten einzig und allein dazu, die gesamte intellektuelle Energie der kritischen Intelligenz zu binden: durch nervöse Lektüre.

Man beabsichtige in Wirklichkeit seitens des Pentagons in keiner Form auch nur irgendetwas davon durchzuführen. Das DARPA sei mehr eine Propaganda als eine Forschungseinrichtung. Ihre Papiere sollten Angst von den „globalen Bedrohungen“ schüren und dadurch jede beliebige Gegenmaßnahme akzeptabel erscheinen lassen.

Warum, wenn das alles nur wissenschaftliche Poesie ohne Nutzwert und Anwendungsfall ist, fährt dann im Herbst 2019 eine Gruppe Mitarbeiter des Pentagon-Biowaffen-Forschungszentrums Fort Detrick zu den „Military World Games“ nach Wuhan, genau zum Zeitpunkt der Schließung ihrer Einrichtung durch die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und exakt im Monat der Beendigung des „project defuse“ und wenige Tage vor Event 201, der Pandemiesimulation?

Sind alle gesund zurückgekommen? War damals nicht von einem der Militär-Athleten die Rede als „Patient 0“?

Wie man es auch dreht und wendet, es bleibt Klärungsbedarf für die vorliegenden Widersprüche.

Störung der Harmonie

Interessant liest sich in diesem Zusammenhang die in der englischen Wikipedia publizierte Diskussion um die Labor-Leck-Hypothese (COVID-19 lab leak theory).

Ich fasse zusammen:

Laut Paul Thacker (der für das British Medical Journal schreibt) sagen einige Wissenschaftler und Reporter, dass „eine objektive Betrachtung des Ursprungs von COVID-19 schon früh in der Pandemie fehl lief, als Forscher, die für die Untersuchung von Viren mit Pandemiepotenzial finanziert wurden, eine Kampagne starteten, in der die Labor-Leck-Hypothese als ‚Verschwörungstheorie‘ bezeichnet wurde“.

Im Februar 2020 wurde in The Lancet ein Brief veröffentlicht, der von einer Gruppe aus 27 Wissenschaftlern verfasst wurde – unter der Leitung von Peter Daszak (Forschungsleiter EcoHealth Alliance und Verfasser des Defuse-Papiers). Der Brief brandmarkt wiederum die Verfechter der Labor-Leck-Hypothese als Verschwörungstheoretiker.

Kurze Zeit später zeigte sich, dass Peter Daszak seine Verbindungen zum Wuhan Institute of Virology nicht offengelegt hatte. In der Folge veröffentlichte The Lancet daher einen Nachtrag, in dem Daszak seine Zusammenarbeit mit chinesischen Forschern im Detail auflistete.

Die norwegische Sozialwissenschaftlerin Filippa Lentzos schreibt, einige Wissenschaftler hätten aufgrund der Lancet-Veröffentlichung „die Reihen geschlossen“, da sie um ihre Karrieren und Stipendien fürchteten. Der Autor, Investor und US-Regierungsberater Jamie Metzl kritisierte den Brief als „wissenschaftliche Propaganda und Schlägerei“ und die investigative Journalistin Katherine Eban spricht von „abschreckender Wirkung“ auf die wissenschaftliche Forschung und die wissenschaftliche Gemeinschaft, da er impliziere, dass Wissenschaftler, die „die Labor-Leck-Hypothese zur Sprache bringen, … die Arbeit von Verschwörungstheoretikern verrichten“.

Anfang 2020 schickten Wissenschaftler wie der Direktor des Wellcome Trust, Jeremy Farrar, der Immunologe Kristian G. Andersen und der Virologe Robert F. Garry diverse E-Mails an den „amerikanischen Drosten“, Anthony Fauci – in seiner Funktion als Chief Medical Advisor to the President – in denen sie Fragen zur Labor-Leck-Theorie stellten und den Verdacht äußerten, dass einige Beweise dafür sprächen.

Faucis Antworten warfen weitere Fragen auf: unter anderem berichtete einer der Wissenschaftler gegenüber The Intercept, er wäre vom US-National-Health-Institute aufgefordert worden, die Herkunft von SARS-CoV2 aus einem Labor nicht zu erwähnen, da dies „die Verschwörungstheoretiker nur weiter anheizen würde“. In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass Fauci im Oktober 2021 zugegeben hat, riskante Virusforschung in Wuhan finanziell zu unterstützen.

Der zu diesem Zeitpunkt amtierende Direktor des National Institute of Health, Francis Collins (seit Februar 2022 kommissarischer Wissenschaftsberater des Präsidenten im Kabinett Biden), war damals sehr besorgt darum, dass die Diskussion um die Labor-Leck-Hypothese die „internationale Harmonie“ beschädigen könne.

Man sieht, wie so ein Stoff, eine ernste existenzielle Frage, gouvernmental bearbeitet wird, bis er vom Tisch ist – oder uns alle überwältigt. Letzteres legt Alina Chan nahe, eine am „Broad Institute of MIT and Harvard“ tätige Molekularbiologin und Mitautorin des Buches „Viral – The Search for the Origin of COVID-19“ (Deutsch: Viral – Die Suche nach dem Ursprung von Covid-19), wenn sie sagt:

„Die Schwelle ist überschritten.“

Auch Martin Wikelski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Konstanz und Radolfzell, dessen Arbeit zu Fledermäusen und anderen Tieren ohne sein Wissen in dem Defuse-Antrag erwähnt wurde, sagt nun ebenfalls, dass er seit der Lektüre des Papiers offener für die Idee sei, dass die Pandemie ihre Wurzeln in einem Labor haben könnte. „Die Informationen in dem Antrag haben meine Meinung über einen möglichen Ursprung von SARS-CoV-2 sicherlich geändert“, sagte Wikelski gegenüber The Intercept. „In der Tat ist eine mögliche Übertragungskette jetzt logisch konsistent – was sie nicht war, bevor ich den Vorschlag las.“

Konformitätsprüfung

Wenn wir nun davon ausgehen, dass die Papiere echt sind in dem Sinne, dass die Autoren, die im Kopf des Papieres erwähnt sind, für die dort angegebenen Institutionen arbeiten und diesen Text geschrieben haben, können wir dennoch ins Zweifeln kommen, weil wir nach zwei Jahren medialem Dauerfeuer schon hören, wie „Correktiv“ und all die anderen Faktenchecker dies bewerten würden.

Sie würden sagen:

Na klar sind die Papiere echt, aber das ist ja gerade das Gefährliche daran, denn es steht nur Unsinn drin. Guckt mal genau hin, würden die Faktenchecker sagen, das Project Defuse ist ja gar gar nicht durchgeführt worden, zumindest fehlt eine belastbare Quelle, denn es ist ja nur ein Projekt-Vorschlag von EcoHealth.

Und das andere Papier über den synthetischen Ursprung des Virus, so würden es die Faktenchecker sehen, ist nur teilweise richtig, denn es behauptet bestimmte Dinge ganz anders, als die von uns, den Faktencheckern, bevorzugten staatlich abgesegneten Quellen, die eine Zoonose als gesichert annehmen.

So wird ja heutzutage „belegt“, was richtig ist: durch massives Verbreiten von Gegenstimmen – und durch gut bezahlte Konformitätsprüfung.

Tja, ist das nun eine Meinung oder ein Beweis, was die Faktenchecker anführen? Warum ist es überhaupt wichtig, sich darüber klar zu werden?

Weil wir nur dann verstehen, welche Ungeheuerlichkeit sich auf gesellschaftlicher Ebene mit den Chimären verbindet: Sie vernichten nicht nur Millionen Infizierter, sie zerstören auch Wahrheit, Solidarität, Vertrauen und den gesunden Menschenverstand. Sie unterminieren das Fundament der Zivilisation.

Und das ist uns egal?

Möchten wir die Zoonose und die Sache mit Pangolin und Fledermaus vielleicht nur deswegen gern glauben, weil wir etwas anderes nicht wahrhaben wollen, – weil es gar zu erschreckend ist?

Oder anders gesagt:

Wenn wir zwei wissenschaftliche Meinungen gegeneinanderstehen sehen und nicht über genügend eigenen Sachverstand verfügen, eine Plausibilitätseinschätzung vorzunehmen, können wir trotzdem fragen: Warum sollte es wahrscheinlich sein, dass ein exotisches Tierchen vom Wildtiermarkt aus Wuhan Milliarden Menschen infiziert, wenn direkt neben dem Wildtiermarkt die zentrale Einrichtung Chinas für Virologie steht und drum herum angelagert einige Dutzend kleinere Labore, in die internationale Risikokapitalanleger Hunderte Millionen investieren, um unter den bekannten, halbwegs katastrophalen Sicherheitsvorkehrungen eine Art gentechnisches Roulette zu spielen?

Wissen, was wirklich los ist, werden wir erst, wenn die Chimären längst den Laden übernommen haben.

Redaktioneller Hinweis: Die Analyse „Die Chimären“ wurde am 15. November 2022 erstmals auf der Webseite von Olaf Arndt (https://olaf.bbm.de) publiziert und Neue Debatte vom Autor zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Zur besseren Lesbarkeit im Netz wurden einzelne Absätze hervorgehoben.


Ein ruhender Mensch auf einem weißen Bett. (Foto: Ahmet Ali Agir, Unsplash.com)

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Journalismus hat eine Zukunft, wenn er radikal neu gedacht wird: Redaktion und Leserschaft verschmelzen zu einem Block – der vierten Gewalt. Alles andere ist Propaganda.

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Autor, Künstler und Kurator | Webseite

Olaf Arndt arbeitet als Künstler, Kurator und Autor. 1989 gründete er in Berlin die Künstlergruppe BBM (Beobachter der Bediener von Maschinen) und beschäftigt sich seither in seinen Performances, Ausstellungen und Texten mit dem Thema Gewalt. 2005 erschien sein Sachbuch "Dämonen – Zur Mythologie der Inneren Sicherheit". Seit 2012 betreibt Arndt in der Prignitz am Ufer der Elbe eine praxisorientierte Denkfabrik. Es finden dort regelmäßig Kunst-Ausstellungen, Konferenz- und Vortragsveranstaltungen zu aktuellen Themen wie Finanzkapital, Rechtspopulismus und industrielle Landwirtschaft statt. Unter anderem erschienen von Olaf Arndt die Werke "Supramarkt – 25 Essays zur Bewältigung der globalen Krisen" (2015) sowie 2017 "Enquete BBM", eine 500-seitige Fotodokumentation, und 2020 der Roman "Unterdeutschland".

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