Anarchismus

Die Utopie des Anarchismus, die die Freiheit des Individuums betont, aber auch soziale Gleichheit anstrebt, lebt und findet sich immer häufiger in der öffentlichen Debatte.

Ist eine Gesellschaft möglich, in der es kein oben und unten gibt? In der niemand ein Herr und niemand ein Knecht ist? Wo der Klassenbegriff sich auflöst und nur noch der Mensch zählt? Warum nicht?

Im 16. Jahrhundert wird kaum einer daran geglaubt haben, dass eine Gesellschaft ohne Königshäuser und Adel existieren könne. Heute sind diese priviligierten Schichten, die auf Kosten der Bevölkerung lebten, weitesgehend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

An die Stelle der Könige und Kaiser rückte das Kapital. Die Struktur aus Herrschaft und Ausbeutung blieb somit erhalten und überdauerte die Jahrhunderte. Die Industrialisierung brachte den Arbeiter hervor und das Bewusstsein für den Klassenkampf. Anarchistische Vorstellungen über eine Gesellschaft ohne Herrschaft und Ausbeutung sind eng mit der Geschichte der Arbeiterbewegung verbunden.

Anfang des 20. Jahrhunderts mobilisierten die Ideen der anarchistischen Bewegungen die Massen. In den 1920er-Jahren beteiligten sich in Deutschland weit über 100.000 Menschen an der anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsbewegung. Der Aufsteig des Nationalsozialismus wurde nicht verhindert und die letzten anarchistischen Zellen 1937 zerschlagen.

Anarcho-sozialistische Gesellschaft in Spanien

In Spanien erlebte der Anarchismus seinen vorläufigen Höhepunkt. 1936 organisierten sich 1,5 Millionen Menschen in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT und bauten basierend auf den Prinzipien von Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Solidarität nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs in Teilen des Landes eine anarcho-sozialistische Gesellschaft auf.

Bis 1937 wurde fast die gesamte katalanische Agrarproduktion, die Schwerindustrie, das öffentliche Verkehrssystem und weite Teile des Dienstleistungs­sektors von den Arbeitenden selbstverwaltet. In einigen Wirtschaftszweigen wie der Schwerindustrie oder der Agrarproduktion konnten dabei zum Teil starke Produktionssteigerungen erzielt werden. Dadurch wurde erstmals in der Geschichte Kataloniens die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln sichergestellt.

Diese selbstverwaltete Wirtschaft wurde noch während des Bürgerkriegs zunächst von den stalinistischen Anhängern der Kommunistischen Partei Spaniens und später unter der faschistischen Diktatur Francos zerschlagen.

Anarchosyndikalismus heute

Und heute? Der Begriff Anarchismus wurde von den herrschenden Eliten negativ besetzt. Natürlich: Welcher Herrscher gibt schon gerne seine Herrschaft auf, die ihm doch unglaubliche Vorteile einräumt. Mit der 68er-Revolte kehrten anarchistische Vorstellungen ins Bewusstsein zurück und der Anarchosyndikalismus gewann an Bedeutung. Die Utopie des Anarchismus, die die Freiheit des Individuums betont, aber auch soziale Gleichheit anstrebt, lebt und findet sich immer häufiger in der öffentlichen Debatte.


Mit Material von unserem Kooperationspartner Anarchia Versand.

Foto: Sasin Tipchai (pixabay.com) – Creative Commons CC0